Was kann man mit dem Fidget Pen machen?

Fidget Spinner: Was Ärzte & Studien sagen

29/07/2013

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Fidget Spinner, die kleinen Handspielzeuge, die sich um ein Kugellager drehen, erlebten vor einigen Jahren einen explosionsartigen Aufstieg. Sie waren überall zu sehen – in Schulhöfen, Büros und Wohnzimmern. Beworben wurden sie oft nicht nur als einfaches Spielzeug, sondern mit weitreichenden Versprechen: Sie sollten die Konzentration steigern, Stress abbauen, Angstzustände lindern und sogar Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) helfen. Doch was steckt wirklich hinter diesen Behauptungen? Und was sagen Experten und Ärzte dazu?

Übersicht

Die Marketingversprechen vs. die wissenschaftliche Realität

Die Vermarktung von Fidget Spinnern zielte stark auf Eltern und Pädagogen ab, indem sie die angeblichen therapeutischen Vorteile in den Vordergrund stellte. Kinder mit ADHS, Autismus-Spektrum-Störungen, Angstzuständen oder sensorischen Problemen sollten durch die Nutzung der Spinner ruhiger, konzentrierter und weniger gestresst werden. Diese Behauptungen klangen verlockend und führten dazu, dass Millionen von Spinnern gekauft wurden, oft in der Hoffnung, das Verhalten oder die Lernfähigkeit eines Kindes positiv zu beeinflussen.

Ist ein Fidget Spinner etwas für ADHS?
Die Verwendung von Zappelspielzeug ist eine Möglichkeit, Schülern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) Bewegung zu ermöglichen, während sie im Klassenzimmer schulische Aufgaben erledigen.

Das Problem dabei war und ist jedoch: Diese weitreichenden Versprechen basierten kaum auf wissenschaftlichen Beweisen. Zum Zeitpunkt des größten Hypes gab es praktisch keine fundierten Studien, die die beworbenen Vorteile bestätigten. Ähnlich wie bei anderen sensorischen Spielzeugen, die in der Ergotherapie eingesetzt werden (z. B. Therapieknete), fehlte es an rigoroser Forschung.

Kinderärzte wurden schnell auf das Phänomen aufmerksam, nicht nur wegen der unbegründeten Gesundheitsclaims, sondern auch wegen potenzieller Gefahren. Eine der größten Sorgen war und ist die Erstickungsgefahr, insbesondere bei jüngeren Kindern, da sich Kleinteile lösen können. Ärzte rieten Eltern daher, vorsichtig zu sein und sich nicht von den Marketingversprechen blenden zu lassen. Sie betonten, dass es keine von Fachleuten überprüften Studien gab, die die angeblichen positiven Effekte unterstützten.

Fidget Spinner und ADHS: Eine genauere Betrachtung

Die Behauptung, Fidget Spinner könnten Kindern mit ADHS helfen, war besonders prominent. ADHS ist eine neurologische Entwicklungsstörung, die durch altersunangemessene und beeinträchtigende Ausprägungen von Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität gekennzeichnet ist. Kinder mit ADHS haben oft Schwierigkeiten, ihre Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten, Impulse zu kontrollieren und ruhig sitzen zu bleiben. Sie zeigen häufig hohe motorische Aktivität.

Die Idee, dass Bewegung die Konzentration bei ADHS fördern könnte, ist nicht neu. Einige Studien legen nahe, dass bestimmte Körperbewegungen während Lernaufgaben die Fähigkeit zur Konzentration verbessern können. Bei Kindern mit ADHS war eine erhöhte Bewegung in einigen Fällen sogar mit einer besseren Leistung bei akademischen Aufgaben verbunden. Dies führte zur Überlegung, dass das Unterdrücken von Bewegung die Leistung beeinträchtigen könnte.

Allerdings sind große oder abrupte Bewegungen im Klassenzimmer oft störend. Hier kommen Fidget Toys ins Spiel: kleine, taktile Objekte, die eine Person nutzen kann, um sich zu bewegen, während sie sitzen bleibt. Dazu gehören Stressbälle, Therapieknete oder eben auch Fidget Spinner.

Was die Forschung wirklich zeigt: Gemischte Ergebnisse

Trotz der weiten Verbreitung von Fidget Spinnern als angebliche Hilfe für ADHS-Betroffene gibt es nur wenige wissenschaftliche Studien, die sich speziell mit ihrer Wirkung befassen. Und die vorhandenen Ergebnisse sind gemischt und oft nicht eindeutig positiv.

