28/01/2015
Ein Trauerfall ist eine Ausnahmesituation, die von tiefen Emotionen und vielen organisatorischen Fragen geprägt ist. In diesen schweren Stunden stehen Ihnen Bestatter zur Seite, um Sie zu entlasten und einen würdevollen Abschied zu ermöglichen. Doch was genau gehört zu den Aufgaben eines Bestatters, welche logistischen Herausforderungen sind zu meistern und welche modernen Ansätze gibt es?
Die Rolle eines Bestatters geht weit über die reine Organisation einer Beisetzung hinaus. Sie sind Begleiter, Ratgeber und Organisatoren in einer der schwierigsten Phasen des Lebens. Ihre Arbeit umfasst eine Vielzahl von Schritten, die sorgfältig geplant und durchgeführt werden müssen.

Die umfassenden Aufgaben eines Bestatters
Die Aufgaben eines Bestattungsunternehmens beginnen oft unmittelbar nach dem Tod eines Menschen. Zunächst geht es darum, die notwendigen Formalitäten zu klären und den Verstorbenen zu überführen. Dies beinhaltet die Beschaffung des Toten- oder Leichenschauscheins, der von einem Arzt ausgestellt wird. Dieses Dokument ist grundlegend für alle weiteren Schritte.
Der Bestatter berät die Angehörigen hinsichtlich der Bestattungsart (Erd-, Feuer-, See-, oder Baumbestattung etc.) und des Ortes der Beisetzung. Auch die Auswahl des Sarges oder der Urne gehört zu den wesentlichen Entscheidungen, bei denen der Bestatter unterstützt. Darüber hinaus hilft er bei der Gestaltung der Trauerfeier, wozu die Auswahl der Musik, des Redners oder Pfarrers und die Dekoration gehören kann.
Wichtige administrative Aufgaben umfassen die Abmeldung bei verschiedenen Stellen wie Standesamt, Rentenversicherung, Krankenkasse und Versicherungen. Auch die Koordination mit Friedhofsverwaltungen oder Krematorien liegt in der Hand des Bestatters. All diese Schritte erfordern Detailwissen und Erfahrung, um Fehler zu vermeiden und den Prozess für die Hinterbliebenen so reibungslos wie möglich zu gestalten.
Logistik rund um die Überführung und Aufbewahrung
Eine der dringendsten Aufgaben ist die Überführung des Verstorbenen. Spätestens innerhalb einer gesetzlich festgelegten Frist – in den meisten Bundesländern 36 Stunden, in wenigen 24 oder 48 Stunden nach Eintritt des Todes – muss der Leichnam in eine Kühlzelle oder Leichenhalle überführt werden. Diese Kühlräume befinden sich häufig auf Friedhöfen oder in Krematorien, aber auch viele Bestattungshäuser verfügen über eigene Kühlmöglichkeiten. Hier wird der Sarg bis zur Bestattung oder Einäscherung aufbewahrt.
Der Transport des Verstorbenen wird in der Regel vom beauftragten Bestattungsunternehmen übernommen. Dies kann die erste Überführung vom Sterbeort zur Kühlung sein, aber auch weitere Fahrten zum Krematorium, zum Friedhof oder zwischen verschiedenen Orten, falls erforderlich. Es ist ratsam, die Kosten für diese Überführungen im Vorfeld mit dem Bestatter klar abzusprechen, da sie einen erheblichen Teil der Gesamtkosten ausmachen können. Manchmal werden mehrere Särge gleichzeitig transportiert; wer dies vermeiden möchte, sollte dies ebenfalls ansprechen.
Für den Transport Verstorbener ist in Deutschland in der Regel ein spezielles Bestattungsfahrzeug, auch Leichenwagen genannt, vorgeschrieben. Dieses Fahrzeug muss bestimmte Anforderungen erfüllen: Der Laderaum muss umschlossen, verschließbar und vom Fahrerraum getrennt sein. Er muss so beschaffen sein, dass keine Flüssigkeiten austreten können, und vollständig abwaschbar sowie desinfektionsfähig sein. Der Sarg muss sicher befestigt werden können.
Der Sarg selbst muss für den Transport fest verschlossen, widerstandsfähig und gut abgedichtet sein. Der Boden muss mit einer saugfähigen Schicht bedeckt sein.

Erforderliche Dokumente für den Transport
Innerhalb derselben Gemeinde sind für den Transport meist keine besonderen Papiere über den Leichenschauschein hinaus nötig. Bei Überführungen über Gemeindegrenzen oder insbesondere Landesgrenzen hinweg kann jedoch ein Leichenpass erforderlich sein. Die Regelungen hierzu sind je nach Bundesland und Zielland unterschiedlich. Bei internationalen Überführungen ist ein Leichenpass fast immer obligatorisch und es können zusätzliche Bescheinigungen über die Todesursache oder den Ausschluss übertragbarer Krankheiten verlangt werden. Die Beschaffung all dieser notwendigen Dokumente ist eine komplexe Aufgabe, die der Bestatter dank seiner Erfahrung und Kontakte zuverlässig erledigen kann.
