In welcher Stadt wurde das Kreuzworträtsel erfunden?

Kreuzworträtsel: Ursprung und Vielfalt

18/12/2021

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Das Kreuzworträtsel ist weit mehr als nur ein Zeitvertreib; es ist ein kulturelles Phänomen, das Menschen aller Altersgruppen fesselt und den Geist anregt. Ob in der Tageszeitung, in speziellen Rätselheften oder online – das Ausfüllen der Kästchen gehört für viele zum Alltag. Doch haben Sie sich jemals gefragt, woher dieses beliebte Spiel eigentlich stammt und wie es zu der Vielfalt an Formen und Schwierigkeitsgraden gekommen ist, die wir heute kennen? Die Geschichte des Kreuzworträtsels ist eine Reise über Kontinente und durch ein Jahrhundert voller Innovation und cleverer Ideen.

In welcher Stadt wurde das Kreuzworträtsel erfunden?
Das erste Kreuzworträtsel der Welt erschien am 21. Dezember 1913 in der Weihnachtsbeilage der Zeitung New York World und enthielt 31 Suchbegriffe. Erfunden haben soll es der aus Liverpool stammende Journalist Arthur Wynne.

Es begann alles in einer pulsierenden Metropole, die oft als Schmelztiegel der Ideen gilt. Die Geburtsstunde des modernen Kreuzworträtsels schlug am 21. Dezember 1913 in der Weihnachtsbeilage einer bekannten amerikanischen Zeitung, der New York World. Die Stadt, in der dieses literarische Gitter zum ersten Mal das Licht der Welt erblickte, war also New York. Der Journalist Arthur Wynne, ursprünglich aus Liverpool stammend, gilt als sein Erfinder. Er ließ sich angeblich von einem Spiel seines Großvaters inspirieren, das den Namen „Die magischen Quadrate“ trug. Wynnes erstes Rätsel unterschied sich noch deutlich von der heutigen Form: Es hatte keine schwarzen Felder zur Worttrennung und war rautenförmig angelegt.

Übersicht

Die Evolution und der Durchbruch

Arthur Wynne verfeinerte seine Idee über die Jahre. Er begann, schwarze Felder einzufügen, um die Wörter voneinander abzugrenzen, und ordnete die Begriffe schließlich in den symmetrischen Gittern an, die bis heute Standard sind. Doch der eigentliche kommerzielle Durchbruch gelang dem Kreuzworträtsel dank zweier Verleger: Dick Simon und Max Schuster. Sie erkannten das Potenzial und präsentierten der New York World die Idee für ein Buch, das ausschließlich Kreuzworträtsel enthielt – das „Cross Word Puzzle Book“. Da es kein Copyright auf die Rätselform gab, stimmte die Zeitung zu.

Die erste Auflage dieses Buches umfasste 3600 Exemplare und enthielt sogar einen beiliegenden Bleistift – ein nettes Detail für die Rätselfreunde der damaligen Zeit. Der Erfolg war phänomenal. Innerhalb nur eines Jahres wurden sage und schreibe 400.000 Stück verkauft. Dies katapultierte das Kreuzworträtsel ins Rampenlicht und machte Simon & Schuster zu einem der größten englischsprachigen Verlage, was sie bis heute sind.

Der Siegeszug des Kreuzworträtsels beschränkte sich nicht nur auf Amerika. Anfang der 1920er Jahre erschienen die ersten Rätsel auch in europäischen Zeitungen und Zeitschriften. In Deutschland war es die Berliner Illustrirte, die 1925 das erste Kreuzworträtsel in einer deutschen Zeitung abdruckte und damit den Grundstein für seine Popularität hierzulande legte.

Interessanterweise spielte ein gelöstes Kreuzworträtsel sogar eine Rolle in einem der bekanntesten Kriminalfälle der DDR, dem sogenannten Kreuzworträtselmord von 1981. Durch den weltweit größten Schriftprobenvergleich konnte der Fall aufgeklärt werden – ein Beweis dafür, wie tief das Rätsel im Alltag verankert war.

Auch Rekorde wurden aufgestellt. Charles Cilard präsentierte 1985 nach vierjähriger Vorarbeit das bislang größte Kreuzworträtsel der Welt. Es war 870 Meter lang, 30 Zentimeter breit und verfügte über unglaubliche 2.610.000 Kästchen.

