17/05/2021
In der modernen Büroorganisation und insbesondere im Bereich der kaufmännischen Verwaltung spielt Software eine entscheidende Rolle. Wenn es um professionelle Buchhaltung, Lohnabrechnung oder Steuererklärungen in Deutschland geht, führt kaum ein Weg an DATEV vorbei. DATEV ist nicht nur ein Softwareanbieter, sondern ein genossenschaftlicher Verbund, der sich primär an Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte richtet, aber auch Lösungen für deren Mandanten – also Unternehmen – anbietet. Die Welt von DATEV ist modular aufgebaut. Das bedeutet, es gibt nicht ein einziges DATEV-Programm, sondern eine Vielzahl spezialisierter Anwendungen, die je nach Bedarf kombiniert werden können.

Diese modulare Struktur ermöglicht es Kanzleien und Unternehmen, genau die Funktionen zu nutzen, die sie benötigen, von der einfachen Belegerfassung bis hin zur komplexen Konzernrechnung oder Personalwirtschaft. Die Auswahl und Konfiguration der richtigen Module kann jedoch komplex sein und wirft oft Fragen auf, insbesondere bei Unternehmen, die DATEV nutzen möchten oder müssen, oft in Zusammenarbeit mit ihrem Steuerberater.
Was genau sind DATEV-Module?
Stellen Sie sich DATEV als einen großen Werkzeugkasten vor. Jedes Werkzeug in diesem Kasten ist ein Modul, das für eine spezifische Aufgabe konzipiert ist. Anstatt einen riesigen, unübersichtlichen Universalhammer zu haben, gibt es spezialisierte Werkzeuge für verschiedene Nägel, Schrauben oder Sägearbeiten. So sind auch die DATEV-Module aufgebaut: Es gibt separate Programme oder Funktionsbereiche für Finanzbuchhaltung, Lohnabrechnung, Anlagenbuchführung, Kostenrechnung, Steuererklärungen und viele weitere Bereiche.
Der Vorteil dieses modularen Aufbaus liegt in der Flexibilität. Eine kleine Kanzlei benötigt vielleicht nur die Kernmodule für Buchhaltung und Steuern, während ein größeres Unternehmen mit vielen Mitarbeitern Module für Lohn und Gehalt, Personalmanagement und vielleicht auch eine integrierte Kostenrechnung benötigt. Die Module sind so konzipiert, dass sie Daten untereinander austauschen können, was einen durchgängigen Workflow ermöglicht, beispielsweise die Übernahme von Buchhaltungsdaten in die Steuererklärung oder von Lohndaten in die Finanzbuchhaltung.
Die wichtigsten Modulbereiche im Überblick
Die Palette der DATEV-Module ist sehr breit gefächert. Hier sind einige der zentralen Bereiche und Beispiele für zugehörige Softwarelösungen:
Finanzbuchhaltung und Rechnungswesen
Dies ist oft das Herzstück der DATEV-Nutzung. Module wie „DATEV Kanzlei-Rechnungswesen“ oder „DATEV Mittelstand Faktura und Rechnungswesen“ decken alle Aspekte der Finanzbuchhaltung ab, von der Erfassung laufender Geschäftsvorfälle über die automatische Verbuchung von Banktransaktionen bis hin zur Erstellung von Auswertungen wie Betriebswirtschaftlichen Auswertungen (BWA) und Jahresabschlüssen. Wichtige Funktionen umfassen:
- Kontenführung und Journalbuchungen
- Debitoren- und Kreditorenbuchhaltung
- Offene-Posten-Verwaltung
- Anlagenbuchführung
- Kostenrechnung
- Umsatzsteuer-Voranmeldung
- E-Bilanzen
Lohn- und Gehaltsabrechnung
Für Unternehmen mit Mitarbeitern sind die Lohnmodule unerlässlich. Programme wie „DATEV Lohn und Gehalt“ oder „DATEV LODAS“ (ein cloud-basiertes Lohnabrechnungssystem) automatisieren den komplexen Prozess der monatlichen Lohn- und Gehaltsabrechnung unter Berücksichtigung aller gesetzlichen Vorschriften, Steuerklassen, Sozialversicherungsbeiträge und individuellen Vereinbarungen. Dazu gehören:
- Monatliche Abrechnung von Festgehältern, Stundenlöhnen, Provisionen etc.
