20/07/2018
Das Basteln und Selbermachen erfährt eine Renaissance, und das aus gutem Grund. Es ist nicht nur eine wunderbare Möglichkeit, der Kreativität freien Lauf zu lassen, sondern auch eine Form der achtsamen Zeit, die wir uns selbst schenken können. Besonders reizvoll ist es, Gebrauchsgegenständen eine persönliche Note zu verleihen oder traditionelle Werkzeuge neu zu entdecken. Wie wäre es zum Beispiel, wenn wir uns dem Schreiben widmen und unsere eigenen Schreibwerkzeuge kreieren?

Federn haben seit jeher eine besondere Faszination ausgeübt. Sie symbolisieren Leichtigkeit, Freiheit und natürlich die Kunst des Schreibens. Aus ihnen lassen sich auf unterschiedliche Weise ganz individuelle Schreibfedern herstellen. Wir zeigen Ihnen zwei spannende Ansätze: zum einen eine einfache Methode, um dekorative Stifte mit handelsüblichen Kugelschreiberminen zu gestalten, und zum anderen die traditionelle Kunst, einen echten Federkiel für das Schreiben mit Tinte vorzubereiten.
Ob als hübsches Accessoire für den eigenen Schreibtisch, das ein wenig Boho-Feeling verbreitet, oder als ganz persönliches Geschenk in Kombination mit einem Notizbuch – selbst gemachte Schreibfedern sind ein echter Blickfang. Und wer weiß, vielleicht weckt das Zubereiten eines echten Federkiels ja sogar die Lust, sich einmal in der Kalligraphie zu versuchen.

DIY-Schreibfedern mit Kugelschreiberminen: Schnell und dekorativ
Diese Methode ist perfekt für alle, die ein schnelles und unkompliziertes Bastelprojekt suchen. Das Ergebnis sind wunderschöne, farbenfrohe Stifte, die aussehen wie Schreibfedern, aber die praktische Funktionalität eines Kugelschreibers besitzen. Sie sind ideal, um dem Arbeitsplatz etwas Farbe zu verleihen oder als charmantes kleines Mitbringsel.
Materialien für die dekorative Schreibfeder:
- Einige selbst gesammelte oder gekaufte Federn
- Kugelschreiberminen (im Schreibwarengeschäft erhältlich)
- Klebeband (gerne auch glitzernd oder farbig für einen besonderen Effekt)
- Nagellack (z.B. Metallic oder Neon) und/oder Acrylfarben
- Ein Cutter
- Bastellaune
Schritt-für-Schritt-Anleitung:
- Wählen Sie eine schöne Feder aus, deren Kiel stabil genug ist, um eine Mine aufzunehmen.
- Nehmen Sie den Cutter zur Hand und schlitzen Sie den Federkiel vorsichtig auf etwa zwei Drittel der Länge der Kugelschreibermine auf. Arbeiten Sie hier behutsam, um den Kiel nicht zu beschädigen.
- Sollte das harte Endstück des Kiels im Weg sein, können Sie es eventuell vorsichtig abschneiden.
- Schieben Sie nun die Kugelschreibermine in den vorbereiteten Schlitz des Federkiels. Achten Sie darauf, dass die Schreibspitze der Mine unten herausragt.
- Um die Mine sicher im Kiel zu fixieren und dem Stift Stabilität zu verleihen, umwickeln Sie den Bereich, in dem die Mine im Kiel steckt, fest mit Klebeband. Sie können hier ein einfaches transparentes Klebeband verwenden oder bewusst ein dekoratives Klebeband wählen, das zum Design passt.
- Jetzt kommt der kreative Teil: das Bemalen der Feder. Sie können hierfür Nagellack oder Acrylfarben verwenden. Für präzise Muster oder Streifen können Sie Teile der Feder mit Klebeband abkleben, bevor Sie malen.
