Welche 5 Sicherheitsregeln gibt es bei BG ETEM?

Die 5 Sicherheitsregeln der Elektrotechnik

19/12/2018

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Arbeiten an elektrischen Anlagen birgt erhebliche Gefahren und erfordert höchste Sorgfalt. Um Stromunfälle zu vermeiden, wurden international anerkannte Sicherheitsregeln entwickelt, die in vielen Ländern als die „Fünf Sicherheitsregeln der Elektrotechnik“ zusammengefasst sind. Diese Regeln bilden die unverzichtbare Grundlage für sicheres Arbeiten an Anlagen, die von der Energieversorgung getrennt wurden, und ihre strikte Einhaltung ist absolut lebensnotwendig, sowohl für erfahrene Elektrofachkräfte als auch für alle anderen, die in der Nähe solcher Anlagen tätig sind.

Welche 5 Regeln sollte man bei Stromunfällen beachten?
DIE 5 SICHERHEITSREGELN DER ELEKTROTECHNIK SETZEN SICH AUS FOLGENDEN PUNKTEN ZUSAMMEN:‍Freischalten.Gegen Wiedereinschalten sichern.Spannungsfreiheit feststellen.Erden und Kurzschließen.Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken.
Übersicht

Die Fünf Sicherheitsregeln im Detail

Die Regeln müssen vor Beginn der Arbeiten an elektrischen Anlagen in einer bestimmten Reihenfolge angewendet werden. Diese Reihenfolge ist entscheidend für die Gewährleistung der Sicherheit.

  • Freischalten
  • Gegen Wiedereinschalten sichern
  • Spannungsfreiheit allpolig feststellen
  • Erden und kurzschließen
  • Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken

Schauen wir uns jede dieser Regeln im Einzelnen an.

1. Freischalten

Die erste und grundlegendste Regel ist das Freischalten. Darunter versteht man das vollständige, allpolige und allseitige Trennen einer elektrischen Anlage oder eines Anlagenteils von allen möglichen Quellen elektrischer Energie. Es geht darum, sicherzustellen, dass keinerlei Spannung mehr an die Arbeitsstelle gelangen kann. Dies kann durch verschiedene Maßnahmen erfolgen, wie das Betätigen von Hauptschaltern, das fachgerechte Entfernen von Sicherungen (zum Beispiel das Herausschrauben von Schmelzsicherungen im Haushalt), das Ziehen von Steckverbindungen oder bei größeren Anlagen durch dafür vorgesehene Trennschalter. Bei Arbeiten an elektrischen Betriebsmitteln ist das Freischalten ab einer bestimmten Betriebsspannung bzw. einem bestimmten Betriebsstrom vorgeschrieben, sofern keine besonderen Maßnahmen für das Arbeiten unter Spannung getroffen werden. In Deutschland, Österreich und der Schweiz liegt diese Schwelle bei 50 V Wechselspannung oder 120 V Gleichspannung; in der Schweiz zusätzlich bei Strömen über 2 A. Es ist essenziell, dass die Trennstelle eine ausreichende Länge aufweist, die von der Betriebsspannung abhängt. Einfache Schalter wie Lichtschalter sind für das Freischalten im Sinne dieser Sicherheitsregel nicht ausreichend. Wenn die Freischaltung nicht von der arbeitenden Person selbst vorgenommen wird, etwa in komplexen Anlagen, die von einer Leitstelle ferngesteuert werden, darf die Arbeit erst begonnen werden, nachdem eine klare Bestätigung der Freischaltung vorliegt – sei es mündlich, fernmündlich, schriftlich oder fernschriftlich. Eine bloße Vereinbarung eines Zeitpunkts reicht nicht aus. Besondere Schutzausrüstung wie Helm und Gesichtsschutz ist beim Umgang mit bestimmten Sicherungstypen (z. B. NH-Sicherungen) erforderlich, um sich vor den Gefahren eines Lichtbogens zu schützen.

