Wo befindet sich Karl Valentins Grab?

Valentin & Karlstadt: Leben, Tod, Grab

03/07/2018

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Karl Valentin gehört zweifellos zu den bedeutendsten Komikern und Clowns des 20. Jahrhunderts. Sein einzigartiger Humor, seine Sprachakrobatik und seine groteske Körpersprache prägten eine Ära und beeinflussten Künstler wie Bertolt Brecht. Doch hinter der öffentlichen Figur verbarg sich ein komplexer Mensch, dessen Leben von Ängsten, gescheiterten Projekten und vor allem einer intensiven, aber tragischen Beziehung zu seiner Bühnenpartnerin Liesl Karlstadt gezeichnet war.

Was sind die besten Zitate von Karl Valentin?
DIE 10 BESTEN ZITATE VON KARL VALENTIN„Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut. ...„Der Mensch is guad, de Leit' san schlecht! ...„Früher war sogar die Zukunft besser. ...„Alle reden vom Wetter, aber keiner unternimmt was dagegen.
Übersicht

Karl Valentin und Liesl Karlstadt: Eine künstlerische und persönliche Tragödie

Die Begegnung zwischen Elisabeth Wellano, später bekannt als Liesl Karlstadt, und Karl Valentin im Jahr 1911 markierte den Beginn einer außergewöhnlichen Bühnenpartnerschaft, die 26 Jahre währen sollte. Sie war 19, er 29. Künstlerisch galten sie als ebenbürtig, doch die Dynamik ihrer Beziehung war komplex. Valentin, der als egozentrisch und sehr von sich selbst eingenommen beschrieben wird, gab den Ton an, auch bei Auftritten. Er gab ihr ihren Künstlernamen. Karlstadt nahm oft eine devote Rolle ein, was das Duo auf der Bühne perfekt ergänzte, aber im wahren Leben zu großem Unglück führte.

Neben der beruflichen Zusammenarbeit hatten Valentin und Karlstadt auch eine Affäre. Karlstadt verliebte sich tief, doch Valentin, der mit der Mutter seiner zwei Kinder verheiratet war, dachte nicht daran, sich scheiden zu lassen. Er hatte auch andere Liebeleien. Ein Beziehungs-Psychologe merkt dazu an, dass Valentin entweder zu feige oder zu bequem war, sein gemachtes Nest zu verlassen, und dass er offenbar nicht dieselben Gefühle für Karlstadt empfand wie sie für ihn. Wenn Erwartungen und Gefühle in einer Beziehung ungleich verteilt sind, ist eine Krise vorprogrammiert – besonders, wenn sich ein Partner trotzdem nimmt, was ihm guttut, wie in diesem Fall der Sex.

Valentin vereinnahmte Karlstadt bald völlig. Sie, die aus ärmlichen Verhältnissen kam und es gewohnt war, sich den Bedürfnissen anderer unterzuordnen, sorgte geduldig dafür, dass der krankhaft Lampenfiebrige überhaupt auftrat. Ihre eigene Verlobung zerbrach. Als Valentins „Panoptikum“ scheiterte, verlor Karlstadt ihre gesamten Ersparnisse, die sie investiert hatte. Trotz all ihrer Aufopferung erhielt sie laut Bericht von Valentin weder Anerkennung noch ein „Danke“. Der Psychologe erklärt, dass derjenige, den eine Trennung emotional schlimmer träfe, oft kompromissbereiter und ausdauernder ist. Viele Menschen suchen unbewusst Partner, an deren Seite sie in eine vertraute, oft aus Kindertagen stammende Rolle schlüpfen können, selbst wenn diese destruktiv ist. Karlstadt suchte ihr Glück offenbar bei einem anderen Menschen statt bei sich selbst und machte sich dadurch abhängig.

Valentin genoss die Bewunderung und Fürsorge. Der Psychologe betont, dass es immer auch jemanden braucht, der sich ausnutzen lässt und keine Grenzen zieht. Karlstadt stellte ihre Bedürfnisse freiwillig hintan und schaffte es nicht, „Nein“ zu sagen. Als sie versuchte, sich beruflich und privat von ihm zu lösen, schrieb er ihr: „Dir muss eines aber klar sein. Die richtige Liesl Karlstadt bist du nur an meiner Seite.“ Eine versteckte Drohung, um die Kontrolle über sie nicht zu verlieren.

