08/07/2018
Die Frage, ob ein Kugelschreiber im Weltraum funktioniert, beschäftigt viele Menschen. Schließlich sind wir es gewohnt, dass die Tinte durch die Schwerkraft zur Spitze fließt. Doch in der Schwerelosigkeit, fernab der Erde, gelten andere Regeln. Diese simple Frage führt uns zu einer spannenden Geschichte über die Herausforderungen des Schreibens im All und die Entwicklung spezieller Werkzeuge, die diesen extremen Bedingungen gewachsen sind.

Als die Menschheit in den 1960er Jahren begann, den Weltraum zu erkunden, stießen Astronauten und Kosmonauten schnell auf ein unerwartetes Problem: Alltagsgegenstände, die auf der Erde einwandfrei funktionieren, versagten im Orbit ihren Dienst. Dazu gehörten auch Schreibgeräte. Ein herkömmlicher Kugelschreiber, der auf die Schwerkraft angewiesen ist, um die Tinte zur Schreibspitze zu befördern, funktioniert in der Schwerelosigkeit nicht zuverlässig. Versuchen Sie einmal, mit einem billigen Kugelschreiber über Kopf zu schreiben – das Ergebnis ist meist enttäuschend. Im Weltraum ist dieser Effekt permanent.
- Die anfängliche Lösung: Der Bleistift
- Warum Bleistifte im Weltraum problematisch sind
- Die Legende vom Millionen-Kugelschreiber
- Die Geburt des Fisher Space Pens
- NASA testet und adoptiert den Fisher Space Pen
- Was macht den Fisher Space Pen so besonders?
- Schreibwerkzeuge im modernen Weltraum
- Fazit
- Häufig gestellte Fragen zum Schreiben im Weltraum
Die anfängliche Lösung: Der Bleistift
Anfangs griffen sowohl amerikanische Astronauten als auch russische Kosmonauten auf eine scheinbar naheliegende Alternative zurück: den Bleistift. Bleistifte benötigen keine flüssige Tinte, die von der Schwerkraft beeinflusst wird. Das Graphit schreibt unabhängig von der Ausrichtung. Dies scheint auf den ersten Blick eine einfache und kostengünstige Lösung für das Schreibproblem im Weltraum gewesen zu sein.
Warum Bleistifte im Weltraum problematisch sind
Die Verwendung von Bleistiften im Weltraum barg jedoch erhebliche Risiken, die weit über die einfache Handhabung hinausgingen. Es stellte sich heraus, dass mehrere Faktoren gegen den Bleistift sprachen:
- Graphitstaub: Beim Schreiben mit einem Bleistift lösen sich winzige Partikel des Graphits ab. Diese Partikel schweben in der Schwerelosigkeit frei herum. Graphit ist elektrisch leitfähig. Wenn sich dieser Staub in der empfindlichen Elektronik oder den lebenserhaltungssystemen eines Raumschiffs absetzt, kann er Kurzschlüsse verursachen und kritische Ausfälle nach sich ziehen.
- Holzspäne: Holzbleistifte müssen gespitzt werden, was zu feinen Holzspänen führt. Auch diese Späne schweben im Raumschiff herum. Holz ist zudem entzündlich. Angesichts der extremen Vorsichtsmaßnahmen, die im Weltraum gegen Brände getroffen werden müssen (man denke an die Apollo 1-Katastrophe von 1967, bei der drei Astronauten bei einem Feuer ums Leben kamen), stellte brennbares Material, das unkontrolliert im Raum schwebt, ein inakzeptables Risiko dar.
- Abgebrochene Minen: Die Graphitmine eines Bleistifts kann abbrechen. Ein scharfes, schwebendes Objekt im engen Raum eines Raumschiffs ist ebenfalls eine Gefahr für die Besatzung und die Ausrüstung.
Jede Art von Schmutzpartikeln oder losem Material, das sich in der Mikrogravitation frei bewegen und in Maschinen gelangen oder andere Probleme verursachen kann, ist eine ernste Bedrohung für die Sicherheit und Funktionsfähigkeit eines Raumfahrzeugs. Aus diesem Grund war der Bleistift trotz seiner einfachen Natur keine langfristige Lösung.