2. Gegen Wiedereinschalten sichern

Nachdem die Anlage freigeschaltet wurde, muss als zweite Regel das Sichern gegen Wiedereinschalten erfolgen. Diese Maßnahme ist unerlässlich, um zu verhindern, dass die Anlage, an der gerade gearbeitet wird, versehentlich oder irrtümlich wieder unter Spannung gesetzt wird. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dies zu gewährleisten, abhängig davon, ob die Schalteinrichtung für elektrotechnische Laien zugänglich ist oder sich in einem Bereich befindet, der nur für Elektrofachkräfte bestimmt ist. In frei zugänglichen Bereichen, wie zum Beispiel einem Sicherungskasten im Haushalt, muss die Sicherung so gestaltet sein, dass die Sperre nur durch die Verwendung von zusätzlichem Werkzeug entfernt werden kann. Das einfache Ausschalten eines Leitungsschutzschalters genügt hier nicht. Geeignete Methoden sind das mechanische Sichern von Leitungsschutzschaltern, das Abklemmen der abgehenden Leitung oder das Ersetzen herausgedrehter Schmelzsicherungen durch abschließbare Sperrelemente. Das alleinige Anbringen eines Klebeschildes in einem für Laien zugänglichen Bereich gilt in Deutschland unter anderem als grob fahrlässig. Befindet sich die Schalteinrichtung in einem abgeschlossenen Bereich, der nur für Elektrofachkräfte zugänglich ist (wie in elektrischen Betriebsräumen oder bei Hochspannungsanlagen), ist das Anbringen eines eindeutigen Verbotsschildes für die Dauer der Arbeiten in der Regel ausreichend. Dieses Schild sollte klar lesbar sein und Informationen darüber enthalten, wer berechtigt ist, es nach Abschluss der Arbeiten wieder zu entfernen. Bei ferngesteuerten Schaltanlagen kann eine virtuelle Schaltsperre im Steuerungssystem das Wiedereinschalten verhindern und dem Operator in der Leitstelle das Verbot anzeigen. Zusätzlich zum Schild kann bei Bedarf auch eine zweite Person am Schaltort positioniert werden, um ein Wiedereinschalten zu verhindern. Herausgenommene Sicherungen sollten sicher verwahrt werden.

3. Spannungsfreiheit allpolig feststellen

Die dritte Regel ist von überragender Bedeutung und leider eine der häufigsten Ursachen für schwere Unfälle, wenn sie nicht oder falsch angewendet wird: das Spannungsfreiheit feststellen. Nachdem die Anlage freigeschaltet und gegen Wiedereinschalten gesichert wurde, muss die vor Ort tätige Person *persönlich* und *unmittelbar vor Beginn der Arbeit* durch geeignete Mess- oder Prüfmittel die allpolige Spannungsfreiheit feststellen. Dieses wiederholte Prüfen ist wichtig, da sich in der Zwischenzeit Umstände geändert haben könnten. Das Feststellen der Spannungsfreiheit stellt sicher, dass die Anlage tatsächlich spannungsfrei ist und nicht beispielsweise durch Restspannungen von Geräten wie Frequenzumrichtern oder durch eine versehentlich nicht korrekt freigeschaltete Leitung noch Spannung führt. Für Anlagen bis 1 kV werden zweipolige Spannungsprüfer verwendet, die eine vorhandene Spannung durch Glimmlampen, Messwerke oder Leuchtdioden anzeigen und oft auch die Höhe der Spannung ermitteln können. Bei Anlagen mit Nennspannungen über 1 kV kommen einpolige Prüfgeräte zum Einsatz, die als isolierte Lanzen ausgeführt sind und die Hochspannung optisch und akustisch signalisieren. Die Verwendung von Niederspannungsmessgeräten wie Multimetern ist in Hochspannungsanlagen wegen der hohen Unfallgefahr untersagt. Ein absolut kritischer Schritt ist das Prüfen der Funktionsfähigkeit des Spannungsprüfers selbst: Er muss *unmittelbar vor* und *unmittelbar nach* seiner Benutzung an einer *zweifelsfrei spannungsführenden Quelle* getestet werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass das Prüfgerät korrekt funktioniert. In bestimmten Anlagen kann auch die Betätigung einschaltkurzschlussfester Schnellerder als Nachweis der Spannungsfreiheit gelten.

