Wem gehört Konstanz?

Konstanz: Perle am Bodensee an der Grenze

09/02/2022

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Konstanz ist die größte Stadt am malerischen Bodensee und zugleich Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises. Ihre besondere Lage direkt an der Grenze zur Schweizerischen Eidgenossenschaft prägt das Leben und die Kultur der Stadt maßgeblich. Seit dem 1. April 1956 trägt Konstanz den Titel einer Großen Kreisstadt und fungiert als Oberzentrum in der Region Hochrhein-Bodensee im Regierungsbezirk Freiburg des Landes Baden-Württemberg. Die Stadt ist nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsstandort, sondern auch ein bedeutendes Bildungszentrum mit der renommierten Universität Konstanz und der Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG). Die Spuren ihrer Geschichte reichen weit zurück bis in die römische Zeit.

Übersicht

Geographie und Lage

Konstanz liegt am Ausfluss des Rheins aus dem oberen Teil des Bodensees, unmittelbar an der Grenze zum Schweizer Kanton Thurgau. Die Schweizer Nachbarstadt Kreuzlingen ist im Laufe der Zeit so eng mit Konstanz zusammengewachsen, dass die Staatsgrenze teilweise mitten durch bebaute Gebiete oder entlang des Grenzbaches verläuft. Bei klarem Wetter bietet sich von Konstanz aus ein beeindruckender Blick auf die Alpen, besonders bei Föhnlagen. Die Stadt ist geografisch geteilt: Die Altstadt und das Paradies befinden sich auf der linken (südlichen) Rheinseite, während die meisten neueren Stadtteile auf der rechten (nördlichen) Rheinseite liegen, auf der Halbinsel Bodanrück zwischen Untersee und Überlinger See. Die Konstanzer Altstadt ist eines der wenigen Gebiete Deutschlands südlich des Seerheins auf der „Schweizer Seite“. Die Agglomeration Konstanz-Kreuzlingen zählt über 115.000 Einwohner (Stand 2005). Die enge Verflechtung zeigt sich im Pendlerverkehr, im Einkaufstourismus (Kreuzlinger in Konstanz) und in gemeinsamen Projekten wie dem Seenachtfest, der GEWA-Messe, dem Flohmarkt oder dem Bau der Eissporthalle. Trotz der engen Zusammenarbeit bestehen aufgrund der Nicht-Zugehörigkeit der Schweiz zur Europäischen Union weiterhin Unterschiede bei den Währungen (€ und SFr.), Grenzkontrollen (wenn auch seit Schengen 2008 nur ausnahmsweise als Personenkontrollen) und Einschränkungen im Waren- und Geldverkehr. Das Stadtgebiet von Konstanz umfasst 34 Kilometer Uferlinie und 1,31 km² Wasserfläche. Der tiefste Punkt ist der Seespiegel (395 m ü. NN), der höchste liegt bei 570 m ü. NN.

Nachbargemeinden sind Reichenau und Allensbach (Deutschland), sowie Kreuzlingen, Gottlieben und Tägerwilen (Schweiz). Obwohl durch den Bodensee getrennt, ist Meersburg durch eine regelmäßig verkehrende Autofähre eng mit Konstanz verbunden.

Stadtteile und ihre Geschichte

Konstanz gliedert sich in 15 Stadtteile, von denen einige ehemals eigenständige Gemeinden waren, andere erst im Laufe der städtischen Entwicklung entstanden sind. Diese Stadtteile, ihre Flächen und Bevölkerungszahlen (Stand 2005, gerundet) sind:

StadtteilLageFläche (km²)Bevölkerung (ca.)
Altstadtlinksrheinisch, City1,26.900
Paradieslinksrheinisch, City1,46.800
Petershausen-Westrechtsrheinisch, Cityrand1,611.000
Petershausen-Ostrechtsrheinisch, Stadtrand2,811.400
Königsbaurechtsrheinisch, Stadtrand1,06.200
Allmannsdorfrechtsrheinisch, Stadtrand6,25.100
Staadrechtsrheinisch, Stadtrand (Fähre)1,21.300
Fürstenbergrechtsrheinisch, Stadtrand2,98.100
Wollmatingenrechtsrheinisch, Stadtrand15,712.400
Industriegebietrechtsrheinisch, Stadtrand7,11.800
Eggrechtsrheinisch, Stadtrand (Uni)6,52.800
Litzelstettenrechtsrheinisch, Vorort10,65.600
Dingelsdorfrechtsrheinisch, Vorort14,93.200
Dettingenrechtsrheinisch, Vorort10,02.600
Wallhausenrechtsrheinisch, Vorort4,52.000