- Berechnung von Lohnsteuer, Kirchensteuer, Soli
- Abführung von Sozialversicherungsbeiträgen
- Erstellung von Lohnsteuerbescheinigungen und Sozialversicherungsmeldungen
- Verwaltung von Fehlzeiten, Urlaub, Krankheit
Steuerwesen
DATEV bietet eine umfassende Suite von Modulen zur Erstellung nahezu aller Steuererklärungen für Unternehmen und Privatpersonen. Diese Module sind auf die Arbeit von Steuerberatern zugeschnitten, die für ihre Mandanten Erklärungen erstellen und elektronisch an die Finanzverwaltung übermitteln. Beispiele sind Module für:
- Einkommensteuer
- Körperschaftsteuer
- Gewerbesteuer
- Umsatzsteuer (Jahreserklärung)
- Erbschaft- und Schenkungsteuer
- Erklärungen zur gesonderten und einheitlichen Feststellung
Betriebswirtschaftliche Beratung und Analyse
Über die reine Erfassung und Meldung hinaus bietet DATEV Tools zur Analyse und Steuerung von Unternehmen. Module für Controlling, Unternehmensplanung oder Branchenvergleiche unterstützen Steuerberater dabei, ihre Mandanten fundiert zu beraten. Hierzu zählen Werkzeuge zur Erstellung von:
- Liquiditätsplanungen
- Ertragsanalysen
- Kostenstellenrechnung
- Szenarioanalysen
Dokumentenmanagement und digitale Prozesse
Die Digitalisierung erfordert effiziente Wege zur Verwaltung elektronischer Dokumente. DATEV bietet Lösungen wie „DATEV DMS“ zur revisionssicheren Archivierung und Verwaltung von Dokumenten. Eng damit verbunden sind Cloud-Lösungen wie „DATEV Unternehmen online“, die den digitalen Austausch von Belegen und Daten zwischen Unternehmen und Steuerberater ermöglichen.
Kann ich DATEV ohne Steuerberater kaufen?
Diese Frage ist für viele Unternehmen relevant, die ihre Verwaltung selbst in die Hand nehmen möchten. Die klare Antwort ist: Es kommt darauf an, aber der Regelfall sieht anders aus. DATEV ist historisch und strukturell auf die Zusammenarbeit mit Steuerberatern ausgerichtet. Die Mehrheit der DATEV-Softwarelösungen wird direkt an Steuerberater verkauft und von diesen für die Betreuung ihrer Mandanten eingesetzt.
Unternehmen greifen in der Regel indirekt auf DATEV-Lösungen zu, meist über ihren Steuerberater. Das prominenteste Beispiel hierfür ist „DATEV Unternehmen online“. Dies ist eine Cloud-Plattform, die es Unternehmen ermöglicht, Belege digital an ihren Steuerberater zu übermitteln, auf Auswertungen zuzugreifen, Kassenbücher digital zu führen oder Zahlungen vorzubereiten. Die Lizenz und die Administration dieser Plattform laufen jedoch in der Regel über die Steuerkanzlei.
Es gibt einige wenige Ausnahmen, bei denen Unternehmen bestimmte DATEV-Lösungen direkt erwerben können, oft handelt es sich dabei um größere Unternehmen mit eigener, gut ausgestatteter Finanzabteilung oder um spezifische Software für bestimmte Branchen oder Zwecke. Für die typische Nutzung von Finanzbuchhaltung, Lohn oder Steuern ist der Weg über einen DATEV-Steuerberater der Standard. Dies liegt nicht nur am Vertriebsmodell, sondern auch an der Komplexität der Materie (Steuerrecht, Sozialversicherungsrecht) und der Software selbst. Ein Steuerberater bringt das notwendige Fachwissen mit, um die Software korrekt einzurichten, zu bedienen und die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen.