4. Erden und kurzschließen

Die vierte Sicherheitsregel, das Erden und kurzschließen, bietet einen zusätzlichen Schutz und wird nach dem Feststellen der Spannungsfreiheit angewendet. Dabei werden die Leiter und die Erdungsanlage an der Arbeitsstelle mittels kurzschlussfester Erdungs- und Kurzschließvorrichtungen (wie Erdungsstangen) miteinander verbunden. Diese Maßnahme hat zwei Hauptzwecke: Erstens löst ein versehentliches Wiedereinschalten sofort die vorgeschalteten Überstromschutzeinrichtungen aus, da ein Kurzschluss erzeugt wird. Zweitens verhindert sie gefährliche Spannungsaufladungen, die beispielsweise bei Freileitungen durch kapazitive Kopplung von benachbarten, unter Spannung stehenden Leitungen oder durch atmosphärische Influenz entstehen können. Die Erdverbindung sollte möglichst nahe und im Sichtbereich der Arbeitsstelle liegen. Die korrekte Reihenfolge ist dabei zu beachten: Zuerst wird geerdet, danach kurzgeschlossen. Bei Anlagen mit Niederspannung (unter 1 kV), mit Ausnahme von Freileitungen und Verteilernetzen, kann auf das Erden und Kurzschließen verzichtet werden, *vorausgesetzt*, die Regeln 1 bis 3 wurden vorschriftsmäßig durchgeführt und es besteht keine Gefahr von Spannungsübertragung oder Rückeinspeisung. Dennoch ist es grundsätzlich sicherer, auch bei Niederspannung zu erden und kurzzuschließen, wenn die Gefahr besteht, dass die Anlage doch unter Spannung geraten könnte, beispielsweise durch kreuzende Freileitungen oder Notstromaggregate. Moderne Anlagen mit Notstromsystemen, die nach einer gewissen Anlaufzeit einspeisen, bergen hier spezifische Risiken, die diese Regel auch bei Niederspannung relevant machen können.

5. Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken

Die fünfte und letzte Regel ist das Abdecken oder Abschranken benachbarter, unter Spannung stehender Teile. Diese Maßnahme ist erforderlich, wenn sich in unmittelbarer Nähe des Arbeitsbereichs Anlagenteile befinden, die aus betrieblichen Gründen nicht freigeschaltet werden können und somit weiterhin unter Spannung stehen. Das Ziel ist, die arbeitende Person vor versehentlicher Berührung dieser spannungsführenden Teile zu schützen oder zu verhindern, dass diese mit Werkzeugen kurzgeschlossen werden. Bei Anlagen unter 1 kV können hierfür isolierende Materialien wie spezielle Tücher, Schläuche oder Kunststoffabdeckungen verwendet werden. Bei Arbeiten in Anlagen mit Spannungen über 1 kV sind oft speziell ausgeführte Isolationsmatten notwendig, die einen hinreichenden Berührungsschutz zu benachbarten Anlagenteilen bieten. Zusätzlich können Warntafeln, Seile oder Absperreinrichtungen eingesetzt werden, um den sicheren Arbeitsbereich klar und sichtbar abzugrenzen, der nicht verlassen werden darf. Das Tragen entsprechender, anliegender Arbeitskleidung ist wichtig. Für die Arbeit in der Nähe spannungsführender Teile sind zudem isolierende Handschuhe unerlässlich, deren Zustand vor jeder Benutzung sorgfältig geprüft werden muss. In räumlich beengten oder besonders unübersichtlichen Situationen kann der zusätzliche Einsatz einer nicht direkt an den Arbeiten beteiligten Kontrollperson sinnvoll oder notwendig sein, die die Einhaltung der Sicherheitsabstände überwacht und auf Unachtsamkeiten hinweisen kann. Eine sorgfältige Vorbereitung der Arbeiten hilft, die Zeit, die man in der Nähe potenziell gefährlicher Bereiche verbringt, auf das notwendige Minimum zu reduzieren.

