28/06/2013
Faber-Castell ist ein Name, der weltweit für Qualität, Tradition und Innovation im Bereich der Schreibgeräte und Künstlerbedarf steht. Die Geschichte des Unternehmens reicht weit zurück und ist eng mit einem bestimmten Ort verbunden, der nicht nur der historische Sitz der Familie ist, sondern auch ein beeindruckendes architektonisches Zeugnis ihrer Erfolgsgeschichte darstellt. Wenn man von Faber-Castell spricht, denkt man schnell an erstklassige Bleistifte und andere Büroartikel, aber auch an das prächtige Schloss, das untrennbar mit dem Namen verbunden ist.

Die Frage nach dem Sitz der Firma Faber-Castell führt uns in die Region Mittelfranken, genauer gesagt in die Stadt Stein. Stein liegt direkt an der Grenze zur Großstadt Nürnberg und ist historisch der Ort, an dem die Familie Faber und später Faber-Castell ihre Wurzeln und ihren Hauptsitz hatten und haben. Es ist dieser Ort, der Zeuge vieler wichtiger Entwicklungen in der Unternehmensgeschichte wurde und an dem bis heute ein zentrales Symbol der Familie und ihres Schaffens steht.
Der historische Sitz in Stein bei Nürnberg
Der Sitz der Familie und des Unternehmens Faber-Castell ist historisch tief in der mittelfränkischen Stadt Stein verankert. Diese Stadt, die unmittelbar an Nürnberg angrenzt, ist nicht nur der Ort, an dem die Bleistiftproduktion eine lange Tradition hat, sondern auch die Heimat des beeindruckenden Faberschlosses. Der zugehörige Faberpark erstreckt sich sogar teilweise auf Nürnberger Stadtgebiet, was die enge Verbindung der Familie und ihres Wirkens mit dieser Region unterstreicht. Stein ist somit mehr als nur eine Adresse; es ist ein historischer Ankerpunkt für eine Weltfirma im Bereich der Büro- und Schreibwaren.
Das beeindruckende Faberschloss: Ein historistischer Komplex
Das Faberschloss, auch bekannt als Steiner Schloss oder Schloss Faber-Castell, und manchmal liebevoll Bleistiftschloss genannt, ist ein herausragender historistischer Schlosskomplex. Er wurde im 19. beziehungsweise frühen 20. Jahrhundert erbaut und spiegelt den Reichtum und den architektonischen Geschmack der damaligen Zeit wider. Der Komplex besteht aus zwei Hauptbauteilen, die unterschiedliche Epochen und Stile repräsentieren, aber durch einen markanten Turm verbunden sind. Dieses Schloss ist nicht nur die ehemalige Residenz der gräflichen Familie, sondern auch ein Symbol für den Erfolg, der durch die Bleistiftproduktion ermöglicht wurde.
Altes Schloss und Neues Schloss: Zwei Epochen vereint
Der ältere Teil des Komplexes, das sogenannte Alte Schloss, wurde in den Jahren 1843 bis 1846 errichtet. Geplant und erbaut wurde es vom renommierten Architekten Friedrich Bürklein im Stil der Neorenaissance. Dieser Bauteil wurde für Lothar von Faber in Auftrag gegeben, jenen Visionär, der maßgeblich zur Entwicklung des Unternehmens beitragen sollte. Das Alte Schloss ist um einen quadratischen, viergeschossigen Turm herum angelegt, der von drei Flügeln umschlossen wird. Der Turm ist mit Zinnen versehen, was ihm ein wehrhaftes, aber dennoch elegantes Aussehen verleiht.
Der neuere und prachtvollere Teil ist das Neue Schloss, dessen Bauzeit von 1903 bis 1906 datiert. Dieses wurde von der durch die Bleistiftproduktion reich gewordenen gräflichen Familie von Faber-Castell in Auftrag gegeben. Die Pläne stammten von Theodor von Kramer, der das Schloss im Stil der Deutschen Romanik entwarf. Beide Bauteile, das Alte und das Neue Schloss, sind durch einen reich gegliederten, fünfgeschossigen Turm miteinander verbunden. Dieser Turm bildet nicht nur eine architektonische Brücke, sondern auch den Torweg, der in den Schlosshof führt. Die Verbindung dieser beiden unterschiedlichen Stile und Epochen macht das Faberschloss zu einem besonderen Beispiel für den Historismus.
| Gebäudeteil | Bauzeit | Architekt | Stil |
|---|---|---|---|
| Altes Schloss | 1843–1846 | Friedrich Bürklein | Neorenaissance |
| Neues Schloss | 1903–1906 | Theodor von Kramer | Deutsche Romanik |
| Verbindungsturm | Teil des Neuen Schlosses | Theodor von Kramer | Reich gegliedert, verbindet die Stile |
Ein Blick ins Innere: Prachtvolle Räume und verlorene Schätze
Das Neue Schloss beherbergt ein großzügig angelegtes Treppenhaus, dessen Stuckdecke im eleganten Jugendstildekor gestaltet ist. Im ersten Stock befand sich früher eine Wohnsuite, die in verschiedene, thematisch benannte Zimmer unterteilt war. Dazu gehörten ein Zitronenzimmer, ein Monatszimmer und ein Louis-seize-Zimmer. Das Zitronenzimmer erhielt seinen Namen von den Möbeln, die einst aus Zitronenholz gefertigt waren. Die Decke des Monatszimmers zeigte Darstellungen der Tierkreiszeichen, was auf eine reiche symbolische Gestaltung hindeutet.