- Wenn Sie mit Nagellack arbeiten, tragen Sie eventuell mehrere Schichten auf, damit die Farbe gut deckt. Lassen Sie jede Schicht vollständig trocknen, bevor Sie die nächste auftragen.
- Lassen Sie die bemalte Feder vollständig trocknen.
- Fertig ist Ihre individuelle, dekorative Schreibfeder!
Diese Stifte sind nicht nur praktisch, sondern auch ein Ausdruck Ihrer Persönlichkeit und Kreativität. Sie bringen Freude auf den Schreibtisch und sind ein Beweis dafür, dass man aus einfachen Materialien etwas Besonderes schaffen kann.
Der traditionelle Federkiel: Schreiben wie in alten Zeiten
Wer das authentische Gefühl des Schreibens mit Tinte erleben möchte, kann sich an die Herstellung eines traditionellen Federkiels wagen. Dieser Prozess ist etwas aufwendiger als die dekorative Variante, aber das Ergebnis ist ein funktionsfähiges Schreibwerkzeug, das ein einzigartiges Schreiberlebnis bietet. Die Kunst des Federkiel-Schneidens ist alt und erfordert etwas Übung und das richtige Werkzeug.
Vogelfedern, insbesondere Gänsefedern, eignen sich besonders gut für die Herstellung von Federkielen, da ihr Kiel (der Schaft der Feder) stabil und flexibel genug ist. Wenn Sie Federn auf Spaziergängen finden, sammeln Sie sie ein – sie könnten die Basis für Ihr nächstes Schreibprojekt sein!
Materialien für einen traditionellen Federkiel:
- Echte Vogelfedern (Gänsefedern werden oft empfohlen)
- Wasser
- Heißer Sand (aus dem Ofen)
- Ein kleines, sehr scharfes Messer mit einer starren Klinge (keine flexible Klinge)
- Ein Werkzeug zum Reinigen des Kiels (z.B. eine Häkelnadel oder ein ähnlicher Stick)
- Eine gerade, feste Oberfläche
- Eventuell ein Abziehriemen oder Schleifmittel (wie Juwelierschleifmittel) zum Schärfen des Messers
- Tinte und ein Tintenfass (später zum Schreiben)
Der Prozess des Temperns und Schneidens:
Bevor Sie mit dem Schneiden beginnen, ist das Tempern der Federkiele ein wichtiger Schritt. Dieser Prozess macht den Kiel haltbarer und widerstandsfähiger für das Schneiden und Schreiben.
- Einweichen: Weichen Sie die gesammelten Federn über Nacht in Wasser ein. Dies macht den Kiel weicher und bereitet ihn auf den nächsten Schritt vor.
- Härten (Tempern): Tauchen Sie die eingeweichten Federn in heißen Sand. Der Sand sollte aus dem Ofen kommen, um die nötige Hitze zu haben. Lassen Sie die Federn im Sand, bis dieser abgekühlt ist. Dieser Prozess härtet den Federkiel erheblich und ist vergleichbar damit, wie Hitze Strukturen wie Fingernägel festigen kann.
- Vorbereitung der Spitze: Halten Sie die Feder so, wie Sie sie zum Schreiben halten würden. Die konvexe Seite (die nach oben gewölbte Seite, die Ihrer Hand zugewandt ist) ist die Oberseite, wo später der Schlitz sein wird. Die konkave Seite (die nach unten gewölbte Seite) ist die Unterseite.
- Erster Schnitt (Oberseite): Machen Sie den ersten Schnitt von der Oberseite der Feder aus. Dieser Schnitt sollte diagonal erfolgen. Ein Winkel von etwa 45 Grad wird oft als Ausgangspunkt genannt. Der Schnitt sollte mit einem einzigen, langen Zug des scharfen Messers erfolgen, um eine glatte Kante zu erzielen. Wenn die Feder splittert, ist das Messer möglicherweise nicht scharf genug, oder Sie müssen den Schnitt etwas weiter oben am Kiel ansetzen, wo das Material gehärtet, aber noch flexibel ist.
