Welcher Stift für girocard?

Das Ende der Kreditkarten-Unterschrift?

07/06/2017

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Jahrzehntelang war sie ein fester Bestandteil jeder Kreditkartenzahlung: die Unterschrift. Sie galt als wichtiges Sicherheitsmerkmal, ein persönliches Siegel, das die Echtheit des Karteninhabers bestätigen sollte. Doch wer in letzter Zeit eine neue Kreditkarte erhalten hat, stellt vielleicht fest: Das Unterschriftsfeld fehlt. Was steckt hinter dieser Entwicklung und welche Methoden der Zahlungsbestätigung sind heute relevant?

Tatsächlich geben immer mehr Banken Kreditkarten aus, die kein Unterschriftsfeld mehr aufweisen. Visa, einer der globalen Marktführer im Zahlungsverkehr, hat klargestellt, dass das Unterschriftsfeld in Deutschland und vielen anderen Märkten weltweit nur noch als optional betrachtet wird. Dies markiert einen signifikanten Wandel in der Welt der Kartenzahlungen und wirft die Frage auf: Wenn nicht mehr unterschrieben wird, wie werden Zahlungen dann verifiziert?

Übersicht

Warum die Unterschrift an Bedeutung verliert

Der Hauptgrund für das schwindende Unterschriftsfeld ist die Weiterentwicklung der Sicherheitstechnologie bei Zahlungskarten. Lange Zeit basierten Kreditkarten auf einem einfachen Magnetstreifen. Dieser enthielt statische Daten, die relativ leicht ausgelesen und kopiert werden konnten. Die Unterschrift auf der Karte und der Abgleich mit der Unterschrift auf dem Beleg sollten hier eine zusätzliche Sicherheitsebene schaffen und Missbrauch erschweren.

Wie unterschreibt man eine EC-Karte?
Jede EC- oder Kreditkarte verfügt über ein Unterschriftenfeld. Meistens werden Schreibfelder für die Leistung einer Unterschrift benötigt. Sie bestehen deshalb aus einer speziellen Beschichtung, die das Schreiben mit Kugelschreiber oder ähnlichen Schreibgeräten auf der sonst glatten Kartenoberfläche möglich macht.

Doch die Praxis zeigte, dass die Unterschrift als Sicherheitsmerkmal Schwächen aufwies. Ein Abgleich war oft oberflächlich, und die Echtheit einer Unterschrift im Nachhinein zweifelsfrei nachzuweisen, erwies sich als schwierig, insbesondere bei geringen Beträgen oder hohem Transaktionsvolumen im Handel. Viele Händler beklagten sich, dass die Unterschrift in der heutigen Zeit kaum noch einen effektiven Schutz bot.

Vom Magnetstreifen zum sicheren EMV-Chip

Der entscheidende technologische Fortschritt, der das Ende der Unterschrift einläutet, ist die Einführung des EMV-Chips. Der EMV-Chip (benannt nach Europay, Mastercard und Visa) ist ein kleiner Mikroprozessor, der auf der Vorderseite der Karte integriert ist. Im Gegensatz zum Magnetstreifen speichert der Chip keine statischen Daten, sondern generiert bei jeder Transaktion dynamische, einzigartige Daten. Dies macht das Kopieren oder Fälschen von Kartendaten erheblich schwieriger und bietet ein deutlich höheres Sicherheitsniveau.

Mit der flächendeckenden Einführung des EMV-Chips seit den frühen 2000er Jahren wurde die Notwendigkeit der Unterschrift als primäres Sicherheitsmerkmal bei physischen Kartenzahlungen zunehmend reduziert. Der Chip selbst authentifiziert die Karte und die Transaktion auf eine Weise, die dem Magnetstreifen und der Unterschrift überlegen ist.

PIN oder Unterschrift: Die Wahl des Händlers und des Systems

Auch wenn die Unterschrift an Bedeutung verliert, begegnet man ihr im Einzelhandel immer noch gelegentlich. Das liegt an den unterschiedlichen Zahlungssystemen, die von Händlern genutzt werden, und an den individuellen Entscheidungen der Geschäftsbetreiber.

Das Girocard-System (Electronic Cash)

Das in Deutschland weit verbreitete System für Kartenzahlungen ist das sogenannte Girocard-System (früher EC-Karte), oft auch als Electronic Cash bezeichnet. Bei diesem Verfahren wird die Zahlung über ein Online-Verfahren abgewickelt. Das Kartenlesegerät im Geschäft stellt eine direkte Verbindung zur Bank des Kunden her. Der Kunde muss seine persönliche Identifikationsnummer (PIN) eingeben. Stimmt die eingegebene PIN mit der im Chip gespeicherten PIN überein und ist das Konto gedeckt, wird die Zahlung in Echtzeit genehmigt. Dieses Verfahren gilt als sehr sicher, da die PIN nur dem rechtmäßigen Karteninhaber bekannt sein sollte und die Online-Prüfung eine sofortige Zahlungsgarantie für den Händler bietet.