Vielfalt der Formen: Nicht jedes Rätsel ist gleich

Was viele als „das“ Kreuzworträtsel kennen, ist oft nur eine von vielen Varianten. Im Laufe der Zeit haben sich zahlreiche unterschiedliche Formen entwickelt, die jeweils eigene Regeln und Reize bieten.

Das einfache Kreuzworträtsel (Deutsches Kreuzworträtsel)

Dies ist die Form, die in Deutschland am weitesten verbreitet ist und manchmal auch als Deutsches Kreuzworträtsel bezeichnet wird. Hier verweist eine Zahl im Gitter auf die entsprechende Frage in einer nummerierten Liste. Die Zahl steht meist im ersten Buchstabenkästchen des gesuchten Wortes. Die Frageliste ist oft nach „waagrecht“ und „senkrecht“ getrennt. Wörter werden durch schwarze Felder oder manchmal auch durch verstärkte Rahmenlinien getrennt. Beim typischen amerikanischen Kreuzworträtsel dieser Art sind die schwarzen Felder immer diagonal symmetrisch angeordnet, und jeder Buchstabe gehört sowohl zu einem waagerechten als auch zu einem senkrechten Wort.

Das Schwedenrätsel

Bei dieser sehr populären Variante steht die Frage direkt im Gitter, meist in einem Blindkästchen, zusammen mit einem Pfeil, der die Richtung des gesuchten Wortes angibt. Da der Platz begrenzt ist, sind die Fragen oft sehr kurz und beziehen sich auf ein standardisiertes Repertoire von Begriffen. Eine knifflige Unterart ist das Schüttel-Schwedenrätsel, bei dem statt der Fragen die Buchstaben des gesuchten Wortes in alphabetischer Reihenfolge angegeben sind.

Das „Amerikanische“ Kreuzworträtsel (oder „à la Italien“)

Diese Bezeichnung ist laut Text irreführend, da sie in den USA und Italien nicht die Standardform ist. Bei diesem Typ sind im Gitter zunächst keine schwarzen Felder vorgegeben. Die Definitionen werden zeilen- und spaltenweise aufgelistet, manchmal mit Angabe der Anzahl der Blindfelder in der jeweiligen Reihe. Der Rätselnde muss also nicht nur die Lösungswörter finden, sondern auch die Position der schwarzen Felder herausarbeiten. Eine schwierigere Variante mischt zudem die Reihenfolge der Definitionen.

Weitere interessante Varianten

  • Kreuzgitter: Hier gibt es keine Zahlen im Rätselfeld. Der Rätselnde muss durch Kombination und mithilfe einiger bereits eingetragener Buchstaben herausfinden, wo die gesuchten Wörter einzutragen sind.
  • Silbenrätsel: Statt einzelner Buchstaben werden hier Silben nach den sprachlichen Trennungsregeln in die Kästchen geschrieben.
  • Zahlenrätsel: Jedes Feld enthält eine Zahl von 1 bis 26. Die Aufgabe besteht darin, herauszufinden, welche Zahl welchem Buchstaben des Alphabets entspricht. Oft ist ein Startwort vorgegeben. Es gibt keine Fragen, sondern man nutzt Buchstabenhäufigkeit und Wortbilder. Das Janusrätsel ist eine Variante mit zwei Feldern, bei denen die Wörter im zweiten Feld spiegelverkehrt eingetragen werden müssen, aber die Zahl-Buchstaben-Zuordnung identisch ist.
  • Kreuzworträtsel und Kreuzgitter zum Selbstbauen: Hier sind die Lösungswörter vorgegeben (alphabetisch und nach Länge sortiert), und man muss sie so in ein leeres Gitter einsetzen, dass ein gültiges Kreuzworträtsel entsteht. Manchmal sind schon einige Blindfelder vorgegeben.

