Welche HARIBO für Muslime?

HARIBO: Streit, Halal & die süße Geschichte

01/02/2017

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HARIBO ist zweifellos eine der bekanntesten und beliebtesten Süßwarenmarken der Welt. Die bunten Goldbären sind für viele Menschen ein Stück Kindheit und stehen für unbeschwerten Genuss. Doch in letzter Zeit gab es Berichte über leere HARIBO-Regale in einigen großen Supermarktketten. Was steckt hinter diesem Phänomen und wie hat sich das Familienunternehmen aus Bonn über ein Jahrhundert entwickelt?

Übersicht

Der aktuelle Streit: Warum HARIBO aus den Regalen verschwindet

Die Meldungen sind eindeutig: Supermärkte wie Lidl und Edeka haben begonnen, HARIBO-Produkte aus ihrem Sortiment zu nehmen oder die Bestellmengen drastisch zu reduzieren. Der Grund ist ein klassischer Konflikt im Handel: Preisverhandlungen. HARIBO fordert offenbar höhere Preise für seine Produkte, während die Händler diese Forderungen als zu hoch ansehen und nicht bereit sind, sie in vollem Umfang zu akzeptieren.

Ist Haribo für Muslime in Ordnung?
Die klassischen Haribo aus dem Supermarkt enthalten Schweinegelatine und sind daher für Muslime nicht geeignet . Die Firma Haribo hat jedoch eine eigene Variante für die muslimische Bevölkerung auf den Markt gebracht: Haribo Halal. Diese Haribo Halal werden in der Türkei hergestellt.

Preiskämpfe mit Supermärkten

Im modernen Einzelhandel sind Preisverhandlungen zwischen Herstellern und Handelsketten an der Tagesordnung. Große Ketten wie Edeka oder Lidl verfügen über enorme Marktmacht und können Druck auf Hersteller ausüben, um niedrige Einkaufspreise zu erzielen. Hersteller wie HARIBO, die über starke Marken verfügen, versuchen ihrerseits, höhere Preise durchzusetzen, um gestiegene Produktionskosten auszugleichen oder ihre Margen zu verbessern. Wenn die Vorstellungen beider Seiten zu weit auseinanderliegen, kann es zu Lieferstopps oder Auslistungen kommen, wie es nun bei HARIBO zu beobachten ist. Edeka hat Berichten zufolge den Verkauf von HARIBO-Artikeln bereits um 40 Prozent zurückgefahren. Dieser Preisstreit trifft die Verbraucher direkt, da sie ihre Lieblingsprodukte möglicherweise nicht mehr in ihrem gewohnten Supermarkt finden.

Die Rolle der Konkurrenz

Neben den direkten Preisverhandlungen mit den Händlern sieht sich HARIBO auch einer wachsenden Konkurrenz gegenüber. Der Markt für Fruchtgummi und Süßwaren ist hart umkämpft. Zahlreiche andere Hersteller bieten ähnliche Produkte an, oft zu günstigeren Preisen oder mit innovativen Varianten. Für die Händler bedeutet dies, dass sie Alternativen zu HARIBO im Regal haben und nicht allein auf die Kultmarke angewiesen sind. Wenn HARIBO zu teuer wird, können sie leichter auf Produkte anderer Anbieter ausweichen, was HARIBOs Verhandlungsposition schwächt. Die wachsende Konkurrenz verstärkt somit den Druck in den Preisgesprächen.

Die Gründe, die HARIBO für Preiserhöhungen ins Feld führt, sollen unter anderem gestiegene Rohstoffkosten sein, die durch Faktoren wie die Corona-Pandemie oder die afrikanische Schweinepest beeinflusst wurden. Unabhängig von der Legitimität dieser Kostentreiber geht es im Kern des Konflikts um die Frage, wer die Last höherer Kosten trägt – Hersteller, Handel oder letztlich der Verbraucher.

Mehr als nur Schweinegelatine: Die HARIBO Halal-Produktion

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der HARIBO betrifft, ist die Frage nach der Halal-Zertifizierung von Produkten für muslimische Verbraucher. Viele klassische Süßwaren enthalten Gelatine, die oft aus Schweinebestandteilen gewonnen wird. Da der Konsum von Schweinefleischprodukten im Islam nicht erlaubt ist, sind traditionelle Gummibärchen für viele Muslime nicht geeignet.