Die ständige Aufopferung führte dazu, dass Karlstadt irgendwann aufgezehrt war. Sie erlitt einen Nervenzusammenbruch und verfiel in schwere Depressionen, die sie immer wieder in psychiatrische Kliniken führten. Sich mehr um andere als um sich selbst zu kümmern, führt auf lange Sicht häufig zu einer Depression, besonders ohne Wertschätzung. Karlstadt konnte die Rolle der Lebenslustigen nicht mehr aufrechterhalten. Ihre wahren Gefühle ließen sich nicht länger unterdrücken. Am 6. April 1935 versuchte sie, sich das Leben zu nehmen, wurde aber gerettet. Ein Suizidversuch bedeutet oft: „So möchte ich nicht mehr leben.“

Nach dem Suizidversuch schrieb Valentin ihr einen Brief, der zeigt, dass auch er von ihr abhängig war, auch wenn seine Empathie begrenzt schien: „Wie sehr Du mir nicht ans, sondern ins Herz gewachsen bist, wirst Du wohl nie erfassen. Ohne Dir ist die Welt völlig inhaltslos. Du hast für mich schon so viel Geduld aufgebracht warum sollst Du es nicht für Dich selbst können … Halte aus! Halte aus! Halte aus im Sturmgebraus!“

Trotz ihres Zustands trat Karlstadt weiterhin mit ihm auf, einmal brach sie auf der Bühne in Tränen aus. Ab 1939 wandte sich Valentin der 35 Jahre jüngeren Annemarie Fischer zu, die seine neue Bühnenpartnerin und Geliebte wurde. Der Psychologe vermutet, dass Valentin an Frauen mehr das liebte, was er von ihnen bekam oder was sie in ihm auslösten, statt sie als Menschen zu sehen. Als Karlstadt als Inspirationsquelle versiegte, erfüllte die jüngere Partnerin seine Bedürfnisse besser.

Warum ist Karl Valentin verhungert?
Deshalb wusste sie aus erster Hand, dass Valentin zuletzt Grippe hatte, letztlich aber verhungert ist. Er hatte in seiner Werkstatt Kochlöffel geschnitzt, um beim Hamstern eine Gegenleistung anbieten zu können – ohne Erfolg. Er lebte von den Senioren-Lebensmittelkarten, die eben nur zum Verhungern reichten.

1941 entschied sich Karlstadt zu einem Erholungsurlaub und zog nach Tirol. Dort nannte man sie „Gustav“, und sie machte den Mulitreiber-Führerschein. Eine räumliche Trennung war ein wichtiger Schritt. Der Leidensdruck war endlich groß genug. Nach einer solchen destruktiven Beziehung muss man seine Identität wiederentdecken. Die neue Identität „Gustav“ half ihr möglicherweise, die alte schmerzhafte zu vergessen.

Nach dem Krieg traten sie noch einmal gemeinsam auf, doch der frühere Schwung und Erfolg fehlten. Dies könnte an der veränderten Beziehung gelegen haben, aber auch der Krieg und seine Folgen dämpften den Humor und die Lebensfreude der Gesellschaft.

Karl Valentins Leben und gescheiterte Projekte

Karl Valentin, geboren als Karl Fey, wuchs in der Münchner Vorstadt Au auf. Er verlor früh seine beiden älteren Brüder. Die Volksschule empfand er als „Zuchthaus“. Nach einer Schreinerlehre arbeitete er als Facharbeiter, begann aber bald mit ersten öffentlichen Auftritten als „Vereinshumorist“. 1911 heiratete er Gisela Royes, das Dienstmädchen im Hause Fey, mit der er zwei Töchter hatte.

Nach dem Tod seines Vaters übernahm er kurzzeitig mit seiner Mutter eine Speditionsfirma, die jedoch bankrottging. Ein Umzug nach Zittau beeinflusste sein Sprachgefühl. Nach erfolglosen Tourneen kehrte er nach München zurück, wo er mit Auftritten im „Frankfurter Hof“ finanzielle Stabilität fand. In dieser Zeit entwickelte er seine markante groteske Körpersprache und Selbstironie.