Hygienische Versorgung und Ankleiden
Die hygienische Versorgung des Verstorbenen ist ein wichtiger Schritt, der in der Regel vom Bestattungsunternehmen durchgeführt wird. Sie dient dazu, den Leichnam zu reinigen und für die Aufbahrung oder die Einbettung in den Sarg vorzubereiten. Dies geschieht oft in speziellen Räumlichkeiten des Bestattungshauses oder in Leichenhallen.
Der Prozess umfasst das Entkleiden, die Entfernung medizinischer Hilfsmittel, gegebenenfalls eine Desinfektion, das Waschen, Rasieren und Eincremen. Nägel und Haare werden gereinigt und frisiert, Mund und Augen geschlossen. Anschließend wird der Verstorbene angekleidet. Hierfür kann spezielle Sterbekleidung verwendet werden, aber auch eigene Kleidung des Verstorbenen ist möglich, solange sie den Bestimmungen zur Verrottbarkeit oder den Anforderungen des Krematoriums entspricht.
In schwierigen Fällen, etwa nach Unfällen oder bei bestimmten Krankheiten, können Thanatologen oder Thanatopraktiker hinzugezogen werden. Diese Spezialisten können den Leichnam so herrichten, dass er für die Angehörigen einen friedlichen Anblick bietet. Sie können auch Einbalsamierungen vornehmen, um den Leichnam für längere Zeit zu konservieren, was insbesondere bei Überführungen ins Ausland notwendig sein kann.
Während früher die hygienische Versorgung oft von den Angehörigen selbst übernommen wurde, ist es heute üblich, diese Aufgabe dem Bestatter zu überlassen. Dennoch ist es weiterhin möglich und sollte vom Bestatter unterstützt werden, wenn Angehörige diesen letzten Dienst selbst erweisen möchten.
Besonderheiten bei Todesfällen in Einrichtungen
Tritt ein Todesfall in einem Krankenhaus, Alten- oder Pflegeheim ein, haben die Angehörigen grundsätzlich das Recht, das Bestattungsunternehmen frei zu wählen. Sollten die Angehörigen nicht rechtzeitig erreichbar sein, kann die Einrichtung jedoch eine erste Abholung veranlassen und hierfür selbst einen Bestatter beauftragen. Wichtig zu wissen ist, dass dieser vom Heim beauftragte Bestatter nur die Kosten für diese initiale Überführung zu marktüblichen Preisen berechnen darf. Für alle weiteren Leistungen können Sie weiterhin den Bestatter Ihrer Wahl beauftragen. Es empfiehlt sich, solche Fragen im Vorfeld mit der jeweiligen Einrichtung zu klären.
Der digitale Bestatter: Eine moderne Alternative
In einer immer digitaleren Welt gewinnt auch die Online-Bestattung an Bedeutung. Ein digitaler Bestatter ermöglicht es, weite Teile der Bestattungsplanung und -organisation über digitale Wege wie Telefon, Video-Konferenzen und E-Mail abzuwickeln. Dies unterscheidet sich von der traditionellen Methode, bei der persönliche Treffen im Vordergrund stehen.

Der Ablauf einer Online-Bestattung ist im Grunde ähnlich wie bei einer herkömmlichen Bestattung, nur die Kommunikation ist anders. Der Erstkontakt und die Beratung finden telefonisch oder per Video statt. Die Auswahl von Bestattungsart, Sarg/Urne und Details der Trauerfeier werden digital oder telefonisch geklärt. Notwendige Dokumente können digital ausgetauscht, müssen aber oft im Original per Post versandt werden. Die Koordination der Überführung und die Planung der Trauerfeier erfolgen ebenfalls aus der Ferne. Der Bestatter ist während des gesamten Prozesses digital oder telefonisch erreichbar.
Die Vorteile einer Online-Bestattung liegen auf der Hand: Sie bietet Zeitersparnis durch den Wegfall von Anfahrten und flexible Terminplanung. Sie ermöglicht Ortsunabhängigkeit, was ideal ist, wenn die Angehörigen weit entfernt leben. Die Organisation kann flexibel von zu Hause aus erfolgen, und potenziell können durch effizientere Prozesse Kosten gespart werden. Herausforderungen können die fehlende persönliche Note des direkten Kontakts und technische Hürden sein, denen mit guter Erreichbarkeit und alternativen Kommunikationswegen begegnet werden muss.
Eine Online-Bestattung eignet sich besonders für Angehörige, die weit entfernt wohnen, in ihrer Mobilität eingeschränkt sind oder eine effiziente und zeitsparende Organisation bevorzugen.
