Pflegeberufe: Titel & Entwicklung in Deutschland

13/01/2019

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Im Bereich der Pflege kommt es immer wieder zu Fragen bezüglich der korrekten Berufsbezeichnungen. Begriffe wie „Krankenschwester“ oder „Krankenpfleger“ sind weit verbreitet, doch die offizielle Sprache hat sich gewandelt. Dies führt oft zu Unsicherheiten, wenn man über den eigenen Beruf spricht oder jemanden in der Pflege anspricht. Warum gibt es unterschiedliche Bezeichnungen, und was bedeuten sie eigentlich? Dieser Artikel beleuchtet die Entwicklung und Klärung der Titel in der professionellen Pflege in Deutschland und darüber hinaus.

Ist Krankenschwester ein geschützter Begriff?
Die Bezeichnungen Krankenpfleger oder Krankenschwester sind in Deutschland geschützte Berufsbezeichnungen für einen Heilberuf. Grundlage für den reglementierten Beruf ist eine Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege.
Übersicht

Die Entwicklung der Berufsbezeichnungen in der Pflege

Die Landschaft der Pflegeberufe in Deutschland ist historisch gewachsen und hat sich im Laufe der Zeit stark verändert. Ursprünglich waren Bezeichnungen wie Krankenschwester und Krankenpfleger gebräuchlich. Diese Begriffe sind vielen Menschen nach wie vor am vertrautesten und werden im allgemeinen Sprachgebrauch häufig synonym verwendet, oft auch verkürzt als „Schwester“ oder „Pfleger“.

Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass die offizielle Nomenklatur und die damit verbundenen Ausbildungen gesetzlichen Änderungen unterworfen waren und sind. Diese Änderungen spiegeln die Weiterentwicklung des Berufsfeldes, die Professionalisierung und die Anpassung an europäische Standards wider.

Ist „Krankenschwester“ ein geschützter Begriff?

Ja, die Bezeichnungen Krankenpfleger und Krankenschwester sind in Deutschland geschützte Berufsbezeichnungen. Dies bedeutet, dass nur Personen, die eine entsprechende staatlich anerkannte Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben, berechtigt sind, diese Titel zu führen. Grundlage hierfür war lange Zeit das Krankenpflegegesetz.

Mit der Einführung neuer Pflegegesetze wurden auch neue, geschützte Bezeichnungen geschaffen. Obwohl die alten Titel weiterhin geschützt sind und von Personen mit entsprechender Ausbildung weiterhin geführt werden dürfen, hat sich die Bezeichnung für neue Absolventen geändert. Die Berechtigung zur Führung dieser Titel wurde erstmals 1957 im Gesetz über die Ausübung des Berufs der Krankenschwester, des Krankenpflegers und der Kinderkrankenschwester geregelt. Dieses Gesetz stellte sicher, dass nur qualifiziertes Personal die Berufsbezeichnung führen durfte.

Der Zusatz „examiniert“, der oft im Zusammenhang mit Krankenschwestern oder Krankenpflegern verwendet wird, ist im Grunde ein Pleonasmus. Die Berechtigung, die geschützte Berufsbezeichnung zu führen, impliziert bereits eine erfolgreich abgeschlossene staatliche Prüfung.

Die Anrede „Schwester“ – Tradition vs. Offizielle Bezeichnung

Es ist immer noch weit verbreitet, weibliche Pflegekräfte als „Schwester“ anzusprechen. Diese Anrede hat jedoch keinen offiziellen Charakter als Berufsbezeichnung. Ihre Ursprünge liegen vielmehr in der Tradition, insbesondere im Kontext religiöser Gemeinschaften und Orden (wie z. B. bei Nonnen oder Diakonissen), deren Mitglieder historisch oft in der Krankenpflege tätig waren. Diese traditionelle Anrede ist unabhängig von der tatsächlichen beruflichen Qualifikation im modernen Sinne.

Historisch gesehen war die Bezeichnung „Schwester“ sogar zeitweise denjenigen Pflegerinnen vorbehalten, die Mitglied einer Mutterhaus-Schwesternschaft waren. Pflegerinnen ohne solche Bindung wurden anfänglich nur als „Wärterinnen“ bezeichnet. Erst mit der gesetzlichen Regelung von 1957 wurde Krankenschwester eine allgemein geschützte Berufsbezeichnung, die an die Ausbildung gebunden war.