Die meisten rechtsrheinischen Stadtteile gehörten historisch zum Kloster Reichenau und gelangten später an die Deutschordenskommende Mainau, mit der sie 1805 an Baden fielen. Nur die City (Altstadt und Paradies) liegt linksrheinisch. Die Altstadt, insbesondere die Niederburg, ist der älteste Teil und gut erhalten, da sie weder im Dreißigjährigen Krieg noch im Zweiten Weltkrieg nennenswert beschädigt wurde. Hier finden sich viele mittelalterliche Bauten. Das Paradies wurde erst im 17. Jahrhundert in die städtische Ummauerung einbezogen, Petershausen bereits im 15. Jahrhundert.

Die ehemaligen Gemeinden Dettingen, Dingelsdorf und Litzelstetten sind heute Ortschaften mit eigener Verwaltung und Ortschaftsrat.

Geschichte im Detail

Die Geschichte Konstanz' ist lang und vielschichtig.

Antike

Bereits Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. siedelten Kelten in der Gegend. Unter Kaiser Augustus wurde das Gebiet römisch (Provinz Raetia). Um 300 n. Chr. entstand nach dem Rückzug der Römer aus dem Dekumatland am Bodensee eine linksrheinische Grenzbefestigung, das spätrömische Steinkastell Constantia. Es sicherte den Rheinübergang und diente der Verteidigung gegen die Alamannen. Archäologische Spuren sind am Münsterplatz sichtbar. Der Name Constantia wird entweder auf Kaiser Constantius I. oder Constantius II. zurückgeführt, die beide in der Region gegen die Alamannen kämpften. Die erste sichere Erwähnung des Namens stammt aus der Zeit um 525.

Frühmittelalter und Mittelalter

Um 585 verlegte der Bischof von Vindonissa (Windisch) seinen Sitz nach Konstanz, das dadurch zum Bischofssitz und Stadtherren wurde. Ein erster Vorgängerbau des Münsters entstand. Konstanz profitierte stark vom Fernhandel auf dem Weg nach Italien und entwickelte sich zur blühenden Handelsstadt, berühmt für „Tela di Constanza“ (Konstanzer Leinwand). Bischof Konrad von Konstanz (934-975) prägte die Stadt durch Kirchenbauten nach römischem und Jerusalemer Vorbild. Die Bürger erkämpften sich zunehmend Autonomie vom Bischof. 1312 schloss sich Konstanz mit Zürich, Schaffhausen und St. Gallen zu einem Städtebund zusammen. Am Höhepunkt seiner Macht errichtete die Stadt 1388 das Kaufhaus am Hafen, das heutige Konzilgebäude. Die Erschließung des Gotthardpasses führte später zur Stagnation, was jedoch die gotische Bausubstanz schützte.

Das Konzil von Konstanz (1414-1418)

Dieses bedeutende Kirchenkonzil fand in Konstanz statt. Das Konzilgebäude diente nur für das Konklave, der eigentliche Tagungsort war der Bischofsdom (heute Münster). Die Wahl Martins V. 1417 beendete das Abendländische Schisma. Traurige Berühmtheit erlangte das Konzil durch die Verurteilung und Hinrichtung der Reformatoren Jan Hus (1415) und Hieronymus von Prag (1416) als Ketzer. Der Hussenstein erinnert heute an diese Ereignisse.

Der Name der Stadt wurde im Laufe der Zeit unterschiedlich geschrieben (Costanze, Kostinz) und führte im 15. Jahrhundert zur Bezeichnung Costnitz, die sich bis ins 20. Jahrhundert hielt.

