26/02/2017
Die Geschichte des bekannten deutschen Warenhauskonzerns, heute bekannt als Galeria Karstadt Kaufhof, ist lang und bewegt. Viele Menschen kennen die Marke Karstadt, doch fragen sich, wie das Unternehmen früher hieß und welche Entwicklungen es durchlaufen hat. Die Antwort ist nicht ganz einfach, denn im Laufe von über 140 Jahren hat das Unternehmen verschiedene Namen getragen und bedeutende Fusionen und Übernahmen erlebt.

Die Wurzeln des Unternehmens reichen zurück bis ins Jahr 1881. Am 14. Mai dieses Jahres eröffnete Rudolph Karstadt sein erstes Geschäft in Wismar. Der Name dieses allerersten Ladens war Tuch-, Manufactur- und Confectionsgeschäft Karstadt. Rudolph Karstadt hatte von Anfang an Erfolg mit seinem Konzept der günstigen Festpreise, was zu dieser Zeit noch unüblich war, da sonst oft noch gehandelt wurde. Schnell eröffnete er Filialen in zahlreichen Städten Norddeutschlands. Das zweite Karstadt-Haus wurde bereits 1884 in Lübeck eröffnet, weitere folgten in Neumünster (1888), Braunschweig (1890), Kiel (1893), Mölln (1895), Eutin (1896) und Preetz (1897).
Im Jahr 1900 übernahm Rudolph Karstadt 13 Geschäfte seines Bruders Ernst Karstadt. Die Expansion ging weiter mit Filialeröffnungen in Bremen (1902), Hamburg-Eimsbüttel (1903), Altona (1903), Hannover (1906) und Wilhelmshaven (1908). Ein erster Höhepunkt war die Eröffnung des Großstadt-Warenhauses an der Mönckebergstraße in Hamburg im Jahr 1912 mit rund 10.000 m² Verkaufsfläche. Karstadt setzte früh auf Eigenfabrikation von Bekleidung und errichtete eigene Produktionsbetriebe.
Von Althoff zur Rudolph Karstadt Aktiengesellschaft
Eine bedeutende Veränderung des Unternehmensnamens und eine massive Expansion erfolgte im Jahr 1920. In diesem Jahr wurde die Unternehmung Althoff des Dülmeners Theodor Althoff von Karstadt übernommen. Nach dieser Übernahme wurde der gesamte Konzern in Rudolph Karstadt Aktiengesellschaft umgewandelt, mit Sitz in Hamburg. Durch die Integration der Althoff-Filialen, die bereits in Städten wie Dülmen, Rheine, Essen, Münster, Duisburg, Dortmund und Leipzig vertreten waren, wuchs das Filialnetz auf 44 Standorte. Es ist interessant zu wissen, dass die Althoff-Warenhäuser nicht sofort umbenannt wurden, sondern erst viel später, nämlich im Jahr 1963, den Namen Karstadt erhielten.
Die Rudolph Karstadt Aktiengesellschaft expandierte nach dem Ersten Weltkrieg rasch weiter. Im Juli 1926 gründete Karstadt die EPA-Einheitspreis-Aktiengesellschaft, um ein Netz von Niedrigpreis-Warenhäusern aufzubauen. Bis 1932 entstanden 52 EPA-Filialen. Der Konzern erwarb auch weitere Produktionsbetriebe, um unabhängiger von Zulieferern zu werden, darunter Webereien, Druckereien und sogar Schlachtereien. Im Jahr 1930 war Karstadt mit 89 Filialen, 27 Fabriken und über 29.000 Angestellten Europas größter Warenhauskonzern.
Während der Weltwirtschaftskrise geriet das Unternehmen in Schwierigkeiten. 1932 schied Rudolph Karstadt aus der Unternehmensführung aus. Ein Sanierungsplan führte zur Schließung zahlreicher Filialen und Betriebe, und die Epa AG wurde verkauft.
Die Zeit des Nationalsozialismus und die Nachkriegszeit
In den 1930er Jahren litt das Unternehmen unter den ideologischen Vorbehalten des NS-Regimes gegen Warenhäuser, die als „jüdische Erfindung“ diffamiert wurden. Der Konzern wurde früh Objekt der sogenannten Arisierung, entließ jüdische Angestellte und passte sich dem Regime an.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlitt Karstadt schwere Verluste. Häuser in den Ostgebieten und der Sowjetischen Besatzungszone wurden enteignet. Mehr als 30 der verbliebenen 45 Standorte in den Westzonen waren zerstört oder schwer beschädigt. Trotz dieser Zerstörungen erholte sich der Konzern im Rahmen des Wirtschaftswunders schnell und begann Anfang der 1950er Jahre wieder zu expandieren.
Es folgten weitere Übernahmen, die das Unternehmen stärkten, darunter 1970 die Grimme-Warenhäuser. Im Jahr 1977 erwarb Karstadt zunächst eine Mehrheitsbeteiligung an der Neckermann Versand AG und wurde damit zum größten Handelsunternehmen in der Bundesrepublik. Die vollständige Übernahme von Neckermann und die Eingliederung in die Konzernstruktur erfolgte 1984.
Nach der deutschen Wiedervereinigung übernahm Karstadt ehemalige Centrum- und Magnet-Warenhäuser in Städten wie Dresden, Halle und Magdeburg. Ein weiterer wichtiger Schritt war die Übernahme der Hertie-Kaufhäuser, einschließlich des berühmten KaDeWe, im Jahr 1994.
