22/11/2012
Die Reißzwecke ist ein Werkzeug, das in fast jedem Büro, jedem Haushalt und jeder Schule zu finden ist. Sie ist so allgegenwärtig, dass man kaum einen Gedanken an sie verschwendet. Doch hinter diesem einfachen Stift mit Kopf verbirgt sich eine interessante Geschichte, vielfältige Designs und sogar unterschiedliche Namen. Sie dient dazu, Dokumente, Fotos, Notizen oder Plakate temporär an Oberflächen wie Pinnwänden, Wänden oder Zeichenbrettern zu befestigen, ohne gleich zu Klebstoff oder Nägeln greifen zu müssen.

Ihre Funktionsweise ist denkbar einfach: Man drückt den breiten Kopf mit dem Finger oder Daumen, wodurch die spitze Nadel in das Material eindringt und das zu befestigende Objekt fixiert. Der Kopf verteilt dabei den Druck auf eine größere Fläche, um Verletzungen der Finger zu vermeiden.
- Was genau ist eine Reißzwecke eigentlich?
- Eine Reise durch die Geschichte: Wer hat's erfunden?
- Design und Material: Mehr als nur Spitze und Kopf
- Viele Namen für ein Werkzeug: Reißzwecke, Heftzwecke, Pinne & Co.
- Der Name ist Programm: Warum heißt sie Reißzwecke?
- Vielfältige Einsatzgebiete im Büro und darüber hinaus
- Sicherheit geht vor: Umgang mit Reißzwecken
- Was wir (nicht) wissen: Fragen ohne einfache Antworten
- Alternativen zur Reißzwecke
- Fazit
Was genau ist eine Reißzwecke eigentlich?
Im Grunde ist eine Reißzwecke ein kleiner, spitzer Stift, meist aus Metall, der fest mit einem breiteren Kopf verbunden ist. Dieser Kopf kann aus Metall, Kunststoff oder sogar Holz bestehen. Die Hauptfunktion besteht darin, leichte Materialien wie Papier oder Stoff auf einer Unterlage zu fixieren, die weich genug ist, um die Nadel aufzunehmen, aber fest genug, um sie zu halten. Typische Unterlagen sind Korkplatten, Holz, Gipsplatten oder speziell dafür vorgesehene Pinnwände.
Obwohl das Prinzip einfach ist, gibt es feine Unterschiede im Design und in der Herstellung, die sich auf die Handhabung und die Anwendungsbereiche auswirken können. Die Wahl der Materialien beeinflusst die Haltbarkeit und das Aussehen der Reißzwecke.
Eine Reise durch die Geschichte: Wer hat's erfunden?
Die Geschichte der Reißzwecke ist nicht ganz so geradlinig, wie man vermuten könnte, und es gibt mehrere Ansprüche auf ihre Erfindung bzw. erste Massenproduktion. Der Begriff „Drawing Pin“ tauchte laut Oxford English Dictionary erstmals 1812 auf, aber schon Mitte des 18. Jahrhunderts wurden in den heutigen USA ähnliche Gegenstände massenproduziert und waren Ende des 18. Jahrhunderts Standard in Zeichenkästen von Architekten. Es wurde sogar berichtet, dass die Nutzung dieser neuartigen Stifte zur Befestigung von Hinweisen an Schultüren erheblich zur Abnutzung der gotischen Türen beitrug.
Eine bekannte Figur in der amerikanischen Geschichte der Reißzwecke ist Edwin Moore, der im Jahr 1900 in den USA den „Push-Pin“ patentierte. Moore beschrieb seine Erfindung als einen Stift mit einem Griff, was den breiten Kopf treffend umschreibt. Er gründete die Moore Push-Pin Company, die diese Art von Stiften populär machte.
Parallel dazu gibt es europäische Entwicklungen. Im Jahr 1903 soll der Uhrmacher Johann Kirsten in der deutschen Stadt Lychen flachköpfige Stifte für die Verwendung mit Zeichnungen erfunden haben. Interessanterweise gibt es aber auch Quellen, die dem österreichischen Fabrikbesitzer Heinrich Sachs bereits im Jahr 1888 die Erfindung eines Stiftes zuschreiben, der aus einer einzigen Metallscheibe gepresst wurde. Dieser Stil, bei dem die Nadel durch einen Ausschnitt aus dem Kopf geformt wird, wird in Österreich immer noch weit verbreitet unter der Marke „Sax“ verkauft.
