27/08/2019
Joe Pesci ist eine unverkennbare Präsenz in der Filmwelt, bekannt für seine intensiven Darstellungen, oft in der Rolle des Gangsters oder des schrulligen Komikers. Obwohl er zweifellos zu den talentiertesten Schauspielern seiner Generation zählt, hat man ihn in den letzten Jahrzehnten seltener auf der Leinwand gesehen. Dies liegt nicht daran, dass er dem Geschäft völlig den Rücken gekehrt hat, sondern an einer bewussten Entscheidung für einen Rückzug, die ihm erlaubte, andere Leidenschaften zu verfolgen und sein Leben abseits des Rampenlichts zu genießen. Doch wie sah dieser Weg aus und was führte zu seinen gelegentlichen Rückkehrern?

Joe Pesci wurde als Sohn einer italoamerikanischen Familie geboren und zeigte schon früh Talent für die Unterhaltung. Bereits im Alter von vier Jahren trat er in einer Radiosendung auf, und mit zehn war er regelmäßig in der Fernsehserie „Star Time Kids“ zu sehen, an der auch Connie Francis mitwirkte. Schon als Jugendlicher sammelte er Erfahrungen in Theaterstücken und versuchte sich als Nachtclubsänger. Nebenbei arbeitete er als Friseur, trat in Bands auf und veröffentlichte sogar eine Platte unter dem Namen Joe Ritchie, die allerdings wenig erfolgreich war.
Eine wichtige frühe Verbindung war die Freundschaft mit Tommy DeVito, einem Mitglied der Four Seasons. Pesci war es, der DeVito mit Bob Gaudio zusammenbrachte und so zur Gründung dieser ikonischen Band beitrug. Diese Verbindung zeigt, wie tief Pescis Wurzeln sowohl in der Musik als auch in der Unterhaltungsszene New Jerseys verankert waren.

In den 1970er Jahren bildete Pesci zusammen mit Frank Vincent ein Comedy-Duo namens „Vincent and Pesci“. Ihre Auftritte kombinierten Elemente von Abbott und Costello mit dem beleidigenden Humor im Stil von Don Rickles und waren beim Publikum beliebt. Diese Zeit festigte nicht nur ihre berufliche, sondern auch eine tiefe persönliche Freundschaft, die sich später auch in gemeinsamen Filmprojekten zeigen sollte.
Sein Filmdebüt gab Pesci 1976 in dem Low-Budget-Kriminalfilm „Blutiger Zahltag“ an der Seite von Frank Vincent. Nach diesem Film kehrte Pesci zunächst ins Bronx zurück und arbeitete in einem Restaurant. Das Schauspielgeschäft schien in weiter Ferne.
Der Wendepunkt kam 1979, als Martin Scorsese und Robert De Niro auf „Blutiger Zahltag“ aufmerksam wurden. Sie waren beeindruckt von Pescis Leistung und boten ihm die Rolle von Joey LaMotta, dem Bruder von Jake LaMotta (gespielt von De Niro), in Scorseses Film „Wie ein wilder Stier“ an. Diese Rolle wurde zu Pescis Durchbruch. Während der Dreharbeiten brach er sich eine Rippe – eine Verletzung, die ihn später noch einmal begleiten sollte. Für seine Darstellung erhielt Pesci den BAFTA Film Award als Bester Newcomer und eine Nominierung für den Oscar als Bester Nebendarsteller. Dies markierte den Beginn einer der fruchtbarsten Zusammenarbeiten in der modernen Filmgeschichte zwischen Pesci, De Niro und Scorsese.
In den folgenden Jahren trat Pesci in verschiedenen kleineren Filmen auf, darunter „Dear Mr. Wonderful“ und „Easy Money“. 1984 arbeitete er erneut mit De Niro in Sergio Leones Epos „Es war einmal in Amerika“. Pesci hatte sich nun in Hollywood etabliert, oft in Rollen, die seine Fähigkeit zeigten, sowohl bedrohliche als auch komische Charaktere zu verkörpern.
Ein weiterer Meilenstein war seine Rolle als Leo Getz, der komödiantische Sidekick in den „Lethal Weapon“-Fortsetzungen in den Jahren 1989, 1992 und 1998. Diese Rolle zeigte Pescis Vielseitigkeit jenseits reiner Gangsterrollen und machte ihn einem breiteren Publikum bekannt.