Reformationszeit und danach

Im 15. Jahrhundert bemühte sich Konstanz um einen Anschluss an die Eidgenossenschaft, was jedoch scheiterte. Nach dem Beitritt zum Schwäbischen Bund wurde Konstanz 1527 reformiert und trat dem Schmalkaldischen Bund bei. Die Bischöfe verlegten ihren Sitz nach Meersburg. Nach der Niederlage im Schmalkaldischen Krieg verlor Konstanz 1548 seinen Status als Freie Stadt, wurde habsburgisch (Vorderösterreich) und im Zuge der Gegenreformation rekatholisiert. 1604 wurde ein Jesuitenkolleg gegründet. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt 1633 von den Schweden belagert, aber nicht eingenommen (das Schwedenkreuz erinnert daran). 1785 siedelten sich hugenottische Emigranten an, die mit der Indienne-Manufaktur auf der Dominikanerinsel den Grundstein für die Textilindustrie legten.

Neuere und Zeitgeschichte

Französische Truppen besetzten Konstanz mehrfach Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts, was zur Verarmung führte. 1806 wurde die Stadt Teil des Großherzogtums Baden. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz 1863 und die Gewerbefreiheit 1862 brachten einen wirtschaftlichen Aufschwung und starkes Bevölkerungswachstum. Die mittelalterliche Stadtmauer wurde weitgehend abgerissen, die Trümmer zur Aufschüttung des Stadtgartens genutzt. Im Ersten Weltkrieg beendete die Grenzschließung den Aufschwung. Während der NS-Zeit wurde Konstanz Stadtkreis und 1939 kreisfreie Stadt. Die Synagoge wurde 1938 in der Reichspogromnacht zerstört, jüdische Bürger deportiert und ermordet. Georg Elser wurde 1939 in Konstanz bei einem Fluchtversuch verhaftet. Im Zweiten Weltkrieg blieb Konstanz von Bombenangriffen verschont, auch dank der Nähe zur neutralen Schweiz und der Verdunkelung der linksrheinischen Altstadt.

Nach dem Krieg gehörte Konstanz zur französischen Besatzungszone und ab 1952 zu Baden-Württemberg. 1956 wurde sie Große Kreisstadt. Mit der Gründung der Universität 1966 begann ein neuer Aufschwung, der das Stadtbild und das Leben prägt. 1973 wurde Konstanz Zentrum des vergrößerten Landkreises.

Bevölkerung und Religionen

Die Bevölkerungszahl von Konstanz, im Mittelalter nur wenige Tausend (außer zur Zeit des Konzils mit geschätzten 10.000-40.000), wuchs ab dem 19. Jahrhundert stark an (1806: 4.400, 1900: 21.000, 1950: 42.000). Eingemeindungen in den 1970ern führten zu einem Anstieg auf 70.000 (1975). 2005 erreichte die Einwohnerzahl mit 80.980 einen historischen Höchststand.

Religiöse Vielfalt

Konstanz war seit dem 6. Jahrhundert Bischofssitz. Nach der Reformation und Rekatholisierung im 16. Jahrhundert blieb die Stadt bis ins 19. Jahrhundert überwiegend katholisch. Erst dann etablierte sich wieder eine protestantische Gemeinde. Heute gehört Konstanz zum Erzbistum Freiburg und zur Evangelischen Landeskirche in Baden. Es gibt zahlreiche katholische und evangelische Kirchengemeinden mit teils sehr alten Kirchen (z.B. St. Stephan, erstmals 615 erwähnt). Neben den großen Kirchen existieren alt-katholische Gemeinden, verschiedene Freikirchen und weitere christliche Gemeinschaften (Zeugen Jehovas, Neuapostolische Kirche, etc.).

Die jüdische Gemeinde, im Mittelalter mehrfach verfolgt und 1537 vertrieben, konnte sich erst ab 1847 wieder ansiedeln und wuchs bis Ende des 19. Jahrhunderts. Die Synagoge von 1882/83 wurde 1938 zerstört. Ein Mahnmal erinnert an die deportierten und ermordeten Konstanzer Juden. Heute gibt es wieder eine Israelitische Kultusgemeinde mit Synagoge und Gemeindezentrum sowie eine jüdische Gemeinde in Gründung.

Im Stadtteil Petershausen wurde 2001 die Mevlana-Moschee für die muslimische Gemeinde eröffnet. Auch der Buddhismus ist in Konstanz vertreten.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Das Stadttheater Konstanz, 1607 gegründet, gilt als älteste durchgehend bespielte Sprechbühne Deutschlands. Das K9 bietet ein vielfältiges Programm. Die Südwestdeutsche Philharmonie ist in Konstanz beheimatet, ergänzt durch zahlreiche weitere Musikgruppen.