Diese unterschiedlichen Ursprungsgeschichten und Namen (Drawing Pin, Push-Pin, Reißzwecke, Sax) zeigen, dass die Idee eines Stiftes mit Kopf zur einfachen Befestigung von Dokumenten quasi gleichzeitig an verschiedenen Orten auf der Welt entstand und sich unabhängig voneinander weiterentwickelte.

Design und Material: Mehr als nur Spitze und Kopf
Das grundlegende Design einer Reißzwecke besteht aus zwei Hauptkomponenten: dem Kopf und dem Körper (der Nadel). Der Kopf ist der Teil, auf den Druck ausgeübt wird, und ist typischerweise breiter als die Nadel. Er dient dazu, den Druck des Fingers zu verteilen und das zu befestigende Material festzuhalten. Die Nadel ist der spitze Teil, der in die Oberfläche eindringt.
Die Materialien variieren. Die Nadeln sind meist aus Stahl oder Messing gefertigt, um Stabilität und eine scharfe Spitze zu gewährleisten. Die Köpfe können aus einer Vielzahl von Materialien bestehen:
- Metall: Oft aus Messing, Stahl oder anderen Legierungen gefertigt. Metallköpfe sind sehr haltbar und können sehr flach sein.
- Kunststoff: Sehr verbreitet, da sie in vielen Farben hergestellt werden können. Sie sind oft gewölbt oder haben eine griffige Form.
- Holz: Seltener, aber für dekorative Zwecke oder spezielle Pinnwände erhältlich.
Die Form des Kopfes ist vielfältig: flach, gewölbt (domed), kugelförmig, zylindrisch oder in fantasievollen Formen wie Herzen oder Sternen. Gewölbte oder griffige Köpfe werden manchmal flachen Köpfen vorgezogen, da flache Reißzwecken, wenn sie herunterfallen, leichter mit der Spitze nach oben liegen bleiben können, was eine Verletzungsgefahr darstellt.
Die Farbe der Köpfe, insbesondere bei Kunststoff-Reißzwecken, ist nicht nur ästhetisch. Farbige Reißzwecken sind äußerst nützlich zur Organisation und Markierung, zum Beispiel auf Karten, um verschiedene Orte oder Status zu kennzeichnen. In einem Büro können verschiedene Farben für unterschiedliche Projekte oder Prioritäten stehen.
Einige Designs, wie die bereits erwähnte „Sax“-Variante, formen die Nadel durch einen Ausschnitt aus dem Metall des Kopfes selbst. Dies ist eine clevere Methode, die Material spart und eine stabile Verbindung zwischen Kopf und Nadel schafft.
Viele Namen für ein Werkzeug: Reißzwecke, Heftzwecke, Pinne & Co.
Das kleine Werkzeug hat im deutschen Sprachraum und darüber hinaus eine Vielzahl von Namen. „Reißzwecke“ ist weit verbreitet, aber auch „Heftzwecke“ ist ein sehr gebräuchliches Synonym. Beide Begriffe beschreiben die Funktion des Heftens oder Reißens/Zeichnens.
Wie die Geschichte zeigt, nannte Erfinder Johann Kirsten seine Kreation ursprünglich „Pinne“. Dieser Name hat sich bis heute erhalten, insbesondere in Verbindung mit der „Pinnwand“, der typischen Oberfläche, an der Reißzwecken verwendet werden. Man „pinnt“ etwas an die Wand.
Regionale oder umgangssprachliche Begriffe existieren ebenfalls. Manchmal hört man sogar das Wort „Wanze“, obwohl dieser Begriff auch für Wanzenklemmen verwendet wird. Diese Namensvielfalt spiegelt die weite Verbreitung und die lange Geschichte des Werkzeugs wider.
Ob man nun Reißzwecke, Heftzwecke oder Pinne sagt – meist ist dasselbe gemeint: ein kleiner Stift mit Kopf zum Befestigen von Papier und ähnlichem an einer Unterlage.

Der Name ist Programm: Warum heißt sie Reißzwecke?
Die Herkunft des Namens „Reißzwecke“ ist eng mit ihrer ursprünglichen Verwendung und der Sprache der Zeit verbunden. Der Begriff lässt sich gut erklären, wenn man die einzelnen Bestandteile betrachtet und die historische Nutzung berücksichtigt.
Der zweite Teil des Wortes, „Zwecke“, war früher eine gebräuchliche Bezeichnung für einen kleinen Nagel oder Stift. Es bezieht sich auf das spitze, stiftförmige Element, das in die Oberfläche eindringt.