1990 folgte die erneute Zusammenarbeit mit Scorsese und De Niro für „Goodfellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia“. Hier spielte Pesci den psychopathischen Mobster Tommy DeVito, eine Rolle, die auf dem realen Gangster Thomas DeSimone basierte. Interessanterweise war Tommy DeVito auch der Name von Pescis altem Freund von den Four Seasons, was jedoch laut Pesci reiner Zufall war. Pescis Darstellung war so überzeugend, dass sie ihm den Oscar als Bester Nebendarsteller einbrachte. Die berühmte „Funny how?“ Szene, in der Pescis Charakter auf eine scheinbar harmlose Bemerkung über seine Komik extrem reagiert, basierte auf einer tatsächlichen Erfahrung von Pesci und wurde maßgeblich durch Improvisation während der Proben entwickelt. Auch die Szene mit Tommys Mutter war weitgehend improvisiert.
Im selben Jahr feierte Pesci einen weiteren großen Erfolg mit der Komödie „Kevin – Allein zu Haus“, in der er Harry Lime, einen der beiden tollpatschigen Einbrecher, spielte. Seine Darstellung, inklusive seines einzigartigen „Cartoon-Fluchens“, wurde mit Yosemite Sam verglichen. Zwei Jahre später spielte er die Rolle erneut in der Fortsetzung „Kevin – Allein in New York“.
Pescis Karriere in den 90ern war äußerst produktiv und vielfältig. Er spielte David Ferrie in Oliver Stones „JFK“ (1991) und übernahm 1992 die Titelrolle in der hochgelobten Komödie „Mein Vetter Winnie“, die ihm eine weitere Facette seines komödiantischen Talents abverlangte. Im selben Jahr zeigte er in „Der Reporter“ eine dramatischere Seite als Fotograf Leon „Bernzy“ Bernstein, eine Leistung, die von Kritikern gelobt wurde.
Seine dritte Zusammenarbeit mit Scorsese/De Niro folgte 1995 mit dem Film „Casino“. Hier spielte er Nicky Santoro, basierend auf dem realen Mob-Vollstrecker Anthony Spilotro. Wie schon bei „Wie ein wilder Stier“ brach sich Pesci während der Dreharbeiten zu „Casino“ dieselbe Rippe erneut. Diese Rolle festigte sein Image als Darsteller intensiver, unberechenbarer Charaktere, die oft am Rande der Gewalt agieren.
Trotz seiner Erfolge in Gangsterrollen zeigte Pesci immer wieder seine Vielseitigkeit. In „Ein Vermieter zum Knutschen“ spielte er einen sich wandelnden Hausbesitzer, und in „Eine zweite Chance“ übernahm er eine dramatische Rolle als obdachloser Mann auf dem Harvard-Campus.
Parallel zu seiner Schauspielkarriere verfolgte Joe Pesci stets seine Leidenschaft für die Musikkarriere. 1998, 30 Jahre nach seinem Debütalbum, veröffentlichte er sein zweites Album „Vincent LaGuardia Gambini Sings Just for You“, benannt nach seiner Figur aus „Mein Vetter Winnie“. Dieses Album war eine Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit, das verschiedene Genres erkundete, hauptsächlich jedoch Big Band Jazz. Das Album enthielt auch die Rap-Single „Wise Guy“, die mit Mafia-Themen spielte.

1999 dann die Ankündigung, die viele überraschte: Joe Pesci erklärte seinen weitgehenden Rückzug aus dem Schauspielgeschäft. Sein Ziel war es, sich stärker seiner Musik zu widmen und das Leben abseits der Kameras zu genießen. Dieser Schritt erklärte, warum er in den folgenden Jahren nur noch sporadisch in Filmen auftrat. Er hatte nicht aufgehört, sondern wählte seine Projekte sorgfältig aus.
Seine Rückkehr zur Schauspielerei war phasenweise und oft durch seine langjährigen Verbindungen motiviert. 2006 hatte er einen Cameo-Auftritt in Robert De Niros Regiearbeit „Der gute Hirte“. 2010 spielte er eine Hauptrolle neben Helen Mirren in dem Drama „Love Ranch“, wo er erneut in das ihm vertraute Genre des Bordellbesitzers und Gangsters zurückkehrte.