Historische Entwicklung der Pflege als Beruf

Die Geschichte der Pflege ist eng mit der Entwicklung der Gesellschaft und des Gesundheitswesens verbunden. Anfänglich wurde Pflege oft von kirchlichen Orden als Form der Nächstenliebe und Bekehrung ausgeübt. Dies war das Modell der kirchlichen Mutterhäuser, deren „Schwestern“ nicht immer ausschließlich in der Krankenpflege tätig waren.

Parallel dazu entwickelte sich das sogenannte Lohnwartesystem, bei dem Pflegetätigkeit erstmals bezahlt wurde. Im 19. Jahrhundert entstanden weltliche Organisationen wie vaterländische Frauenvereine, die sich insbesondere der Pflege im Krieg widmeten. Bekannte Beispiele sind die Rot-Kreuz-Schwesternschaften (in Deutschland seit 1882) und der Agnes-Karll-Verband (seit 1903).

Ist Krankenpflegerin das Gleiche wie Krankenschwester?
Zumal umgangssprachlich die/der „Krankenschwester/Krankenpfleger“ und die Kurzform „Schwester/Pfleger“ immer noch am gängigsten sind. Aber egal ob Du nun offiziell Krankenschwester, Krankenpfleger oder Gesundheits- und Krankenpfleger/in bist: Gemeint ist der gleiche Beruf.

Ein markanter Unterschied in der Entwicklung zeigte sich im Vergleich zum anglo-amerikanischen Raum, wo das Nightingalesche Ausbildungsmodell (seit 1860) Krankenhäuser primär als Ausbildungsstätten sah und die Professionalisierung vorantrieb. In Deutschland dominierte lange die Vorstellung von Pflege als Ausdruck der Nächstenliebe, was die Entwicklung eines eigenständigen beruflichen Selbstverständnisses erschwerte.

Die aktuellen Ausbildungen und Berufsbezeichnungen

Die Regelungen für die Pflegeausbildung und die damit verbundenen Berufsbezeichnungen sind national verschieden, auch wenn es innerhalb der Europäischen Union Bestrebungen zur länderübergreifenden Anerkennung gibt (z. B. durch den Europäischen Berufsausweis seit 2016).

Entwicklung in Deutschland:

Von 2004 bis 2019 lauteten die geschützten Berufsbezeichnungen nach Abschluss der Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege Gesundheits- und Krankenpfleger bzw. Gesundheits- und Krankenpflegerin. Ausbildungen in der Altenpflege oder Gesundheits- und Kinderkrankenpflege waren separate Wege.

Seit dem 1. Januar 2020 gilt in Deutschland das Pflegeberufegesetz. Dieses Gesetz führte eine generalistisch ausgerichtete Ausbildung ein. Der Abschluss lautet nun Pflegefachfrau bzw. Pflegefachmann. Abhängig von einem gewählten Vertiefungseinsatz während der Ausbildung ist es jedoch weiterhin möglich, den Abschluss als Altenpfleger oder Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger zu erwerben.

Wichtig ist, dass Pflegefachpersonen, die ihre Ausbildung vor 2004 abgeschlossen haben (also nach dem alten Krankenpflegegesetz), weiterhin wahlweise die ursprünglichen und immer noch geschützten Berufsbezeichnungen Krankenschwester bzw. Krankenpfleger führen dürfen. Die Voraussetzung hierfür ist und bleibt eine abgeschlossene Berufsausbildung und die entsprechende Berufserlaubnis.

Situation in der Schweiz:

Auch in der Schweiz gab es eine Entwicklung der Bezeichnungen. Bis 2004 gab es den Titel diplomierte Krankenschwester bzw. -pfleger in allgemeiner Krankenpflege (AKP). Seit 2004 lauten die Bezeichnungen diplomierte Pflegefachfrau/Pflegefachmann, ergänzt um den Zusatz HF (Höhere Fachschule) oder FH (Fachhochschule) je nach Ausbildungsweg. Die älteren Titel behalten jedoch ihre Gültigkeit.

Situation in den Vereinigten Staaten (USA):

In den USA erfolgt die Ausbildung zur Registered Nurse (R.N.) in der Regel als Hochschulstudium (Nursing). Für die Berufsausübung in einem bestimmten Bundesstaat ist eine Zulassung erforderlich, die oft eine zusätzliche Prüfung beinhaltet (NCLEX-RN).

