11/06/2015
In unserer modernen Welt sind bedruckte Gegenstände allgegenwärtig. Ob Bücher, Zeitungen, Verpackungen, Kleidung oder Werbemittel – kaum ein Material, das nicht bedruckt werden kann. Doch hinter jedem bedruckten Objekt verbirgt sich ein spezifisches Druckverfahren, das auf das jeweilige Material und den gewünschten Zweck zugeschnitten ist. Die Vielfalt der verfügbaren Drucktechniken ist groß, und jede hat ihre eigenen Besonderheiten, Vorteile und typischen Anwendungsbereiche.

Grundsätzlich können Druckverfahren nach verschiedenen Kriterien unterschieden werden. Eine grundlegende Unterscheidung, die mit der technologischen Entwicklung an Bedeutung gewonnen hat, ist die zwischen analogem und digitalem Druck. Beim analogen Druck wird zwingend eine feste Druckform benötigt, um die Druckfarbe auf das zu bedruckende Material zu übertragen. Diese Druckform ist statisch. Im Gegensatz dazu kommt der Digitaldruck ohne eine solche feste Druckform aus. Die Druckinformationen werden stattdessen elektronisch, also digital, direkt an die Druckmaschine übermittelt.
Die 4 klassischen Druckverfahren nach Druckform
Eine weitere wichtige Klassifizierung, die auch in der deutschen Norm DIN 16500 verankert ist, unterscheidet Druckverfahren basierend auf dem Verhältnis der druckenden Elemente zur nicht druckenden Fläche auf der Druckform. Hierbei spricht man von den vier klassischen Druckarten:
- Hochdruck
- Tiefdruck
- Flachdruck
- Durchdruck
Mit dem Fortschritt der Technologie ist, wie erwähnt, der Digitaldruck als fünfte, moderne Druckart hinzugekommen. Obwohl er keine klassische Druckform im Sinne der anderen Verfahren nutzt, wird er ebenfalls zu den Drucktechniken gezählt.
Hochdruck: Der Ursprung des Drucks
Das älteste bekannte Druckverfahren ist der Hochdruck. Seinen Namen verdankt er der Tatsache, dass die druckenden Elemente auf der Druckform erhaben sind, also höher liegen als die Bereiche, die nicht bedruckt werden sollen. Stellen Sie sich eine Art Stempel vor, bei dem nur die erhöhten Teile Farbe aufnehmen und abgeben.
Die Revolution des modernen Buchdrucks durch Johannes Gutenberg im Jahr 1450 mit seinen beweglichen Metall-Lettern basiert auf dem Prinzip des Hochdrucks, oft auch Buchdruck oder Letterpress genannt. Der Farbauftrag erfolgt hierbei direkt von der erhabenen Druckform auf den Bedruckstoff. Es handelt sich somit um ein direktes Druckverfahren. Die Druckform beim Hochdruck kann aus einzelnen Buchstaben (Lettern), aus zusammenhängenden bildlichen Elementen (Klischees) oder einer Kombination aus beidem bestehen. Klischees können aus verschiedenen Materialien gefertigt sein, die je nach Anforderung ausgewählt werden.
Auf der Grundlage des Hochdrucks sind weitere spezialisierte Druckarten entstanden, wie zum Beispiel der Flexodruck, der oft für Verpackungen oder Etiketten verwendet wird, oder auch künstlerische Techniken wie der Linolschnitt.
Tiefdruck: Vertiefte Elemente für hohe Auflagen
Im Gegensatz zum Hochdruck liegen beim Tiefdruck die zu bedruckenden Bildstellen nicht erhaben, sondern sind in die Druckform vertieft eingraviert oder geätzt. Farbe füllt diese Vertiefungen, und überschüssige Farbe auf der nicht vertieften Oberfläche wird abgestrichen, bevor der Bedruckstoff gegen die Form gepresst wird, um die Farbe aus den Vertiefungen zu ziehen.
Der Tiefdruck wird vor allem bei Druckerzeugnissen mit sehr hoher Auflage eingesetzt, da die Druckformen extrem langlebig sind. Typische Anwendungsbereiche sind der Etiketten- und Verpackungsdruck. Aufgrund seiner Fälschungssicherheit wird der Tiefdruck auch für die Produktion von Banknoten, Wertpapieren und Briefmarken genutzt.
Eine spezielle Technik, die dem Tiefdruckprinzip nahesteht, ist der Tampondruck. Beim Tampondruck befindet sich die Druckform in einer Vertiefung, und die Farbe wird mittels eines elastischen Tampons aus Silikonkautschuk aus dieser Vertiefung aufgenommen und auf das zu bedruckende Objekt übertragen. Dies ermöglicht das Bedrucken unebener oder geformter Oberflächen.
