Zeugen Jehovas: Haltung zum Militärdienst

04/08/2015

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Die Haltung der Zeugen Jehovas, früher bekannt als Bibelforscher, zum Militärdienst ist ein zentrales Element ihrer Glaubenspraxis und hat über die Jahre hinweg zu erheblichen Konflikten mit staatlichen Autoritäten geführt. Diese Position wurzelt tief in ihren biblischen Interpretationen und hat sich historisch entwickelt, insbesondere unter dem Druck der beiden Weltkriege.

Welche Promis gehören zu den Zeugen Jehovas?
DIESE PROMIS SIND ODER WAREN ZEUGEN JEHOVAS1 / 10. Tennis-Star Serena Williams. ...2 / 10. Tennis-Spielerin Venus Williams. ...3 / 10. Der King of Pop Michael Jackson. ...4 / 10. Sänger Prince. ...5 / 10. "Spice Girl" Geri Halliwell. ...6 / 10. Comedian Oliver Pocher. ...7 / 10. Supermodel Naomi Campbell. ...8 / 10.

Ursprünglich war die Haltung der Bibelforscher während des Ersten Weltkriegs nicht einheitlich. Zu Beginn wurde den Gläubigen geraten, einem Einberufungsbefehl Folge zu leisten, idealerweise im Sanitätsdienst, und dabei das Töten des Feindes zu vermeiden. Diese Position spiegelte die Anweisung des Gründers Charles Taze Russell wider, der 1904 erklärte, eine „Neue Schöpfung“ solle Befehlen gehorchen, aber das Gebot, einen Mitmenschen nicht zu töten, übergeordnet sehen. Dies führte dazu, dass viele deutsche Bibelforscher dem Einberufungsbefehl nachkamen, aber oft versuchten, im Kampf in die Luft zu schießen, um dem inneren Konflikt zwischen staatlichem Gehorsam (Römerbrief 13,1) und dem biblischen Gebot „Du sollst nicht töten“ zu begegnen.

Wandel der Haltung im Ersten Weltkrieg

Ab 1915 begann eine deutliche Verschiebung in der Haltung. Charles Taze Russell drückte seine Sorge aus, dass seine früheren Anweisungen zu konservativ gewesen sein könnten. Er betonte, dass es für einen Christen besser sei, als Kriegsdienstverweigerer hingerichtet zu werden, als im Krieg zu fallen. Diese veränderte Sichtweise führte dazu, dass ab 1915 die Wehrdienstverweigerung als die bessere Wahl empfohlen wurde. Bis 1917 hatte sich die Bewegung klar gegen den Militärdienst ausgesprochen. Joseph Franklin Rutherford, der Nachfolger Russells als Präsident der Wachtturm-Gesellschaft, bekräftigte diese Position nach dem Eintritt der USA in den Krieg im April 1917 unmissverständlich: „Kein Christ kann Kriegsdienst leisten und dabei ein Christ bleiben.“

Im Juli 1917 wurde das Buch „Das Vollendete Geheimnis“ veröffentlicht, das Krieg als klaren Verstoß gegen das neutestamentliche Mordverbot verurteilte. Die Konsequenzen dieser klaren Haltung waren gravierend. In Großbritannien wurden Hunderte Bibelforscher inhaftiert, einige sogar zum Tode verurteilt (später in Haftstrafen umgewandelt). Auch in Deutschland gab es erste nachweisbare Kriegsdienstverweigerer unter den Bibelforschern, die vor Kriegsgerichten standen und verurteilt wurden. Rutherford und weitere führende Mitglieder der Wachtturm-Gesellschaft wurden in den USA wegen Anstiftung zur Verweigerung der Dienstpflicht zu langen Haftstrafen verurteilt, wenn auch bald nach Kriegsende wieder freigelassen.

Verfolgung und Verweigerung im Zweiten Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs verschärfte sich die Situation für Zeugen Jehovas drastisch, insbesondere unter dem Nationalsozialismus in Deutschland, wo die Organisation verboten war. Ihre konsequente Wehrdienstverweigerung führte zu brutalster Verfolgung und zahlreichen Hinrichtungen. 260 Zeugen Jehovas wurden allein in Deutschland wegen ihrer Weigerung, am Kriegsdienst teilzunehmen, hingerichtet. Viele waren bereits in Zuchthäusern und Konzentrationslagern inhaftiert. Auch in den von Deutschland besetzten Gebieten, wie Elsass-Lothringen, wurden Zeugen Jehovas als Wehrdienstverweigerer hingerichtet.

