04/06/2022
Der Name Edding ist für viele Menschen in Deutschland und darüber hinaus ein Synonym für Filzstifte und Marker geworden. Ob im Büro, in der Schule, im Lager oder zu Hause – ein Edding ist oft griffbereit, wenn etwas Wichtiges markiert oder beschriftet werden soll. Doch wie entstand dieser bekannte Name und das Unternehmen dahinter? Die Geschichte von Edding ist eine Erzählung von einer cleveren Geschäftsidee, beständigem Wachstum und der Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden.

Die Wurzeln des Unternehmens reichen zurück ins Jahr 1960. In einer bescheidenen Souterrain-Wohnung in Hamburg-Barmbek legten die Schulfreunde Carl-Wilhelm Edding und Volker Detlef Ledermann den Grundstein für das, was heute ein international agierendes Unternehmen ist. Mit einem geringen Startkapital von gerade einmal 500 D-Mark und einer Schreibmaschine wagten sie den Schritt in die Selbstständigkeit. Die Wahl des Firmennamens war dabei strategisch. Sie entschieden sich für Edding, den Familiennamen von Carl-Wilhelm Edding, weil sie ihn für einprägsamer, kürzer und internationaler hielten als Ledermann. Diese Namenswahl hat sich als äußerst erfolgreich erwiesen und dazu beigetragen, dass der Name Edding zu einem Gattungsnamen für wasserfeste Filzstifte wurde.
Die Anfänge und der erste Erfolg
Zunächst konzentrierten sich die beiden Gründer auf den Import von Filzschreibern aus Japan. Zu dieser Zeit gab es in Deutschland noch keine vergleichbaren wasserfesten Stifte, und Japan galt als Innovationszentrum für Schreibgeräte. Carl-Wilhelm Edding wurde auf diese Stifte aufmerksam, als er 1960 für einen japanischen Konzern arbeitete. Sein Arbeitgeber hatte kein Interesse an den Stiften, was den Weg für die eigene Geschäftsidee ebnete. Gemeinsam mit Volker Detlef Ledermann bestellte er die japanischen Stifte und begann mit dem Import.
Der entscheidende Durchbruch gelang jedoch mit dem ersten eigenen Produkt: dem „edding No. 1“. Dieser Permanentmarker, erhältlich in Schwarz, Rot, Blau und Grün, wurde schnell zu einem großen Markterfolg in Deutschland. Seine besondere Beschaffenheit ermöglichte den Einsatz auch auf herausfordernden Oberflächen wie heißen, fettigen oder feuchten Materialien. Das machte den edding No. 1 zunächst unverzichtbar in Bereichen wie Lagerwirtschaft und Speditionen, wo Kisten und Säcke dauerhaft markiert werden mussten. Bald darauf fand der Marker auch Einzug in Büros, Werkstätten und Ateliers.
Erweiterung der Produktpalette und Internationalisierung
Der Erfolg des edding No. 1 bildete die Basis für die stetige Erweiterung der Produktpalette. 1969 kam beispielsweise der „1200 Fasermaler“ hinzu. Während der Permanentmarker edding No. 1 auf wasserfester Basis mit Lösungsmitteln (typischerweise Alkohol) funktioniert und für dauerhafte Markierungen auf nahezu allen Oberflächen gedacht ist, ist der 1200 Fasermaler in der Regel auf Wasserbasis und primär für das Zeichnen und Malen auf Papier konzipiert. Anfänglich beliebt bei technischen Zeichnern und im Grafikbereich, wird der 1200 Fasermaler heute auch häufig von Kindern genutzt.
Die Schreibwarenbranche unterscheidet hier klar:
| Merkmal | Fasermaler (z.B. edding 1200) | Permanentmarker (z.B. edding No. 1) |
|---|---|---|
| Basis | Wasser | Alkohol/Lösungsmittel |
| Wasserfest | Nein (in der Regel) | Ja |
| Typische Fläche | Papier | Nahezu alle Oberflächen |
| Verwendung | Zeichnen, Malen, Grafik | Dauerhaftes Markieren, Beschriften |
Bis Ende der 1970er Jahre hatte Edding nach eigenen Angaben fast 100 Millionen Filz- und Faserschreiber auf allen fünf Kontinenten verkauft. Dies zeigte früh das Potenzial für internationale Expansion.

