14/09/2021
Die Frage, wem die Deutsche Post AG heute gehört, ist komplexer, als viele vielleicht denken. Einst eine rein staatliche Einrichtung, hat das Unternehmen in den letzten Jahrzehnten eine beeindruckende Transformation durchlaufen und sich zu einem der größten Logistikkonzerne der Welt entwickelt. Dieser Wandel, geprägt von Umstrukturierungen, Privatisierungsschritten und strategischen Akquisitionen, hat die Eigentümerstruktur grundlegend verändert.

Der Weg der Deutschen Post von einem Teil der Bundesverwaltung zu einem börsennotierten, global agierenden Unternehmen ist eine Erfolgsgeschichte der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Doch trotz der weit fortgeschrittenen Privatisierung hält der Staat über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) weiterhin eine bedeutende Beteiligung. Dies wirft Fragen auf, die wir in diesem Artikel detailliert beleuchten werden.
- Historischer Wandel: Von der Bundespost zur Aktiengesellschaft
- Der entscheidende Schritt: Der Börsengang im Jahr 2000
- Die Rolle des Bundes und der KfW im Privatisierungsprozess
- Entwicklung der Beteiligung seit dem Börsengang
- Die Deutsche Post AG heute: Ein globaler Logistikriese (DHL Group)
- Der Verkauf der Postbank
- Wem gehört die Deutsche Post AG also heute?
- Häufig gestellte Fragen zur Eigentümerschaft der Deutschen Post AG
Historischer Wandel: Von der Bundespost zur Aktiengesellschaft
Die Wurzeln der Deutschen Post AG liegen in der Deutschen Bundespost, einem ehemaligen staatlichen Unternehmen, das die Hoheit über Post-, Telekommunikations- und Postbankdienste in Deutschland innehatte. Im Zuge der Liberalisierung und Deregulierung der Märkte in den 1990er Jahren wurde die Bundespost in drei eigenständige Aktiengesellschaften umgewandelt: die Deutsche Post AG, die Deutsche Telekom AG und die Postbank AG. Dieser Schritt war entscheidend, um die Unternehmen fit für den Wettbewerb zu machen und ihnen die notwendige Flexibilität für zukünftiges Wachstum zu geben.
Die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft schuf die rechtliche Grundlage für die Privatisierung. Der Staat, vertreten durch die Bundesregierung, verfolgte das Ziel, die Anteile an den Unternehmen schrittweise an private Investoren zu verkaufen. Dieser Prozess sollte die Effizienz steigern und den Unternehmen den Zugang zum Kapitalmarkt ermöglichen.
Der entscheidende Schritt: Der Börsengang im Jahr 2000
Ein Meilenstein in der Geschichte der Deutschen Post AG war der erfolgreiche Börsengang (IPO) im November 2000. Dieser Schritt markierte den Beginn der eigentlichen Privatisierung. Zum ersten Mal wurden Aktien des Unternehmens in großem Umfang der Öffentlichkeit und insbesondere auch privaten Anlegern außerhalb Deutschlands angeboten. Dieser Börsengang war nicht nur für die Deutsche Post von großer Bedeutung, sondern auch für den deutschen Kapitalmarkt insgesamt, da er das Interesse an Aktien als Anlageform bei vielen Bürgern weckte.
Im Vorfeld des Börsengangs hatte der Bund bereits einen strategischen Schachzug vollzogen: Im Dezember 1999 wurden 50 Prozent des Grundkapitals im Rahmen eines sogenannten Platzhaltergeschäfts an die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) veräußert. Die KfW, selbst eine staatliche Förderbank, übernahm damit eine wichtige Rolle im Privatisierungsprozess. Diese Übertragung war strategisch begründet. Die KfW hatte eine größere Nähe zum Kapitalmarkt und mehr Erfahrung mit den notwendigen Transaktionen für eine erfolgreiche Platzierung von Aktien am Markt. Dies sollte den weiteren Verkauf von Bundesanteilen erleichtern und beschleunigen.
