28/02/2019
Der Darmstadt Hauptbahnhof ist ein zentraler Punkt im Schienenverkehr Hessens. Gelegen in der Weststadt von Darmstadt, zählt er zu den bedeutendsten Bahnhöfen im Personenfernverkehr der Deutschen Bahn in diesem Bundesland. Seine Eröffnung im Jahr 1912 markierte einen wichtigen Schritt für die Stadt und den regionalen Verkehr. Das Empfangsgebäude, das bis heute mit seinen Elementen des Jugendstils beeindruckt, zeugt von der Architektur der damaligen Zeit.

Als sogenannter Trennungsbahnhof verfügt er über 11 Bahnsteiggleise und wird von DB Station&Service in die Preisklasse 2 eingestuft. Seine Bedeutung wurde bereits 2010 gewürdigt, als die Allianz pro Schiene ihn zum Bahnhof des Jahres in der Kategorie „Großstädte“ kürte.
- Historische Entwicklung
- Architektur und Modernisierung
- Verkehrliche Bedeutung
- Anbindung an den ÖPNV
- Interessantes Detail
- Häufig gestellte Fragen zum Darmstädter Hauptbahnhof
- Wo befindet sich der Darmstädter Hauptbahnhof?
- Wann wurde der heutige Hauptbahnhof eröffnet?
- Welchen architektonischen Stil hat das Empfangsgebäude?
- Wie wichtig ist der Bahnhof verkehrlich?
- Ist der Bahnhof barrierefrei zugänglich?
- Was ist der Fürstenbahnhof?
- Welche S-Bahn-Linie bedient Darmstadt?
- Gibt es eine Anbindung an den lokalen Nahverkehr?
Historische Entwicklung
Die Geschichte des heutigen Hauptbahnhofs ist eng mit der verkehrlichen Entwicklung Darmstadts im 19. Jahrhundert verbunden. Vor seiner Errichtung gab es zwei separate Bahnhöfe am heutigen Steubenplatz: den Main-Neckar-Bahnhof (seit 1846), ein Durchgangsbahnhof an der Strecke Frankfurt–Heidelberg, und den Ludwigsbahnhof (seit 1858), einen Kopfbahnhof an der Verbindung Mainz–Aschaffenburg. Diese Trennung und die zunehmenden Platzprobleme Ende des 19. Jahrhunderts, verstärkt durch das städtische Wachstum, machten eine Erweiterung am alten Standort unmöglich. Zudem behinderte der höhengleich kreuzende Straßenverkehr auf der Rheinstraße den Ablauf.
Ab 1901 wurden verschiedene Entwürfe zur Lösung der Verkehrsprobleme geprüft, die jedoch alle verworfen wurden. Erst im März 1906 einigten sich die Stadtverwaltung und die Königlich Preußische und Großherzoglich Hessische Eisenbahndirection Mainz auf einen neuen Entwurf. Dieser sah den Bau eines neuen Durchgangsbahnhofs auf einem freien Areal etwa 800 Meter westlich der alten Bahnhöfe vor. Die größere Entfernung zur Innenstadt sollte durch den Anschluss an das Straßenbahnnetz kompensiert werden. Für die Reichspost wurde nördlich des Empfangsgebäudes ein eigenes Bahnpostamt mit Zugang zu tiefer liegenden Post- und Gepäckbahnsteigen über eine überdachte Brücke, den sogenannten „Poststeg“, errichtet. Dieser Steg wurde allerdings 1994 abgerissen.
Die Planung sah eine Lage der Gleise im südlichen Teil in einem Geländeeinschnitt vor, um Straßenüberführungen zu ermöglichen. Der Zugang für Fahrgäste erfolgte auf Straßenniveau durch das Empfangsgebäude und die Bahnhofshalle, von wo aus die Bahnsteige über eine Überführung mit Treppen und später auch Fahrstühlen erreicht wurden. Eine separate Überführung für Gepäck- und Expressgut wurde bei einer Renovierung zu einem Fahrradparkhaus umgebaut. Das nördliche Gleisfeld liegt aufgrund eines Geländeabfalls auf Dämmen.
Der Architektenwettbewerb und Bau
Für das Empfangsgebäude wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, bei dem der Großherzog Ernst Ludwig ausdrücklich einen „modernen Baumeister“ wünschte. Insgesamt 75 Entwürfe wurden eingereicht. Der erste Preis wurde nicht vergeben, stattdessen gingen zwei Preise an Fritz Klingholz (Entwurf „Utz“) und Friedrich Pützer. Pützer wurde schließlich mit der Ausführungsplanung beauftragt und musste seinen Entwurf unter Berücksichtigung des Klingholzschen Grundrisses überarbeiten.