Demografie in der Pflege

Die professionelle Pflege ist traditionell stark weiblich geprägt. Laut Daten aus dem Jahr 2007 waren in Deutschland 86,3 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Gesundheits- und Krankenpfleger weiblich. Die Altersstruktur hat sich ebenfalls verschoben: Während der Anteil jüngerer Pflegekräfte (unter 35) gesunken ist, ist der Anteil der über 35-Jährigen, insbesondere der über 50-Jährigen, gestiegen.

Personalbemessung im internationalen Vergleich

Die Personalbemessung, also das Verhältnis von Pflegekräften zu Patienten, ist ein entscheidender Faktor für die Qualität der Pflege und die Arbeitsbedingungen des Personals. In einigen Ländern gibt es gesetzliche Vorgaben oder tarifvertragliche Vereinbarungen zur Personalbesetzung.

Ist Krankenpflegerin das Gleiche wie Krankenschwester?
Zumal umgangssprachlich die/der „Krankenschwester/Krankenpfleger“ und die Kurzform „Schwester/Pfleger“ immer noch am gängigsten sind. Aber egal ob Du nun offiziell Krankenschwester, Krankenpfleger oder Gesundheits- und Krankenpfleger/in bist: Gemeint ist der gleiche Beruf.

Messmethoden können variieren, beispielsweise basierend auf sogenannten Nurse-to-Bed-Ratios (Verhältnis Personalstellen zur Anzahl der Betten), wie in Japan, Südkorea, Taiwan und Belgien üblich. Diese Durchschnittswerte geben jedoch nicht immer Aufschluss über die tatsächliche Personalsituation zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Die internationale Vergleichsstudie RN4CAST aus dem Jahr 2012 lieferte aufschlussreiche Zahlen zum Verhältnis von Pflegefachkräften zu Patienten in der Akutpflege:

LandDurchschnittliche Patienten pro Pflegefachkraft
USA5,3
Niederlande7
Schweden7,7
Schweiz7,9
Deutschland13

Diese Zahlen zeigen, dass in Deutschland im internationalen Vergleich eine Pflegefachkraft für eine deutlich höhere Anzahl von Patienten zuständig ist als in vielen anderen Ländern. Dies unterstreicht die Bedeutung der Debatte um angemessene Personalschlüssel in der deutschen Pflege.

Häufig gestellte Fragen

Ist Krankenschwester noch eine gültige Berufsbezeichnung?

Ja, für Personen, die ihre Ausbildung nach dem alten Krankenpflegegesetz (vor 2004) abgeschlossen haben, ist die Bezeichnung Krankenschwester bzw. Krankenpfleger weiterhin eine gültige und geschützte Berufsbezeichnung.

Wie heißt die aktuelle Pflegeausbildung in Deutschland?

Seit dem Pflegeberufegesetz von 2020 gibt es eine generalistische Ausbildung. Der Standardabschluss ist Pflegefachfrau bzw. Pflegefachmann.

Kann ich mich ohne Ausbildung „Pfleger“ nennen?

Nein, die Berufsbezeichnungen Krankenpfleger, Krankenschwester, Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegefachfrau und Pflegefachmann sind in Deutschland gesetzlich geschützt. Ihre Verwendung ohne die entsprechende qualifizierte Ausbildung ist nicht gestattet.

Warum hat sich die Berufsbezeichnung geändert?

Die Änderungen der Berufsbezeichnungen spiegeln die Weiterentwicklung der Pflegeausbildung hin zu mehr Generalistik, die Anpassung an europäische Standards und die Professionalisierung des Berufsfeldes wider.

Ist die Anrede „Schwester“ korrekt?

„Schwester“ ist eine traditionelle Anrede für weibliche Pflegekräfte, die historisch aus religiösen Kontexten stammt. Sie ist jedoch keine offizielle Berufsbezeichnung im Sinne des Gesetzes.

Zusammenfassung

Die Welt der Pflegeberufe ist vielfältig und hat sich stark entwickelt. Während die Begriffe Krankenschwester und Krankenpfleger tief im Bewusstsein verankert sind und für viele auch weiterhin gültig bleiben, haben neue Gesetze modernere und generalistischere Bezeichnungen wie Gesundheits- und Krankenpfleger (bis 2019) und nun Pflegefachfrau/Pflegefachmann eingeführt. Unabhängig von der genauen Bezeichnung bleibt die Arbeit der Pflegekräfte unverzichtbar und von enormer Bedeutung für die Gesellschaft. Die Debatte um angemessene Arbeitsbedingungen und Personalbemessung, wie der internationale Vergleich zeigt, ist dabei ein zentrales Thema für die Zukunft des Berufsfeldes.

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