Die Nutzung von DATEV-Software erfordert zudem oft spezifisches Know-how und eine Infrastruktur, die in vielen kleineren oder mittelständischen Unternehmen (KMU) nicht vorhanden ist. Die Zusammenarbeit mit einem Steuerberater, der DATEV-Experte ist, stellt sicher, dass die Daten korrekt verarbeitet werden und alle Meldepflichten erfüllt sind.
Wie bekomme ich Belege in DATEV?
Die effiziente Erfassung von Belegen ist ein zentrales Thema in der digitalen Buchhaltung und Verwaltung mit DATEV. Früher bedeutete dies oft das Sortieren und Abheften von Papierbelegen, die dann entweder manuell erfasst oder zum Steuerberater gebracht wurden. Heute stehen dank Digitalisierung und DATEV eine Vielzahl moderner Methoden zur Verfügung.
Der Königsweg für viele Unternehmen, die mit einem DATEV-Steuerberater zusammenarbeiten, ist die Nutzung von „DATEV Unternehmen online“. Diese Plattform wurde speziell entwickelt, um den digitalen Austausch von Belegen zu ermöglichen.
Hier sind die gängigsten Methoden, Belege in DATEV zu bringen, oft im Zusammenspiel mit Unternehmen online:
1. Scannen von Papierbelegen
Physische Rechnungen, Quittungen etc. werden gescannt. Dies kann mit einem Dokumentenscanner, einem Multifunktionsdrucker oder sogar einer mobilen App geschehen. Die erzeugten digitalen Dokumente (meist PDF oder TIFF) sind die Grundlage für die weitere Verarbeitung.
2. Hochladen in DATEV Unternehmen online
Die gescannten oder bereits digitalen Belege (z.B. E-Mail-Rechnungen) werden über eine Weboberfläche oder eine Upload-Software in den Belegspeicher von DATEV Unternehmen online hochgeladen. Hier können die Belege strukturiert abgelegt und für den Steuerberater bereitgestellt werden.
3. Nutzung der DATEV Upload Mail
Einige DATEV-Lösungen bieten die Möglichkeit, Belege einfach per E-Mail an eine spezifische Adresse zu senden, von wo sie automatisch in den Belegspeicher importiert werden.
4. Mobile Apps
DATEV bietet mobile Apps, mit denen Belege direkt mit dem Smartphone fotografiert und anschließend in Unternehmen online hochgeladen werden können. Ideal für Reisekostenbelege oder Kleinquittungen.

5. Direkte Schnittstellen und Automatisierung
Fortschrittliche Unternehmen nutzen Schnittstellen, um Belege direkt aus anderen Systemen nach DATEV zu übertragen. Beispiele:
- Integration mit Online-Banking: Bankumsätze werden automatisch abgerufen und können Belegen zugeordnet werden.
- Schnittstellen zu Warenwirtschafts- oder ERP-Systemen: Ausgangsrechnungen werden direkt aus dem fakturierenden System nach DATEV übertragen.
- Automatisierung durch OCR: DATEV-Software nutzt optische Zeichenerkennung (OCR), um relevante Daten wie Rechnungsnummer, Datum, Betrag und Lieferant aus den digitalen Belegen auszulesen. Diese Daten werden für die automatische Buchungsvorbereitung genutzt und minimieren manuelle Eingaben.
Die Wahl der Methode hängt von der Menge der Belege, den technischen Möglichkeiten des Unternehmens und der bevorzugten Arbeitsweise mit dem Steuerberater ab. Ziel ist immer, den Prozess der Belegerfassung so schnell, fehlerfrei und digital wie möglich zu gestalten.
