Was gab es früher im Büro?

Das Büro: Eine Zeitreise von Gestern nach Heute

03/11/2012

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Das Büro ist für viele von uns der Ort, an dem wir einen Großteil unseres Tages verbringen. Doch wie sah dieses Arbeitsumfeld eigentlich früher aus? Eine kleine Zeitreise offenbart erstaunliche Unterschiede und weckt vielleicht die eine oder andere nostalgische Erinnerung. Das Büro von gestern war ein ganz anderer Ort als das Büro von heute, geprägt von anderen Technologien, Strukturen und einer völlig anderen Atmosphäre.

Wie nannte man früher ein Büro?
Früher nannte man das Büro auch Kanzlei, Schreibstube oder Kontor. Der Ausdruck „Kontor“ kommt vom Konto. Er hat also mit Zahlen zu tun. Berufe, bei denen man hauptsächlich im Büro arbeitet, werden in der Umgangssprache als Bürojobs bezeichnet.
Übersicht

Das Büro früher und heute – Eine Gegenüberstellung

Wenn wir an das Büro vergangener Zeiten denken, kommen uns sofort Bilder von dichten Rauchschwaden, dem rhythmischen Klappern von Tasten und dem schrillen Klingeln von Telefonen in den Sinn. Es war eine Welt, die in vielerlei Hinsicht langsamer, aber auch physisch anstrengender war. Die technologischen Sprünge der letzten Jahrzehnte haben das Büro revolutioniert und unsere Arbeitsweise grundlegend verändert.

#1 Büroaufbau – Von Großraum zu Flexibilität

Der Aufbau von Büros hat sich dramatisch gewandelt. Während wir heute oft kleine Mehrpersonenbüros, Einzelbüros oder flexible Arbeitsbereiche finden, waren früher laute und stickige Großraumbüros die Norm. Stell dir einen riesigen Raum vor, gefüllt mit Schreibtischen, wenig Tageslicht, schlechter Luft und konstantem Lärmpegel. Eine wirklich angenehme Arbeitsatmosphäre war schwer zu finden. Die Mitarbeiter saßen oft in Reihen, mit Blickrichtung zu einem sogenannten Supervisor, was ein Gefühl ständiger Kontrolle erzeugte.

Eine erste größere Veränderung brachte 1964 der „Cubicle“ oder die Arbeitskabine. Diese schuf in den Großraumbüros kleine, abgetrennte Bereiche und bot den Angestellten ein wenig mehr Privatsphäre. Firmen konnten dadurch effizient viele Arbeitskräfte auf relativ kleinem Raum unterbringen. Allerdings litten die mittleren Arbeitsplätze unter mangelndem Tageslicht und wurden oft nur durch künstliches Neonlicht erhellt.

Ab den 90er Jahren, einer Zeit starker technologischer Innovation, gab es eine Rückbesinnung auf offenere Bürostrukturen. Ziel war es, eine offenere Kommunikation und den Austausch zwischen Kollegen zu fördern. Dieser Trend entwickelte sich weiter, und heute sehen wir, besonders in fortschrittlichen Unternehmen, flexible Arbeitsmodelle, bei denen Mitarbeiter entscheiden können, wo und wie sie arbeiten möchten, sei es im Büro, im Homeoffice oder in Coworking Spaces.

#2 Die Ära der Schreibmaschine

Klapp, klapp, klapp, diiinnnngggg… Dieser Klang war einst das Herzstück des Büros. Die gute alte Schreibmaschine war eine echte Revolution. Während Kaufleute in der Renaissance ihre gesamte Kommunikation noch mühevoll mit Tinte und Feder erledigten, erleichterte die Schreibmaschine ab etwa 1885 die Arbeit erheblich – zumindest im Vergleich zum Handschreiben. Allerdings war sie keineswegs mühelos zu bedienen. Es wird berichtet, dass eine geübte Sekretärin pro Tag bis zu 16 Tonnen mit ihren Fingerspitzen stemmte, um die Tasten anzuschlagen!

Interessanterweise wurde das Tippen an der Schreibmaschine oft als besonders geeignet für Frauen angesehen, teilweise mit der Begründung, dass sie ohnehin nach einigen Arbeitsjahren Hausfrau werden würden. Diese Entwicklung führte zu einem rapiden Anstieg des Frauenanteils im Büro. Zwischen 1907 und 1925 verfünffachte sich die Zahl der weiblichen Büroangestellten, während sich die Gesamtzahl der Angestellten im gleichen Zeitraum lediglich verdoppelte.