Neben den klassischen Schreibgeräten wagte sich Edding auch in neue Bereiche. Bereits 1965 wurde unter der Marke „planMASTER“ das Sortiment um Produkte der visuellen Kommunikation erweitert, beispielsweise Präsentationstafeln. Diese Sparte wurde später unter der Marke Legamaster weitergeführt, nachdem 1998 die niederländische Firma LEGA Industrie B.V. übernommen wurde. Legamaster entwickelte sich zu einem wichtigen Bereich, insbesondere mit E-Boards, interaktiven weißen Tafeln, die Eingaben digitalisieren und an Computersysteme übertragen – ein Bereich mit großem Umsatzwachstum, obwohl Legamaster 2010 wieder als eigene GmbH ausgegliedert wurde.
Unternehmensentwicklung und Führung
1970 zog das Unternehmen von Hamburg ins benachbarte Ahrensburg in Schleswig-Holstein, wo sich bis heute der Hauptsitz befindet.
Ein bedeutender Schritt in der Unternehmensgeschichte war der Börsengang im Jahr 1986. Im selben Jahr zog sich Carl-Wilhelm Edding aus dem Unternehmen zurück. Volker Detlef Ledermann führte das Geschäft fortan alleine weiter. Der Börsengang ermöglichte es unter anderem, Carl-Wilhelm Edding auszuzahlen. Ebenfalls 1986 wurde das Vertriebs- und Logistikzentrum in Wunstorf gebaut.
Bis 1992 war Edding primär ein Vertriebsunternehmen. Dies änderte sich 1993 mit dem Erwerb der ostdeutschen Marke „Markant“ aus Singwitz bei Bautzen. Dort wurde unter der Tochtergesellschaft „V. D. Ledermann & Co. GmbH“ der erste eigene Produktionsbetrieb in Deutschland aufgebaut. Im Jahr 2016 fertigte das Werk in Bautzen rund 85 Millionen Produkte jährlich und ist heute ein Kompetenzzentrum innerhalb der Unternehmensgruppe. Neben Bautzen gibt es auch eine Fertigungsstätte in Kolumbien; ein Werk in Argentinien wurde Ende 2019 aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten vor Ort geschlossen.
Die internationale Expansion schritt weiter voran. Nach dem Börsengang folgten Tochtergesellschaften im Vereinigten Königreich und Japan. Später kamen Niederlassungen in Italien (bis 2010), Griechenland, Argentinien, Frankreich und der Türkei hinzu. Heute ist die Edding AG als operative Holding in 10 Ländern mit Tochterfirmen vertreten und vertreibt ihre Produkte in mehr als 110 Ländern weltweit. Die Edding International GmbH ist dabei für Produktion und Vertrieb zuständig.
Die Führung des Unternehmens wechselte 2005 in die Hände der zweiten Generation. Per Ledermann, der Sohn des Mitgründers Volker Detlef Ledermann, übernahm als Vorstandsvorsitzender die Leitung der Edding International GmbH. Unter seiner Führung rückte das Thema Nachhaltigkeit stärker in den Fokus.

Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung
Umweltbewusstsein und soziale Verantwortung sind nach Angaben des Unternehmens schon seit über 50 Jahren Teil der Firmenphilosophie. Edding ist nach DIN ISO 14001 zertifiziert und verfügt über eine eigene Fachabteilung für „Umwelt und Soziales“, um das Umweltmanagement kontinuierlich zu verbessern.
Ein wichtiger Meilenstein war die Einführung der EcoLine-Produktlinie im Jahr 2008. Diese umfasst Marker, die aus Recyclingmaterial bestehen, recycelt werden können oder aus nachwachsenden Rohstoffen gefertigt sind. Für Verpackungen und Blister wird Karton verwendet.