Das Elektronische Lastschriftverfahren (ELV)

Eine Alternative, die von manchen Händlern genutzt wird, ist das Elektronische Lastschriftverfahren (ELV). Bei diesem Offline-Verfahren wird die Zahlung nicht in Echtzeit online geprüft. Stattdessen autorisiert der Kunde die Abbuchung durch seine Unterschrift auf dem Beleg. Die Daten werden gesammelt und später als Lastschrift eingereicht. Der Vorteil für den Händler ist, dass dieses Verfahren oft geringere Gebühren verursacht und keine ständige Internetverbindung benötigt. Der Nachteil liegt jedoch im Risiko: Da keine sofortige Online-Prüfung erfolgt, besteht die Möglichkeit, dass das Konto des Kunden nicht gedeckt ist oder die Karte gestohlen wurde. In solchen Fällen kann die Lastschrift platzen, und der Händler bleibt auf dem Schaden sitzen. Die Unterschrift dient hier lediglich als Nachweis, dass der Kunde der Abbuchung zugestimmt hat, nicht aber als Garantie für die Kontodeckung oder Kartenauthentizität im Sinne des EMV-Chips.

Sicherheit und Garantien: PIN triumphiert über Unterschrift

Vergleicht man die beiden Verfahren aus Sicherheitsperspektive, hat die PIN-Eingabe klare Vorteile, insbesondere in Kombination mit dem EMV-Chip:

MerkmalPIN-Eingabe (Girocard/Electronic Cash)Unterschrift (Elektronisches Lastschriftverfahren - ELV)
Sicherheit der VerifizierungSehr hoch (PIN ist Geheimzahl, Chip generiert dynamische Daten)Gering (Unterschrift ist leicht zu fälschen, Abgleich oft oberflächlich)
Authentizität der KarteGeprüft durch EMV-ChipGeprüft durch Magnetstreifen (weniger sicher)
Online-PrüfungJa (Echtzeitverbindung zur Bank)Nein (Offline-Verfahren)
Zahlungsgarantie für HändlerJa (bei erfolgreicher Autorisierung)Nein (Risiko des Zahlungsausfalls)
Kosten für HändlerTypischerweise prozentuale Gebühr (ca. 0,2% des Umsatzes)Typischerweise geringere oder Pauschalgebühren
Benötigte InfrastrukturTerminal mit Online-VerbindungTerminal (oft auch offline-fähig), Drucker für Beleg

Wie die Tabelle zeigt, bietet die PIN-Eingabe in Verbindung mit dem Girocard-System dem Händler eine höhere Sicherheit und eine Zahlungsgarantie, während das ELV-Verfahren mit Unterschrift zwar kostengünstiger sein kann, aber ein höheres Risiko birgt. Diese Risikoverteilung ist ein weiterer Grund, warum sich das PIN-Verfahren als Standard durchsetzt und die Unterschrift in den Hintergrund tritt.

Kontaktloses Bezahlen und Online-Zahlungen

Neben der klassischen Kartenzahlung am Terminal haben sich weitere Methoden etabliert, bei denen die Unterschrift ebenfalls keine Rolle spielt.

Kontaktloses Bezahlen (NFC)

Das kontaktlose Bezahlen per NFC-Chip (Near Field Communication) ist in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Bei Beträgen bis zu einem bestimmten Limit (in der EU meist 50 Euro) ist oft gar keine PIN-Eingabe oder Unterschrift mehr notwendig. Die Karte oder das Smartphone/Wearable (bei Nutzung von Mobile Payment Diensten wie Apple Pay oder Google Pay) wird einfach dicht an das Terminal gehalten, und die Zahlung wird schnell und unkompliziert abgewickelt. Für Beträge über dem Limit wird zur Sicherheit die PIN abgefragt. Dieses Verfahren nutzt ebenfalls die Sicherheit des EMV-Chips und ist sehr nutzerfreundlich.

