Warum kein Epoxidharz verwenden?

Vorsicht bei Epoxidharz und Resin

16/12/2014

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Epoxidharz, oft auch unter dem englischen Begriff „Resin“ bekannt, hat in den letzten Jahren an Popularität gewonnen, insbesondere im kreativen Bereich der „Resin Art“ oder Gießharz-Kunst. Es wird für glänzende Oberflächen, das Eingießen von Objekten oder zur Herstellung einzigartiger Kunstwerke verwendet. Doch hinter den glänzenden Ergebnissen verbergen sich oft chemische Risiken, die nicht unterschätzt werden sollten.

Die Vorstellung, dass ein solches Material, das teils in bunten, kinderfreundlich gestalteten Verpackungen angeboten wird, völlig harmlos sei, kann trügen. Gerade wenn man beruflich mit Chemikalien vertraut ist, weckt dies Skepsis. Die Realität zeigt, dass viele dieser Produkte Inhaltsstoffe enthalten, die gesundheitliche Bedenken aufwerfen.

Warum kein Epoxidharz?
Wir raten generell zu großer Vorsicht bei der Verwendung von Epoxidharzen, sei es zum Basteln oder auch im Baubereich, z.B. als "Steinteppich". In der Regel enthalten diese als „Resin“, „Epoxidharz“ oder „Gießharz“ bezeichneten Produkte BPA und/oder weitere Bisphenole, die das Hormonsystem schädigen können.
Übersicht

Was ist Epoxidharz (Resin)?

Bei Kunstharzen oder Epoxidharzen handelt es sich in der Regel um sogenannte Zweikomponentensysteme. Das bedeutet, sie bestehen aus zwei Hauptbestandteilen: dem Harz selbst und einem passenden Härter. Wenn diese beiden Komponenten in einem bestimmten Verhältnis miteinander vermengt werden, startet eine chemische Reaktion. Diese Reaktion führt dazu, dass das zunächst flüssige oder zähflüssige Harz aushärtet und sich in einen festen Kunststoff umwandelt.

Der Begriff „Resin“ ist einfach die englische Übersetzung für „Harz“. In der Kunstszene hat sich „Resin Art“ als Bezeichnung für die kreative Anwendung dieser Epoxidharze etabliert. Das Ziel ist oft eine klare, glatte Oberfläche mit einem starken Glanz, die Objekten Tiefe und Leuchtkraft verleiht.

Anwendungen von Epoxidharz

Epoxidharze sind vielseitig einsetzbar. Sie finden traditionell Anwendung in der Industrie, beispielsweise im Bootsbau oder als langlebiges Material für Böden wie den sogenannten „Steinteppich“. Doch der Trend, Epoxidharz als Kunstform zu nutzen, die „Resin Art“, hat sich weltweit, ausgehend von den USA, Kanada und Australien, verbreitet.

Als Teil des Fluid Painting, ähnlich wie Alcohol Ink oder Acrylic Pouring, bietet Resin Art spezielle Eigenschaften, die sie für experimentierfreudige Künstler attraktiv machen. Die Leuchtkraft der Farben, die Klarheit des Materials, die erzielbare Tiefe und die Stabilität des ausgehärteten Werks sind besondere Merkmale. Das Kunstharz selbst ist meist klar und farblos, wodurch es sich ideal eignet, um mit Pigmenten, flüssigen Farbzusätzen, Kristallen, Quarzen, Glas-Nuggets oder Glitzer variiert zu werden, um einzigartige Effekte wie Geoden zu erzeugen.

Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig. Man kann Epoxidharz für flächige Bilder auf Malplatten, Holztafeln, Malkartons oder Untergründen aus Glas, Beton und Metall verwenden. Auch handelsübliche Leinwände können mit Tricks (z.B. Stabilisierung der Rückseite) genutzt werden, um eine gleichmäßige Harzschicht zu gewährleisten. Alternativ kann Epoxidharz auch als eine Art Schutzschicht oder Firnis eingesetzt werden, um Werke aus Acryl, Tusche oder Aquarell mit einem hochglänzenden Finish zu versehen und sie gleichzeitig vor UV-Einstrahlung (sofern ein UV Blocker enthalten ist) und mechanischen Einflüssen zu schützen.