Valentin war auch im Film tätig, richtete sich ein eigenes Studio ein und wirkte in etwa 40 Kurzfilmen mit. Sein Bühnenprogramm „Tingeltangel“ und dessen spätere Versionen waren erfolgreich. Wegen seiner Asthmakrankheit musste er keinen Militärdienst leisten. Zeitweise war er Direktor des Kabaretts Wien-München.

Eine bedeutende Freundschaft und Zusammenarbeit verband ihn mit Bertolt Brecht ab 1920. Sie parodierten Brechts Schauspiel „Trommeln in der Nacht“, und Brecht wirkte gelegentlich als Klarinettist bei Valentins Sketchen mit. Valentins Arbeit beeinflusste Brecht deutlich. Auch kritische Stimmen wie Alfred Kerr und Kurt Tucholsky zeigten sich von Valentins „Sprachakrobatik“ begeistert.

Waren Karl Valentin und Liesl Karlstadt ein Paar?
Liesl Karlstadt war definitiv unglücklich. Sie und Valentin hatten eine Affäre. Karlstadt verliebte sich, Valentin schickte ihr Weihnachten 1919 eine Flasche Sekt: „Und an einem Tag zu ,Zweit', leern wir sie voll Geiligkeit“. Scheiden ließ er sich von der Mutter seiner zwei Kinder für sie aber nicht.

Trotz seines Erfolgs hatte Valentin auch mit gescheiterten Projekten zu kämpfen. 1931 eröffnete er ein eigenes Theater, den Goethe-Saal, musste es aber nach nur acht Wochen schließen, da er sich wegen eines brennenden Zigarettenstummels in einem Sketch weigerte, den Forderungen der Feuerpolizei nachzukommen.

Das kuriose und gescheiterte Panoptikum

Ein weiteres, finanziell verheerendes Projekt war das „Valentin Panoptikum“, das er am 21. Oktober 1934 im Keller des Hotel Wagner in der Sonnenstraße eröffnete. Das Kuriositätenkabinett war an Wachsfigurenkabinette angelehnt, zeigte aber skurrile Dinge wie Wachsfiguren von Zuschauern, einen scheinbar sumpfigen Weg oder die bildliche Darstellung von Redewendungen. Kritiker wie Herbert Ihering und Eugen Roth äußerten sich dazu. Roths Satz „Die Ungeheuerlichkeiten dieses verbohrten Hirns, dieses kranken Gemüts übertrafen weit meine schlimmsten Befürchtungen“ ist überliefert.

Die Konzession lief Ende 1934 aus, und ein Wiedereröffnungsversuch 1935 scheiterte ebenfalls am mangelnden Publikumsinteresse. Das Panoptikum endete am 16. November 1935. Es war ein finanzielles Fiasko, das Karlstadts gesamte Ersparnisse aufzehrte, da sie Valentin mit ihren Mitteln unterstützte. Ein weiterer Versuch mit einem „Lachkeller“ 1937 blieb ebenfalls erfolglos.

Karl Valentins letzte Jahre und sein Tod

Die Zeit des Nationalsozialismus betrachtete Valentin naiv-skeptisch, ohne eindeutige öffentliche Kritik. Seine Beiträge erschienen sogar in NS-Medien, doch er riskierte auch satirische Bilder und Bühnenworte, die das Regime verspotteten. Der Film „Die Erbschaft“ von 1936, in dem er mit Karlstadt auftrat, wurde wegen „Elendstendenzen“ verboten.

Von 1939 an trat er wie erwähnt mit Annemarie Fischer auf. Seine „Ritterspelunke“, eine Mischung aus Theater, Kneipe und Panoptikum, schloss er 1940. Seinen letzten größeren Auftritt hatte er noch einmal mit Liesl Karlstadt im Deutschen Theater im Jahr 1940.

Was sind die besten Zitate von Karl Valentin?
DIE 10 BESTEN ZITATE VON KARL VALENTIN„Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut. ...„Der Mensch is guad, de Leit' san schlecht! ...„Früher war sogar die Zukunft besser. ...„Alle reden vom Wetter, aber keiner unternimmt was dagegen.