Eine Studie untersuchte die Wirkung von Fidget Spinnern bei Kindern mit ADHS in einem Sommertherapieprogramm. Die Ergebnisse zeigten, dass die Schüler bei der Verwendung von Fidget Spinnern weniger grobmotorische Bewegungen zeigten und häufiger bei der Aufgabe waren. Allerdings verbesserte sich die Aufmerksamkeit der Schüler laut dieser Studie nicht. Verhaltensverbesserungen (z.B. weniger Verlassen des zugewiesenen Bereichs) traten nur beim ersten Einsatz auf.

Andere Studien lieferten sogar negative Ergebnisse. Eine Untersuchung mit College-Studenten ergab, dass die Verwendung eines Fidget Spinners die Gedächtnisleistung beeinträchtigte. Eine weitere Studie in einer dritten Klasse zeigte, dass Schüler bei der Verwendung von Fidget Spinnern signifikant schlechtere Leistungen bei Mathematikaufgaben erbrachten.

Diese Befunde legen nahe, dass Fidget Spinner für die meisten Schüler – insbesondere im allgemeinen Unterricht – eher ablenkend wirken könnten.

Was sagen Ärzte zu Fidget Spinnern?
Zusammenfassung: Fidget Spinner und andere selbstregulierende Ergotherapie-Spielzeuge erfreuen sich in letzter Zeit großer Beliebtheit und wurden bisher noch nicht gründlich wissenschaftlich erforscht. Daher sind ihre angeblichen Vorteile wissenschaftlich unbegründet .

Eine spezifische Studie: Fidget Spinner und 'Bei-der-Aufgabe-Verhalten'

Eine detailliertere Studie, die in den bereitgestellten Informationen beschrieben wird, untersuchte speziell die Auswirkungen von Fidget Spinnern auf das sogenannte 'Bei-der-Aufgabe-Verhalten' (on-task behavior) bei drei Zweitklässlern mit ADHS in einem regulären Klassenzimmer. Die Forscher wollten wissen, ob die Schüler bei akademischen Aufgaben häufiger 'bei der Aufgabe' waren, wenn sie einen Fidget Spinner benutzten.

Studiendesign und Durchführung

Die Studie nutzte ein Mehrfach-Baseline-Design über die Schüler hinweg. Über fünf Wochen wurde das Verhalten während des Sprachunterrichts beobachtet. 'Bei-der-Aufgabe-Verhalten' wurde definiert als Blickkontakt mit dem Arbeitsmaterial oder der sprechenden Person oder Befolgen spezifischer Lehreranweisungen. Nicht-Beispiele waren das Betrachten von Mitschülern außerhalb erlaubter Zeiten, das Betrachten des Fidget Spinners selbst oder das Schauen aus dem Fenster.

Während der Baseline-Phase wurden die Schüler ohne Fidget Spinner beobachtet. In der Interventionsphase erhielten die Schüler einen Fidget Spinner zur Nutzung während der gesamten Unterrichtszeit. Vor Beginn erhielten die Schüler eine kurze Einweisung in die Regeln für die Nutzung des Spinners im Unterricht (z.B. mit zwei Fingern halten, nur bei Arbeit oder Zuhören nutzen, leise sein, Augen auf Arbeit/Lehrer gerichtet halten).

Ergebnisse der Studie

Die Ergebnisse dieser spezifischen Studie zeigten für alle drei teilnehmenden Schüler einen deutlichen und sofortigen Anstieg des 'Bei-der-Aufgabe-Verhaltens', als der Fidget Spinner eingeführt wurde. Dieses erhöhte Niveau des 'Bei-der-Aufgabe-Verhaltens' blieb über die meisten Sitzungen hinweg bestehen.

Visuelle Analysen der Daten und statistische Maße (NAP-Werte) bestätigten, dass die Schüler signifikant häufiger 'bei der Aufgabe' waren, wenn sie den Fidget Spinner nutzen durften, verglichen mit den Zeiten ohne Spinner.

Zusammenfassung der Ergebnisse (Beispielhafte Darstellung):

SchülerDurchschnittliches 'Bei-der-Aufgabe-Verhalten' BaselineDurchschnittliches 'Bei-der-Aufgabe-Verhalten' InterventionEffektstärke (NAP)
Allison27%79%1.0 (Groß)
Ben25%67%0.85 (Mittel)
Carl34%55%0.90 (Mittel)

Die Studie legt nahe, dass der Fidget Spinner als eine Art 'Alternative' zu störenden Bewegungen fungiert. Er bietet eine Möglichkeit für kleine Bewegungen, die möglicherweise das Bedürfnis nach größeren, störenderen Bewegungen reduziert. Wenn die Schüler den Spinner nutzten, waren sie eher in der Lage, ihre Augen auf ihre Arbeit oder den Lehrer zu richten, anstatt sich umzusehen oder mit Nachbarn zu sprechen.

