16/07/2014
Wenn es um die Organisation von Dokumenten im Büro geht, denken die meisten Menschen sofort an sie: Aktenschränke. Oft auch einfach als Büroschränke bezeichnet, sind sie seit langem ein zentrales Element in Arbeitsumgebungen aller Art. Trotz des Vormarsches digitaler Ablagesysteme spielen physische Aktenschränke immer noch eine wichtige Rolle bei der sicheren und zugänglichen Aufbewahrung wichtiger Papiere.

Was genau ist ein Aktenschrank?
Ein Aktenschrank ist im Wesentlichen ein Möbelstück, das speziell für die systematische Aufbewahrung von Dokumenten entwickelt wurde. Er besteht typischerweise aus einem Korpus mit mehreren Schubladen oder Fächern. Die gebräuchlichsten Materialien sind robustes Blech oder auch Holz, die für Langlebigkeit und Stabilität sorgen. Die Schubladen sind meist auf leichtgängigen Schienen gelagert, die ein vollständiges Herausziehen ermöglichen und gleichzeitig über eine Auszugsperre verfügen, um ein versehentliches Herausfallen zu verhindern.
Zur Bedienung der Schubladen verfügen viele Metallaktenschränke über einen kleinen Schiebemechanismus, oft als „Daumenriegel“ bezeichnet, der gedrückt werden muss, um die Schublade zu entriegeln und zu öffnen. Jede Schublade hat zudem einen Griff zum Greifen und Ziehen. An der Vorderseite jeder Schublade befindet sich in der Regel ein Etikettenhalter, der es dem Benutzer ermöglicht, den Inhalt der Schublade schnell zu identifizieren.
Ein wichtiges Merkmal vieler Aktenschränke ist ein integriertes Schloss, um unbefugten Zugriff auf die gelagerten Dokumente zu verhindern. Es gibt verschiedene Schlossarten: Ein „Nockenschloss“ wird mit einem Schlüssel betätigt, der das Schloss dreht. Ein „Kolbenschloss“ wird ebenfalls mit einem Schlüssel geöffnet, kann aber durch einfaches Eindrücken des Schlosskörpers verriegelt werden. Das Kolbenschloss ermöglicht ein schnelles Schließen und Verriegeln mehrerer Schränke.
Einige Aktenschränke verfügen über eine Metallplatte oder Drahtstruktur an der Rückseite jeder Schublade, den sogenannten „Folgeblock“. Dieser Folgeblock kann nach vorne verschoben werden, um die nutzbare Länge der Schublade zu reduzieren, sodass die enthaltenen Aktenordner aufrecht und vorne in der Schublade bleiben, was den Zugriff erleichtert. Dies ist besonders nützlich, wenn eine Schublade nicht vollständig gefüllt ist.
Die historische Entwicklung des Aktenschranks
Die Geschichte des Aktenschranks ist faszinierend und zeigt eine kontinuierliche Entwicklung hin zu mehr Effizienz und Organisation. Während horizontale Ablagesysteme, bei denen Papiere flach in Fächern oder Schachteln gelagert wurden, schon länger existierten (ein frühes Patent von Henry Brown stammt aus dem Jahr 1886), revolutionierte die Einführung der vertikalen Ablage die Büroarbeit.
Die genaue Erfindung des vertikalen Aktenschranks ist umstritten, aber es wird angenommen, dass die kommerzielle Einführung um 1900 durch die Firma Library Bureau erfolgte. Sie patentierten 1902 ein Design, das David E. Hunter zugeschrieben wurde. Firmen wie Globe-Wernicke, Yawman and Erbe Manufacturing Company und Art Metal Construction Company waren ebenfalls frühe Hersteller. Vor dieser Neuerung wurden Papiere oft in Umschlägen in Regalen oder Fächern aufbewahrt, was das Finden und Bearbeiten umständlich machte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg trugen Unternehmen wie Home-O-Nize (später HON) maßgeblich zur Verbreitung von Aktenschränken aus Stahl bei. Die Nachfrage stieg weiter an, nicht zuletzt durch die Verfügbarkeit von Kopiergeräten (Xerographie ab den 1950er Jahren), die die Menge an Papierdokumenten in Büros erhöhte, und durch zunehmende staatliche Vorschriften, die Unternehmen zur Aufbewahrung von Dokumenten verpflichteten.
Obwohl manche Experten das Ende des Aktenschranks aufgrund elektronischer Ablagesysteme vorhersagten, bleibt er ein wichtiges Möbelstück, solange gedruckte Dokumente im Geschäftsalltag eine Rolle spielen.
Verschiedene Arten von Aktenschränken
Aktenschränke gibt es in verschiedenen Ausführungen, die für unterschiedliche Bedürfnisse und Platzverhältnisse konzipiert sind:
Vertikale Aktenschränke
Dies sind die klassischsten Aktenschränke, bei denen die Schubladen übereinander angeordnet sind und die Akten (oft in Hängeregistern) von vorne nach hinten im Schrank stehen. In den USA sind sie für die Papierformate Letter und Legal erhältlich. In Europa sind sie typischerweise für A4- und Foolscap-Formate ausgelegt. Übliche Konfigurationen umfassen zwei, drei, vier oder fünf Schubladen.

