Was zählt zu Fachwissen?

Fachwissen vs. Erfahrungswissen verstehen

26/08/2016

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In der heutigen schnelllebigen Welt ist Wissen das wohl wertvollste Gut für Einzelpersonen und Organisationen. Doch Wissen ist nicht gleich Wissen. Es existieren verschiedene Formen, die sich in ihrer Natur, ihrer Erwerbsart und ihrer Übertragbarkeit grundlegend unterscheiden. Eine zentrale Unterscheidung, die oft diskutiert wird, ist die zwischen dem sogenannten Fachwissen und dem Erfahrungswissen. Beide sind für den Erfolg entscheidend, stellen aber sehr unterschiedliche Anforderungen an Management und Weitergabe.

Was zählt zu Fachwissen?
Unter dem Begriff „Fachwissen“ wird in der Regel das Wissen subsummiert, das Personen oder Organisationen mittels Sprache, Schrift, Zeichnungen und Bildern eindeutig kodifizieren und dokumentieren können.

Unter dem Begriff Fachwissen wird in der Regel jenes Wissen verstanden, das Personen oder Organisationen eindeutig kodifizieren und dokumentieren können. Dies geschieht oft mittels Sprache, Schrift, Zeichnungen und Bildern. Es handelt sich weitgehend um Fakten- und Regelwissen. Denken Sie an Berichte, Lehrbücher, Handbücher, Arbeitsanweisungen oder technische Zeichnungen. Diese Art von Wissen ist explizit. Sie lässt sich relativ leicht auf verschiedenen Medien speichern, verarbeiten und an andere Menschen weitergeben. Die Kodifizierbarkeit ist eine Schlüsseleigenschaft, die Fachwissen so zugänglich und übertragbar macht. Es ist das Wissen, das man lernen, nachlesen und formal prüfen kann.

Dem Fachwissen wird oft das sogenannte Erfahrungswissen gegenübergestellt. Dieses speist sich aus persönlichen Erfahrungen, Erinnerungen und tief verwurzelten Überzeugungen. Es bezieht sich stark auf das Können, die Fähigkeit, etwas in der Praxis umzusetzen. Im Gegensatz zum Fachwissen ist Erfahrungswissen oft schwer zu kodifizieren und zu dokumentieren. Es ist weniger greifbar, eher intuitiv und kontextabhängig. Diese Form des Wissens lässt sich daher nur schwer in standardisierten Formaten an andere Personen weitergeben.

Der Chemiker und Philosoph Michael Polanyi prägte für diese beiden Wissensformen prägnante Begriffe. In seinem 1958 erschienenen Buch „Personal Knowledge“ nannte er das Fachwissen oder Faktenwissen „explizites Wissen“. Das Erfahrungswissen bezeichnete er als „implizites Wissen“. Diese Begriffe haben sich etabliert und beschreiben die Natur der Wissensformen sehr treffend: Das eine ist offen und zugänglich (explizit), das andere ist tief in der Person verankert und weniger leicht zugänglich oder artikulierbar (implizit).

Für den Erfolg eines Unternehmens sind beide Formen des Wissens von immenser Bedeutung. Weder reines Faktenwissen ohne die Fähigkeit, es anzuwenden, noch reine praktische Erfahrung ohne das Verständnis der zugrundeliegenden Prinzipien führen zum optimalen Ergebnis. Sie ergänzen sich und sind oft untrennbar miteinander verbunden, auch wenn sie analytisch getrennt betrachtet werden können.

Die Vermittlung dieser Wissensformen stellt Unternehmen jedoch vor unterschiedliche Herausforderungen. Die Übertragung von explizitem Wissen fällt in der Regel leichter. Das liegt zum einen an seiner dokumentierbaren Form. Lehrpläne können erstellt, Dokumente verteilt und Schulungen standardisiert durchgeführt werden. Unternehmen haben in den Bereichen Aus- und Weiterbildung mit explizitem Wissen bereits viel Erfahrung gesammelt. Es ist der klassische Weg der Wissensvermittlung in Schulen, Universitäten und betrieblichen Schulungsprogrammen.

Ganz anders sieht es bei der Vermittlung von implizitem Wissen aus. Da es nicht einfach aufgeschrieben werden kann, erfordert seine Weitergabe oft einen gezielten Prozess der Externalisierung. Hierbei wird versucht, das nicht artikulierte Wissen greifbar zu machen. Dies kann beispielsweise durch systematische Befragungen von erfahrenen Wissensträgern geschehen, indem man sie bittet, ihre Denkprozesse und Entscheidungsgründe zu verbalisieren. Eine andere Methode ist die Analyse ihres Tuns, die Beobachtung ihrer Handlungen und das Zerlegen komplexer Fertigkeiten in nachvollziehbare Schritte. Ziel ist es, das implizite Wissen so weit wie möglich in ein explizites Wissen umzuwandeln, damit es dokumentiert und formaler weitergegeben werden kann.

