Welche Gütezeichen gibt es?

Gütesiegel: Ihr Wegweiser im Produktdschungel

16/04/2018

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Im heutigen Konsumalltag begegnen uns unzählige Zeichen und Logos auf Produkten und Dienstleistungen. Diese sollen uns auf den ersten Blick über besondere Eigenschaften oder Vorteile informieren. Bekannt als Gütesiegel oder Qualitätssiegel, dienen sie als Orientierungshilfe in einem immer komplexer werdenden Markt. Sie versprechen Nachhaltigkeit, Gesundheit, Sicherheit oder ökonomische Vorteile. Doch bei über 1000 verschiedenen Siegeln allein in Deutschland stellt sich die Frage: Welchen können wir wirklich vertrauen?

Ein Gütesiegel ist eine schriftliche oder grafische Kennzeichnung, die Aussagen über die Qualität oder Güte eines Produktes oder einer Dienstleistung macht. Es gehört zur Gruppe der Warenkennzeichnungen und Labels. Typische Eigenschaften, die betont werden, sind Nachhaltigkeit, Gesundheit, Sicherheitstechnik und Ökonomie. Das Siegel wird üblicherweise gut sichtbar auf der Ware angebracht und soll die Qualität durch Überprüfung bestätigen. Für diese Überprüfung werden anerkannte Institutionen herangezogen, die das Gütesiegel an Hersteller und Dienstleister vergeben, wenn bestimmte Bestimmungen eingehalten und erfüllt wurden. Nach der Erstprüfung sind regelmäßige Eigen- und Fremdüberwachungen erforderlich.

Was garantieren Gütezeichen?
Das Gütezeichen garantiert ausschließlich Gentechnikfreiheit, keine anderen Nachhaltigkeitskriterien oder Tierschutzstandards.
Übersicht

Wer vergibt Gütezeichen in Deutschland?

Interessanterweise gibt es in Deutschland keine gesetzliche Regelung für die Vergabe von Gütesiegeln. Im Grunde darf jeder ein Gütesiegel entwerfen und vergeben. Dies führt leider oft zu Missbrauch und der Irreführung von Verbrauchern. Zahlreiche Fälle, in denen Hersteller selbst kreierte Siegel präsentieren, sind bekannt.

Um mehr Klarheit zu schaffen, haben die Bundesregierung und andere Institutionen Maßnahmen ergriffen. Internetportale wie Siegelklarheit.de sollen Verbrauchern helfen, den Überblick zu behalten. Eine weitere Maßnahme ist der Zusammenschluss von Unternehmen der gleichen Sparte, die unter einem einheitlichen Siegel auftreten und sich selbst auferlegte Qualitätsstandards verpflichtend machen.

Es gibt bereichsübergreifende Institutionen wie das DIQP – Deutsche Institut für Qualitätsstandards und -prüfung e.V., das Standards für Qualitätssiegel und Zertifikate entwickelt. Die Zertifizierung nach diesen Standards erfolgt durch die unabhängige Zertifizierungsgesellschaft SQC-QualityCert. Es ist wichtig zu betonen, dass das DIQP selbst keine Siegel verkauft, sondern Standards setzt, nach denen geprüft wird.

Was ist der Unterschied zwischen Gütezeichen und Marken?
Eintragung in ein Markenregister schützen hat lassen. Das bedeutet, dass andere Unternehmen es nicht mehr für ihre Produkte oder Dienstleistungen verwenden dürfen. Marken werden im Gegensatz zu Gütesiegeln nicht von einer unabhängigen staatlichen Kontrollstelle kontrolliert.

Was macht ein Gütesiegel glaubwürdig und verlässlich?

Bei der Vielzahl der vorhandenen Siegel ist es für Verbraucher schwer, die wirklich fundierten zu erkennen. Studien zeigen, dass bestimmte Faktoren die Glaubwürdigkeit eines Siegels maßgeblich beeinflussen:

  • Unabhängige Prüfung: Eine Studie des Deutschen Instituts für Qualitätsstandards und –prüfung e.V. von Ende 2016 zeigte, dass über 70% der Befragten ein Siegel bevorzugen, das von einem unabhängigen Prüfverfahren überwacht wird.
  • Transparente Kriterien: Mehr als 60% legen Wert auf transparente Kriterien für die Bewertung und sehen darin die Glaubwürdigkeit eines Gütesiegels.
  • Bekanntheit und Vertrauen der Institution: Der Gütesiegel Monitor von Splendid-Research zeigte, dass das Siegel der Stiftung Warentest von fast 60% der Befragten als glaubwürdig eingestuft wird. Unbekannten Siegeln von privaten oder unternehmenseigenen Stellen wird weniger Vertrauen entgegengebracht.

