15/02/2015
Der Import von Büromaterial, Schreibwaren, Druckerzubehör oder Papierartikeln aus China kann eine attraktive Möglichkeit sein, Kosten zu sparen und Zugang zu einer breiten Produktvielfalt zu erhalten. Doch bevor Sie größere Bestellungen aufgeben, ist es unerlässlich, die damit verbundenen Prozesse, insbesondere die Zollbestimmungen und zusätzlichen Kosten, genau zu verstehen. Dieser Artikel führt Sie durch die wichtigsten Aspekte, die Sie beim Import von Artikeln wie Stiften, Toner oder Papier aus China nach Deutschland beachten müssen.

Wenn Sie Waren von außerhalb der Europäischen Union importieren, fallen in der Regel zusätzliche Gebühren an. Dazu gehören die Einfuhrumsatzsteuer (EUSt) und unter Umständen auch der Zoll. Es ist wichtig, diese Kostenfaktoren in Ihre Kalkulation einzubeziehen, um keine unangenehmen Überraschungen zu erleben. Die Berechnung dieser Gebühren hängt von verschiedenen Faktoren ab, allen voran dem Wert der importierten Waren und der Art der Produkte.
Die Kostenfaktoren beim Import aus China
Beim Import von Büromaterial aus China kommen verschiedene Kosten zusammen. Neben dem reinen Warenwert und den Transportkosten müssen Sie auch die Abgaben berücksichtigen, die bei der Einfuhr in die EU anfallen. Die Hauptbestandteile dieser Abgaben sind der Zoll und die Einfuhrumsatzsteuer.
Zollgebühren (Zoll)
Der Zoll ist eine Steuer, die auf bestimmte Waren erhoben wird, die in ein Zollgebiet (hier: die EU) eingeführt werden. Ob und in welcher Höhe Zoll anfällt, hängt von zwei Hauptfaktoren ab:
- Dem Wert der Sendung: Für geringwertige Sendungen gibt es Freigrenzen, bis zu denen kein Zoll erhoben wird. Diese Schwellenwerte können sich ändern und hängen teilweise auch von der Art der Sendung (kommerziell oder Geschenk) ab.
- Der Art der Ware: Jede Ware ist einer spezifischen Zolltarifnummer (auch HS-Code genannt) zugeordnet. Dieser Code bestimmt den Zollsatz, der auf den Warenwert erhoben wird. Büromaterialien wie Stifte, Papier, Ordner oder Druckerpatronen haben unterschiedliche Codes und somit potenziell unterschiedliche Zollsätze.
Die genaue Höhe des Zollsatzes für Ihr spezifisches Büromaterial finden Sie in den Zolltarifen der Europäischen Union. Ohne die korrekte Zolltarifnummer ist eine exakte Berechnung des Zolls nicht möglich.
Einfuhrumsatzsteuer (EUSt)
Die Einfuhrumsatzsteuer ist im Prinzip die deutsche Mehrwertsteuer, die beim Import von Waren aus Nicht-EU-Ländern erhoben wird. Sie fällt auf nahezu alle Importe an, unabhängig davon, ob Zoll erhoben wird oder nicht. Es gibt zwar eine geringe Freigrenze für die EUSt bei sehr kleinen Sendungen, diese ist jedoch sehr niedrig und wird oft schnell überschritten.
Die Berechnung der EUSt erfolgt auf einer Bemessungsgrundlage, die sich aus dem Warenwert, den Transportkosten bis zur EU-Grenze und den gegebenenfalls anfallenden Zollgebühren zusammensetzt. Auf diese Summe wird dann der in Deutschland gültige Mehrwertsteuersatz (in der Regel 19%) angewendet. Es ist also wichtig zu verstehen, dass die EUSt nicht nur auf den Warenwert, sondern auch auf die Transportkosten und den Zoll berechnet wird.

Weitere Kosten
Zusätzlich zu Zoll und EUSt können weitere Kosten anfallen. Wenn Sie den Import nicht selbst beim Zoll anmelden (was bei gewerblichen Importen komplex sein kann), übernimmt oft der Paketdienst oder eine Spedition die Zollabwicklung für Sie. Viele Paketdienste berechnen dafür eine Pauschale oder eine Gebühr, wie den im bereitgestellten Text erwähnten Pauschalbetrag von ca. 6 EUR für die Erstellung der Zollerklärung und die Übernahme der Abrechnung. Diese Gebühr deckt den administrativen Aufwand des Dienstleisters ab.