Die Legende vom Millionen-Kugelschreiber
Es kursiert die hartnäckige, aber weitgehend falsche Geschichte, dass die NASA Millionen von Dollar für die Entwicklung eines speziellen Weltraumkugelschreibers ausgegeben hätte, während die Russen einfach Bleistifte benutzten. Diese Geschichte ist zwar amüsant, entspricht aber nicht ganz der Wahrheit. Die NASA untersuchte tatsächlich kurzzeitig die Möglichkeit, einen Weltraumkugelschreiber zu entwickeln, stellte die Forschung aber schnell wieder ein, als die potenziellen Kosten offensichtlich wurden. Die Russen nutzten, wie erwähnt, ebenfalls Bleistifte und standen vor denselben Sicherheitsproblemen.
Die Geburt des Fisher Space Pens
Der heute berühmte Weltraumkugelschreiber wurde nicht von einer Regierungsbehörde, sondern von einem privaten Unternehmen entwickelt: der Fisher Pen Company. Paul C. Fisher investierte eigenes Geld in die Forschung und Entwicklung eines Kugelschreibers, der unter den extremen Bedingungen des Weltraums funktionieren würde. Sein Ziel war ein Stift, der:
- In Schwerelosigkeit schreiben kann.
- Über Kopf schreiben kann.
- Auf nassen oder fettigen Oberflächen schreiben kann.
- In extremen Temperaturbereichen funktioniert (-30°C bis über 120°C).
- Nicht ausläuft.
Nach jahrelanger Forschung und Entwicklung, einschließlich einer entscheidenden Erkenntnis über die richtige Tintenformel (die Geschichte besagt, dass die Idee, eine kleine Menge Harz hinzuzufügen, Fisher in einem Traum kam), perfektionierten Paul C. Fisher, Friedrich Schächter und Erwin Rath den Stift. Sie entwickelten eine spezielle, thixotrope Tinte, die bei normalem Zustand fest ist und erst durch den Druck der Wolframkarbidkugel beim Schreiben flüssig wird. Das Herzstück des Stiftes ist jedoch die versiegelte Druckpatrone. Diese Patrone ist mit Stickstoffgas unter Druck gefüllt, das die Tinte konstant zur Spitze drückt, unabhängig von der Schwerkraft oder der Ausrichtung des Stiftes.
NASA testet und adoptiert den Fisher Space Pen
Als Fisher seinen fertigen Weltraumkugelschreiber der NASA anbot, unterzog die Raumfahrtbehörde ihn strengen Tests. Der Stift musste seine Zuverlässigkeit unter den extremen Bedingungen des Weltraumflugs beweisen. Der Fisher Space Pen bestand diese Tests mit Bravour. Beeindruckt von der Leistung und Sicherheit des Stiftes, entschied sich die NASA, ihn für zukünftige Missionen zu kaufen. Der Fisher Space Pen kam erstmals 1968 auf der Apollo 7 Mission zum Einsatz und wurde zum Standard-Schreibgerät für amerikanische Astronauten und später auch für russische Kosmonauten.
Was macht den Fisher Space Pen so besonders?
Der Erfolg des Fisher Space Pens liegt in seiner innovativen Technologie. Die Kombination aus der speziellen Tinte, der präzisen Wolframkarbidkugel und der unter Druck stehenden Stickstoffpatrone ermöglicht das Schreiben unter Bedingungen, die für herkömmliche Kugelschreiber unmöglich sind. Er funktioniert nicht nur in der Schwerelosigkeit und über Kopf, sondern auch unter Wasser, auf fettigem Papier und bei extremen Temperaturen. Seine robuste Konstruktion macht ihn zudem sehr langlebig.
| Merkmal | Herkömmlicher Kugelschreiber | Fisher Space Pen |
|---|---|---|
| Schreiben in Schwerelosigkeit | Nein (Tinte fließt nicht) | Ja (Druckpatrone) |
| Schreiben über Kopf | Schlecht/Nein | Ja (Druckpatrone) |
| Funktioniert auf fettigen Oberflächen | Schlecht | Ja |
| Funktioniert auf nassen Oberflächen | Nein | Ja |
| Temperaturbereich | Eingeschränkt (Tinte geliert/läuft aus) | Extrem (-30°C bis +120°C) |
| Auslaufsicher | Oft nicht | Ja (versiegelte Patrone) |
| Abhängigkeit von Schwerkraft | Ja | Nein |
Schreibwerkzeuge im modernen Weltraum
Auch wenn der Fisher Space Pen ein ikonisches Symbol des Weltraumzeitalters ist und immer noch auf der Internationalen Raumstation (ISS) verwendet wird, sind die Schreibwerkzeuge der Astronauten heute vielfältiger. Neben dem Fisher Space Pen nutzen die Besatzungen der ISS auch:
- Permanentmarker (z.B. Sharpies): Diese werden für Markierungen auf verschiedenen Oberflächen und in verschiedenen Farben verwendet.