Gesundheitliche Risiken und bedenkliche Inhaltsstoffe

Die attraktiven Eigenschaften von Epoxidharz dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um Chemikalien handelt, die bei unsachgemäßem Gebrauch gesundheitliche Risiken bergen können. Die genaue Zusammensetzung kann je nach Produkt variieren, aber bestimmte Inhaltsstoffe sind wiederkehrend und potenziell problematisch.

Ein häufiger Bestandteil vieler Epoxidharz-Systeme ist ein Reaktionsgemisch aus BPA (Bisphenol A) und Epichlorhydrin. Dies bedeutet, dass das Produkt nicht BPA-frei ist. BPA ist eine Substanz, die als endokriner Disruptor bekannt ist, was bedeutet, dass sie das menschliche Hormonsystem stören kann. Es gibt den Verdacht, dass BPA die Entwicklung von Erkrankungen wie Unfruchtbarkeit, Fettleibigkeit oder Diabetes fördern kann. Besorgniserregend ist, dass BPA sogar im Hausstaub und im Urin von Kindern nachgewiesen wurde. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat basierend auf neueren Tierversuchsstudien, die negative Auswirkungen auf das Immunsystem und allergische Entzündungsprozesse der Lunge zeigten, vorgeschlagen, die tolerierbare tägliche Aufnahme von BPA weiter abzusenken.

Neben BPA können weitere bedenkliche Stoffe enthalten sein. In einem spezifischen Beispielprodukt wurde Tributylphosphat („CAS-Nr 126-73-8“) gefunden. Diese Substanz wurde als vermutlich krebserzeugend eingestuft, selbst in geringen Konzentrationen (z.B. 1%).

Weiterhin können flüchtige organische Verbindungen (VOC) wie Benzylalkohol (z.B. 11%) vorhanden sein. VOCs können Reizungen der Atemwege und andere gesundheitliche Probleme verursachen.

Auch der Härter, die zweite Komponente des Systems, ist oft nicht harmlos. Härter, die beispielsweise ein Reaktionsgemisch aus propoxylierten Propandiolen und Ammoniak enthalten, können schwere Hautverätzungen und Augenverletzungen hervorrufen. Der direkte Kontakt mit Haut und Augen muss unbedingt vermieden werden.

Sicherheit geht vor: So arbeiten Sie verantwortungsvoll

Angesichts der potenziellen Risiken ist bei der Verwendung von Epoxidharzen, egal ob zum Basteln oder im Baubereich, große Vorsicht geboten. Hier sind wichtige Punkte, die Sie beachten sollten:

Informieren Sie sich vor dem Kauf: Das Sicherheitsdatenblatt

Der wichtigste Schritt vor dem Kauf und der Verwendung eines Epoxidharzprodukts ist die Anforderung und sorgfältige Prüfung des Sicherheitsdatenblattes (SDB). Dieses Dokument enthält detaillierte Informationen über die Gefahren des Produkts, die erforderlichen Schutzmaßnahmen, die sichere Handhabung, Lagerung und Entsorgung sowie die Zusammensetzung. Wenn ein Händler Ihnen kein Sicherheitsdatenblatt zur Verfügung stellen kann oder will, sollten Sie besser ganz auf den Kauf des Produkts verzichten. Das SDB gibt Ihnen Aufschluss über die enthaltenen Stoffe und deren Einstufungen.

Schutzmaßnahmen während der Arbeit

Obwohl im bereitgestellten Text nicht explizit alle Schutzmaßnahmen aufgeführt sind, ergeben sich diese logisch aus den genannten Gefahren (Hautverätzungen, Augenverletzungen, VOCs):

  • Sorgen Sie für eine gute Belüftung Ihres Arbeitsplatzes. Arbeiten Sie idealerweise in einem gut belüfteten Raum oder im Freien.
  • Tragen Sie geeignete persönliche Schutzausrüstung (PSA), insbesondere chemikalienbeständige Handschuhe und eine Schutzbrille, um Haut- und Augenkontakt zu vermeiden.
  • Vermeiden Sie das Einatmen von Dämpfen und Stäuben während der Verarbeitung und des Schleifens (nach dem Aushärten).