Die Bedeutung der Zolltarifnummer (HS-Code)
Die Zolltarifnummer, auch als HS-Code (Harmonized System Code) bekannt, ist eine international standardisierte Nummer zur Klassifizierung von Waren im Außenhandel. Sie ist entscheidend für den Import, da sie direkt den Zollsatz bestimmt, der auf Ihre importierten Waren angewendet wird.
Jede Art von Ware, sei es ein Kugelschreiber, ein Notizblock, eine Druckerpatrone oder ein Aktenordner, hat eine spezifische Zolltarifnummer. Diese Nummer besteht aus mindestens sechs, in der EU oft aus zehn oder mehr Ziffern. Die ersten sechs Ziffern sind international einheitlich, während die weiteren Ziffern spezifisch für die EU oder Deutschland sind.
Es ist die Verantwortung des Importeurs, die korrekte Zolltarifnummer für seine Waren zu ermitteln. Fehler bei der Klassifizierung können zu falschen Zollberechnungen, Nachforderungen oder sogar Verzögerungen und Strafen führen. Im besten Fall erhalten Sie die Zolltarifnummer von Ihrem Lieferanten in China, aber Sie sollten diese Information idealerweise anhand der Warenbeschreibung überprüfen, um sicherzustellen, dass sie korrekt ist.
Transportmethoden aus China nach Deutschland
Der Transportweg ist ein weiterer wesentlicher Faktor, der sowohl die Kosten als auch die Lieferzeit Ihres Büromaterials beeinflusst. Die gängigsten Methoden für den Import aus China sind Seefracht, Luftfracht und der Transport per Güterzug.
| Transportmethode | Kosten | Geschwindigkeit | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Seefracht | Am günstigsten | Am langsamsten (oft mehrere Wochen) | Große Mengen, schwere oder sperrige Güter, wenn Zeit keine kritische Rolle spielt (z.B. Standard-Papierlieferungen, große Mengen an Stiften) |
| Luftfracht | Am teuersten | Am schnellsten (oft wenige Tage) | Zeitkritische Lieferungen, hochwertige oder verderbliche Waren (weniger relevant für typisches Büromaterial, es sei denn, es ist dringend oder sehr wertvoll), kleinere, leichte Sendungen |
| Bahnfracht (Güterzug) | Mittlere Kosten | Mittlere Geschwindigkeit (schneller als Seefracht, langsamer als Luftfracht) | Guter Kompromiss für verschiedene Warenarten, wachsende Bedeutung für den Transport zwischen China und Europa |
Die Wahl der richtigen Transportmethode hängt stark von Ihren spezifischen Anforderungen ab: Wie dringend benötigen Sie die Ware? Wie groß und schwer ist die Sendung? Welches Budget haben Sie für den Transport eingeplant? Für den Import großer Mengen Standard-Büromaterials ist die Seefracht oft die wirtschaftlichste Wahl, während bei eiligen Nachbestellungen von Toner oder speziellen Ersatzteilen Luftfracht in Betracht gezogen werden könnte.

Der Ablauf des Imports und der Zollabfertigung
Der Importprozess beginnt mit der Bestellung der Waren bei Ihrem Lieferanten in China. Nachdem die Produktion abgeschlossen ist und die Waren versandbereit sind, werden sie verpackt und an den Spediteur oder Paketdienst übergeben, den Sie oder Ihr Lieferant beauftragt haben.
Der Transport erfolgt dann je nach gewählter Methode. Sobald die Waren in Deutschland (oder einem anderen EU-Einfuhrhafen/-flughafen/-bahnhof) ankommen, beginnt der Prozess der Zollabfertigung. Hierbei werden die Begleitdokumente (wie Handelsrechnung, Packliste, Frachtbrief) vom Zoll geprüft.
Basierend auf diesen Dokumenten und der deklarierten Zolltarifnummer berechnet der Zoll die anfallenden Abgaben (Zoll und EUSt). Wenn die Abwicklung durch einen Paketdienst oder eine Spedition erfolgt, werden diese die Berechnung für Sie durchführen und Ihnen die fälligen Beträge in Rechnung stellen, bevor die Ware endgültig an Sie ausgeliefert wird. Wie erwähnt, berechnen Paketdienste hierfür oft eine zusätzliche Gebühr.