Die Bauarbeiten an den Bahnanlagen unter Leitung von Friedrich Mettegang dauerten von 1907 bis 1912 und kosteten insgesamt 17 Millionen Mark. Dieser Betrag umfasste nicht nur das Empfangsgebäude (eine Million Mark), sondern auch die Verlegung von rund 100 km Gleisanlagen, den Grunderwerb (ca. vier Millionen Mark), eine Lokomotivenwerkstatt (ca. fünf Millionen Mark) und das Bahnbetriebswerk. Es wurden 20 Brücken und 36 weitere Bahnbauten errichtet sowie 1,7 Millionen Kubikmeter Erdmassen bewegt. Zur Wasserversorgung der Dampflokomotiven wurde 1910 der Wasserturm an der Dornheimer Brücke gebaut, der auch das Fahrdienstleiterstellwerk beherbergte. Dieses Bauwerk, das heute unter Denkmalschutz steht und privat genutzt wird, sollte ursprünglich 1978 abgerissen werden.
Inbetriebnahme
Die feierliche Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs fand am 28. April 1912 statt, zusammen mit den Bahnhöfen Darmstadt Nord und Darmstadt Süd. Die Betriebsaufnahme erfolgte schrittweise ab dem 27. April 1912. Der Güterverkehr wurde am 27. April an den alten Bahnhöfen eingestellt, die Büros zogen am 28. April um, und der Betrieb der neuen Anlage begann am 29. April. Der Großteil des Personenverkehrs wurde am 1. Mai 1912 auf den neuen Hauptbahnhof verlegt. Erst ab dem 15. Mai 1912 wurden auch die Verbindungen der Odenwaldbahn in den neuen Hauptbahnhof integriert und die alten Bahnhöfe endgültig geschlossen.
Architektur und Modernisierung
Das Empfangsgebäude des Darmstädter Hauptbahnhofs repräsentiert die traditionalistische Architektur von Pützer, typisch für Bahngebäude jener Zeit, ergänzt durch Elemente des damals modernen Jugendstil. Das Gebäude steht heute als Kulturdenkmal unter Denkmalschutz.
Von 1998 bis 2002 wurde das Empfangsgebäude denkmalgerecht saniert. Die Bahnsteigquerhalle (94 Meter lang, 34 Meter breit) und die fünf Längshallen (jeweils 19 Meter breit, etwa 100 Meter lang) über zehn Bahnsteiggleisen wurden von 2005 bis 2008 für rund 31 Millionen Euro vollständig erneuert. Dabei wurden auch Aufzüge eingebaut, was den Bahnhof erstmals barrierefrei zugänglich machte.
In Verlängerung der hoch gelegenen Bahnsteigerschließung wurde im Jahr 2000 ein von der Stadt finanziertes Einkaufszentrum errichtet. Dieses ermöglicht auch den Zugang zu einem Parkhaus und dem westlich gelegenen Stadtteil, wo sich unter anderem die europäische Weltraumorganisation ESOC befindet.
Ein historisches Ereignis war der Deckeneinsturz am 24. Dezember 1925 im Gang zwischen Schalterhalle und Bahnsteigen, bei dem 12 bis 16 Reisende verletzt wurden. Ursache war vermutlich eine unsachgemäße Verankerung der Rabitzdecke aus dem Jahr 1912.
Der Fürstenbahnhof
Eine besondere architektonische Einheit bildet der „Fürstenbahnhof“, südlich an das öffentliche Empfangsgebäude angebaut. Er verfügte über separate Warte- und Sanitärräume, eine großzügige Vorfahrt und einen eigenen Zugang zum Gleis 1 (Fürstenbahnsteig). Viele der wandfesten Jugendstilelemente sind hier erhalten geblieben. Nach der Renovierung des Empfangsgebäudes war hier zunächst die Bahnpolizei untergebracht. Aktuell dient der Fürstenbahnhof als Restaurant und ist somit öffentlich zugänglich.
Verkehrliche Bedeutung
Mit täglich gut 40.000 Reisenden ist der Darmstädter Hauptbahnhof, gemessen am Verkehrsaufkommen, der zweitgrößte Bahnhof in Hessen nach dem Frankfurter Hauptbahnhof (abgesehen von einigen S-Bahn-Stationen in Frankfurt). Täglich verkehren hier etwa 220 Züge.