Die Reihenfolge der Anwendung

Die Reihenfolge der Anwendung dieser fünf Regeln ist nicht beliebig, sondern strikt einzuhalten. Vor Beginn der Arbeiten an elektrischen Anlagen werden die Regeln nacheinander von 1 bis 5 durchgeführt. Nach Abschluss der Arbeiten werden die getroffenen Sicherheitsmaßnahmen in umgekehrter Reihenfolge wieder aufgehoben. Das bedeutet, zuerst werden die Abdeckungen/Abschrankungen entfernt (5), dann die Erdung und Kurzschließung aufgehoben (4), anschließend der Spannungsprüfer entfernt (3 – nachdem er erneut auf Funktion getestet wurde), danach die Sicherung gegen Wiedereinschalten aufgehoben (2) und erst ganz zum Schluss wird die Anlage wieder eingeschaltet (1). Maßnahmen wie das Entfernen von Werkzeugen und Hilfsmitteln sowie das Verlassen des Gefahrenbereichs gehören ebenfalls zu den Schritten, die vor dem Wiedereinschalten erfolgen müssen. Bei Arbeiten mit mehreren Mitarbeitern muss unbedingt sichergestellt sein, dass sich niemand mehr im Gefahrenbereich aufhält, bevor die Sicherungsmaßnahmen aufgehoben werden.

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Warum die Einhaltung der Regeln lebenswichtig ist

Die strikte Anwendung der Fünf Sicherheitsregeln ist von entscheidender Bedeutung, da Elektrizität eine unsichtbare und potenziell tödliche Gefahr darstellt. Die Nichtbeachtung dieser Regeln ist die Hauptursache für schwere oder tödliche Stromunfälle. Man unterscheidet hauptsächlich zwischen direkten Stromunfällen und Sekundärunfällen. Direkte Stromunfälle können vielfältige und schwerwiegende Folgen haben:

  • Kurzschluss und Lichtbogen: Bei einem Kurzschluss können Lichtbögen entstehen, die extrem hohe Temperaturen erreichen und zu schweren Verbrennungen, Knalltraumata oder Verblitzungen der Augen führen können. Die hohe UV-Strahlung eines Lichtbogens kann irreparable Schäden an den Augen verursachen, selbst wenn der Körper nicht direkt vom Strom durchflossen wird.
  • Körperdurchströmung: Fließt elektrischer Strom durch den Körper, kann dies zu Schmerzen, unwillkürlichen Muskelkrämpfen, inneren und äußeren Verbrennungen, Atem- und Herzstillstand führen. Die Folgen hängen von Stromstärke, Spannung, Frequenz, Einwirkdauer und dem Weg des Stroms durch den Körper ab.

Sekundärunfälle entstehen oft als Folge der Schreckreaktion auf einen Stromschlag, selbst wenn der Stromfluss nur kurz war. Ein Sturz von einer Leiter oder einem Gerüst ist ein häufiges Beispiel für einen Sekundärunfall, der ebenfalls zu schwersten Verletzungen führen kann. Statistiken zeigen, dass ein signifikanter Anteil der gemeldeten Unfälle in Deutschland auf die Nichtbeachtung der Regeln 1 (Freischalten), 3 (Spannungsfreiheit feststellen) und 5 (Abdecken/Abschranken) zurückzuführen ist. Insbesondere das Nicht- oder falsche Feststellen der Spannungsfreiheit (Regel 3) ist eine der Hauptursachen für die schwersten Unfälle.

Wer darf Arbeiten an elektrischen Anlagen durchführen?