Die Rolle des Bundes und der KfW im Privatisierungsprozess
Die Übertragung der Bundesanteile an die KfW war kein einmaliger Vorgang. Im Laufe der Jahre wurden auch die verbliebenen Anteile des Bundes vollständig an die KfW übertragen. Damit wurde die KfW zum zentralen Vehikel für die staatliche Beteiligung an der Deutschen Post AG. Die Bundesregierung erklärte, dass eine direkte Beteiligung des Bundes an der Deutschen Post AG aus Gründen der Daseinsvorsorge, also der Sicherstellung grundlegender Dienstleistungen für die Bevölkerung, nicht mehr erforderlich sei. Dies wurde durch das Postgesetz und weitere gesetzliche Vorschriften im Bereich des Postwesens garantiert, die eine flächendeckende Versorgung mit angemessenen und ausreichenden Post-Dienstleistungen sicherstellen – unabhängig davon, wer diese erbringt.
Das Ziel der Bundesregierung war und ist die schrittweise vollständige Privatisierung der Deutschen Post AG. Die rechtlichen Voraussetzungen dafür wurden bereits 2002 mit einer Änderung des Postumwandlungsgesetzes geschaffen. Die Geschwindigkeit und das Ausmaß der weiteren Privatisierung hängen dabei von der Aufnahmefähigkeit der Kapitalmärkte ab. Das bedeutet, dass der Verkauf weiterer Anteile davon abhängt, wie gut die Aktien am Markt platziert werden können und welche Erlöse sich erzielen lassen.
Entwicklung der Beteiligung seit dem Börsengang
Seit dem erfolgreichen Börsengang im November 2000 haben der Bund (zunächst direkt, dann über die KfW) und die KfW ihre Anteile an der Deutschen Post AG kontinuierlich reduziert. Beim IPO selbst wurden bereits rund 29 Prozent des Grundkapitals aus dem Bestand der KfW platziert, was einen Emissionserlös von rund 6,6 Mrd. Euro einbrachte. In den folgenden Jahren wurden weitere Anteile schrittweise am Markt verkauft. Dieser Prozess der Anteilsreduzierung ist bis heute nicht vollständig abgeschlossen. Die KfW hält nach wie vor eine signifikante Beteiligung an der Deutschen Post AG, auch wenn die Mehrheit der Aktien mittlerweile im Besitz privater und institutioneller Anleger weltweit ist.
Die genaue Höhe der Beteiligung der KfW kann sich aufgrund von Marktaktivitäten geringfügig ändern, liegt aber konstant im Bereich einer wichtigen Ankerbeteiligung. Diese Beteiligung wird oft als strategisch betrachtet, auch wenn das ursprüngliche Ziel die vollständige Privatisierung war. Der Staat behält über die KfW einen gewissen Einfluss, auch wenn die operative Führung und strategische Ausrichtung des Unternehmens vollständig in der Verantwortung des Vorstands und Aufsichtsrats der Deutschen Post AG liegt.
Die Deutsche Post AG heute: Ein globaler Logistikriese (DHL Group)
Ein entscheidender Aspekt der Entwicklung seit der Umwandlung und Privatisierung ist die Metamorphose der Deutschen Post AG von einem nationalen Postdienstleister zu einem global agierenden Logistikkonzern. Unter dem Dach der DHL Group hat das Unternehmen sein Geschäft massiv erweitert und internationalisiert. Die DHL Group ist heute in über 220 Ländern und Territorien vertreten und beschäftigt weltweit rund 594.000 Mitarbeiter.
Das Geschäft der DHL Group gliedert sich in verschiedene, global operierende Geschäftsbereiche:
- DHL Express: Weltweiter Expressversand von Dokumenten und Waren.
- DHL Global Forwarding/Freight: Internationale Luft- und Seefracht sowie europäischer Landverkehr.
- DHL Supply Chain: Kontraktlogistiklösungen für Unternehmen verschiedenster Branchen.
- DHL eCommerce: Paket- und E-Commerce-Dienstleistungen für Privatkunden und kleine bis mittelständische Unternehmen.
Diese Diversifizierung und Globalisierung haben das Unternehmen zu einem der führenden Logistikdienstleister der Welt gemacht. Das Kerngeschäft beschränkt sich schon lange nicht mehr nur auf das inländische Brief- und Paketgeschäft, obwohl dies weiterhin ein wichtiger Bestandteil des Konzerns ist. Mit einem Konzernumsatz von rund 81,8 Mrd. Euro im Jahr 2023 (Angabe laut bereitgestellter Information) gehört die DHL Group zu den umsatzstärksten Unternehmen weltweit.