Vergleich: Traditionelle vs. Online-Bestattung
| Merkmal | Traditionelle Bestattung | Online-Bestattung |
|---|---|---|
| Beratung & Planung | Primär persönliche Treffen vor Ort | Primär telefonisch/digital (Video, E-Mail) |
| Ortsunabhängigkeit | Eingeschränkt, erfordert Anwesenheit | Hoch, Organisation aus der Ferne möglich |
| Flexibilität | Terminabsprache im Büro des Bestatters | Hohe Flexibilität bei der Terminierung |
| Dokumentenhandling | Oft persönliche Übergabe, teils digital | Digitaler Austausch, Originale per Post |
| Kostenpotenzial | Kann höher sein (Anfahrten etc.) | Potenziell geringere Kosten durch Effizienz |
| Persönlicher Kontakt | Sehr stark ausgeprägt | Weniger direkt, Fokus auf digitale/telefonische Betreuung |
Das Thema Trinkgeld im Bestattungswesen
Eine Frage, die immer wieder aufkommt, betrifft das Thema Trinkgeld für die am Trauerfall beteiligten Personen. Trinkgeld ist grundsätzlich eine freiwillige Anerkennung für eine gut erbrachte Leistung oder ein persönliches Dankeschön. Es gibt keine Verpflichtung, Trinkgeld zu geben.
Wer kommt als Empfänger in Frage? Dies können Personen sein wie Sargträger, Friedhofswärter oder Musiker (Organist etc.). Pfarrer werden in der Regel über die Kirchensteuer bezahlt, andere Beteiligte erhalten ihr Gehalt von der Kommune, dem Bestatter oder der Friedhofsverwaltung. Alle werden letztendlich aus den Kosten der Bestattung bezahlt.
Die Höhe des Trinkgeldes ist Ermessenssache. Eine alte Faustregel lautet: „Es darf nicht klimpern, es sollte rascheln“, was bedeutet, dass Geldscheine üblich sind. Ein Fünf-Euro-Schein könnte als Untergrenze betrachtet werden. Nach oben gibt es keine festen Grenzen, man sollte es aber auch nicht übertreiben.
Es wird empfohlen, Trinkgeld nicht als einen großen Schein für alle Beteiligten zu geben. Besser ist es, kleinere, gleiche Beträge (z.B. 5- oder 10-Euro-Scheine) in einzelnen, nicht zugeklebten Umschlägen bereitzuhalten. So kann jeder Beteiligte seinen Anteil direkt erhalten. Die Anzahl der benötigten Umschläge kann geschätzt oder beim Bestatter erfragt werden. Diese Methode ermöglicht auch eine Anpassung, falls die erbrachte Leistung die Erwartungen übertrifft oder nicht erfüllt.

Häufig gestellte Fragen
Braucht ein Bestatter einen Kühlraum?
Ja, Bestattungsunternehmen verfügen häufig über eigene Kühlräume oder nutzen die Kühlzellen auf Friedhöfen oder in Krematorien, da Verstorbene innerhalb einer gesetzlich festgelegten Frist gekühlt werden müssen.
Was ist eine Online-Bestattung?
Eine Online-Bestattung ist ein Ansatz, bei dem ein Großteil der Planung und Organisation eines Trauerfalls digital oder telefonisch abgewickelt wird, anstatt in persönlichen Treffen.
Sollte man einem Bestatter Trinkgeld geben?
Trinkgeld ist freiwillig und eine persönliche Entscheidung als Anerkennung oder Dankeschön für beteiligte Personen wie Sargträger oder Friedhofspersonal. Der Bestatter selbst erhält in der Regel kein Trinkgeld.
Wer darf den Leichnam transportieren?
In der Regel nur ein speziell dafür ausgestattetes Bestattungsfahrzeug. Der Transport wird vom beauftragten Bestattungsunternehmen durchgeführt.
Was bedeutet hygienische Versorgung?
Darunter versteht man die Reinigung und Vorbereitung des Verstorbenen (Waschen, Ankleiden etc.) vor der Aufbahrung oder Einbettung in den Sarg.
Wer kümmert sich um die Papiere für die Überführung?
Das Bestattungsunternehmen übernimmt in der Regel die Beschaffung aller notwendigen Dokumente wie Leichenschauschein und ggf. Leichenpass.
Fazit
Die Aufgaben eines Bestatters sind vielfältig und anspruchsvoll. Sie reichen von der einfühlsamen Beratung und Unterstützung bei der Planung über die komplexen logistischen Herausforderungen der Überführung und Versorgung bis hin zur Klärung administrativer und rechtlicher Fragen. Ob traditionell im persönlichen Gespräch oder modern über digitale Kanäle – das Ziel ist immer, den Hinterbliebenen in einer Zeit des Verlustes zur Seite zu stehen und einen würdevollen Abschied zu ermöglichen. Die Wahl des richtigen Bestattungsunternehmens, das Vertrauen schafft und die Bedürfnisse der Angehörigen versteht, ist dabei von entscheidender Bedeutung.
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