Schienenpersonenfernverkehr
Der Bahnhof ist in das Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn eingebunden, auch wenn viele Züge in Nord-Süd-Richtung die Schnellfahrstrecke über Mannheim nutzen. Dennoch gibt es regelmäßige IC- und ICE-Verbindungen, die Darmstadt direkt mit Zielen wie Stralsund, Karlsruhe, Salzburg, Berlin, Dresden, Paderborn, Zürich, Klagenfurt, Linz, Graz, Ljubljana und Zagreb verbinden. Ein tägliches Railjet-Zugpaar fährt zudem nach Wien.
Schienenpersonennahverkehr
Im Nahverkehr ist der Hauptbahnhof seit 1997 an die S-Bahn Rhein-Main angeschlossen. Bis Dezember 2024 wurde er von den Linien S3 und S4 bedient, wobei die S4 nur im Nachtverkehr fuhr. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2024 übernahm die Linie S6 die Bedienung Darmstadts, während S3/S4 nun in Frankfurt Süd enden. Weitere Regionalverbindungen bestehen nach Frankfurt am Main, Wiesbaden, Aschaffenburg, Mannheim/Heidelberg, Erbach/Eberbach. Eingestellt sind dagegen die Verbindungen nach Riedstadt-Goddelau und Groß-Zimmern. Die Pfungstadtbahn wurde im Dezember 2011 reaktiviert und die Odenwaldbahn (RB 66) bis nach Pfungstadt verlängert. Seit Dezember 2018 gibt es einen Halbstundentakt im Regionalverkehr zwischen Frankfurt und Darmstadt an allen Wochentagen.
Anbindung an den ÖPNV
Der Hauptbahnhof ist ein wichtiger Knotenpunkt für den öffentlichen Personennahverkehr in Darmstadt. Straßenbahnen und Busse der HEAG mobilo sowie Regionalbuslinien verbinden ihn mit dem Stadtgebiet und der Region. Es gibt auch direkte Busverbindungen zum Flughafen Frankfurt.
| Linie | Verlauf | Takt (Mo–Fr) |
|---|---|---|
| 1 | Darmstadt – Rhein-/Neckarstraße – Landskronstraße – Eberstadt Frankenstein | 30 min |
| 2 | Darmstadt – Luisenplatz – TU Lichtwiese/Campus | 10 min (HVZ an Schultagen) |
| 3 | Darmstadt – Luisenplatz – Lichtenbergschule | 15 min |
| 5 | Darmstadt – Luisenplatz – Rhönring – Kranichstein Bahnhof | 7,5 min / 15 min |
Interessantes Detail
Auf den Gleisanlagen des Hauptbahnhofs gibt es ein Vorkommen der Mauereidechse, das auf Aussetzung zurückzuführen ist.
Häufig gestellte Fragen zum Darmstädter Hauptbahnhof
Wo befindet sich der Darmstädter Hauptbahnhof?
Der Hauptbahnhof liegt in der Weststadt von Darmstadt.
Wann wurde der heutige Hauptbahnhof eröffnet?
Der heutige Hauptbahnhof wurde am 28. April 1912 feierlich eröffnet, die Betriebsaufnahme erfolgte schrittweise ab dem 27. April 1912.
Welchen architektonischen Stil hat das Empfangsgebäude?
Das Empfangsgebäude repräsentiert die traditionalistische Architektur von Friedrich Pützer mit Gestaltungselementen des Jugendstils.
Wie wichtig ist der Bahnhof verkehrlich?
Mit rund 40.000 Reisenden täglich ist er der zweitgrößte Bahnhof Hessens (nach Frankfurt Hbf) und ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt für Fern-, Regional- und Nahverkehr.
Ist der Bahnhof barrierefrei zugänglich?
Ja, durch den Einbau von Aufzügen während der Sanierung der Bahnsteighallen ist der Bahnhof seit 2008 barrierefrei.
Was ist der Fürstenbahnhof?
Der Fürstenbahnhof ist ein südlich an das Empfangsgebäude angebauter Gebäudeteil mit separaten Räumen und Zugang zum Gleis 1, der ursprünglich für fürstliche Reisende gedacht war. Heute wird er als Restaurant genutzt.
Welche S-Bahn-Linie bedient Darmstadt?
Seit Dezember 2024 wird der Darmstädter Hauptbahnhof von der S-Bahn-Linie S6 bedient.
Gibt es eine Anbindung an den lokalen Nahverkehr?
Ja, der Hauptbahnhof ist sehr gut an das städtische Straßenbahn- und Busnetz von HEAG mobilo sowie an regionale Buslinien angebunden. Es gibt auch eine Busverbindung zum Flughafen Frankfurt.
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