Wahrnehmung der Beteiligten

Am Ende der Studie wurden die Schüler und die Lehrerin nach ihrer Meinung gefragt:

  • Zwei der drei Schüler gaben an, dass ihnen der Fidget Spinner gefiel und dass er ihnen half, 'bei der Aufgabe' zu bleiben und mehr Arbeit zu erledigen. Der dritte Schüler mochte ihn nicht und konnte nicht erklären, warum.
  • Die Lehrerin bewertete die Intervention insgesamt sehr negativ (1 von 5 auf einer Likert-Skala). Obwohl sie sah, dass die Schüler ruhiger waren und weniger störten, war ihr Hauptziel die Arbeitserledigung. Sie stellte fest, dass die Schüler zwar 'bei der Aufgabe' aussahen (z.B. auf das Blatt schauten), aber die Aufgaben nicht tatsächlich bearbeiteten.

Interpretation und Implikationen

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass Fidget Spinner bei einigen Kindern mit ADHS tatsächlich das 'Bei-der-Aufgabe-Verhalten' im Sinne des Blickkontakts mit Material oder Person erhöhen können. Sie scheinen zu helfen, störende Bewegungen zu reduzieren und die Schüler äußerlich ruhiger zu machen und auf die Aufgabe auszurichten.

Dies ist jedoch ein entscheidender Punkt: 'Bei-der-Aufgabe-Verhalten' ist nicht gleichbedeutend mit 'aktivem Engagement' oder gar 'Lernen' oder 'Arbeitserledigung'. Ein Schüler kann auf sein Arbeitsblatt starren und dennoch gedanklich völlig abwesend sein. Die Studie konnte nicht unterscheiden, ob die Schüler nur passiv auf die Aufgabe ausgerichtet waren oder aktiv daran arbeiteten. Die Wahrnehmung der Lehrerin, dass die Arbeitserledigung nicht zunahm, deutet darauf hin, dass der Spinner zwar die äußere Haltung beeinflusste, aber nicht unbedingt die innere Konzentration oder die Produktivität.

Dies zeigt die Komplexität: Eine Intervention kann ein Problem (störendes Zappeln) lindern, ohne das eigentliche Lernproblem (Unaufmerksamkeit, Schwierigkeiten bei der Aufgabenbearbeitung) zu lösen. Für Pädagogen und Eltern ist es wichtig, klare Ziele zu definieren und zu prüfen, ob eine Intervention diese Ziele auch wirklich erreicht, nicht nur oberflächliche Verhaltensänderungen bewirkt.

Grenzen der Forschung und Ausblick

Die vorliegende Forschung zu Fidget Spinnern ist begrenzt. Viele Studien sind klein, haben methodische Einschränkungen (wie die oben genannte Studie, die nicht zwischen passivem und aktivem Engagement unterschied) oder zeigen widersprüchliche Ergebnisse. Es ist unklar, ob es der Fidget Spinner selbst ist, der eine Wirkung hat, oder ob es einfach die Möglichkeit zur Handbewegung im Allgemeinen ist, oder ob sogar die Regeln oder die Anwesenheit eines Beobachters das Verhalten beeinflussten.

Wie viel kostet ein Fidget Pen?
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Zukünftige Forschung müsste:

  • Aktives Engagement und Arbeitserledigung messen, nicht nur 'Bei-der-Aufgabe-Verhalten'.
  • Untersuchen, ob andere Fidget Toys (Stressbälle, Knete) ähnliche oder andere Effekte haben.
  • Erkunden, ob die Art oder Dauer der Nutzung des Spinners eine Rolle spielt.
  • Größere und vielfältigere Stichproben von Kindern mit ADHS und anderen Bedingungen einschließen.

Was bedeutet das in der Praxis?

Basierend auf dem aktuellen Stand der Forschung sollten Fidget Spinner nicht als wissenschaftlich fundierte Therapie für ADHS, Angst oder Konzentrationsprobleme beworben oder eingesetzt werden. Sie sind in erster Linie Spielzeug.