Online-Zahlungen

Im E-Commerce, wo physische Unterschriften ohnehin nicht möglich sind, haben sich andere Verfahren zur Authentifizierung etabliert. Früher reichte oft die Eingabe der Kartennummer, des Ablaufdatums und der Prüfnummer (CVC/CVV). Heute verlangen die meisten Banken und Online-Shops zusätzliche Sicherheitsmerkmale, oft im Rahmen des 3D-Secure-Verfahrens (Verified by Visa, Mastercard Identity Check). Dies beinhaltet typischerweise eine zusätzliche Bestätigung der Zahlung durch den Karteninhaber über eine SMS-TAN (Transaktionsnummer) oder die Freigabe in der Banking-App des Smartphones. Diese Methoden stellen sicher, dass nur der rechtmäßige Karteninhaber die Transaktion autorisieren kann.

Was bedeutet das für Karteninhaber?

Für Sie als Karteninhaber bedeutet die schrittweise Abschaffung der Unterschrift vor allem eine Umstellung der Gewohnheiten. Die PIN wird zum zentralen Element der Zahlungsautorisierung, sowohl am Terminal als auch indirekt bei kontaktlosen Zahlungen über dem Limit. Es ist daher wichtiger denn je, die eigene PIN sicher zu verwahren und auswendig zu kennen.

Kreditkarten ohne Unterschriftsfeld sind nicht unsicherer. Im Gegenteil, ihre Sicherheit basiert auf moderneren und robusteren Technologien wie dem EMV-Chip und der PIN-Abfrage, die als sicherer gelten als der traditionelle Unterschriftsabgleich. Die Umstellung ist ein Zeichen für den Fortschritt im Zahlungsverkehr und dient letztlich dem Schutz der Verbraucher vor Betrug.

Häufig gestellte Fragen zum Thema

Muss ich meine neue Kreditkarte noch unterschreiben, wenn ein Feld vorhanden ist?
Wenn Ihre Bank Ihnen eine Karte mit Unterschriftsfeld schickt, sollten Sie diese zur Sicherheit unterschreiben. Auch wenn die Unterschrift seltener abgeglichen wird, kann sie in bestimmten Situationen (z.B. bei Zahlungen im Ausland oder bei Händlern, die noch ältere Systeme nutzen) relevant sein. Fehlt das Feld, ist eine Unterschrift natürlich nicht vorgesehen.
Ist Bezahlen per PIN sicherer als Bezahlen per Unterschrift?
Ja, im Allgemeinen gilt das Bezahlen per PIN in Verbindung mit dem EMV-Chip als deutlich sicherer als das Bezahlen per Unterschrift im Rahmen des ELV-Verfahrens. Die PIN ist eine Geheimzahl, die nur Sie kennen sollten, während eine Unterschrift gefälscht werden kann und der Abgleich oft unzureichend ist. Zudem bietet das PIN-Verfahren (Girocard) eine Online-Prüfung und Zahlungsgarantie.
Warum verlangen manche Händler immer noch eine Unterschrift?
Manche Händler nutzen das Elektronische Lastschriftverfahren (ELV), bei dem die Unterschrift zur Autorisierung der Lastschrift benötigt wird. Dieses Verfahren kann für den Händler günstigere Konditionen haben, birgt aber auch ein höheres Risiko, da keine sofortige Kontodeckungsprüfung erfolgt.
Muss ich beim kontaktlosen Bezahlen immer eine PIN eingeben?
Nein, bei Beträgen bis zu einem bestimmten Limit (meist 50 Euro) ist oft keine PIN-Eingabe erforderlich. Bei höheren Beträgen wird zur Bestätigung die PIN verlangt.
Wie sicher sind Online-Zahlungen ohne Unterschrift?
Online-Zahlungen werden heute durch Verfahren wie 3D-Secure abgesichert, die eine zusätzliche Authentifizierung per SMS-TAN oder App-Freigabe erfordern. Diese Methoden gelten als sehr sicher und ersetzen den fehlenden physischen Abgleich im Online-Handel.

Die Zukunft des Bezahlens

Der Trend geht eindeutig weg von der Unterschrift hin zu digitaleren und als sicherer eingestuften Methoden der Authentifizierung. Der EMV-Chip und die PIN sind bereits etabliert, und kontaktloses Bezahlen gewinnt weiter an Popularität. Auch biometrische Verfahren wie Fingerabdruck- oder Gesichtserkennung könnten in Zukunft eine größere Rolle bei der Autorisierung von Zahlungen spielen, insbesondere in Verbindung mit Mobile Payment.

Die Abschaffung der Unterschrift ist somit nicht nur eine Vereinfachung, sondern vor allem eine Anpassung an moderne Sicherheitstechnologien, die den Schutz vor Betrug verbessern sollen. Es ist ein weiterer Schritt in Richtung eines digitalen und sicheren Zahlungsverkehrs.

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