Der Kunstverein Konstanz ist der älteste im Bodenseegebiet und zeigt zeitgenössische Kunst. Die Wessenberg-Galerie beherbergt die städtische Kunstsammlung.

Zahlreiche Museen laden zum Besuch ein: das Archäologische Landesmuseum, das Bodensee-Naturmuseum, das Hus-Museum, das Rosgartenmuseum (Kunst, Kultur, Geschichte der Region), das Sea Life Centre (Unterwasserwelt) und die Städtische Wessenberg-Galerie.

Der Stadtgarten, ein aufgeschüttetes Gelände am See, entstand ab 1863 aus Trümmern der Stadtmauer.

Gedenkstätten wie der Hussenstein, Gedenksteine und ein Mahnmal für die ermordeten Juden, Stolpersteine, eine Tafel für Max Josef Metzger und eine Büste für Georg Elser erinnern an wichtige historische Ereignisse und Personen.

Naturdenkmäler sind das Naturschutzgebiet Wollmatinger Ried (wichtiges Vogelrastgebiet) und der Teufelstisch im Überlinger See.

Regelmäßige Veranstaltungen

Das Jahr in Konstanz ist geprägt von zahlreichen Veranstaltungen. Höhepunkte sind die Fastnacht im Spätwinter mit Umzügen, die Internationale Bodenseewoche im Frühsommer (Wassersport, Hafenfest), der große zweitägige Flohmarkt im Juni, das gemeinsame Seenachtfest mit Kreuzlingen im August (bekannt für sein Feuerwerk), sowie Weinfest, Oktoberfest, Jazzherbst, Rock am See, Stadtteilfeste, Weihnachtsmarkt und das Silvesterschwimmen.

Verkehrsanbindung

Konstanz ist in den Verkehrsverbund Hegau-Bodensee integriert. Als Grenzstadt ist sie Endpunkt im Fernverkehr der Deutschen Bahn und SBB. Der Nahverkehr, wie der von Thurbo betriebene „Seehas“, findet grenzüberschreitend statt. Die Anbindung an das deutsche Autobahnnetz erfolgt über die B33 Richtung Singen und weiter zur A81. Die Autofähre Konstanz–Meersburg verbindet die Stadt mit dem nördlichen Seeufer und dem Hinterland. Über die Schweizer Grenze ist Konstanz gut an das Schweizer Autobahnnetz (A7 Richtung Zürich) und Hauptstraßen angebunden. Innerstädtisch führt die historische Bahntrasse und ein stark befahrener Straßenring zu Herausforderungen. Konstanz liegt an den Ferienstraßen Grüne Straße/Route Verte und Deutsche Alleenstraße. Es gibt einen Verkehrslandeplatz, die nächsten größeren Flughäfen sind Friedrichshafen (über Fähre), St. Gallen-Altenrhein und Zürich.

Häufig gestellte Fragen

Ist Konstanz einen Besuch wert?

Konstanz ist zweifellos immer einen Besuch wert, sei es für einen Kurztrip oder einen längeren Aufenthalt. Die einzigartige Mischung aus historischem Charme, lebendiger Kultur, wunderschöner Lage am Bodensee und der Nähe zur Schweiz macht die Stadt attraktiv. Im Sommer locken Strandbäder und Schifffahrten, im Winter die Therme und kulturelle Angebote. Die Stadt lässt sich gut zu Fuß, mit dem Bus oder dem Rad erkunden, was auch den Zugang zu weniger bekannten Ecken ermöglicht.

Warum heißt Konstanz Konstanz?

Der Name Konstanz leitet sich vermutlich vom spätrömischen Kastell Constantia ab, das um 300 n. Chr. auf dem Gebiet der heutigen Altstadt errichtet wurde. Die wahrscheinlichste Namensgebung geht auf einen römischen Kaiser zurück, der in der Region militärisch aktiv war. Historiker diskutieren, ob es sich dabei um Kaiser Constantius I. oder dessen Enkel Kaiser Constantius II. handelt, die beide im 4. Jahrhundert Siege über die Alamannen errungen und die Grenzen gesichert haben. Die römische Herkunft des Namens ist jedoch gesichert.

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