Klassische HARIBO vs. Halal

Die klassischen HARIBO-Produkte, die man im regulären Supermarkt findet, enthalten in der Tat Schweinegelatine. Dies schließt die berühmten Goldbären in Deutschland und vielen anderen Ländern ein. Für muslimische Verbraucher, die sich an den Halal-Vorschriften orientieren, sind diese Produkte daher tabu. HARIBO hat jedoch diese Marktlücke erkannt und eine spezielle Produktlinie entwickelt, die den Anforderungen des islamischen Rechts entspricht.

Produktion in der Türkei und Zertifizierung

Um muslimischen Verbrauchern ebenfalls den Genuss von Fruchtgummi zu ermöglichen, hat HARIBO spezielle Halal-Varianten eingeführt. Diese werden nicht in Deutschland, sondern in der Türkei hergestellt, genauer gesagt in Istanbul-Hadimköy. Der entscheidende Unterschied liegt in der verwendeten Gelatine. Für die HARIBO Halal-Produkte wird Gelatine von Rindern verwendet, die nach islamischen Richtlinien geschlachtet wurden. Die Produktion in der Türkei steht unter der strengen Aufsicht der türkischen Behörden, um die Einhaltung der Halal-Vorschriften zu gewährleisten.

Die HARIBO Halal-Produkte wurden von renommierten Instituten zertifiziert, darunter EHZ (Europäisches Halal Zertifizierungsinstitut) und TSE (Türk Standardları Enstitüsü). Diese Zertifikate bestätigen, dass die Produkte den Halal-Standards entsprechen. Verbraucher können die Halal-Zertifizierung in der Regel direkt auf der Verpackung erkennen. Dies zeigt, dass HARIBO bestrebt ist, verschiedene Verbrauchergruppen anzusprechen und auf kulturelle und religiöse Bedürfnisse einzugehen. Die Verfügbarkeit von Halal-Produkten erweitert die Reichweite der Marke erheblich.

Warum gibt es kein HARIBO mehr?
Der Grund: Das Unternehmen kann sich mit den Händeln wohl nicht auf einen Preis einigen. Lidl hat bereits reagiert und die kleinen bunten Goldmänner aus ihrem Sortiment genommen, nun will Edeka nachziehen.

Hinter den Goldbären: Die Geschichte von HARIBO

Um die aktuelle Situation und die Bedeutung von HARIBO vollständig zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die über hundertjährige Unternehmensgeschichte. Die Geschichte von HARIBO ist eng mit dem Namen ihres Gründers verbunden.

Gründung und die ersten Jahre

Die Firma HARIBO wurde am 13. Dezember 1920 von Johann „Hans“ Riegel senior in Bonn gegründet. Der Name „HARIBO“ ist ein Akronym, das sich aus den ersten beiden Buchstaben seines Vor- und Nachnamens sowie den ersten beiden Buchstaben des Standortes zusammensetzt: Hans Riegel Bonn. Das Startkapital war bescheiden: ein Sack Zucker, ein Kupferkessel, eine Marmorplatte, ein Hocker, ein gemauerter Herd und eine Walze. Die erste Produktionsstätte war ein kleines Haus im Bonner Stadtteil Kessenich.

Bereits zwei Jahre nach der Gründung, im Jahr 1922, erfand Hans Riegel senior das Produkt, das zum weltweiten Markenzeichen werden sollte: den Vorläufer der Goldbären. Damals trug er den Namen „Tanzbär“. Dieser war zunächst größer und weicher als die heutigen Gummibärchen, da statt der später üblichen Gelatine noch Gummi Arabicum verwendet wurde. 1925 begann HARIBO mit der Herstellung von Lakritzprodukten, ein weiteres Standbein des Unternehmens.

Wachstum und Übernahmen

In den 1930er Jahren baute HARIBO seine Vertriebsorganisation in Deutschland auf und errichtete den Hauptbau einer neuen Fabrikanlage. Die Expansion über Deutschland hinaus begann 1935 mit der Gründung der Haribo Lakrids A/S in Kopenhagen zusammen mit dänischen Partnern. Während des Zweiten Weltkrieges litt die Produktion unter Rohstoffknappheit.