Die Schreibmaschine beeinflusst uns übrigens noch heute. Die Anordnung unserer Computertastaturen (QWERTZ in Deutschland) stammt noch immer aus der Schreibmaschinenzeit. Die Tasten wurden ursprünglich so angeordnet, um zu verhindern, dass sich die Typenhebel der Schreibmaschine verhakten. Aus Effizienzgründen ist diese Anordnung nicht optimal. Auf einer gewöhnlichen Tastatur legen die Finger an einem Arbeitstag angeblich bis zu 30 km zurück. Die alternative Dvorak-Tastaturbelegung, die viel effizienter ist (nur ca. 1,8 km Fingerweg im Englischen), hat sich trotz ihrer Vorteile nie durchgesetzt.

#3 Das Wählscheibentelefon

Riiiinnnngggg… Ein weiterer unverkennbarer Ton aus der Vergangenheit ist der des Wählscheibentelefons. Nach Brieftauben und Telegrammen war das Telefon die nächste große Kommunikationsrevolution im Büro. Das schrille Klingeln war nicht nur laut, sondern das Wählen selbst erforderte Geduld. Besonders das Wählen der „0“ dauerte, da die Wählscheibe einige Sekunden brauchte, um in die Ausgangsposition zurückzukehren.

Auch die Suche nach Telefonnummern war anders. Während wir heute alle Kontakte im Smartphone-Adressbuch speichern, musste man früher auf das gute alte Telefonbuch zurückgreifen oder eine Rollkartei (Rolodex) mit den wichtigsten Kontakten pflegen. Eine kuriose „Tastensperre“ der damaligen Zeit war ein kleines Schloss, das man in ein Fingerloch der Wählscheibe hängte, oft in das Loch für die Ziffer „3“. So konnte man zwar keine langen Nummern wählen, aber Notrufe wie 122 (oder die jeweilige Notrufnummer) waren weiterhin möglich – eine frühe Form der Notruffunktion heutiger Smartphones.

Was gab es früher im Büro?
Früher gab es laute und stickige Großraumbüros. Wenig Licht, eine schlechte Luft, viel Lärm – eine angenehme Arbeitsatmosphäre stellt man sich anders vor (warum die Luft so schlecht war, dazu gibt es später noch mehr). Überwacht wurden die Mitarbeiter von einem sogenannten Supervisor.24. März 2017

#4 Postversand vs. E-Mail-Speed

Früher drehte sich die Welt im Büro gefühlt langsamer. Das Warten auf die Rückkehr der Wählscheibe war nur ein Beispiel. Der Versand von Briefen war ein Prozess, der Zeit beanspruchte. Heute erscheint uns das fast unvorstellbar, wo ein Klick genügt, um eine E-Mail zu versenden. Informationen können in Sekundenschnelle ausgetauscht werden. Früher galt oft die Faustregel der „Doppelten Sendungsdauer“, um abzuschätzen, wann man mit einer Antwort rechnen konnte. Heute wird man manchmal schon nach 20 Minuten angerufen, wenn man nicht sofort auf eine E-Mail reagiert hat. Die Langsamkeit von früher könnte uns im hektischen Alltag manchmal guttun.

#5 Diktat – Vom Stenogramm zur Spracherkennung

Wo viele Briefe geschrieben wurden, wurde auch viel diktiert. Heute wird zwar immer noch diktiert, aber früher war es üblich, dass eine Sekretärin oder ein Sekretär die Worte des Chefs in Echtzeit mitstenografierte oder direkt in die Schreibmaschine tippte. Diktiergeräte kamen später auf, aber die jüngste große Veränderung in diesem Bereich ist die zunehmende Verbreitung von Spracherkennungsprogrammen. Obwohl diese Programme noch nicht fehlerfrei sind, werden sie in Zukunft voraussichtlich einen Großteil der Diktierarbeit übernehmen und automatisieren.

#6 Aschenbecher – Büroalltag in den 70ern

Erinnerst du dich an den Punkt mit der stickigen Luft in früheren Büros? Ein Hauptgrund dafür war, neben der oft schlechten Belüftung, der Zigarettenrauch. Was heute undenkbar erscheint, waren volle Aschenbecher auf Schreibtischen. Rauchen in geschlossenen Büroräumen war bis vor wenigen Jahrzehnten gang und gäbe. Auch die Rauchpausen haben sich verändert; manche Unternehmen verbieten das Rauchen inzwischen komplett auf dem Betriebsgelände.