Verbraucher informieren sich zunehmend im Internet über Siegel und die dahinterstehenden Prüfverfahren. Sie erkennen, dass Qualität, die nur mit Geld gekauft wurde, nicht zwangsläufig echte Qualität bedeutet. Sie suchen gezielt nach verlässlichen Institutionen und Siegeln.

Ein transparentes Vergabeverfahren, die Veröffentlichung der Ergebnisse und die Verlinkung auf diese Ergebnisseiten durch die Siegelnehmer (wie es die Nutzungsbedingungen des DIQP vorsehen) tragen erheblich zur Glaubwürdigkeit bei. So kann die Echtheit eines Gütesiegels geprüft werden und Verbraucher erfahren, auf welcher Grundlage es vergeben wurde.

Gütesiegel vs. Marken: Was ist der Unterschied?

Es ist wichtig, Gütesiegel von Marken zu unterscheiden. Eine Marke ist ein Zeichen (Wort, Bild), das ein Unternehmen durch Eintragung in ein Markenregister schützen lässt. Andere dürfen es nicht verwenden. Marken werden im Gegensatz zu Gütesiegeln nicht von einer unabhängigen staatlichen Kontrollstelle kontrolliert.

Wer darf in Deutschland Gütezeichen vergeben?
Wer vergibt Gütesiegel bzw. Qualitätssiegel in Deutschland? Siegel werden in Deutschland ohne gesetzliche Regelung vergeben. Als bereichsübergreifende Institution entwickelt das DIQP – Deutsche Institut für Qualitätsstandards und -prüfung e.V., verschiedene Standards für Qualitätssiegel / Gütesiegel und Zertifikate.

Marken wie „Zurück zum Ursprung“ (HOFER) oder Alnatura sind Beispiele für Unternehmensmarken, die eigene, oft über gesetzliche Standards hinausgehende Qualitätsgrundsätze verfolgen und dies kommunizieren. Sie können auch mit unabhängigen Prüfungen arbeiten, sind aber primär Unternehmenszeichen und keine allgemeingültigen Gütesiegel, die von einem unabhängigen Gremium für verschiedene Unternehmen vergeben werden.

In Österreich sind beispielsweise nur wenige Zeichen auf gesetzlicher Basis anerkannt: BIO, geschützte Ursprungsangaben (g.U.), geschützte geografische Angaben (g.g.A.), geschützte traditionelle Spezialitäten (g.t.S.), AMA-Gütesiegel, AMA-Biosiegel, ÖGE-Gütezeichen und Austria Gütezeichen. Diese stehen für transparente Regelungen, Herstellung nach bestimmten Spezifikationen und Kontrollen durch unabhängige Stellen.

Ein Dschungel an Gütezeichen: Beispiele und Kritik

Es gibt Gütesiegel für verschiedene Bereiche, wie Lebensmittel, Textilien und Ressourcen. Hier stellen wir einige der im Text genannten vor:

Lebensmittel-Siegel

Die Welt der Lebensmittel-Siegel ist besonders vielfältig:

  • Deutsches Bio-Siegel (BMEL): Seit 2001 vergeben, kennzeichnet Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau. Es unterliegt denselben Kriterien wie das EU-Bio-Siegel (EU-Ökoverordnung). Kritik: Wird seit 2010 vom EU-Siegel abgelöst. Kritiker bemängeln unklare Definitionen (z.B. "artgerechte Haltung").
  • Bioland: Vergeben vom Bioland Verband. Richtlinien gehen weit über die EU-Öko-Verordnung hinaus (z.B. gänzlicher Verzicht auf Pestizide, Umstellung des gesamten Betriebs auf Bio). Kritik: Geriet wegen möglichem Einsatz von Fluorchinolonen in der Schweinehaltung in Kritik.
  • Demeter: Gilt als Siegel mit den strengsten Kriterien in Deutschland. Fördert die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise. Anforderungen gehen weit über EU-Öko-Verordnung hinaus. Kritik: Kritiker sagen, Richtlinien seien nicht immer so streng wie sie scheinen, Abweichungen von Soll-Vorschriften seien erlaubt (z.B. bei Auslauf für Rinder).
  • Fairtrade: Inhaber ist der Dachverband FLO e.V. Ziel ist die Verbesserung der Handelsbeziehungen für benachteiligte Produzenten in Entwicklungsländern durch faire Preise und Handelsbeziehungen. Findet sich auf landwirtschaftlichen Erzeugnissen wie Kaffee, Kakao, Bananen. Kritik: Der Mehrpreis kommt nicht immer in gleicher Höhe beim Produzenten an. Zertifizierungskosten sind hoch für Kleinbauern. Mengenausgleich (Mischung fairer und nicht fairer Zutaten in der Verarbeitung) wird kritisiert.
  • EU-Bio-Siegel: Seit 2010 von der Europäischen Union vergeben. Kennzeichnet Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau zur Förderung der biologischen Landwirtschaft. Soll Konsumenten helfen, Bioprodukte schneller zu erkennen. Kritik: Definiert Kriterien wie "artgerechte Haltung" nicht eindeutig. Macht keine Angaben zur maximalen Dauer von Tiertransporten.
  • Naturland: Neben Demeter und Bioland eine der wichtigsten weltweiten Zertifizierungsorganisationen im Ökolandbau. Setzt hohe ökologische Standards bei Anbau und Verarbeitung und berücksichtigt soziale Aspekte (Ausschluss von Kinderarbeit, Menschenrechte). Kritik: Geriet 2012 nach Videoaufnahmen von Animal Rights Watch wegen prekärer Zustände bei einem Unternehmen in Kritik, trotz regelmäßiger Kontrollen.