Die Verfolgung beschränkte sich nicht auf Deutschland. In den Vereinigten Staaten stellten Zeugen Jehovas die überwiegende Mehrheit der im Zweiten Weltkrieg inhaftierten Wehrdienstverweigerer dar. Ihre Weigerung umfasste nicht nur den Dienst an der Waffe, sondern auch Unterstützungsdienste wie Sanitätsdienst in der Armee oder Arbeit in Rüstungsfabriken. Dies entsprach ihrer Überzeugung, sich vollständig von den politischen und militärischen Konflikten der „Welt“ getrennt zu halten.

Die Situation in der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs

Auch in der neutralen Schweiz führte die Einberufung zum Militärdienst während des Zweiten Weltkriegs zu Konflikten. Zeugen Jehovas verweigerten auch dort den Dienst, was in der von der Gefahr eines deutschen Angriffs geprägten Bevölkerung auf Unverständnis stieß. Die Behörden vermuteten eine zentrale Anweisung zur Verweigerung, fanden aber keine Beweise, da der Kontakt zur Leitung in Brooklyn erschwert war. Publikationen durften nicht mehr unzensiert gedruckt werden. Führende Schweizer Zeugen Jehovas wurden strafrechtlich verfolgt und zu Haftstrafen verurteilt wegen „Untergrabung der militärischen Disziplin“ oder Verweigerung des militärischen Eides.

Unter diesem Druck veröffentlichte das Schweizer Büro 1943 eine Erklärung, die scheinbar die Haltung der Organisation relativierte, indem sie feststellte, dass die Vereinigung weder gebiete noch empfehle, gegen militärische Vorschriften zu handeln, und dass sich Hunderte ihrer Mitglieder militärischen Pflichten erfüllten. Diese Erklärung wurde später von der Weltzentrale unter Präsident Nathan Homer Knorr 1948 widerrufen, da sie nicht der offiziellen Position entsprach und nicht in Harmonie mit den christlichen Grundsätzen sei. Die Interpretation des Schweizer Büros war, dass mit den erfüllenden „Mitgliedern und Glaubensfreunden“ hauptsächlich Interessierte gemeint waren, die in der Frage der Neutralität noch keine feste Position bezogen hatten.

Wandel bezüglich des Zivildienstes

Über lange Zeit galten Zeugen Jehovas als Totalverweigerer. Ihre Ablehnung erstreckte sich nicht nur auf den militärischen Dienst, sondern auch auf jeglichen zivilen Ersatzdienst. Die Begründung war, dass der Zivildienst als Ersatz für den Militärdienst angesehen werde und ein Christ durch diesen Dienst ein Teil der Welt würde, während Jesus gebot, sich von der Welt getrennt zu halten.

Diese strikte Haltung änderte sich jedoch im Jahr 1996. Seitdem betrachten Zeugen Jehovas Personen, die sich zum zivilen Wehrersatzdienst entschließen, nicht mehr als ausgeschlossen oder ausgetreten. Diese Öffnung ermöglichte es Zeugen Jehovas in vielen Ländern, die Wehrpflicht durch Leistung von Zivildienst zu erfüllen, ohne dafür von ihrer Religionsgemeinschaft sanktioniert zu werden. Es markiert eine signifikante Anpassung in ihrer praktischen Anwendung der biblischen Grundsätze, während die Ablehnung des direkten oder indirekten militärischen Dienstes, der auf Tötung oder Unterstützung von Tötung abzielt, weiterhin Bestand hat.

Woran erkennt man einen Zeugen Jehovas?
Woran glauben die Zeugen Jehovas? Sie betrachten ihre übersetzte Bibel als allein gültige Wahrheit. Lehren wie die Evolutionstheorie, welche der Bibel widerspricht, lehnen die Zeugen Jehovas ab. Der allmächtige Gott der Glaubensgemeinschaft ist Jehova, der das Universum sowie das Leben erschuf.

Gründe für die Ablehnung

Die fundamentale Begründung für die Ablehnung des Militärdienstes durch Zeugen Jehovas liegt in ihrer Interpretation biblischer Gebote. Das zentrale Gebot „Du sollst nicht töten“ (2. Mose 20:13) wird als absolutes Verbot der Teilnahme an Kriegshandlungen verstanden. Darüber hinaus sehen sie sich als Nachfolger Jesu Christi, der laut ihrer Auslegung ein Beispiel für Neutralität in den Angelegenheiten der Welt gab. Jesus sagte von seinen Nachfolgern: „Sie sind kein Teil der Welt, so wie ich kein Teil der Welt bin“ (Johannes 17:16). Diese biblische Anweisung verstehen Zeugen Jehovas so, dass sie in Konflikten zwischen Nationen neutral bleiben müssen und sich nicht an kriegerischen Auseinandersetzungen beteiligen dürfen, da diese Konflikte Teil der menschlichen Welt sind, von der sie getrennt sein sollen.