Im zweiten Obergeschoss des Neuen Schlosses waren weitere repräsentative Räume zu finden. Hier befanden sich ein Gobelinsaal, dessen namensgebende Gobelins leider nicht mehr erhalten sind, sowie ein Musik- oder Ballsaal und ein ehemaliger Speisesaal. Einige der repräsentativen Räume wurden von dem damals aufstrebenden Architekten und Designer Bruno Paul gestaltet, was die künstlerische Bedeutung des Schlosses weiter hervorhebt. Bedauerlicherweise ist das originale Mobiliar beider Schlösser im Laufe der Zeit verloren gegangen. Dennoch wird das Schloss als „eine künstlerische Besonderheit und in ihrer Gesamtanlage ein bemerkenswertes Beispiel für den Historismus in Franken“ gewürdigt.
Eine bewegte Geschichte: Mehr als nur Familienresidenz
Das Faberschloss diente der Familie Faber-Castell bis zum Jahr 1939 als Wohnsitz. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde das Schloss von der Wehrmacht beschlagnahmt. Nach dem Ende des Krieges und der Befreiung durch die Alliierten zogen US-amerikanische Besatzungstruppen in das Schloss ein. Anfang der 1950er Jahre beherbergte das Schloss Journalisten, die über die Nürnberger Prozesse berichteten, was die historische Bedeutung des Ortes über die Familiengeschichte hinaus unterstreicht. Sogar der amerikanische Soldatensender AFN Nuremberg unterhielt hier bis Januar 1950 seine Studios, bevor er ins Grand Hotel umzog.
Auch nach dieser Zeit spielte das Schloss eine Rolle im kulturellen Leben. Im Dürer-Jahr 1971 veranstaltete die Nürnberger Albrecht-Dürer-Gesellschaft hier Ausstellungen wie „Ars phantastica“ sowie mehrere „Positionen+Tendenzen“, was zeigt, dass das Schloss auch als Ort für Kunst und Kultur diente und dient.
Der Weg zur Weltfirma: Innovation und Weitsicht
Die Geschichte von Faber-Castell ist auch eine Geschichte der Innovation und des Unternehmergeists. Während die Faber-Bleistifte in Stein zunächst noch nach herkömmlichen Verfahren produziert wurden, gab es bereits bahnbrechende Erfindungen, die die Bleistiftherstellung revolutionierten. Der Franzose Nicolas Jacques Conté erfand in dieser Zeit ein neues Verfahren: Er mischte den Bleistiftminen neben Graphit auch Ton bei. Dies ermöglichte die Herstellung von Bleistiften in verschiedenen Härtegraden, eine Entwicklung, die für die Qualität von Schreib- und Zeichengeräten entscheidend war.

Georg Leonhard Faber, der das Geschäft in Stein führte, konnte mit der hochwertigen Konkurrenz aus dem Ausland, die diese Innovationen nutzte, zunächst nicht mithalten. Doch er bewies große Weitsicht, indem er seinen Sohn Lothar nach England und Paris schickte. Dort sollte Lothar von Faber Berufserfahrung sammeln und die neuesten Entwicklungen studieren. Es waren die Ideen, die Lothar auf diesen Reisen entwickelte, die das Unternehmen Faber zu einer Weltfirma machen sollten. Seine Rückkehr und die Umsetzung seiner Visionen legten den Grundstein für den späteren Erfolg und den Reichtum, der den Bau des prächtigen Schlosses ermöglichte.
Weitere Besitztümer der Familie
Zum Besitz der Grafen von Faber-Castell gehören über das Steiner Schloss hinaus bis heute weitere Güter. Dazu zählen unter anderem die Güter Appelhof und Wolfgangshof. Diese Besitztümer ergänzen das Portfolio der Familie und sind Teil ihrer langen Geschichte und ihres Engagements in der Region.
Häufig gestellte Fragen
Wo genau befindet sich das Faberschloss?
Das Faberschloss befindet sich in der Stadt Stein in Mittelfranken, direkt an der Grenze zu Nürnberg.
Wer hat das Faberschloss gebaut?
Das Alte Schloss wurde von Friedrich Bürklein für Lothar von Faber gebaut. Das Neue Schloss wurde von Theodor von Kramer für die gräfliche Familie von Faber-Castell errichtet. Bruno Paul gestaltete einige Innenräume.
Welche architektonischen Stile sind im Schloss zu finden?
Das Faberschloss ist ein Beispiel für den Historismus und vereint Elemente der Neorenaissance (Altes Schloss) und der Deutschen Romanik (Neues Schloss).
Was geschah im Schloss nach 1939?
Nach 1939 wurde das Schloss von der Wehrmacht, dann von US-Truppen genutzt, beherbergte Journalisten der Nürnberger Prozesse und Studios von AFN Nuremberg. Später fanden dort auch Kunstausstellungen statt.
Was war die bahnbrechende Erfindung im Bleistiftbereich, die erwähnt wird?
Die Erfindung von Nicolas Jacques Conté, Graphit mit Ton zu mischen, um Bleistifte unterschiedlicher Härtegrade herzustellen.
Warum war Lothar von Faber so wichtig für das Unternehmen?
Lothar von Faber sammelte im Ausland (England, Paris) Ideen, die das Unternehmen zu einer Weltfirma machten.
Obwohl das Schloss heute ein historisches Denkmal ist, bleibt die Stadt Stein der historische und bedeutsame Sitz von Faber-Castell. Das Steiner Schloss ist ein beeindruckendes Zeugnis für die Geschichte einer Familie und eines Unternehmens, das mit der Herstellung von Bleistiften begann und zu einem Synonym für Qualität in der Welt der Schreibwaren wurde. Es verbindet auf einzigartige Weise die Geschichte der Familie, architektonische Pracht und die wirtschaftliche Entwicklung, die durch Innovation und Weitsicht vorangetrieben wurde.
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