Besonders bemerkenswert war sein Mitwirken in Martin Scorseses Gangsterfilm „The Irishman“ aus dem Jahr 2019. Berichten zufolge lehnte Pesci die Rolle des Russell Bufalino rund 50 Mal ab, da er nicht „schon wieder so ein Gangster-Ding“ machen wollte. Scorsese musste ihn intensiv überzeugen, dass „The Irishman“ anders sein würde. Seine schließlich angenommene Darstellung wurde von den Kritikern hoch gelobt und brachte ihm weitere Auszeichnungen ein, darunter Nominierungen für den Oscar und den BAFTA Award als Bester Nebendarsteller. Parallel zur Veröffentlichung des Films kehrte Pesci auch musikalisch zurück und veröffentlichte sein drittes Album „Pesci... Still Singing“.
Zuletzt war Joe Pesci 2023 in der Serie „Bupkis“ zu sehen, was zeigt, dass er auch nach „The Irishman“ gelegentlich für passende Projekte vor die Kamera tritt.
Obwohl Joe Pesci seinen Rückzug aus dem Vollzeit-Schauspielgeschäft angekündigt hat, ist klar, dass er die Schauspielerei nie ganz aufgegeben hat. Er wählt seine Rollen nun mit Bedacht und kehrt oft für Projekte zurück, die ihm am Herzen liegen oder die eine besondere Verbindung, insbesondere zu Martin Scorsese und Robert De Niro, aufweisen. Sein Fokus liegt heute wohl stärker darauf, das Leben zu genießen und seiner Leidenschaft für die Musik nachzugehen, während er der Filmwelt nur noch für ausgewählte und bedeutsame Rollen zur Verfügung steht.
| Film | Jahr | Rolle | Art der Rolle | Bemerkenswertes |
|---|---|---|---|---|
| Wie ein wilder Stier | 1980 | Joey LaMotta | Drama / Gangster | Oscar-Nominierung, BAFTA Award, Beginn der Scorsese/De Niro-Zusammenarbeit |
| Goodfellas | 1990 | Tommy DeVito | Gangsterfilm | Oscar-Gewinn, basierend auf Thomas DeSimone, berühmte Improvisationen |
| Kevin – Allein zu Haus | 1990 | Harry Lime | Komödie | Erfolgreiche Abkehr von reinen Gangsterrollen |
| Mein Vetter Winnie | 1992 | Vincent Gambini | Komödie | Titelrolle, zeigte komödiantisches Talent |
| Casino | 1995 | Nicky Santoro | Gangsterfilm | Basierend auf Anthony Spilotro, erneute Zusammenarbeit mit Scorsese/De Niro |
| The Irishman | 2019 | Russell Bufalino | Gangsterfilm | Rückkehr nach langem Zögern, Oscar-Nominierung |
Häufig gestellte Fragen zu Joe Pesci
Ist Joe Pesci Italiener?
Ja, Joe Pesci stammt aus einer italoamerikanischen Familie.
Warum hat Joe Pesci aufgehört zu spielen?
Er kündigte 1999 seinen weitgehenden Rückzug an, um sich mehr seiner Musikkarriere zu widmen und das Leben abseits der Kamera zu genießen.
Spielt Joe Pesci gar nicht mehr?
Nein, er ist nicht vollständig in Rente gegangen. Er kehrte für ausgewählte Projekte wie „Der gute Hirte“, „Love Ranch“, „The Irishman“ und „Bupkis“ zurück.
Auf wem basiert seine Rolle in Casino?
Seine Rolle als Nicky Santoro in „Casino“ basiert auf dem realen Mob-Vollstrecker Anthony Spilotro.
Arbeitet er oft mit Martin Scorsese und Robert De Niro zusammen?
Ja, die Zusammenarbeit mit Scorsese und De Niro ist ein zentrales Element seiner Karriere. Sie haben zusammen an Filmen wie „Wie ein wilder Stier“, „Goodfellas“, „Casino“, „Der gute Hirte“ (De Niro als Regisseur) und „The Irishman“ gearbeitet.
Ist Joe Pesci auch Musiker?
Ja, neben der Schauspielerei ist Joe Pesci auch Musiker und hat mehrere Alben veröffentlicht.
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