Konsequenzen der Verweigerung

Die historische Konsequenz der konsequenten Verweigerung des Militärdienstes war oft Verfolgung. Zeugen Jehovas wurden inhaftiert, gefoltert und hingerichtet. Ihre Weigerung, Uniformen zu tragen, Waffen zu führen oder Eide auf menschliche Herrscher abzulegen, wurde als Staatsfeindlichkeit ausgelegt. Ihre Standhaftigkeit in dieser Frage, insbesondere während der NS-Zeit, ist ein bekanntes Beispiel für Gewissensentscheidungen unter extremem Druck. Sie waren eine der wenigen Gruppen, die sich geschlossen und aus religiösen Gründen dem NS-Regime verweigerten, was ihnen das „lila Dreieck“ als Kennzeichen in den Konzentrationslagern einbrachte.

Häufig gestellte Fragen

Verweigern Zeugen Jehovas jeden Dienst für den Staat?
Nein. Zeugen Jehovas sind bereit, staatliche Gesetze zu befolgen, solange diese nicht im Widerspruch zu dem stehen, was sie als Gebote Gottes ansehen. Sie zahlen Steuern und erfüllen andere bürgerliche Pflichten. Ihre Verweigerung bezieht sich spezifisch auf Dienste, die direkt oder indirekt mit Krieg und Tötung zu tun haben.

Warum haben sie ihre Haltung zum Zivildienst geändert?
Die Religionsgemeinschaft hat 1996 ihre Position überdacht und entschieden, dass die Leistung von zivilem Ersatzdienst, der nicht militärischer Natur ist und humanitären oder sozialen Zwecken dient, nicht als Verstoß gegen das Gebot der Trennung von der Welt angesehen werden muss. Mitglieder, die diesen Dienst leisten, werden nicht mehr sanktioniert.

Was ist der Unterschied zwischen ihrer früheren und heutigen Haltung zum Zivildienst?
Früher lehnten Zeugen Jehovas jeglichen Ersatzdienst als Teil des militärischen Systems ab (Totalverweigerung). Heute akzeptieren sie, dass einzelne Mitglieder aus Gewissensgründen zivilen Ersatzdienst leisten können, ohne die Gemeinschaft verlassen zu müssen.

Wurden alle Bibelforscher/Zeugen Jehovas im Ersten Weltkrieg sofort zu Totalverweigerern?
Nein. Wie der Text zeigt, entwickelte sich die Haltung schrittweise. Zunächst wurde empfohlen, dem Einberufungsbefehl nachzukommen und nicht zu töten. Erst später, ab 1915 und verstärkt ab 1917, wurde die konsequente Verweigerung des Militärdienstes zur offiziellen Haltung.

Wie begründen Zeugen Jehovas ihre Neutralität?
Sie begründen ihre Neutralität hauptsächlich mit dem biblischen Gebot „Du sollst nicht töten“ und Jesu Aussage, dass seine Nachfolger „kein Teil der Welt“ sind. Dies führt zu der Überzeugung, dass sie sich nicht in die politischen und militärischen Konflikte der menschlichen Nationen einmischen dürfen.

Zusammenfassung

Die Haltung der Zeugen Jehovas zum Militärdienst ist ein Ausdruck ihrer tiefen religiösen Überzeugungen. Die Weigerung, am Krieg teilzunehmen, hat eine lange Geschichte, die von anfänglicher Uneinheitlichkeit im Ersten Weltkrieg über eine klare Totalverweigerung in den folgenden Jahrzehnten bis hin zur heutigen Akzeptanz des zivilen Ersatzdienstes reicht. Diese Haltung basierte und basiert auf ihrer Interpretation biblischer Gebote zur Heiligkeit des Lebens und zur Neutralität gegenüber den Angelegenheiten der Welt. Ihre Standhaftigkeit in dieser Frage hat ihnen in der Vergangenheit oft Verfolgung und Leid eingebracht, ist aber ein prägendes Merkmal ihrer Identität geblieben.

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