- Mechanische Bleistifte: Ja, der Bleistift hat eine Art Comeback erlebt, allerdings in moderner Form. Mechanische Bleistifte erzeugen keine Holzspäne und die Minen sind dünner und weniger anfällig für grobes Abbrechen als bei traditionellen Bleistiften.
Warum werden mechanische Bleistifte wieder eingesetzt, wenn Graphitstaub immer noch ein Problem ist? Die Antwort liegt in der verbesserten Technologie der Raumstationen. Moderne Filtrationssysteme auf der ISS sind deutlich effizienter darin, winzige Partikel wie Graphitstaub aus der Kabinenluft zu entfernen. Zudem bieten mechanische Bleistifte einen entscheidenden Vorteil, den weder Kugelschreiber noch Marker bieten: die Möglichkeit, Geschriebenes zu radieren. Wie der NASA-Astronaut Clayton Anderson erklärt, ist die Fähigkeit, Notizen oder Werte in Prozeduren schnell zu korrigieren, extrem nützlich, insbesondere wenn sich Situationen ändern – was im Weltraum häufig der Fall ist.

Fazit
Die Geschichte des Schreibens im Weltraum ist ein perfektes Beispiel dafür, wie selbst scheinbar banale Alltagsgegenstände für den Einsatz außerhalb unserer gewohnten Umgebung neu gedacht werden müssen. Herkömmliche Kugelschreiber versagen in der Schwerelosigkeit, und Bleistifte bergen Sicherheitsrisiken durch Staub und brennbares Material. Die Entwicklung des Fisher Space Pens löste diese Probleme durch eine geniale Kombination aus Druck, spezieller Tinte und robuster Konstruktion. Heute nutzen Astronauten eine Mischung aus bewährten Weltraumkugelschreibern, Markern und – dank verbesserter Technologie – auch mechanischen Bleistiften, um ihre vielfältigen Schreibaufgaben im Orbit zu erledigen. Es zeigt sich, dass technologische Entwicklung und Anpassungsfähigkeit selbst für das einfache Schreiben unerlässlich sind, wenn man die Grenzen der Erde verlässt.
Häufig gestellte Fragen zum Schreiben im Weltraum
Funktioniert ein normaler Kugelschreiber im Weltraum?
Nein, ein normaler Kugelschreiber funktioniert in der Schwerelosigkeit nicht zuverlässig, da die Tinte auf die Schwerkraft angewiesen ist, um zur Spitze zu fließen.
Warum sind Bleistifte im Weltraum gefährlich?
Bleistifte erzeugen Graphitstaub, der elektrisch leitfähig ist und Elektronik beschädigen kann, sowie Holzspäne, die brennbar sind und in der Schwerelosigkeit herumschweben.
Hat die NASA den Fisher Space Pen entwickelt?
Nein, der Fisher Space Pen wurde von der privaten Fisher Pen Company entwickelt und auf eigene Kosten perfektioniert. Die NASA hat den Stift nach umfangreichen Tests gekauft.
Was ist das Besondere am Fisher Space Pen?
Er verwendet eine versiegelte Druckpatrone mit Stickstoffgas, die die Tinte konstant zur Spitze drückt. Dadurch funktioniert er in Schwerelosigkeit, über Kopf, bei extremen Temperaturen und auf schwierigen Oberflächen.
Welche Schreibwerkzeuge nutzen Astronauten heute auf der ISS?
Sie nutzen eine Kombination aus Fisher Space Pens, Permanentmarkern (wie Sharpies) und mechanischen Bleistiften. Mechanische Bleistifte sind dank verbesserter Filtrationssysteme wieder sicherer geworden und bieten den Vorteil des Radierens.
Kann man mit einem Fisher Space Pen unter Wasser schreiben?
Ja, aufgrund seiner Druckpatrone und versiegelten Konstruktion kann der Fisher Space Pen auch unter Wasser schreiben.
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