Die Tiefe kann variieren, wobei tiefere Schränke mehr Kapazität bieten. Für den Heimgebrauch oder leichtere Anwendungen gibt es auch flachere Modelle. Die Schubladen sind oft mit einem 3-teiligen Auszugssystem ausgestattet, das ein vollständiges Öffnen ermöglicht. Moderne vertikale Aktenschränke sind in der Regel für die Verwendung mit Hängeregistern konzipiert, obwohl der Folgeblock für die Ablage von losen Dokumenten oder Ordnern ohne Hängesystem nützlich ist.
- 2-Schubladen-Schränke: Oft neben dem Schreibtisch platziert.
- 3-Schubladen-Schränke: Können als zusätzliche Arbeitsfläche oder als Theke dienen.
- 4-Schubladen-Schränke: Die gebräuchlichste Größe für allgemeine Bürozwecke.
- 5-Schubladen-Schränke: Bieten die größte Kapazität pro Stellfläche und sind besonders bei Behörden beliebt.
Laterale Aktenschränke
Laterale Aktenschränke sind breiter als tief und bieten eine andere Art der Raumnutzung. Die Akten können je nach Konfiguration von vorne nach hinten oder von Seite zu Seite abgelegt werden. Sie sind in verschiedenen Breiten (z. B. 76 cm, 91 cm, 107 cm) und mit zwei, drei, vier oder fünf Schubladen erhältlich.
Ihre geringere Tiefe im Vergleich zu vertikalen Schränken kann in engen Gängen oder in der Nähe von Arbeitsplätzen vorteilhaft sein. Laterale Schränke mit geringerer Höhe (z. B. 2 Schubladen) passen oft gut unter oder neben Schreibtische, insbesondere in Cubicle-Arbeitsplätzen. Ein großer Vorteil ist die bessere Übersicht über die Akten, da die Schubladen nicht so weit in den Raum ragen und die Register von einem Sitzplatz aus leichter zugänglich sein können.
Bei Schränken mit fünf Schubladen ist die oberste „Schublade“ oft als Klapptür mit Auszugsboden ausgeführt, da eine echte Schublade in dieser Höhe schwer zugänglich wäre.
Regalschränke (Shelf Files)
Regalschränke unterscheiden sich von Schubladenschränken dadurch, dass sie keine Schubladen, sondern offene Regale haben. Sie sind speziell für die Ablage von Akten mit Seitenregistern konzipiert. Sie sind typischerweise flacher als Schubladenschränke und in verschiedenen Breiten und Höhen erhältlich.
Oft werden sie in mehrstöckigen Konfigurationen (z. B. 5 oder 6 hoch) installiert, um die Lagerkapazität pro Fläche zu maximieren. Gelegentlich verfügen sie über Türen, die im Schrank versenkbar sind. Regalschränke sind besonders beliebt in Umgebungen mit sehr großen Archivsystemen, wie bei Ärzten, Zahnärzten, Tierärzten, Polizei oder Behörden.
Ein häufig verwendetes System bei Regalschränken ist die farbcodierte Ablage. Dabei werden den Seitenregistern von Aktenordnern Farben zugewiesen, die beispielsweise alphanumerische Codes repräsentieren. Dieses System erleichtert das schnelle Finden von Akten und macht falsch einsortierte Ordner sofort sichtbar, da die Farbsequenz unterbrochen ist.
Materialien und Konstruktion
Die Wahl des Materials beeinflusst Haltbarkeit, Aussehen und Kosten eines Aktenschranks:
- Metall: Besonders robust, langlebig und widerstandsfähig. Ideal für schwere Lasten und Umgebungen, in denen Stabilität gefragt ist. Oft aus Stahl gefertigt.
- Holz: Bietet eine klassische, zeitlose Ästhetik und kann zu einer wärmeren Büroumgebung beitragen. Holzschränke sind oft sehr stabil, können aber teurer sein als Metallschränke.
- Kunststoff: Leichter und oft günstiger. Geeignet für leichtere Anwendungen oder temporäre Lagerung. Kunststoffschränke sind oft leicht zu bewegen und zu reinigen.
Moderne Aktenschränke, unabhängig vom Material, legen Wert auf Funktionalität. Verstellbare Einlegeböden (bei Regalschränken oder einigen lateralen Modellen) und verschiedene Fächer ermöglichen eine flexible Nutzung. Schlösser erhöhen die Sicherheit vertraulicher Dokumente. Wie bereits erwähnt, gibt es Nocken- und Kolbenschlösser, wobei letztere ein schnelles Verriegeln durch einfaches Eindrücken ermöglichen.
Standards und Sicherheit
Um die Qualität und Sicherheit von Aktenschränken zu gewährleisten, gibt es verschiedene Standards. In den USA sind dies beispielsweise die BIFMA-Standards, die Anforderungen an Stabilität, Haltbarkeit und Festigkeit festlegen. Auch staatliche Stellen wie die GSA haben eigene Standards, insbesondere für Schränke, die für die Lagerung vertraulicher Materialien verwendet werden.