Nach dem frühen Tod von Hans Riegel senior im März 1945 übernahmen seine Söhne Hans junior und Paul Riegel nach ihrer Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1946 die Leitung des Unternehmens. Hans Riegel junior (oft einfach als „Hans Riegel“ bezeichnet) wurde das öffentliche Gesicht der Firma, während Paul Riegel im Hintergrund die Forschung und Produktentwicklung leitete. Unter ihrer Führung expandierte HARIBO stark, sowohl organisch als auch durch Übernahmen. Wichtige Zukäufe waren unter anderem die Firma Kleutgen & Meier in Godesberg (1957), Anteile an der französischen Firma Lorette (später Haribo-France, 1967), die Firma Dr. Hillers in Solingen (1968, komplett übernommen 1979), Anteile an Bären-Schmidt (1971) und die englische Firma Dunhills (1972, komplett übernommen 1994). Eine besonders bekannte Übernahme war die der Edmund Münster GmbH & Co. KG im Jahr 1986, wodurch die beliebte Kaubonbon-Marke Maoam Teil des HARIBO-Konzerns wurde.

Generationenwechsel und Familienstruktur

Die Unternehmensleitung blieb lange in den Händen der Brüder Hans und Paul Riegel. Nach Paul Riegels Tod im Jahr 2009 und dem Tod von Hans Riegel junior im Jahr 2013 gab es Umstrukturierungen in der komplexen Familienholding. Heute ist die Haribo GmbH & Co. KG Teil der Haribo Holding GmbH & Co. KG, die wiederum mehrheitlich im Besitz von Familienmitgliedern der Stämme von Hans und Paul Riegel ist. Die Dr. Hans Riegel-Stiftung spielt ebenfalls eine Rolle. HARIBO ist nach wie vor ein Familienunternehmen.

Produktionsstätten weltweit

HARIBO produziert heute mit rund 7000 Mitarbeitern an mehreren Standorten. In Deutschland gibt es vier Betriebe, darunter die historischen Standorte in Bonn und Solingen sowie der neue Hauptsitz mit Produktion in Grafschaft (Rheinland-Pfalz), wohin die Hauptverwaltung 2018 von Bonn umzog. Weitere Produktionsstätten befinden sich in zehn anderen Ländern Europas, darunter Linz in Österreich, wo seit 1989 produziert wird. Linz gilt als Drehscheibe für den ost- und südeuropäischen Markt.

Welche Firma steckt hinter HARIBO?
Die Haribo-Holding GmbH & Co. KG ist ein deutscher Konzern, der Süßwaren herstellt.

In den letzten Jahren gab es auch Schließungen von Werken, wie in Mainbernheim (2018) und Wilkau-Haßlau (2020). Gleichzeitig expandiert HARIBO international weiter. 2023 eröffnete das erste Werk in den USA in Pleasant Prairie, Wisconsin – eine bedeutende Investition für den wichtigen nordamerikanischen Markt. Auch in Neuss, dem Standort der Maoam-Produktion, ist ein neues, großes Werk geplant, das ab 2025 gebaut und 2028 die Produktion aufnehmen soll.

Herausforderungen und Kontroversen

Wie viele große Unternehmen sah sich auch HARIBO im Laufe seiner Geschichte mit Herausforderungen konfrontiert. Dazu gehörten logistische und produktionstechnische Anpassungen bei Wachstum, aber auch rechtliche Fragen. Im Jahr 2012 verhängte das Bundeskartellamt ein Bußgeld gegen HARIBO wegen wettbewerbswidriger Absprachen mit Konkurrenten bezüglich Verhandlungen mit dem Einzelhandel. Dies zeigt, dass auch etablierte Unternehmen unter kartellrechtlicher Beobachtung stehen.

Der Goldbär im Detail: Ikone der Süßwarenwelt

Die Goldbären sind das unangefochtene Aushängeschild von HARIBO und machen einen Großteil des Umsatzes aus. Ihre Entwicklung und Zusammensetzung sind ein Spiegelbild der Unternehmensgeschichte und des Wandels in der Lebensmittelproduktion.

Zusammensetzung und Herstellung

Ein klassischer Goldbär besteht hauptsächlich aus Zucker, Glukosesirup, Gelatine (in der klassischen Variante Schweinegelatine), Frucht- und Pflanzenkonzentraten, Aromen, Säuerungsmitteln und Überzugsmitteln. Die Gelatine verleiht ihnen ihre charakteristische gummiartige Konsistenz. Ursprünglich wurde wie erwähnt Gummi Arabicum verwendet, die Umstellung auf Gelatine erfolgte später.

Die Produktion erfolgt in großen Mengen. Im Jahr 2005 produzierte HARIBO täglich rund 100 Millionen Goldbären in seinen damaligen 15 europäischen Betrieben. Heute dürfte diese Zahl noch höher liegen, insbesondere mit dem neuen Werk in den USA.