- Kiel reinigen: Nach dem ersten Schnitt ist es hilfreich, das Innere des Federkiels zu reinigen. Entfernen Sie das Mark im Inneren des Schafts. Sie können hierfür ein dünnes Werkzeug wie eine Häkelnadel verwenden. Wenn Sie nicht das gesamte Material entfernen können, schieben Sie es einfach mit einem Stäbchen bis zum Ende des Schafts.
- Zweiter Schnitt (Unterseite): Machen Sie einen zweiten Schnitt auf der gegenüberliegenden, konkaven Seite der Feder. Dieser Schnitt sollte ebenfalls diagonal sein, aber tendenziell etwas länger und weiter oben am Kiel beginnen als der erste Schnitt. Nach diesen beiden Schnitten sollte die Federspitze eine Form mit zwei „Hörnern“ aufweisen.
- Den Schlitz machen: Der Längsschlitz in der Spitze ist entscheidend dafür, dass die Feder Tinte halten und abgeben kann. Eine empfohlene Methode ist, die beiden „Hörner“ der Spitze vorsichtig zusammenzudrücken, bis der Kiel bricht und sich auf natürliche Weise ein Schlitz bildet. Diese Methode wird oft bevorzugt, da ein Schnitt mit dem Messer dazu neigen kann, den Schlitz zu breit zu machen, was zu einem doppelten Schriftbild führen kann.
- Die Spitze formen: Sobald der Schlitz vorhanden ist, schnitzen Sie die Spitze weiter, indem Sie die „Hörner“ entfernen und die Form der Spitze so gestalten, dass sie einer Metallfeder ähnelt. Sie müssen möglicherweise auch die Unterseite neu schneiden, damit sie lang genug ist und die Spitze die richtige Form hat.
- Die Spitze schärfen: Machen Sie winzige Schnitte auf der Ober- und Unterseite der Spitze, um sie flacher zu gestalten und die Schreibkante zu verfeinern. Benutzen Sie Ihr scharfes Messer, um die Spitze vorsichtig zu schälen.
- Die äußerste Spitze abknipsen: Legen Sie die Spitze des Federkiels auf eine gerade Oberfläche, idealerweise am Rand Ihres Arbeitstisches. Drücken Sie das Messer senkrecht auf den Federkiel und gerade nach unten, um die äußerste, feinste Spitze abzuschneiden. Entfernen Sie nur ein Minimum. Dies verhindert, dass die sehr dünne Spitze beim Schreiben im Papier hängen bleibt und Tinte spritzt.
Der gesamte Prozess des Schneidens einer Feder zu einem nutzbaren Federkiel mag in der Beschreibung langwierig erscheinen, aber mit etwas Übung dauert es nur wenige Minuten pro Feder. Das Wichtigste ist ein sehr scharfes Messer und ein Verständnis dafür, wie die Schnitte die Spitze formen.
Wie ein Federkiel mit Tinte funktioniert
Im Gegensatz zu modernen Stiften oder selbst den dekorativen Federn mit Kugelschreiberminen funktioniert ein traditioneller Federkiel nach einem einfachen, aber genialen Prinzip, das auf Kapillarwirkung und Druck basiert.

Wenn Sie die Spitze eines Federkiels in Tinte tauchen, saugt sich die Tinte durch Kapillarwirkung in den feinen Spalt an der Spitze und in das Innere des Federkiels, das als kleines Reservoir dient. Auch wenn Sie überschüssige Tinte am Tintenfass abstreifen, bleibt eine ausreichende Menge im Reservoir und im Schlitz der Spitze gespeichert.
Beim Schreiben wird leichter Druck auf die Federspitze ausgeübt. Dieser Druck bewirkt, dass sich der Längsspalt an der Spitze minimal öffnet. Dadurch kann die im Reservoir gespeicherte Tinte kontrolliert auf das Papier fließen. Je nachdem, wie viel Druck Sie ausüben, kann der Tintenfluss und damit die Strichstärke variieren. Mit etwas Übung lernen Sie, genau den richtigen Druck anzuwenden, um einen gleichmäßigen Tintenfluss zu gewährleisten, ohne zu viel oder zu wenig Tinte abzugeben.