Doch diese Externalisierung ist beim impliziten Wissen oft nur bedingt möglich. Viele Aspekte des Könnens, der Intuition oder des kontextuellen Verständnisses lassen sich nur schwer vollständig in Worte oder Anweisungen fassen. Deshalb kann implizites Wissen häufig nur in dialogischen Verfahren effektiv an andere Personen weitergegeben werden. Beispiele hierfür sind Coaching- und Mentoring-Programme, bei denen erfahrene Kollegen ihr Wissen und ihre Fähigkeiten direkt an weniger Erfahrene weitergeben, oft durch Vormachen, gemeinsames Arbeiten und unmittelbares Feedback. Auch informelle Gespräche, gemeinsames Problemlösen und die Teilnahme an Communities of Practice spielen eine große Rolle bei der Verbreitung von implizitem Wissen.

Eine weitere große Herausforderung, insbesondere im Umgang mit Fachwissen bzw. explizitem Wissen, ist die rasche Veralterung. In der heutigen sogenannten VUKA-Welt – geprägt von Volatilität (Unbeständigkeit), Unsicherheit (Unvorhersehbarkeit), Komplexität (Vielschichtigkeit) und Ambiguität (Mehrdeutigkeit) – veralten Fakten und Regeln schneller als je zuvor. Neue Technologien, sich ändernde Märkte, neue wissenschaftliche Erkenntnisse oder regulatorische Änderungen können das, was gestern noch als gesichertes Fachwissen galt, heute schon irrelevant machen. Dasselbe gilt für externalisiertes implizites Wissen: Alte Erfolgsrezepte, die auf vergangenen Erfahrungen basieren, taugen in einem sich schnell ändernden Umfeld oft nicht mehr oder müssen zumindest regelmäßig kritisch hinterfragt und angepasst werden.

Dies hat weitreichende Konsequenzen für das Wissensmanagement in Unternehmen. Es kann nicht mehr als einmaliges Projekt betrachtet werden, bei dem Wissen gesammelt und dokumentiert wird. Vielmehr muss Wissensmanagement als ein fortlaufender Prozess verstanden werden. Es geht darum, Wissen kontinuierlich zu identifizieren, zu erfassen, zu strukturieren, zu teilen, zu nutzen und vor allem auch zu aktualisieren und gegebenenfalls zu verwerfen, wenn es veraltet ist. Das bedeutet, dass Lernprozesse in Unternehmen ständig stattfinden müssen, sowohl auf individueller als auch auf organisationaler Ebene.

Viele Unternehmen haben diese Notwendigkeit in den letzten Jahren erkannt. Sie überdenken ihre traditionellen Ansätze im Wissensmanagement und versuchen, diese an die neuen Rahmenbedingungen und die erhöhten Anforderungen im digitalen Zeitalter anzupassen. Es geht darum, flexiblere und dynamischere Systeme zu schaffen, die sowohl das Management von explizitem als auch von implizitem Wissen unterstützen. Dies kann die Einführung neuer Technologien für die Wissensdokumentation und -suche umfassen, aber auch die Förderung einer Kultur des Teilens und Lernens, die dialogische Formate wie Mentoring und Coaching systematisch unterstützt.

Unternehmensberatungen wie Dr. Kraus & Partner, die im Text erwähnt werden, unterstützen Unternehmen bei diesem Wandel. Sie helfen dabei, bestehende Wissensmanagement-Prozesse zu analysieren, Optimierungspotenziale aufzuzeigen und neue Strategien zu implementieren, die den Herausforderungen der VUKA-Welt gerecht werden. Darüber hinaus vermitteln sie Fach- und Führungskräften das notwendige Know-how und die erforderlichen Fähigkeiten, um ihr eigenes Wissen – sowohl Fachwissen als auch Erfahrungswissen – strukturiert und effektiv an andere weiterzugeben. Dies ist entscheidend, denn letztlich sind es die Menschen in der Organisation, die das Wissen tragen und weitergeben.

Wie nennt man Fachwissen?
Expertenwissen · Fachkenntnis · Fachkompetenz · Fachkunde · Fachwissen · Sachkompetenz · Sachkunde · Spezialwissen ● Expertise geh.

Die Fähigkeit, Wissen effektiv zu managen und zu transferieren, wird zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Unternehmen, die es schaffen, sowohl ihr explizites Fachwissen aktuell zu halten als auch ihr implizites Erfahrungswissen zugänglich zu machen und weiterzugeben, sind besser in der Lage, sich an Veränderungen anzupassen, Innovationen voranzutreiben und langfristig erfolgreich zu sein.