Flachdruck: Farbe und Nicht-Farbe auf einer Ebene
Beim Flachdruck liegen die zu druckenden und die nicht zu druckenden Stellen auf der Druckform auf nahezu derselben Ebene. Das Funktionsprinzip basiert auf dem physikalischen Gegensatz von Fett und Wasser. Die druckenden Bereiche sind fettfreundlich (lipophil) und stoßen Wasser ab, während die nicht druckenden Bereiche wasserfreundlich (hydrophil) sind und Fett abstoßen. Zuerst wird die Druckform befeuchtet, sodass Wasser an den nicht druckenden Stellen haftet. Anschließend wird Farbe aufgetragen, die nur an den fettfreundlichen (druckenden) Stellen haftet.
Das bekannteste und heute populärste Verfahren des Flachdrucks ist der Offsetdruck. Der Offsetdruck zeichnet sich durch hohe Geschwindigkeit und Wirtschaftlichkeit aus, was die kostengünstige Produktion von Druckerzeugnissen selbst in Millionenauflage in kurzer Zeit ermöglicht. Er eignet sich ideal für den Druck von Büchern, Tageszeitungen, Katalogen, Flyern und vielen anderen Druckartikeln, die in größeren Auflagen benötigt werden.
Interessanterweise ist der Offsetdruck ein indirektes Druckverfahren. Das Druckbild wird nicht direkt von der Druckform auf das Material übertragen, sondern zunächst auf einen Zwischenträger, meist einen Gummituchzylinder, übertragen und erst dann von dort auf den Bedruckstoff. Dies schont die Druckform und ermöglicht den Druck auf einer Vielzahl von Materialien.
Durchdruck: Farbe durch das Sieb
Beim Durchdruck, der auch als Siebdruck bekannt ist, wird die Druckfarbe durch ein feinmaschiges Gewebe (ein Sieb) auf das zu bedruckende Material aufgetragen. Bestimmte Bereiche des Siebs sind farbdurchlässig (die druckenden Bereiche), während andere Bereiche blockiert sind (die nicht druckenden Bereiche). Ein Rakel drückt die Farbe durch die offenen Maschen des Siebs auf den Bedruckstoff.
Ein großer Vorteil des Siebdrucks ist seine Vielseitigkeit. Mit dieser Druckart kann man nahezu beliebige Materialien in beliebiger Form bedrucken, von flachen Oberflächen wie Papier und Karton bis hin zu Textilien, Kunststoffen, Metall, Glas und sogar geformten Objekten. In der Werbeartikel-Branche ist der Siebdruck sehr beliebt. Ob T-Shirts, Baumwolltaschen, Kugelschreiber oder Regenschirme – mit Siebdruck lässt sich fast alles in hochwertiger Qualität bedrucken.
Der Siebdruck ist ein direktes Druckverfahren, da die Farbe direkt vom Sieb (der Druckform) auf den Bedruckstoff übertragen wird.

Digitaldruck: Druck ohne feste Form
Das jüngste und am schnellsten wachsende Druckverfahren ist der Digitaldruck. Wie bereits erwähnt, benötigt der Digitaldruck keine statische Druckform im klassischen Sinne. Die Druckvorlage wird digital am Computer erstellt und direkt von dort an die Druckmaschine gesendet. Die Farbe (oder der Toner) wird dann direkt auf das zu bedruckende Material übertragen.
Der Hauptvorteil des Digitaldrucks liegt in seiner Flexibilität und Wirtschaftlichkeit bei kleinen Auflagen. Da keine aufwendige Druckformherstellung notwendig ist, lohnt sich der Digitaldruck bereits ab Auflage 1. Dies macht ihn ideal für personalisierte Druckprodukte, Fotobücher, Kalender, Poster, Schilder und andere Anwendungen, bei denen geringe Stückzahlen oder variable Daten benötigt werden.
Innerhalb des Digitaldrucks gibt es verschiedene Techniken, wobei Inkjet (Tintenstrahl) und Laserdruck (Elektrofotografie) die bekanntesten sind. Beide sind direkte Druckverfahren.
Druckverfahren nach Übertragungsweg
Neben der Klassifizierung nach der Druckform kann man Druckverfahren auch danach unterscheiden, wie die Farbe vom Druckelement auf den Bedruckstoff übertragen wird. Hierbei gibt es zwei Hauptkategorien:
- Direktes Druckverfahren: Das Druckmotiv wird unmittelbar von der Druckform auf das Druckmaterial übertragen.