In Europa gelten harmonisierte Normen wie die EN 14073-2, die von nationalen Normungsorganisationen übernommen werden. Diese Standards berücksichtigen auch Sicherheitsaspekte, insbesondere die Kippsicherheit bei geöffneten Schubladen. Obwohl Verriegelungsmechanismen, die das gleichzeitige Öffnen mehrerer Schubladen verhindern, nicht überall zwingend vorgeschrieben sind, werden sie aus Sicherheitsgründen empfohlen, da ein gleichzeitig geöffneter oberer und unterer Schublade einen Schrank zum Kippen bringen kann.
Es gibt auch Unterschiede bei den Formaten außerhalb der USA. Während US-Schränke auf Letter und Legal ausgelegt sind, verwenden europäische und britische Schränke oft A4, Foolscap oder A3. Einige europäische Systeme sind sogar ausschließlich für Hängeregister konzipiert und verzichten auf einen Schubladenboden.
Die anhaltende Relevanz von Aktenschränken
Trotz der zunehmenden Digitalisierung und der Vision des „papierlosen Büros“ sind Aktenschränke noch lange nicht überflüssig. Viele wichtige Dokumente existieren weiterhin in physischer Form – Verträge, rechtliche Dokumente, Originalurkunden, Rechnungen oder Unterlagen, die aus Compliance-Gründen in Papierform aufbewahrt werden müssen. Hier sind einige Gründe, warum Aktenschränke weiterhin wichtig sind:
- Sichere Aufbewahrung: Sie bieten einen physischen Schutz für wichtige und vertrauliche Dokumente vor Beschädigung oder unbefugtem Zugriff, insbesondere Modelle mit Schloss.
- Gesetzliche Anforderungen: Viele Vorschriften erfordern die Aufbewahrung bestimmter Dokumente in physischer Form über einen bestimmten Zeitraum.
- Einfacher Zugriff: Bei gut organisierten Systemen ermöglichen Aktenschränke einen schnellen Zugriff auf benötigte Dokumente, oft schneller als das Durchsuchen digitaler Archive.
- Ordnung und Reduzierung von Unordnung: Sie helfen, Schreibtische und andere Arbeitsflächen frei von Papierstapeln zu halten und schaffen eine strukturierte Arbeitsumgebung.
- Zuverlässigkeit: Aktenschränke benötigen keinen Strom oder Internetzugang, um zu funktionieren.
Die Wahl des richtigen Aktenschranks hängt von der Menge der zu lagernden Dokumente, dem verfügbaren Platz, dem Budget und dem gewünschten Stil ab. Ob vertikal, lateral oder als Regalschrank – für nahezu jeden Bedarf gibt es eine passende Lösung.
Häufig gestellte Fragen
Sind Aktenschränke in modernen Büros noch notwendig?
Ja, absolut. Obwohl die Digitalisierung fortschreitet, gibt es immer noch eine Vielzahl von Dokumenten, die aus rechtlichen, praktischen oder sicherheitstechnischen Gründen in physischer Form aufbewahrt werden müssen. Aktenschränke bieten dafür eine sichere und organisierte Lösung.
Was ist der Unterschied zwischen einem vertikalen und einem lateralen Aktenschrank?
Der Hauptunterschied liegt in der Ausrichtung und Tiefe. Vertikale Aktenschränke sind tiefer als breit, mit Schubladen, die sich nach vorne öffnen und Akten von vorne nach hinten aufnehmen. Laterale Aktenschränke sind breiter als tief, mit Schubladen, die sich ebenfalls nach vorne öffnen, aber Akten von Seite zu Seite oder von vorne nach hinten aufnehmen können. Laterale Schränke benötigen weniger Tiefe im Raum, aber mehr Breite.
Kann ich jeden Aktenschrank für Hängeregister verwenden?
Die meisten modernen Schubladen-Aktenschränke sind für die Verwendung mit Hängeregistern ausgelegt. Bei Regalschränken werden jedoch in der Regel Aktenordner mit Seitenregistern verwendet. Überprüfen Sie immer die Produktspezifikationen, um sicherzustellen, dass der Schrank Ihren Anforderungen entspricht.
Welches Material ist das beste für einen Aktenschrank?
Das hängt von Ihren Bedürfnissen ab. Metallschränke sind sehr robust und langlebig, ideal für hohe Beanspruchung. Holzschränke bieten eine ansprechendere Optik und passen gut zu klassischer Büroeinrichtung. Kunststoffschränke sind leicht und kostengünstig, eher für leichtere Anwendungen geeignet.
Fazit
Aktenschränke, in ihren vielfältigen Ausführungen und Materialien, bleiben ein essenzieller Bestandteil effizienter Büroorganisation. Sie bieten nicht nur dringend benötigten Stauraum, sondern gewährleisten auch die Sicherheit und schnelle Auffindbarkeit wichtiger Dokumente. Ob Sie sich für einen vertikalen Klassiker, einen lateralen Raumsparer oder einen Regalschrank für große Archive entscheiden – der richtige Aktenschrank kann maßgeblich zu einem aufgeräumten und produktiven Arbeitsplatz beitragen.
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