Greenpeace hat eine Analyse von Lebensmittel-Gütesiegeln durchgeführt und kommt zu dem Ergebnis, dass mehr als ein Viertel der untersuchten Zeichen nicht oder nur mäßig vertrauenswürdig sind. Sie bewerten Siegel nach Standards, Kennzeichnung, Nachverfolgbarkeit, Transparenz und Glaubwürdigkeit.

Welche Gütezeichen gibt es?
LEBENSMITTEL-SIEGELIn Lightbox öffnen. Deutsches Bio-Siegel vom BMEL.In Lightbox öffnen. Das Logo von Bioland.In Lightbox öffnen. Demeter Logo.In Lightbox öffnen. Fairtrade-Siegel.In Lightbox öffnen. EU-Bio Siegel.In Lightbox öffnen.In Lightbox öffnen. Gütesiegel Blauer Engel - Textilien.In Lightbox öffnen. bluesign-Siegel.

Textilien-Siegel

Auch bei Textilien gibt es verschiedene Siegel, die Umwelt- und Sozialstandards berücksichtigen:

  • Blauer Engel - Textilien: Inhaber ist das Bundesumweltministerium. Kennzeichnet Textilien, die ohne gesundheitsgefährdende Chemikalien und unter Einhaltung hoher Umweltstandards über den gesamten Produktionsweg hergestellt wurden. Deckt Natur- und Kunstfasern ab. Kritik: Sagt nur aus, dass Produkte umweltfreundlicher als Vergleichsprodukte sind, nicht, dass sie generell "umweltfreundlich" sind.
  • Bluesign ® product: Inhaber ist die bluesign technologies AG (Schweiz). Ziel ist die Verringerung von Umwelteinflüssen in der Textilindustrie und die sichere Herstellung von Fasern. Produkte müssen zu mindestens 90% in zertifizierten Fabriken verarbeitet sein. Kritik: Fokussiert stark auf Technologien und Materialien (hohe Standards), regelt aber soziale Aspekte wie Kinderarbeit oder gerechte Entlohnung nicht.
  • Naturtextil IVN zertifiziert BEST: Siegelinhaber ist der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft e.V. Bildet die gesamte textile Produktionskette ökologisch und sozialverantwortlich ab. Produkte müssen in allen Produktionsstufen nach strengen Richtlinien produziert und kontrolliert werden. Kritik: Wird von Umweltorganisationen als vorbildlich empfohlen. Einziger Kritikpunkt ist die geringe Verbreitung aufgrund der aufwendigen Zertifizierung.
  • EU Ecolabel Textilien: Siegelinhaber ist die Europäische Kommission. Soll Verbrauchern Hinweis auf umweltfreundliche Produkte geben. Anforderungen beziehen sich auf umweltfreundliche Prozesse entlang des gesamten Produktionsweges. Kennzeichnet Natur- und Kunstfasern. Kritik: Liste verbotener Chemikalien hat Lücken. Grenzwerte für giftige Zusatzstoffe sind schwächer als bei anderen Standards.
  • GOTS (Global Organic Textile Standard): Inhaber ist die Global Standard gemeinnützige GmbH. Ziel ist ein weltweit einheitlicher, kontrollierbarer, sozialer und ökologischer Standard in der Textilproduktion über die gesamte Kette. Textilien mit mindestens 70% Bio-Anteil dürfen das Siegel tragen, ab 95% mit Zusatz "organic". Kritik: Sehr weit reichend bei Umweltkriterien. Kritiker bemängeln, dass soziale Standards (z.B. existenzsichernde Löhne) nicht ausreichend definiert sind.