Vergleich der Belegerfassungsmethoden
Um die verschiedenen Wege, Belege in DATEV zu überführen, besser zu verstehen, kann eine einfache Gegenüberstellung helfen:
| Methode | Vorteile | Nachteile | Typische Anwendung |
|---|---|---|---|
| Manuelle Eingabe (direkt in DATEV-Software) | Volle Kontrolle, bei sehr wenigen Belegen einfach | Sehr zeitaufwendig, fehleranfällig, nicht skalierbar | Selten, nur bei minimalem Belegvolumen oder Korrekturen |
| Scannen & Hochladen (via Unternehmen online) | Digitalisiert Papier, gute Strukturierung möglich, Basis für OCR | Manuelles Scannen/Hochladen nötig, erfordert Scanner/App | Standardmethode für viele Unternehmen, guter Mix aus Digitalisierung & Kontrolle |
| E-Mail-Upload | Sehr einfach bei digitalen Belegen (z.B. PDF-Rechnungen) | Weniger Strukturierungsmöglichkeiten im Vergleich zum direkten Hochladen | Für digitale Eingangsrechnungen per E-Mail |
| Mobile App (Foto) | Extrem schnell für Einzelbelege unterwegs | Qualität kann variieren, weniger geeignet für große Mengen | Reisekosten, kleine Ausgaben, Bewirtungsbelege |
| Schnittstellen (z.B. ERP, Banking) | Höchste Effizienz, Automatisierung, Minimierung manueller Fehler | Einrichtungsaufwand, erfordert kompatible Vorsysteme | Hohes Belegvolumen, integrierte Prozesse, E-Invoicing |
Die modernsten und effizientesten Ansätze setzen auf die Kombination von digitaler Beleglieferung (per Upload, E-Mail, Schnittstelle) und der anschließenden automatisierten Verarbeitung durch DATEV-Software, unterstützt durch OCR.
Häufig gestellte Fragen zu DATEV Modulen und Nutzung
Ist DATEV reine Desktop-Software oder Cloud-basiert?
DATEV bietet sowohl klassische Desktop-Software als auch zunehmend Cloud-Lösungen an. „DATEV Kanzlei-Rechnungswesen“ läuft typischerweise auf lokalen Computern oder im DATEV-Rechenzentrum (DATEVasp), während „DATEV Unternehmen online“ oder „DATEV Arbeitnehmer online“ reine Cloud-Anwendungen sind, die über den Browser zugänglich sind.
Ist DATEV für kleine Unternehmen geeignet?
Ja, absolut. Auch wenn DATEV oft mit großen Kanzleien und Unternehmen assoziiert wird, gibt es spezielle Lösungen und Module, die auf die Bedürfnisse von KMU zugeschnitten sind, insbesondere in Zusammenarbeit mit einem Steuerberater, der die DATEV-Infrastruktur nutzt.
Wie teuer ist DATEV?
Die Kosten für DATEV sind modular aufgebaut und hängen stark davon ab, welche und wie viele Module genutzt werden, wie viele Mandanten/Mitarbeiter abgerechnet werden und ob die Software lokal oder im DATEV-Rechenzentrum betrieben wird. Es gibt keine pauschale Antwort, aber DATEV-Lösungen gelten im Marktsegment für professionelle Finanzsoftware als Premium-Produkte mit entsprechenden Kosten.
Was sind die Vorteile der Nutzung von DATEV?
Die Vorteile liegen in der hohen Prozesssicherheit, der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften (Compliance), der effizienten Zusammenarbeit mit dem Steuerberater durch digitale Prozesse, der revisionssicheren Archivierung und der Verfügbarkeit umfassender Auswertungen für die Unternehmenssteuerung.
Fazit
Die Welt der DATEV-Module ist vielfältig und bietet spezialisierte Lösungen für nahezu jeden Bereich der kaufmännischen Verwaltung, von der Buchhaltung über Lohn und Steuern bis hin zu digitalen Dokumentenprozessen. Während ein direkter Kauf der Kernmodule durch Unternehmen eher die Ausnahme ist und der Weg über einen Steuerberater der Regelfall bleibt, ermöglichen Cloud-Plattformen wie DATEV Unternehmen online eine reibungslose und effiziente digitale Zusammenarbeit. Die Erfassung von Belegen hat sich von der manuellen Eingabe hin zur weitgehend automatisierten Verarbeitung digitaler Dokumente entwickelt, unterstützt durch Scannen, Uploads und Automatisierungstechnologien wie OCR. Die Investition in DATEV, meist über die Kanzleibindung, bedeutet für Unternehmen den Zugang zu professionellen, rechtssicheren und integrierten Softwarelösungen, die für eine effiziente und transparente Verwaltung unerlässlich sind.
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