- Indirektes Druckverfahren: Das Druckbild wird zuerst auf einen Zwischenträger übertragen und erst dann vom Zwischenträger auf das bedruckende Material.
Beispiele für direkte Druckverfahren sind der Siebdruck, der Flexodruck, der Stempeldruck, der Tiefdruck und der UV-Direktdruck.
Beispiele für indirekte Druckverfahren sind das Letterset, der Tampondruck und der Offsetdruck. Beim Offsetdruck ist der Zwischenträger der Gummituchzylinder, beim Tampondruck der Tampon selbst.
Die Wahl des richtigen Verfahrens
Die Entscheidung für ein bestimmtes Druckverfahren hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab: dem zu bedruckenden Material, der gewünschten Auflagenhöhe, den Anforderungen an die Druckqualität, der Form des Objekts und dem verfügbaren Budget. Jedes Verfahren hat seine Stärken und Schwächen, die es für bestimmte Anwendungen prädestinieren.
- Der Hochdruck ist historisch bedeutsam und wird heute noch für spezielle Anwendungen und künstlerische Zwecke (Letterpress) sowie für Verpackungen (Flexodruck) genutzt.
- Der Tiefdruck eignet sich hervorragend für sehr hohe Auflagen und sicherheitsrelevante Drucke.
- Der Flachdruck, insbesondere der Offsetdruck, ist das „Arbeitspferd“ für den kostengünstigen Massendruck von Publikationen und Werbematerialien in mittleren bis hohen Auflagen.
- Der Durchdruck (Siebdruck) ist unschlagbar, wenn es um die Bedruckung unterschiedlichster Materialien und Formen geht, besonders im Bereich der Werbeartikel und Textilien.
- Der Digitaldruck bietet unerreichte Flexibilität und Wirtschaftlichkeit bei kleinen Auflagen und personalisierten Drucken.
Häufig gestellte Fragen zu Druckverfahren
Q: Was versteht man unter Druckverfahren?
A: Unter Druckverfahren versteht man die Techniken und Methoden, mit denen Druckfarbe oder Toner auf einen Bedruckstoff übertragen wird, um Schriften, Bilder oder Muster zu erzeugen.
Q: Was ist der Hauptunterschied zwischen analogem und digitalem Druck?
A: Der Hauptunterschied liegt in der Notwendigkeit einer festen Druckform. Analoge Verfahren (Hochdruck, Tiefdruck, Flachdruck, Durchdruck) benötigen eine physische Druckform, während der Digitaldruck direkt von einer digitalen Datei druckt, ohne eine statische Form.
Q: Welche sind die 4 klassischen Druckverfahren?
A: Die 4 klassischen Druckverfahren, die auch in der DIN 16500 definiert sind, sind Hochdruck, Tiefdruck, Flachdruck und Durchdruck. Sie unterscheiden sich im Verhältnis der druckenden zu den nicht druckenden Elementen auf der Druckform.
Q: Wie funktioniert der Offsetdruck?
A: Der Offsetdruck ist ein Flachdruckverfahren und basiert auf der Abstoßung von Fett (Farbe) und Wasser. Die Farbe wird zuerst von der Druckform auf einen Gummituchzylinder (Zwischenträger) übertragen und erst dann vom Gummituchzylinder auf den Bedruckstoff. Es ist ein indirektes Verfahren.
Q: Wann setze ich Digitaldruck ein?
A: Digitaldruck ist ideal für kleine Auflagen (auch ab Auflage 1), personalisierte Drucke, variable Daten und Projekte, bei denen die schnelle Produktion ohne aufwendige Druckformherstellung wichtig ist.
Q: Was bedeutet direkter vs. indirekter Druckübertragungsweg?
A: Beim direkten Druck wird die Farbe direkt von der Druckform auf das Material übertragen. Beim indirekten Druck wird die Farbe zuerst auf einen Zwischenträger übertragen und erst von dort auf das Material.
Fazit
Die Welt der Druckverfahren ist vielfältig und komplex. Jede Methode hat ihre Berechtigung und ist für bestimmte Anwendungen optimiert. Das Verständnis der grundlegenden Prinzipien des Hochdrucks, Tiefdrucks, Flachdrucks, Durchdrucks und des modernen Digitaldrucks sowie der Unterscheidung zwischen direktem und indirektem Transfer hilft dabei, die Möglichkeiten des Drucks besser zu verstehen und die passende Technik für jedes individuelle Projekt zu finden.
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