Es ist wichtig, dass alle Dokumente korrekt und vollständig sind, um Verzögerungen bei der Zollabfertigung zu vermeiden. Fehlende oder fehlerhafte Informationen können dazu führen, dass die Waren vom Zoll festgehalten werden, bis die Sachlage geklärt ist, was zusätzliche Kosten und Wartezeiten verursacht.
Tipps für einen reibungslosen Import
- Ermitteln Sie unbedingt die korrekte Zolltarifnummer für Ihre Waren. Fragen Sie Ihren Lieferanten, aber überprüfen Sie die Information kritisch.
- Kalkulieren Sie alle Kostenfaktoren im Voraus: Warenwert, Transportkosten, Zoll, EUSt und eventuelle Gebühren für die Zollabwicklung durch Dritte.
- Seien Sie sich der Lieferzeiten bewusst, insbesondere bei Seefracht, und planen Sie entsprechend.
- Stellen Sie sicher, dass Ihr Lieferant alle notwendigen Dokumente (Handelsrechnung, Packliste etc.) korrekt ausstellt.
- Informieren Sie sich über mögliche Einfuhrbeschränkungen oder -verbote für bestimmte Arten von Büromaterial (z.B. bezüglich Sicherheitsstandards oder Urheberrechten).
- Seien Sie auf Nachfragen des Zolls vorbereitet und reagieren Sie schnell, um Verzögerungen zu minimieren.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
F: Ab welchem Warenwert fallen Zollgebühren an?
A: Es gibt Wertgrenzen, unter denen kein Zoll erhoben wird. Diese Grenzen können sich ändern und hängen auch davon ab, ob die Sendung von einer Privatperson an eine Privatperson gesendet wird oder ob es sich um eine kommerzielle Sendung handelt. Für kommerzielle Sendungen, die über einen bestimmten Wert (derzeit relativ niedrig) liegen, fallen in der Regel Zoll und immer EUSt an.

F: Wer zieht die Zollgebühren und die EUSt ein?
A: Die Abgaben werden vom deutschen Zoll erhoben. Wenn die Ware über einen Paketdienst oder eine Spedition geliefert wird, zieht dieser Dienstleister die fälligen Beträge meist direkt beim Empfänger ein, bevor er die Ware übergibt, da er die Abgaben bereits für Sie an den Zoll entrichtet hat.
F: Wie lange dauert die Zollabfertigung?
A: Die Dauer der Zollabfertigung kann stark variieren. In einfachen Fällen kann sie nur wenige Stunden dauern. Bei unvollständigen Dokumenten, notwendigen Prüfungen oder hohem Aufkommen kann sie jedoch auch mehrere Tage oder sogar Wochen in Anspruch nehmen.
F: Kann ich jede Art von Büromaterial aus China importieren?
A: Nein, es gibt Waren, deren Einfuhr nach Deutschland oder in die EU beschränkt oder verboten ist. Dies betrifft beispielsweise gefälschte Markenartikel (z.B. gefälschte Marken-Tonerpatronen), Waren, die nicht den EU-Sicherheitsstandards entsprechen, oder bestimmte Chemikalien in Tinten oder Klebstoffen. Es ist Ihre Pflicht als Importeur, sich über solche Beschränkungen zu informieren.
F: Was passiert, wenn ich die Zollgebühren nicht bezahle?
A: Wenn die fälligen Abgaben nicht bezahlt werden, wird die Ware vom Zoll oder dem beauftragten Dienstleister nicht an Sie ausgeliefert. Die Ware kann stattdessen eingelagert werden (was weitere Kosten verursacht) oder im schlimmsten Fall vom Zoll vernichtet oder an den Absender zurückgeschickt werden.
Fazit
Der Import von Büromaterial aus China bietet zweifellos Potenzial für Kosteneinsparungen und Zugang zu einer breiteren Produktpalette. Um dieses Potenzial voll auszuschöpfen, ist jedoch ein fundiertes Verständnis der Importbestimmungen unerlässlich. Die korrekte Ermittlung der Zolltarifnummer, die genaue Berechnung von Zoll und EUSt sowie die sorgfältige Auswahl der Transportmethode sind entscheidend für einen erfolgreichen und kosteneffizienten Importprozess. Planen Sie vorausschauend, kalkulieren Sie alle Kosten genau und stellen Sie sicher, dass Sie alle notwendigen Dokumente bereit haben, um Verzögerungen und zusätzliche Gebühren zu vermeiden.
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