Das Thema Nachhaltigkeit zeigt sich auch in der Produktion. Dank neuer Spritzgussmaschinen werden die Markerhüllen mit 40 Prozent weniger Energie hergestellt als zuvor. Der Kunststoffanteil der Marker besteht zudem zu 80 Prozent aus wiederverwendetem Material. Nachfüllbare Marker leisten ebenfalls einen Beitrag zur Ressourcenschonung. Zusätzlich erzeugen Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern der Zentrale in Ahrensburg sowie der Produktion in Bautzen Strom aus Sonnenlicht.
Vielfalt und Innovation heute
Das Sortiment von Edding umfasst heute rund 150 verschiedene Produkte. Neben den bekannten Permanent- und Fasermarkern hat sich das Unternehmen auf die Entwicklung von „Spezialisten“ konzentriert. Das erklärte Ziel ist es, für nahezu jede Anwendung und jede Oberfläche das passende Produkt anzubieten. Zu den über 150 Spezialmarkern gehören beispielsweise CD-Marker, Fugenmarker, Hautmarker oder Wäschemarker.
Um auch im Zeitalter der Digitalisierung erfolgreich zu bleiben, erschließt Edding neue Zielgruppen und Produktbereiche. Dazu gehören Marker für die Dekoration von Porzellan, Acryllacksprays, aber auch Druckerpatronen. Bis März 2023 gehörte sogar Nagellack zum Sortiment. Zudem erweiterte das Unternehmen sein Portfolio um Industriedrucker.

Ein wichtiges Segment, das großes Umsatzwachstum generierte, waren die E-Boards von Legamaster, die als interaktive Whiteboards in Schulen und Bildungseinrichtungen Kreidetafeln ersetzen oder ergänzen, auch wenn dieser Bereich heute organisatorisch getrennt ist.
Mit über 600 Mitarbeitern (Stand 2020) und einem Umsatz von 141 Millionen Euro (Stand 2020) hat sich Edding von einem kleinen Importunternehmen zu einem globalen Anbieter von Schreibgeräten und Lösungen für Markierung und visuelle Kommunikation entwickelt. Der Begriff Edding ist fest im Sprachgebrauch verankert und steht für Qualität und Vielseitigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Warum heißt es Edding?
Der Firmenname Edding wurde nach einem der beiden Gründer, Carl-Wilhelm Edding, benannt. Er und sein Mitgründer Volker Detlef Ledermann hielten den Namen Edding für kürzer, prägnanter und internationaler als den Namen Ledermann und wählten ihn daher für ihr 1960 gegründetes Unternehmen.
Ist edding FUNTASTICS giftig?
Der bereitgestellte Text gibt keine direkte Aussage zur Toxizität der Edding Funtastics Produkte. Er erwähnt jedoch im Zusammenhang mit der Einführung dieser Linie für Kinder ab 6 Jahren, dass Umweltbewusstsein und soziale Verantwortung seit über 50 Jahren Teil der Firmenphilosophie sind und dass das Unternehmen durch Zertifizierungen wie DIN ISO 14001 und eine eigene Umweltabteilung auf kontinuierliche Verbesserungen im Umweltmanagement achtet. Die EcoLine-Produkte, die auf Recyclingmaterial oder nachwachsenden Rohstoffen basieren, zeigen ebenfalls das Engagement des Unternehmens für umweltfreundlichere Produkte.
Wem gehört die Firma Edding?
Die Firma Edding wurde von Carl-Wilhelm Edding und Volker Detlef Ledermann gegründet. Seit 1986 sind die Aktien des Unternehmens an der Börse in Frankfurt am Main notiert, was bedeutet, dass das Unternehmen teilweise im Streubesitz ist. Allerdings wird das Unternehmen seit 2005 von Per Ledermann, dem Sohn des Mitgründers Volker Detlef Ledermann, geführt, was auf einen fortbestehenden Einfluss der Familie Ledermann hinweist.
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