Arbeitsplatzbedingungen

Der Arbeitsplatz für Resin Art muss bestimmte Kriterien erfüllen:

  • Er sollte trocken sein.
  • Er sollte möglichst staubfrei sein, da Staubpartikel die Oberfläche des Harzes ruinieren können.
  • Er muss gut belüftet sein (siehe Schutzmaßnahmen).
  • Er sollte nicht zu warm sein, da dies die Aushärtung beeinflussen und die Freisetzung von Dämpfen fördern kann.

Vermeiden Sie Kontakt mit Lebensmitteln und Kinderspielzeug

Gegenstände, die aus bisphenolhaltigem Epoxidharz hergestellt wurden, sollten vorsorglich nicht mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. Auch die Herstellung von Kinderspielzeug aus solchen Materialien sollte vermieden werden, um eine mögliche Exposition von Kindern gegenüber BPA und anderen bedenklichen Stoffen zu verhindern.

Vorsicht bei Händlern außerhalb der EU

Die Herkunft des Produkts kann ebenfalls eine Rolle spielen. Produkte, die direkt von Händlern außerhalb der Europäischen Union bestellt werden (auch wenn der Händlername eine EU-Niederlassung suggeriert), entsprechen nicht immer den strengen europäischen gesetzlichen Anforderungen hinsichtlich Chemikaliensicherheit. In solchen Fällen trägt meist die Verbraucherin oder der Verbraucher das volle Risiko. Es ist ratsam, Produkte von etablierten Händlern innerhalb der EU zu beziehen, die gewährleisten können, dass ihre Produkte den geltenden Vorschriften entsprechen.

Welche Stifte werden für Epoxidharz verwendet?
Sharpie-Farbset Ein weiteres großartiges Set für feine Linien und Detailarbeiten bei Harz- und Epoxidharzprojekten. Dieses ölbasierte Set ist in 15 verschiedenen Farben erhältlich. Weiß verwenden wir am häufigsten zum Aufmalen der Geodenlinien.

Vergilbt Epoxidharz?

Eine weitere wichtige Eigenschaft, insbesondere für künstlerische Anwendungen, ist die Beständigkeit gegenüber Vergilbung. Herkömmliches Epoxid-Gießharz neigt dazu, unter Einwirkung von UV-Licht zu vergilben, was die Klarheit und die Farben des Kunstwerks beeinträchtigt. Damit Epoxidharz für die Resin Kunst geeignet ist und seine Optik behält, muss ihm ein UV Blocker beigefügt sein. Achten Sie beim Kauf gezielt auf Produkte, die diesen Vergilbungsschutz bieten.

Arbeiten mit Resin Art erfordert Geduld und Vorbereitung

Die Arbeit mit Resin Art kann sehr befriedigend sein und spektakuläre Ergebnisse liefern. Es ist jedoch eine Kunstform, die etwas aufwändiger ist als beispielsweise das Malen mit Acrylfarben.

Sie benötigen nicht nur etwas theoretisches Wissen über das Material und die Mischungsverhältnisse, sondern auch die Bereitschaft, in eine größere Menge Material für die Basis zu investieren und vor allem einen geeigneten Arbeitsplatz zu schaffen (siehe oben). Die Vorbereitung des Arbeitsbereichs und der Materialien ist entscheidend. Die Trocknungszeit, bis das Harz vollständig ausgehärtet ist, beträgt in der Regel mindestens 24 Stunden, oft sogar länger. Fehler lassen sich nicht einfach übermalen, sondern erfordern oft, das Werk komplett neu zu starten oder aufwendig nachzubearbeiten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Resin Art Ihnen eine Fülle kreativer Möglichkeiten bietet und niemals langweilig wird. Sie müssen jedoch bereit sein, die nötige Vorbereitung zu leisten, in Material und Arbeitsplatz zu investieren und vor allem Geduld mitzubringen. Es wird einige Zeit dauern, bis Sie mit Ihren Ergebnissen wirklich zufrieden sind, aber der Prozess des Experimentierens und Lernens gehört dazu.