Ressourcen-Siegel

Diese Siegel fokussieren sich auf die Herkunft und Nutzung von Rohstoffen:

  • Blauer Engel Papier: Inhaber ist das Bundesumweltministerium. Zertifizierte Papiere bestehen zu 100% aus Altpapier, nur minimaler Kontakt mit schädlichen Chemikalien erlaubt. Herstellung erfolgt unter sparsamem Einsatz von Rohstoffen und Energie. Kritik: Unterschiedliche Siegel für verschiedene Papiersorten mit unterschiedlichen Anforderungen werden als verwirrend empfunden.
  • Forest Stewardship Council (FSC): Unabhängige NGO, fördert verantwortungsvollen Umgang mit globalen Waldressourcen. Produkte stammen aus streng kontrollierter Waldbewirtschaftung nach ökologischen, sozialen und ökonomischen Kriterien. Nutzt verschiedene Label (FSC 100%, FSC Mixed, FSC Recycled). Kritik: Standards gelten als weit reichend, stehen aber in Kritik wegen angeblich zu leichter Vergabe. Intransparenz der internen Kontrollen wird bemängelt.
  • TCO Certified: Vergeben von der schwedischen Organisation TCO Development. Umfasst Umwelt- und Ressourcenaspekte (Langlebigkeit, Recycling) und soziale Standards (Herkunft von Konfliktrohstoffen, soziale Mindeststandards in der Endmontage) bei IT-Geräten (Monitore, Notebooks, etc.). Standards variieren je nach Produkt. Kritik: Finanzielle Unabhängigkeit wird hinterfragt, da Markenhersteller Kostenbeitrag zahlen müssen. Abgelehnte Bewerbungen werden nicht transparent gemacht. Vergabesystem wird als kompliziert für Verbraucher empfunden.

Häufig gestellte Fragen zu Gütesiegeln

Um Ihnen die Orientierung zu erleichtern, beantworten wir hier einige wichtige Fragen:

Was garantieren Gütezeichen?

Gütezeichen sollen bestimmte positive Eigenschaften eines Produkts oder einer Dienstleistung garantieren, die von einer unabhängigen Stelle geprüft wurden. Dazu gehören Standards in Bereichen wie Umweltschutz, Tierhaltung, soziale Bedingungen, Sicherheit oder Ressourcenschonung. Allerdings ist die Verlässlichkeit sehr unterschiedlich. Wie die Greenpeace-Analyse zeigt, sind nicht alle Siegel vertrauenswürdig oder tragen nennenswert zur Erreichung von Umweltzielen bei. Vertrauenswürdige Siegel basieren auf transparenten Kriterien und regelmäßigen Kontrollen.

Wie funktioniert die Zertifizierung für ein Gütesiegel und wie unterscheiden sich die Gütesiegelanbieter?

Die Zertifizierung variiert je nach Siegel und Anbieter. Am Beispiel des Qualitätssiegels für geprüfte Servicequalität (DIQP/SQC-QualityCert) läuft es wie folgt ab:

  1. Kundenbefragung einer repräsentativen Stichprobe.
  2. Managementinterview zur Erfassung von Unternehmensdaten.
  3. Servicetests (z.B. Testanfragen, Testbestellungen) durch die Zertifizierungsgesellschaft.
  4. Bestätigung durch die Zertifizierungsgesellschaft, dass die Vergabebedingungen erfüllt sind.
  5. Verleihung des Siegels und Ausstellung einer Zertifizierungsurkunde.

Gütesiegelanbieter unterscheiden sich stark in ihrer Struktur (Vereine, gemeinnützige GmbHs, private Unternehmen, staatliche Stellen), ihren Kriterien, der Strenge der Prüfungen und ihrer Transparenz. Einige verkaufen ihre Siegel direkt, während andere (wie das DIQP) Standards entwickeln, nach denen unabhängige Stellen zertifizieren.

Fazit

Gütesiegel sind nach wie vor ein wichtiges Instrument für Konsumenten und können die Kaufentscheidung beeinflussen. Sie können einen echten Mehrwert signalisieren, für den Verbraucher auch bereit sind, mehr auszugeben. Jedoch ist die Skepsis gegenüber der Vielzahl der Zeichen gestiegen. Um vertrauenswürdige Siegel zu erkennen, sollten Verbraucher auf Transparenz, unabhängige Prüfung und die Glaubwürdigkeit der dahinterstehenden Institution achten. Informieren Sie sich über die Kriterien und das Prüfverfahren, um sicherzustellen, dass das Siegel hält, was es verspricht. Nur so können Sie bewusst und informiert einkaufen und Siegel erkennen, die wirklich einen positiven Beitrag leisten.

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