Entwicklung und Variationen

Der Goldbär hat sich seit seinem ersten Auftritt als „Tanzbär“ im Jahr 1922 weiterentwickelt. Seit 1960 trägt er den Namen Goldbär, um ihn von Nachahmerprodukten abzugrenzen. Die Form wurde im Laufe der Zeit leicht angepasst, und seit 2007 tragen alle Goldbären ein „lächelndes“ Gesicht. Auch die Farbstoffe und Geschmacksrichtungen wurden verändert. In Deutschland werden die Goldbären inzwischen mit natürlichen Fruchtextrakten gefärbt, nachdem früher auch künstliche Farbstoffe zum Einsatz kamen.

Die Geschmacksrichtungen der Goldbären haben sich ebenfalls gewandelt:

Farbe (bis 2007)Geschmack (bis 2007)Farbe (ab 2007)Geschmack (ab 2007)
WeißAnanasWeißAnanas
GelbZitroneGelbZitrone
OrangeOrangeOrangeOrange
HellrotHellrotErdbeere
DunkelrotHimbeereDunkelrotHimbeere
GrünErdbeereGrünApfel

Zusätzlich zu den Standard-Varianten gibt es immer wieder limitierte Sondereditionen, oft anlassbezogen wie zu Fußball-Weltmeisterschaften oder in Kooperationen, wie die Fassbrause-Goldbären zum Wacken Open Air 2022. Obwohl technisch blaue Goldbären mit natürlichen Farbstoffen möglich wären, hat sich HARIBO entschieden, die traditionellen Farben beizubehalten.

Warum gibt es kein HARIBO mehr?
Der Grund: Das Unternehmen kann sich mit den Händeln wohl nicht auf einen Preis einigen. Lidl hat bereits reagiert und die kleinen bunten Goldmänner aus ihrem Sortiment genommen, nun will Edeka nachziehen.

Häufig gestellte Fragen zu HARIBO

Rund um die Marke HARIBO und ihre Produkte gibt es immer wiederkehrende Fragen von Verbrauchern:

Warum finde ich HARIBO nicht mehr überall?

Dies liegt am aktuellen Preisstreit zwischen HARIBO und einigen großen Einzelhandelsketten wie Edeka und Lidl. Da man sich nicht auf Einkaufspreise einigen konnte, haben die Händler die Produkte aus dem Sortiment genommen oder die Bestellungen reduziert.

Sind alle HARIBO-Produkte Halal?

Nein, die klassischen HARIBO-Produkte, die in vielen Ländern verkauft werden, enthalten Schweinegelatine und sind daher nicht Halal. HARIBO produziert jedoch spezielle Halal-Varianten in der Türkei, die Rindergelatine von nach islamischen Regeln geschlachteten Tieren enthalten und zertifiziert sind. Achten Sie auf das Halal-Zertifikat auf der Verpackung.

Woher kommt der Name HARIBO?

Der Name ist ein Akronym, gebildet aus den ersten beiden Buchstaben des Vor- und Nachnamens des Gründers und des Standortes: HAns RIegel BOnn.

Wer leitet HARIBO heute?

HARIBO ist nach wie vor ein Familienunternehmen. Die Führung liegt bei Mitgliedern der Familienzweige von Hans und Paul Riegel, unterstützt durch ein Managementteam. Die genaue Struktur der Familienholding ist komplex.

Was ist der Unterschied zwischen Tanzbär und Goldbär?

Der Tanzbär war der ursprüngliche Name der Gummibären, die Hans Riegel 1922 erfand. Er war größer und weicher und wurde mit Gummi Arabicum hergestellt. Seit 1960 heißt das Produkt Goldbär, ist kleiner, fester (dank Gelatine) und hat seine heutige Form erhalten.

Fazit

HARIBO ist weit mehr als nur eine Tüte Süßigkeiten. Die Marke blickt auf eine reiche Geschichte als deutsches Familienunternehmen zurück, das sich von einer kleinen Hinterhofküche zu einem globalen Player entwickelt hat. Aktuelle Herausforderungen wie der Preisstreit mit großen Einzelhändlern und die Notwendigkeit, globale Märkte mit spezifischen Anforderungen wie der Halal-Produktion zu bedienen, zeigen, dass auch eine Kultmarke sich ständig anpassen muss. Trotzdem bleiben die Goldbären und andere HARIBO-Produkte für viele Menschen ein Synonym für süßen Genuss und unbeschwerte Momente.

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