Die Ära KarstadtQuelle und Arcandor
Ein weiterer bedeutender Namenswechsel und eine strategische Neuausrichtung erfolgte im Jahr 1999. Die Karstadt AG fusionierte mit dem Versandhaus Quelle zur KarstadtQuelle AG. Diese Fusion schuf einen riesigen Handelskonzern, der sowohl Warenhäuser als auch den Versandhandel umfasste. Die Warenhäuser wurden unter der Karstadt Warenhaus GmbH, einer Tochtergesellschaft der KarstadtQuelle AG, betrieben.
Ab 2005 wurden die Lebensmittelabteilungen in vielen Karstadt-Häusern in einem Joint Venture mit der Rewe Group als Karstadt Feinkost GmbH & Co. KG geführt, später bekannt unter der Marke Perfetto.
Im Jahr 2007 wurde die KarstadtQuelle AG in Arcandor AG umfirmiert. Unter diesem Namen kämpfte der Konzern mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten, die schließlich im Jahr 2009 zum Insolvenzantrag führten.
Insolvenz und neue Eigentümer
Nach der Insolvenz der Arcandor AG wurde die Karstadt Warenhaus GmbH im Jahr 2010 an den Investor Nicolas Berggruen verkauft. Unter Berggruen wurde das Unternehmen in eine Dachgesellschaft und drei Untergesellschaften (Sporthäuser, Premiumhäuser, sonstige Warenhäuser) aufgeteilt, um agiler zu werden.
Im Jahr 2013 verkaufte Berggruen Mehrheitsanteile der Premium- und Sporthäuser an die österreichische Signa Holding von René Benko. Im Jahr 2014 übernahm die Signa Holding schließlich die gesamte Warenhauskette Karstadt.
Fusion mit Kaufhof: Galeria Karstadt Kaufhof
Die jüngste und wohl bekannteste Namensänderung fand im Zuge der Fusion mit dem langjährigen Konkurrenten Galeria Kaufhof statt. Am 30. November 2018 schloss sich Karstadt mit Galeria Kaufhof unter einer neuen Holding der beiden Anteilseigner Signa und Hudson’s Bay Company (HBC) zusammen. Seit dem 25. März 2019 traten die beiden Warenhausketten unter dem gemeinsamen Namen Galeria Karstadt Kaufhof auf. Im Januar 2020 folgte die rechtliche Übernahme der Galeria Kaufhof GmbH und die Umfirmierung in Galeria Karstadt Kaufhof GmbH.
Dieser Schritt sollte die Stärken beider Unternehmen bündeln, stand aber auch unter dem Druck wirtschaftlicher Herausforderungen. Im Juli 2020 musste der Konzern Insolvenz anmelden, was zur Schließung zahlreicher Filialen führte.
Zusammenfassung der wichtigsten Namen
Die Geschichte von Karstadt zeigt eine Entwicklung von einem lokalen Textilgeschäft zu einem nationalen und schließlich fusionierten Warenhausriesen. Hier ist eine kurze Übersicht der wichtigsten Namen, die das Unternehmen oder seine direkten Vorgänger trugen:
- Tuch-, Manufactur- und Confectionsgeschäft Karstadt (ab 1881)
- Rudolph Karstadt Aktiengesellschaft (ab 1920)
- Karstadt AG (später, genaue Umbenennung nicht im Text, aber impliziert vor KarstadtQuelle)
- KarstadtQuelle AG (ab 1999)
- Arcandor AG (Holding, ab 2007)
- Karstadt Warenhaus GmbH (Tochtergesellschaft)
- Galeria Karstadt Kaufhof (gemeinsamer Auftritt ab 2019)
- Galeria Karstadt Kaufhof GmbH (juristischer Name ab 2020)
Die Althoff-Warenhäuser, die 1920 übernommen wurden, trugen bis 1963 den Namen Althoff, obwohl sie Teil des Karstadt-Konzerns waren.
Häufig gestellte Fragen
Basierend auf der Geschichte von Karstadt ergeben sich oft folgende Fragen:
Wie hieß das erste Geschäft von Rudolph Karstadt?
Das allererste Geschäft, das Rudolph Karstadt 1881 in Wismar eröffnete, hieß Tuch-, Manufactur- und Confectionsgeschäft Karstadt.
Wann wurde aus der Rudolph Karstadt AG die KarstadtQuelle AG?
Die Fusion der Karstadt AG mit dem Versandhaus Quelle zur KarstadtQuelle AG erfolgte im Jahr 1999.
Seit wann firmieren Karstadt und Kaufhof gemeinsam?
Karstadt und Galeria Kaufhof traten ab dem 25. März 2019 unter dem gemeinsamen Namen Galeria Karstadt Kaufhof auf. Die rechtliche Umfirmierung zur Galeria Karstadt Kaufhof GmbH erfolgte im Januar 2020.
Wann wurden die Althoff-Warenhäuser zu Karstadt umbenannt?
Die Althoff-Warenhäuser, die 1920 von Karstadt übernommen wurden, behielten zunächst ihren Namen und wurden erst im Jahr 1963 in Karstadt umbenannt.
Wann meldete Galeria Karstadt Kaufhof Insolvenz an?
Der Konzern meldete am 1. Juli 2020 Insolvenz an, unter dem Eindruck der wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie und nach der Übernahme von Galeria Kaufhof.
Die Geschichte von Karstadt ist ein Spiegelbild der deutschen Wirtschafts- und Handelsgeschichte, geprägt von Wachstum, Krisen, Übernahmen und Fusionen, die das Unternehmen und seine Namen immer wieder verändert haben.
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