Für manche Individuen könnten sie möglicherweise helfen, störendes Zappeln oder andere motorische Unruhe zu kanalisieren. In solchen Fällen könnten sie als nicht-medikamentöse Strategie ausprobiert werden, um das äußere Verhalten im Klassenzimmer oder zu Hause zu verbessern. Es ist jedoch entscheidend, die tatsächlichen Auswirkungen auf die Konzentration, das Lernen und die Arbeitserledigung genau zu beobachten.

Eltern und Pädagogen sollten sich der unbegründeten Marketingansprüche bewusst sein und realistische Erwartungen haben. Die potenziellen Risiken, insbesondere die Erstickungsgefahr bei Kleinteilen, dürfen nicht ignoriert werden.

Häufig gestellte Fragen zu Fidget Spinnern

Helfen Fidget Spinner wirklich bei ADHS?

Die wissenschaftliche Evidenz, dass Fidget Spinner ADHS-Symptome wie Unaufmerksamkeit oder Impulsivität verbessern, ist sehr begrenzt und widersprüchlich. Einige Studien zeigen, dass sie störende motorische Unruhe reduzieren und das 'Bei-der-Aufgabe-Verhalten' (äußere Ausrichtung auf die Aufgabe) erhöhen können. Andere Studien zeigen negative Effekte auf Konzentration und Leistung. Sie sind keine wissenschaftlich anerkannte Therapie für ADHS.

Was sagen Ärzte zu Fidget Spinnern?

Ärzte, insbesondere Kinderärzte, äußerten Bedenken hinsichtlich der unbegründeten Gesundheitsclaims und der potenziellen Gefahren, wie der Erstickungsgefahr durch Kleinteile. Sie raten Eltern, sich nicht von Marketingversprechen leiten zu lassen, da es keine fundierten Studien gibt, die die beworbenen Vorteile für ADHS, Angst oder Stress belegen.

Sind Fidget Spinner im Klassenzimmer erlaubt?

Dies hängt stark von der jeweiligen Schule und dem Lehrer ab. Einige Schulen haben sie aufgrund ihrer potenziellen Ablenkung für alle Schüler verboten. Andere erlauben sie unter bestimmten Bedingungen oder für Schüler mit spezifischen Bedürfnissen, oft mit klaren Regeln für die Nutzung. Die Forschung zeigt, dass sie für die meisten Schüler ablenkend sein können, aber für einige wenige mit ADHS möglicherweise helfen, störende Bewegungen zu reduzieren.

Gibt es sicherere Alternativen zu Fidget Spinnern?

Ja, es gibt viele andere 'Fidget Toys' oder sensorische Hilfsmittel, die potenziell weniger ablenkend oder risikoreich sind. Dazu gehören Stressbälle, Therapieknete, flexible Sitzkissen, oder Gummibänder an Stuhlbeinen. Die Wirksamkeit dieser Hilfsmittel ist ebenfalls nicht immer wissenschaftlich eindeutig belegt, aber sie haben oft weniger Ablenkungspotenzial und Risiken als Fidget Spinner.

Warum scheinen manche Menschen von Fidget Spinnern zu profitieren?

Selbst wenn die wissenschaftliche Evidenz für breite Effekte fehlt, können individuelle Erfahrungen variieren. Für manche Menschen kann die Handbewegung einfach eine beruhigende oder fokussierende Wirkung haben, ähnlich wie das Kritzeln oder das Spielen mit einem Stift. Dies könnte ein Placebo-Effekt sein oder auf individuelle sensorische Bedürfnisse zurückzuführen sein. Die Forschung deutet darauf hin, dass der Nutzen, falls vorhanden, eher auf die Reduzierung störender Bewegungen beschränkt ist und nicht unbedingt die kognitive Leistung verbessert.

Fazit

Fidget Spinner bleiben faszinierende kleine Spielzeuge, die eine Zeit lang die Welt im Sturm eroberten. Ihre Geschichte ist ein gutes Beispiel dafür, wie Marketing unbegründete Gesundheitsclaims schnell verbreiten kann. Während sie für einige wenige Personen möglicherweise als Werkzeug zur Reduzierung störender motorischer Unruhe dienen könnten, basieren die weitreichenden Behauptungen über ihre Vorteile bei ADHS, Angst oder Konzentration nicht auf solider wissenschaftlicher Grundlage. Ärzte raten zur Vorsicht, insbesondere wegen der Erstickungsgefahr, und betonen das Fehlen von Beweisen. Für Eltern und Pädagogen ist es wichtig, informierte Entscheidungen zu treffen und sich nicht allein auf den Hype zu verlassen, sondern auf evidenzbasierte Strategien zu setzen, wenn es um die Unterstützung von Kindern mit ADHS oder anderen Bedürfnissen geht.

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