Arbeiten an elektrischen Anlagen erfordern spezielle Fachkenntnisse und Erfahrung. Daher dürfen solche Arbeiten in der Regel nur von qualifizierten Elektrofachkräften durchgeführt werden. Im Niederspannungsbereich (bis 1 kV) dürfen bestimmte festgelegte Tätigkeiten auch von Elektrofachkräften für festgelegte Tätigkeiten (EFKffT) ausgeführt werden, insbesondere das Feststellen der Spannungsfreiheit. Bei Hochspannungsanlagen (über 1 kV) darf das Feststellen der Spannungsfreiheit ausschließlich von einer Elektrofachkraft vorgenommen werden. Die Qualifikation stellt sicher, dass die Person die Gefahren richtig einschätzen kann, die Sicherheitsregeln beherrscht und die notwendigen Maßnahmen korrekt anwendet.

Schutzkleidung und Kommunikation

Neben der strikten Einhaltung der Fünf Sicherheitsregeln ist auch das Tragen geeigneter persönlicher Schutzausrüstung (PSA) von großer Bedeutung. Dazu gehören beispielsweise isolierende Handschuhe, Schutzhelme, Gesichtsschutz und entsprechende Arbeitskleidung. Die PSA muss vor jeder Benutzung auf Beschädigungen überprüft werden. Langes Haar sollte zusammengebunden und unter der Arbeitskleidung gesichert werden. Gute Kommunikation ist ein weiterer wesentlicher Baustein für unfallfreies Arbeiten, insbesondere in größeren Anlagen oder bei Arbeiten, die von mehreren Personen oder unterschiedlichen Verantwortlichen koordiniert werden. In Betrieben gibt es oft einen Anlagenverantwortlichen, der die Arbeitsstelle genau festlegt, über die örtlichen Gegebenheiten informiert und die notwendigen Anweisungen gibt. Eine klare „Schaltsprache“ mit vereinheitlichten Begriffen und Bezeichnungen hilft, Verwechslungen bei Schaltgesprächen oder schriftlichen Anweisungen zu vermeiden und trägt so zur Unfallverhütung bei.

Regionale Unterschiede

Die Fünf Sicherheitsregeln bilden einen internationalen Standard, jedoch können die genauen Formulierungen und die rechtliche Verankerung je nach Land variieren. In Deutschland sind sie beispielsweise in der Normenreihe DIN VDE 0105 festgelegt. Frankreich hat ähnliche Regeln in der Norm UTE C18-510 (Séparer, Condamner, Identifier, Vérification d'absence de tension (VAT), Mettre à la terre et en court-circuit), wobei die dritte Regel das Definieren der Arbeitszone einschließt. Österreich definiert die Regeln in der Elektroschutzverordnung 2012 (ESV 2012), die die ersten vier Regeln teilweise zusammenfasst und die fünfte Regel separat nennt. Auch in der Schweiz sind die Regeln in den Verordnungen über elektrische Starkstrom- (SR 734.2) und Niederspannungsinstallationen (SR 734.27) verankert, wobei die Formulierung leicht abweicht und bei Niederspannung unter bestimmten Bedingungen auf das Erden und Kurzschließen verzichtet werden kann. Trotz dieser nationalen Unterschiede bleiben die Kernprinzipien der fünf Schritte zur Gewährleistung der Spannungsfreiheit an der Arbeitsstelle und zum Schutz vor benachbarten Gefahren weitgehend identisch.

Häufig gestellte Fragen

Was sind die fünf Sicherheitsregeln der Elektrotechnik?

Die fünf Sicherheitsregeln sind: 1. Freischalten, 2. Gegen Wiedereinschalten sichern, 3. Spannungsfreiheit allpolig feststellen, 4. Erden und kurzschließen, 5. Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken.

In welcher Reihenfolge müssen die Sicherheitsregeln angewendet werden?

Die Regeln werden vor Beginn der Arbeiten in der Reihenfolge 1 bis 5 angewendet. Nach Abschluss der Arbeiten werden die Maßnahmen in umgekehrter Reihenfolge von 5 nach 1 wieder aufgehoben.

Kann man auf das Erden und Kurzschließen verzichten?