Häufig gestellte Fragen zu Epoxidharz und Resin

Im Zusammenhang mit Epoxidharz und seiner Verwendung in der Kunst ergeben sich oft Fragen. Hier beantworten wir einige davon basierend auf den verfügbaren Informationen:

Ist Epoxidharz zum Basteln völlig harmlos?
Nein, viele Epoxidharzprodukte, auch solche zum Basteln, können bedenkliche Inhaltsstoffe wie BPA oder andere Chemikalien enthalten, die gesundheitliche Risiken wie Hormonstörungen, Hautreizungen oder Augenverletzungen verursachen können. Vorsicht und die Beachtung von Schutzmaßnahmen sind unbedingt erforderlich.

Was ist der Unterschied zwischen „Resin“ und „Epoxidharz“?
„Resin“ ist einfach das englische Wort für „Harz“. Wenn im künstlerischen Kontext von „Resin Art“ die Rede ist, meint man in der Regel die Arbeit mit Epoxidharzen oder anderen Kunstharzen, die als Zweikomponentensysteme funktionieren.

Warum sollte ich bei der Verwendung von Epoxidharz ein Sicherheitsdatenblatt prüfen?
Das Sicherheitsdatenblatt (SDB) liefert detaillierte Informationen über die spezifischen Gefahren des Produkts, die enthaltenen Chemikalien und die notwendigen Schutzmaßnahmen (z.B. Belüftung, Handschuhe, Schutzbrille). Es ist das wichtigste Dokument, um die Risiken einschätzen und sicher mit dem Material arbeiten zu können. Ohne SDB sollte man das Produkt nicht verwenden.

Kann ich Gegenstände aus Epoxidharz für Lebensmittel oder Kinderspielzeug verwenden?
Nein, Vorsicht ist geboten. Insbesondere wenn das Harz BPA enthält, sollten Gegenstände daraus nicht mit Lebensmitteln in Kontakt kommen oder als Kinderspielzeug verwendet werden, um eine Exposition gegenüber BPA zu vermeiden.

Vergilbt Epoxidharz mit der Zeit?
Herkömmliches Epoxid-Gießharz kann unter UV-Einstrahlung vergilben. Für künstlerische Anwendungen, bei denen Klarheit und Farbe wichtig sind, sollte ein Produkt verwendet werden, das einen UV Blocker enthält, um dieser Vergilbung entgegenzuwirken.

Welche Voraussetzungen brauche ich, um mit Resin Art zu beginnen?
Neben dem Material selbst benötigen Sie einen geeigneten Arbeitsplatz, der trocken, möglichst staubfrei, gut belüftet und nicht zu warm ist. Außerdem sind Geduld für die Vorbereitung und die lange Aushärtungszeit sowie die Bereitschaft zum Experimentieren und Lernen wichtig.

Fazit: Kreativität mit Verantwortung

Epoxidharz, oder Resin, bietet faszinierende kreative Möglichkeiten, die einzigartige Kunstwerke hervorbringen können. Die glänzenden und tiefen Effekte sind beeindruckend. Es ist jedoch unerlässlich, sich der potenziellen gesundheitlichen Risiken bewusst zu sein, die mit der Verwendung bestimmter Chemikalien verbunden sind, insbesondere mit Inhaltsstoffen wie BPA oder als krebserzeugend eingestuften Substanzen.

Informieren Sie sich sorgfältig über die Produkte, die Sie verwenden möchten, bestehen Sie auf Sicherheitsdatenblätter und halten Sie sich strikt an die empfohlenen Schutzmaßnahmen. Schaffen Sie einen sicheren Arbeitsplatz und vermeiden Sie die Verwendung von bisphenolhaltigem Harz für Gegenstände, die mit Lebensmitteln oder Kindern in Kontakt kommen. Mit dem nötigen Wissen und verantwortungsvollem Umgang können Sie die kreative Welt der Resin Art erkunden und gleichzeitig Ihre Gesundheit schützen.

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