#7 Das Comeback des Stehpults

Der letzte Punkt auf unserer Liste ist besonders interessant, da er ein Comeback erlebt: das Stehpult oder der Stehschreibtisch. Man könnte meinen, dies sei eine moderne Erfindung zur Förderung der Gesundheit am Arbeitsplatz. Doch weit gefehlt! Stehpulte wurden bereits früher verwendet, zum Beispiel in Klöstern. Bis ins 19. Jahrhundert waren Stehpulte und Sitzschreibtische gleichberechtigt in Büros nebeneinander zu finden. Der aktuelle Hype um das Stehpult ist also eher eine Wiederentdeckung einer alten Arbeitsform.

Der Wandel im Büro – Technologie als treibende Kraft

Computer und das Internet haben das Büro und unsere Arbeit darin nachhaltig geprägt. Sie haben vieles einfacher gemacht, aber durch die ständige Erreichbarkeit auch zu mehr Hektik geführt. Was 1980 mit dem ersten Laptop begann (der damals noch stolze 12 kg wog!), ermöglicht uns heute mobiles Arbeiten von fast überall auf der Welt. Die Technologieentwicklung schreitet rasant voran, und es wird spannend zu sehen sein, wie sich das Büro und die Arbeit darin in Zukunft weiterentwickeln werden.

Das Büro früher vs. Heute: Ein Vergleich

AspektBüro früherBüro heute
LayoutLaute Großraumbüros, später CubiclesEinzelbüros, Kleinraumbüros, Großraumbüros, flexible Arbeitsbereiche, Homeoffice
TechnologieSchreibmaschine, Wählscheibentelefon, Post, KarteikartenComputer, Laptop, Smartphone, E-Mail, Internet, Cloud-Speicher, Software
KommunikationBriefe, Telefonate (langsam), Diktat an Sekretär/inE-Mail, Instant Messaging, Videoanrufe, schnelle Telefonate, Spracherkennung
DokumentationPapierakten, Karteien, DurchschlagpapierDigitale Dokumente, Datenbanken, Cloud, Scanner, Drucker
AtmosphäreOft laut, stickig (Rauch), kontrolliertVariabel, Fokus auf Ergonomie und Wohlbefinden, oft rauchfrei, flexibler
ArbeitsmittelSchreibmaschine, Stifte, Papier, Locher, Hefter, TelefonComputer, Drucker, Toner und Tinte, Papier, ergonomische Mäuse/Tastaturen, Headsets

Häufig gestellte Fragen zum Büro früher

Hier beantworten wir einige Fragen, die sich viele stellen, wenn sie an das Büro vergangener Tage denken:

Was gab es früher im Büro?

Früher gab es im Büro viele Dinge, die heute seltener oder anders sind. Dazu gehörten vor allem die Schreibmaschine, das Wählscheibentelefon, umfangreiche Aktenschränke für Papierdokumente, Karteikarten, Durchschlagpapier, und häufig auch Aschenbecher auf den Schreibtischen, da Rauchen im Büro üblich war. Die Arbeitsmittel waren physischer Natur, und die Kommunikation lief langsamer über Briefe oder langsame Telefongespräche ab. Auch die Bürogestaltung unterschied sich oft, mit einem Fokus auf Großraumbüros oder später Cubicles.

Wie nannte man früher ein Büro?

Das Wort „Büro“ selbst stammt aus dem Französischen („bureau“) und bedeutet ursprünglich „Schreibtisch“. Der Raum wurde also nach dem zentralen Möbelstück benannt. Früher gab es aber auch andere Bezeichnungen für Orte, an denen schriftliche Arbeiten oder kaufmännische Tätigkeiten ausgeführt wurden. Dazu gehörten Begriffe wie Kanzlei, Schreibstube oder Kontor. Der Ausdruck „Kontor“ hat seinen Ursprung im Wort „Konto“ und bezog sich oft auf Büros, in denen Buchführung und kaufmännische Rechnungen erledigt wurden.

Die Entwicklung des Büros spiegelt die gesellschaftlichen und technologischen Veränderungen wider. Von der mühsamen Handarbeit zur Effizienz der Schreibmaschine, von der langsamen Post zum E-Mail-Turbo, vom rauchverhangenen Großraum zum flexiblen, gesunden Arbeitsplatz – das Büro hat sich immer wieder neu erfunden. Wir dürfen gespannt sein, welche Innovationen die Zukunft noch bringen wird.

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