Zwischen 1941 und 1947 hatte Valentin keine öffentlichen Auftritte. Er zog mit seiner Familie nach Planegg, nachdem die Münchner Wohnung bei einem Bombenangriff zerstört worden war. In dieser Zeit schrieb er, aber nichts wurde aufgeführt. Um den Lebensunterhalt zu sichern, fertigte er ab 1945 Haushaltsartikel an. Eine Hörspielserie wurde wegen Pessimismus eingestellt.

1947 und 1948 trat er nach Jahren der Trennung wieder gemeinsam mit Liesl Karlstadt auf, doch der Erfolg blieb weitgehend aus. Karl Valentin starb am 9. Februar 1948, einem Rosenmontag. Der unterernährte Valentin erlitt eine Lungenentzündung, nachdem er nach einem Auftritt auf der Bühne des Bunten Würfels versehentlich in der Garderobe vergessen und eingesperrt worden war. Er musste die Nacht in den unbeheizten, eiskalten Räumen verbringen. Die Bedingungen jener Zeit waren extrem hart: starker Frost, extremer Brennstoffmangel und Lebensmittelzuteilungen, die kaum den Tagesbedarf deckten. Diese Umstände trugen zu seinem frühen Tod bei.

Wo ruht Karl Valentin? Sein Grab in Planegg

Zwei Tage nach seinem Tod, am 11. Februar 1948, einem Aschermittwoch, wurde Karl Valentin beerdigt. An seinem Grab sprachen ein evangelischer Geistlicher, ein Abgesandter eines Photohauses und ein Mitglied der Internationalen Artisten-Loge. Bemerkenswert ist, dass kein Vertreter der Stadt München oder der Münchner Theater anwesend war, was zeigt, wie sehr er zu diesem Zeitpunkt bereits vergessen war, bevor er viele Jahre später wiederentdeckt wurde.

Seine Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof in Planegg bei München.

Häufig gestellte Fragen zu Karl Valentin

  • Waren Karl Valentin und Liesl Karlstadt ein Paar?
    Sie waren jahrzehntelang ein künstlerisches Duo und hatten eine Affäre. Liesl Karlstadt war tief in ihn verliebt und wünschte sich eine verbindliche Partnerschaft. Karl Valentin, der verheiratet war und andere Liebschaften hatte, erwiderte diese Gefühle offenbar nicht in gleichem Maße und ging keine exklusive Beziehung mit ihr ein. Ihre Verbindung war künstlerisch genial, persönlich jedoch von Karlstadts unerfüllter Liebe und Abhängigkeit geprägt.
  • Warum starb Karl Valentin?
    Karl Valentin starb am 9. Februar 1948 an einer Lungenentzündung. Diese zog er sich zu, nachdem er nach einem Auftritt versehentlich in einer kalten, unbeheizten Garderobe eingeschlossen worden war und dort die Nacht verbringen musste. Die damaligen extremen Bedingungen mit starkem Frost, Brennstoffmangel und geringen Lebensmittelrationen trugen zu seiner gesundheitlichen Schwäche bei.
  • Wo ist Karl Valentin begraben?
    Karl Valentin ist auf dem Friedhof in Planegg bei München beigesetzt.
  • Was war das Valentin Panoptikum?
    Das Valentin Panoptikum war ein Kuriositätenkabinett, das Karl Valentin 1934 in München eröffnete. Es zeigte unter anderem Wachsfiguren und stellte Redewendungen bildlich dar. Das Projekt war konzeptionell einzigartig, aber wirtschaftlich ein großer Misserfolg, der Karlstadt ihre Ersparnisse kostete.

Karl Valentins Leben war ebenso skurril und vielschichtig wie sein Humor. Die Beziehung zu Liesl Karlstadt, seine gescheiterten Projekte und die Umstände seines Todes beleuchten die tragischen Seiten dieses großen Komikers, der erst nach seinem Tod wiederentdeckt und als einer der wichtigsten Künstler seiner Zeit gewürdigt wurde.

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