In Niederspannungsanlagen (unter 1 kV), ausgenommen Freileitungen und Verteilernetze, kann unter Umständen auf das Erden und Kurzschließen verzichtet werden, wenn die Regeln 1 bis 3 vorschriftsmäßig durchgeführt wurden und keine Gefahr von Spannungsübertragung oder Rückeinspeisung besteht. Bei höheren Spannungen oder bei Risiken wie Notstromaggregaten ist diese Regel zwingend erforderlich.

Warum ist das Feststellen der Spannungsfreiheit so wichtig?

Das Feststellen der Spannungsfreiheit ist entscheidend, um sicherzustellen, dass die Anlage tatsächlich spannungsfrei ist. Es schützt vor Restspannungen, Fehlern bei der Freischaltung oder Rückeinspeisung. Die Nichtbeachtung dieser Regel ist eine der Hauptursachen für schwere Stromunfälle.

Was genau ist die BG ETEM?
Bei der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) sind 4,2 Millionen Beschäftigte in rund 230.000 Unternehmen versichert.

Wer darf Arbeiten an elektrischen Anlagen durchführen?

Arbeiten an elektrischen Anlagen dürfen in der Regel nur von qualifizierten Elektrofachkräften durchgeführt werden. Das Feststellen der Spannungsfreiheit im Niederspannungsbereich darf auch von einer Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten (EFKffT) vorgenommen werden, im Hochspannungsbereich nur von einer Elektrofachkraft.

Was sind die Gefahren bei Nichtbeachtung der Regeln?

Die Nichtbeachtung kann zu schweren oder tödlichen Stromunfällen führen, wie Kurzschlüssen mit Verbrennungen und Augenschäden durch Lichtbögen, oder Körperdurchströmung mit Krämpfen, Verbrennungen, Atem- und Herzstillstand. Auch Sekundärunfälle wie Stürze sind möglich.

Muss man den Spannungsprüfer vor und nach Gebrauch testen?

Ja, es ist zwingend erforderlich, den Spannungsprüfer unmittelbar vor und unmittelbar nach seiner Benutzung an einer zweifelsfrei spannungsführenden Quelle auf seine Funktionsfähigkeit zu testen. Dies stellt sicher, dass das Gerät korrekt funktioniert.

Was bedeutet "allpolig und allseitig freischalten"?

Das bedeutet, dass alle aktiven Leiter (Phase(n) und Neutralleiter) von allen möglichen Einspeisepunkten (von allen Seiten) getrennt werden müssen, um sicherzustellen, dass keinerlei Spannung mehr an der Arbeitsstelle anliegen kann.

Wie sichert man gegen Wiedereinschalten?

Dies geschieht je nach Zugänglichkeit der Schalteinrichtung. In frei zugänglichen Bereichen durch Maßnahmen, die nur mit Werkzeug zu entfernen sind (z. B. abschließbare Sperren). In abgeschlossenen Bereichen durch eindeutige Verbotsschilder. Auch virtuelle Schaltsperren oder eine zweite Person am Schaltort können eingesetzt werden.

Wann muss man benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken?

Diese Regel kommt zur Anwendung, wenn sich in unmittelbarer Nähe des Arbeitsbereichs Anlagenteile befinden, die aus betrieblichen Gründen nicht freigeschaltet werden können und weiterhin unter Spannung stehen. Diese Teile müssen dann durch geeignete isolierende Materialien oder Absperrungen geschützt werden.

Zusammenfassung

Die Fünf Sicherheitsregeln der Elektrotechnik – Freischalten, Gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, Erden und kurzschließen, Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken – bilden das Rückgrat der Arbeitssicherheit an elektrischen Anlagen. Ihre korrekte Anwendung in der vorgeschriebenen Reihenfolge ist nicht verhandelbar und schützt Leben. Nur qualifizierte Fachkräfte sollten diese Arbeiten ausführen, stets unter Beachtung der Regeln, der Verwendung geeigneter Schutzausrüstung und klarer Kommunikation. Die Kenntnis und strikte Einhaltung dieser Regeln ist der beste Schutz vor den lebensgefährlichen Risiken der Elektrizität.

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