Betrachten wir noch einmal die Frage: Was zählt zu Fachwissen? Basierend auf der uns vorliegenden Information ist es das Wissen auf einem bestimmten Fachgebiet, das kodifizierbar und dokumentierbar ist. Beispiele aus dem Text zeigen dies deutlich: Jemand kann ein gutes, großes, umfangreiches Fachwissen auf dem Gebiet der Physik haben. Ebenso ist Fachwissen auf dem Gebiet der Gerichtsbarkeit relevant. Es ist das spezialisierte, oft theoretische oder regelbasierte Wissen, das durch Lernen erworben und durch Dokumente oder formelle Kommunikation weitergegeben werden kann.

Um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten noch klarer zu machen, hier eine einfache Gegenüberstellung:

MerkmalFachwissen (Explizites Wissen)Erfahrungswissen (Implizites Wissen)
FormKodifiziert, dokumentiert (Text, Bilder, Regeln)Im Individuum verankert (Erfahrung, Intuition, Können)
QuelleLernen, Lesen, Anweisungen, formale BildungPraxis, Handeln, Beobachtung, Reflexion
ÜbertragbarkeitRelativ einfach (Kopieren, Lehren, Dokumentation)Schwer zu übertragen (erfordert Externalisierung, Dialog)
DokumentierbarkeitHochNiedrig
BeispieleHandbücher, Berichte, Formeln, GesetzeFingerspitzengefühl, Intuition, unbewusste Kompetenzen, Handwerkliches Können

Im Kontext des Wissensmanagements bedeutet dies, dass Unternehmen Strategien für beide Wissensformen entwickeln müssen. Für explizites Wissen geht es um effiziente Datenbanken, Dokumentenmanagement-Systeme und standardisierte Schulungen. Für implizites Wissen geht es um die Förderung von Mentoring, Coaching, Teambuilding, informellem Austausch und der Schaffung von Räumen, in denen Erfahrung geteilt und reflektiert werden kann.

Die Herausforderung der VUKA-Welt verschärft die Notwendigkeit eines effektiven Wissensmanagements. Nicht nur muss Wissen erfasst und geteilt werden, es muss auch regelmäßig auf seine Aktualität und Relevanz überprüft werden. Veraltetes Fachwissen kann genauso schädlich sein wie fehlendes Erfahrungswissen. Ein kontinuierlicher Kreislauf des Lernens, Anpassens und Erneuerns ist unerlässlich.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Fachwissen und Erfahrungswissen zwei Seiten derselben Medaille des menschlichen und organisationalen Könnens sind. Beide sind unverzichtbar. Während Fachwissen die Grundlage für Verständnis und Struktur liefert und leicht zugänglich gemacht werden kann, ermöglicht Erfahrungswissen die effektive Anwendung in komplexen, realen Situationen und erfordert oft persönlichere und dialogische Übertragungswege. Ein erfolgreiches Wissensmanagement erkennt die Unterschiede, schätzt beide Formen gleichermaßen und entwickelt Strategien, um beide effektiv zu nutzen und in der Organisation zu verbreiten.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Fachwissen:

Was versteht man unter Fachwissen?
Fachwissen ist Wissen, das eindeutig kodifiziert und dokumentiert werden kann, oft in Form von Fakten und Regeln. Es ist explizit und leicht über Medien wie Schrift oder Bilder übertragbar.

Wie unterscheidet sich Fachwissen von Erfahrungswissen?
Fachwissen ist kodifizierbar und explizit, während Erfahrungswissen auf persönlicher Erfahrung basiert, implizit ist und schwer zu dokumentieren oder formal zu übertragen ist.

Sind Fachwissen und Erfahrungswissen beide wichtig?
Ja, beide Wissensformen sind für den Erfolg von Einzelpersonen und Organisationen gleichermaßen wichtig.

Warum veraltet Fachwissen heutzutage schneller?
In der VUKA-Welt (Volatilität, Unsicherheit, Komplexität, Ambiguität) führen schnelle Veränderungen dazu, dass Fakten und Regeln rascher irrelevant werden als früher.

Wie kann implizites Wissen weitergegeben werden?
Da es schwer zu dokumentieren ist, wird implizites Wissen oft durch dialogische Verfahren wie Coaching- und Mentoring-Programme oder durch Externalisierungsprozesse (Befragung, Analyse des Tuns) weitergegeben.

Was bedeutet Wissensmanagement als fortlaufender Prozess?
Aufgrund der schnellen Veralterung von Wissen muss das Management von Wissen kontinuierlich erfolgen, um sicherzustellen, dass das vorhandene Wissen aktuell und relevant bleibt.

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