Der erste Teil, „Reiß“, bezieht sich nicht auf das Zerreißen von Papier. Stattdessen kommt er vom „Reißbrett“. Ein Reißbrett war ein spezielles Zeichenbrett, das früher von Architekten, Ingenieuren und technischen Zeichnern verwendet wurde. Das Wort „reißen“ bedeutete in diesem Zusammenhang „einritzen“, „zeichnen“ oder „entwerfen“. Auf dem Reißbrett wurden Pläne und technische Zeichnungen erstellt, oft mit Linealen, Zirkeln und Tusche.
Um die großformatigen Zeichenpapiere oder Folien auf dem Reißbrett zu fixieren, wurden spezielle Stifte benötigt, die das Papier glatt und sicher hielten, ohne es zu beschädigen oder die Arbeit zu behindern. Genau dafür wurden die frühen Reißzwecken oder Reißnägel (ein verwandtes, oft etwas robusteres Werkzeug) verwendet.
Der Name „Reißzwecke“ beschreibt also wörtlich eine „Zwecke“ (einen Stift/Nagel) für das „Reißen“ (das technische Zeichnen) auf dem „Reißbrett“. Es ist ein funktionaler Name, der direkt auf den ursprünglichen Hauptanwendungsbereich verweist, auch wenn das Reißbrett in Zeiten von CAD-Programmen seltener geworden ist.
Vielfältige Einsatzgebiete im Büro und darüber hinaus
Obwohl die Reißzwecke ihren Namen vom Reißbrett hat, sind ihre Einsatzgebiete heute weit vielfältiger. Sie ist ein unverzichtbares Werkzeug in vielen Bereichen:
- Büro: Zum Anheften von Notizen an Pinnwände, Organisieren von Dokumenten, Erstellen von Aushängen.
- Schule und Universität: Befestigen von Stundenplänen, Hausaufgaben, Projektarbeiten, Informationstafeln.
- Zuhause: Anbringen von Fotos, Postkarten, Kinderzeichnungen, Einkaufslisten am Kühlschrank (wenn dieser eine Kork- oder Holzfläche hat) oder an einer Pinnwand im Flur.
- Kreative Bereiche: In Handwerk und Kunst zum Fixieren von Stoffen, Mustern oder Skizzen.
- Planung: Auf Landkarten zur Markierung von Reiserouten, besuchten Orten oder Vertriebsgebieten, oft unter Verwendung farbiger Reißzwecken zur besseren Unterscheidung.
- Dekoration: Zum Aufhängen leichter Dekorationen oder Girlanden an Wänden oder Decken (vorsichtig verwenden, um Oberflächen nicht zu beschädigen).
Die Einfachheit und die temporäre Natur der Befestigung machen die Reißzwecke so praktisch. Sie lässt sich leicht entfernen, hinterlässt aber naturgemäß kleine Löcher in der Unterlage und im befestigten Material.
Sicherheit geht vor: Umgang mit Reißzwecken
Trotz ihrer geringen Größe und unscheinbaren Erscheinung bergen Reißzwecken einige Sicherheitsrisiken, die man beachten sollte. Die Spitze ist scharf und kann bei unvorsichtigem Gebrauch Verletzungen verursachen.

Ein häufiges Problem entsteht, wenn Reißzwecken herunterfallen, insbesondere solche mit flachem Kopf. Sie können leicht mit der Spitze nach oben auf dem Boden liegen und stellen dann eine erhebliche Verletzungsgefahr dar, wenn man darauf tritt. Es ist ratsam, verschüttete Reißzwecken sofort aufzusammeln.
Für kleine Kinder und Haustiere stellen Reißzwecken eine ernsthafte Gefahr dar. Sie können verschluckt werden und zu Erstickung oder inneren Verletzungen führen. Reißzwecken sollten immer außerhalb der Reichweite von Kindern und Tieren aufbewahrt werden, idealerweise in einer verschließbaren Box oder Schublade.
Bei der Verwendung sollte man darauf achten, den Druck gleichmäßig auf den Kopf auszuüben und nicht abzurutschen. Gewölbte oder gummierte Köpfe können hier zusätzliche Sicherheit bieten.
Was wir (nicht) wissen: Fragen ohne einfache Antworten
Manchmal stellen sich Fragen zu Alltagsgegenständen, auf die es keine standardisierten Antworten gibt oder deren Beantwortung von vielen Faktoren abhängt. Zwei solche Fragen, die sich im Zusammenhang mit Reißzwecken stellen könnten, sind:
Was passiert, wenn eine Reißzwecke auf Wasser gelegt wird?
Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, da das Verhalten einer Reißzwecke auf Wasser von mehreren Faktoren abhängt, wie zum Beispiel dem Material der Reißzwecke (Dichte des Metalls oder Kunststoffs), ihrer Form und vor allem, wie sie auf die Wasseroberfläche gelegt wird. Eine Reißzwecke aus Stahl oder Messing hat eine höhere Dichte als Wasser und würde normalerweise sinken. Wenn sie jedoch sehr vorsichtig und flach auf die Oberfläche gelegt wird, kann die Oberflächenspannung des Wassers sie kurzzeitig tragen, bevor sie schließlich durch die Oberfläche bricht und sinkt. Eine Reißzwecke mit einem großen, leichten Plastikkopf könnte sich anders verhalten als eine reine Metallzwecke. Die bereitgestellten Informationen geben keine spezifische Antwort auf dieses physikalische Verhalten.
Wie viel Gewicht halten Reißzwecken?
Auch diese Frage hat keine feste Antwort, da die Haltekraft einer Reißzwecke von extrem vielen Variablen abhängt: dem Material und der Beschaffenheit der Oberfläche (Kork hält anders als Holz oder Gips), der Länge und Dicke der Nadel, dem Design des Kopfes, der Anzahl der verwendeten Reißzwecken und sogar der Ausrichtung des Gewichts. Eine einzelne Reißzwecke in einer stabilen Korkplatte kann ein leichtes Poster problemlos halten, während sie in bröseligem Gips oder einer sehr dünnen Pappe kaum Halt findet. Es gibt keine standardisierten Belastungsgrenzen für Reißzwecken, da ihr Einsatzzweck typischerweise das Halten von leichten Objekten wie Papier ist, wo die benötigte Haltekraft minimal ist.
Alternativen zur Reißzwecke
Je nach Anwendungsfall und der zu befestigenden Oberfläche gibt es verschiedene Alternativen zur Reißzwecke:
- Pinnadeln/Push-Pins: Oft etwas robuster und mit größeren, leichter zu greifenden Köpfen. Sie sind im Prinzip eine Weiterentwicklung der Reißzwecke, oft aber speziell für Pinnwände konzipiert.
- Reißnägel: Historisch eng verwandt, oft mit einem größeren, robusten Kopf, manchmal mit geriffelter Kante zum besseren Greifen.
- Heftklammern: Für eine dauerhaftere Verbindung von Papierbögen untereinander. Hinterlassen zwei kleine Löcher und sind schwerer zu entfernen.
- Klebeband/Klebestreifen: Vielseitig einsetzbar, hinterlässt keine Löcher im Material, kann aber Rückstände auf Oberflächen hinterlassen oder Farbe abziehen.
- Klebstoffpunkte/Klebepads: Temporäre oder semi-permanente Klebelösungen, gut für empfindliche Materialien oder Oberflächen, hinterlassen oft keine Rückstände.
- Magnete: Setzen eine magnetische Oberfläche (wie eine Kühlschranktür oder ein Whiteboard) voraus. Hinterlassen keine Löcher.
- Klemmen (z.B. Bulldog-Klammern, Foldback-Klammern): Halten Papierstapel oder können zum Aufhängen von Dokumenten an Haken oder Leinen verwendet werden, hinterlassen keine Löcher im Papier.
Jede Alternative hat ihre Vor- und Nachteile, und die Wahl hängt stark von der spezifischen Aufgabe und den Eigenschaften der zu befestigenden Objekte und Oberflächen ab. Die Reißzwecke bleibt jedoch für viele Anwendungen, insbesondere auf weichen Unterlagen, eine der einfachsten und schnellsten Lösungen.
Fazit
Die Reißzwecke, ob man sie nun Reißzwecke, Heftzwecke oder Pinne nennt, ist weit mehr als nur ein unscheinbarer Stift mit Kopf. Sie hat eine faszinierende, multinationale Geschichte, eine durchdachte, wenn auch einfache, Konstruktion und eine bemerkenswerte Namensherkunft, die tief in der Welt des technischen Zeichnens verwurzelt ist. Trotz der Entwicklung modernerer Befestigungsmethoden und digitaler Lösungen bleibt die Reißzwecke ein unverzichtbares Werkzeug im Büro, in der Schule und im Haushalt. Ihre Einfachheit, Effektivität und Vielseitigkeit sichern ihr auch in Zukunft einen festen Platz in der Welt der Büromaterialien. Beim Gebrauch sollte man stets die kleinen Sicherheitsrisiken im Auge behalten und sie sorgfältig aufbewahren.
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