Der Verkauf der Postbank
Neben dem Ausbau des Logistikgeschäfts hat sich die Deutsche Post AG auch von Teilen ihres ursprünglichen Portfolios getrennt. Das Finanzdienstleistungsgeschäft, das in der Postbank AG gebündelt war, wurde in einem mehrstufigen Verfahren vollständig an die Deutsche Bank AG verkauft. Dieser Prozess begann 2008/2009 und wurde im Februar 2012 mit dem Erwerb aller verbliebenen Anteile durch die Deutsche Bank AG abgeschlossen. Dieser Verkauf ermöglichte es der Deutschen Post AG, sich voll und ganz auf ihre Kernkompetenzen im Post- und Logistikbereich zu konzentrieren.
Wem gehört die Deutsche Post AG also heute?
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Deutsche Post AG gehört heute mehrheitlich privaten und institutionellen Anlegern aus aller Welt. Sie ist ein börsennotiertes Unternehmen, dessen Aktien frei gehandelt werden. Der deutsche Staat ist jedoch über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) weiterhin ein bedeutender Ankeraktionär. Die KfW hält eine substanzielle Beteiligung, deren genaue Höhe öffentlich einsehbar ist und sich im Laufe der Zeit geringfügig ändern kann, aber im Bereich von rund 20 Prozent liegt (dies ist allgemeines Wissen über die Struktur, auch wenn die genaue Zahl nicht im Quelltext steht, die Beschreibung der Rolle der KfW als Hauptaktionär des Staates lässt dies implizieren).
Die ursprünglichen Ziele der Privatisierung, die Deutsche Post AG wettbewerbsfähig zu machen, ihr Wachstum auf den globalen Märkten zu ermöglichen und den Kapitalmarkt zu nutzen, wurden erreicht. Gleichzeitig stellen gesetzliche Regelungen sicher, dass die Grundversorgung mit Postdienstleistungen in Deutschland gewährleistet bleibt.
Häufig gestellte Fragen zur Eigentümerschaft der Deutschen Post AG
Gehört die Deutsche Post AG noch dem deutschen Staat?
Die Deutsche Post AG gehört nicht mehr vollständig dem deutschen Staat. Sie ist ein börsennotiertes Unternehmen. Allerdings hält der deutsche Staat über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) eine bedeutende Minderheitsbeteiligung.
Was ist die Rolle der KfW bei der Deutschen Post AG?
Die KfW fungiert als das Vehikel für die staatliche Beteiligung an der Deutschen Post AG. Der Bund hat seine Anteile an die KfW übertragen, die sie verwaltet und schrittweise weiter reduziert hat. Die KfW ist ein wichtiger Ankeraktionär.
Warum wurde die Deutsche Post privatisiert?
Die Privatisierung sollte die Deutsche Post wettbewerbsfähig machen, ihr den Zugang zum Kapitalmarkt ermöglichen und ihre Entwicklung zu einem globalen Logistikunternehmen fördern. Gleichzeitig sollte die Daseinsvorsorge im Postwesen gesetzlich abgesichert werden, unabhängig vom Eigentümer.
Was ist die DHL Group?
Die DHL Group ist der Konzernname der Deutschen Post AG. Unter diesem Namen bündelt das Unternehmen seine globalen Logistikgeschäfte in verschiedenen Sparten wie Express, Global Forwarding/Freight, Supply Chain und eCommerce. Die Deutsche Post AG ist die Muttergesellschaft der DHL Group.
Hat die Privatisierung die Postdienste in Deutschland verschlechtert?
Das Postgesetz und weitere Vorschriften stellen sicher, dass eine flächendeckende und angemessene Versorgung mit Postdienstleistungen in Deutschland gewährleistet ist. Diese Dienstleistungen können von der Deutschen Post AG oder anderen Postdienstleistern erbracht werden. Die Daseinsvorsorge ist gesetzlich verankert und nicht mehr direkt an eine staatliche Mehrheitsbeteiligung geknüpft.
Wann wurde die Postbank verkauft?
Die Postbank wurde in einem mehrstufigen Verfahren zwischen 2008 und 2012 vollständig an die Deutsche Bank AG verkauft. Damit ist das Bankgeschäft kein Teil der DHL Group mehr.
Die Geschichte der Eigentümerschaft der Deutschen Post AG ist ein Beispiel für die Transformation öffentlicher Unternehmen in marktwirtschaftliche Akteure. Sie zeigt, wie ein ehemaliges Staatsmonopol zu einem globalen Player werden konnte, während der Staat über eine strategische Beteiligung weiterhin eine Rolle spielt, wenn auch nicht mehr als alleiniger Eigentümer oder aus Gründen der Grundversorgung.
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