Dieses Prinzip ermöglichte über Jahrhunderte das Schreiben und die Kalligraphie und verleiht dem Schreiben mit einem Federkiel seinen charakteristischen Charme und seine einzigartige Ästhetik. Es ist ein langsamerer, bedächtigerer Prozess als das Schreiben mit einem modernen Stift, der aber eine besondere Verbindung zum Geschriebenen schafft.
Welche Federn eignen sich am besten?
Die Wahl der Feder kann einen Unterschied machen, insbesondere wenn Sie einen traditionellen Federkiel herstellen möchten. Während für die dekorativen Kugelschreiber-Federn fast jede größere Feder mit einem stabilen Kiel verwendet werden kann, sind für Tinte bestimmte Federn besser geeignet.
Basierend auf Erfahrungen werden Gänsefedern oft als die besten Federn für die Herstellung von Schreibkielen angesehen. Ihr Kiel ist robust, hat eine gute Größe und lässt sich nach dem Tempern gut schneiden und formen. Auch Truthahn- oder Schwänenfedern können verwendet werden, aber Gänsefedern gelten als Klassiker für diesen Zweck.
Wichtig ist, dass die Feder einen gut entwickelten, hohlen Kiel hat, der stabil genug ist. Federn von kleineren Vögeln sind in der Regel nicht geeignet, da ihr Kiel zu dünn und fragil ist.

Häufig gestellte Fragen
Hier beantworten wir einige typische Fragen, die beim Thema selbst gemachte Schreibfedern aufkommen:
Kann ich jede beliebige Feder verwenden?
Für dekorative Stifte mit Kugelschreibermine können viele Federn verwendet werden, solange der Kiel stabil genug für die Mine ist. Für traditionelle Federkiele zum Schreiben mit Tinte sind Federn mit einem kräftigen, hohlen Kiel wie von Gänsen oder Truthähnen besser geeignet.
Wie hält der Federkiel die Tinte?
Ein traditioneller Federkiel hält Tinte durch Kapillarwirkung in einem inneren Hohlraum (dem Reservoir) und im feinen Schlitz an der Spitze. Beim Schreiben wird durch leichten Druck Tinte auf das Papier abgegeben.
Ist es schwierig, einen Federkiel zu schneiden?
Das Schneiden eines funktionsfähigen Federkiels erfordert Übung und ein sehr scharfes Messer. Der Prozess des Temperns und die verschiedenen Schnitte müssen gelernt werden, aber mit Geduld ist es durchaus machbar.
Warum muss die Feder gehärtet (getempert) werden?
Das Härten durch Einweichen und Erhitzen im Sand macht den Federkiel widerstandsfähiger. Ein getemperter Kiel splittert beim Schneiden weniger und hält beim Schreiben länger.
Wie lange hält ein selbst gemachter Federkiel?
Die Haltbarkeit hängt von der Qualität der Feder, der Sorgfalt beim Schneiden und der Intensität der Nutzung ab. Die Spitze nutzt sich mit der Zeit ab und muss eventuell nachgeschnitten werden, ähnlich wie bei alten Metallfedern.
Fazit
Das Selbermachen von Schreibfedern, ob als dekorative Stifte oder als traditionelle Federkiele, ist ein lohnendes Projekt. Es verbindet Handarbeit mit der Wertschätzung für das Schreiben und die Materialien, die wir verwenden. Es ist eine kreative Auszeit, die zu wunderschönen Ergebnissen führt. Probieren Sie es aus – es ist vielleicht einfacher, als Sie denken, und das Gefühl, mit einem selbst gemachten Werkzeug zu schreiben, ist unvergleichlich.
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