Hier ist eine vereinfachte Tabelle zur Unterscheidung einiger Formen:

VarianteWo steht die Frage?Sind schwarze Felder vorgegeben?Besonderheit
Einfaches/DeutschesIn nummerierter ListeJa (oft symmetrisch)Zahl im ersten Buchstabenkästchen
SchwedenrätselIm Blindkästchen im GitterJa (mit Pfeil)Kurze, standardisierte Fragen
„Amerikanisches“In Liste (zeilen/spaltenweise)Nein (müssen gefunden werden)Finden von Wörtern und Blindfeldern
KreuzgitterIn Liste (keine Zahlen im Gitter)Ja (oft nur wenige)Eintragen durch Kombination
ZahlenrätselKeine FragenJa (Zahlen in Feldern)Zahlen stehen für Buchstaben

Die Kunst der Fragestellung

Die Art der Fragen ist ein entscheidendes Element, das den Charakter eines Kreuzworträtsels prägt. Besonders in Schwedenrätseln findet man häufig Fragen, die auf Synonyme, Geografie, Geschichte oder Politik abzielen. Ein klassisches Beispiel ist „russischer Fluss (2 Buchstaben)“ = „Ob“. Es gibt auch ein spezifisches „Rätselwissen“ mit Wörtern oder Namen, die im Alltag kaum vorkommen, aber aufgrund ihrer Buchstabenkombinationen oder Kürze häufig in Rätseln auftauchen. Spezielle Lexika für Rätselfreunde listen diese Begriffe oft sortiert nach Buchstabenzahl auf.

Während viele Rätsel auf solches Standardwissen setzen, gibt es auch anspruchsvollere Varianten, die eine breitere Allgemeinbildung und vor allem geistige Flexibilität erfordern. Das wohl populärste Beispiel in Deutschland ist das „Um die Ecke gedacht“-Rätsel der Wochenzeitung Die Zeit, auch bekannt als „Zeit-Rätsel“. Diese Art von Rätsel, die auch in anderen Publikationen wie Hörzu, SZ Magazin, FAZ oder taz zu finden ist, verlangt oft querdenken und das Erkennen von Sprachspielen.

Klassische italienische Kreuzworträtsel zeichnen sich traditionell durch Sprachspiele und Querdenken aus, was meist mehr Platz für die Definition benötigt, als ein Blindkästchen bieten würde. Kryptische Kreuzworträtsel, inspiriert von den englischen „cryptic crosswords“, wie sie beispielsweise in der taz erschienen, stellen eine besondere Herausforderung dar. Ihre Definitionen folgen oft komplexen Regeln und die Wörter kreuzen sich nur an wenigen Stellen.

Vom Bleistift zum Algorithmus: Die Erstellung von Rätseln

Die Erstellung eines guten Kreuzworträtsels war lange Zeit reine Handarbeit. Zuerst wurde das Gitter entworfen, dann mit passenden Wörtern gefüllt. Dabei gab es Qualitätskriterien: Ein gutes Verhältnis von Gesamtfeldern zu Blindfeldern (oft 4:1 oder mehr), keine isolierten Bereiche im Gitter, und alle waagerechten und senkrechten Wörter mussten einen Sinn ergeben, auch die kurzen. Im englischsprachigen Raum wird zudem traditionell Wert auf die Rotationssymmetrie der Blindfelder gelegt, ein Prinzip, das in Deutschland weniger strikt verfolgt wird, aber beispielsweise bei den FAZ-Rätseln angewendet wird.

Aus Kostengründen werden heutige Kreuzworträtsel immer häufiger mithilfe von Software erstellt. Obwohl moderne Software oft noch nicht die Qualität handgefertigter Rätsel erreicht und manchmal gegen Qualitätskriterien verstößt, wird sie eingesetzt. Manche Hersteller nutzen die Software nur zur Generierung von Füllwörtern, während die Hauptbestandteile manuell eingegeben werden. Die Software ermöglicht aber auch neue Dinge, wie die schnelle Erstellung personalisierter Kreuzworträtsel online.

Die Digitalisierung hat das Rätsellösen ebenfalls verändert. Es gibt online spielbare Kreuzworträtsel mit modernen Funktionen wie Schummeln oder Hinweisen. Gleichzeitig existieren Online-Datenbanken, die Lösungen zu Fragen liefern, was das Lösen anspruchsvollerer Rätsel trivialisieren kann. Die Vielfalt der Rätselvarianten stellt eine Herausforderung für die automatische Generierung dar, da jede Form eigene Algorithmen benötigt. Es gibt insgesamt über 30 verschiedene Kreuzworträtselvarianten.

Interessanterweise gibt es Unternehmen, die sich auf die computerunterstützte Erstellung von Rätseln spezialisiert haben. Ein Beispiel aus Wien-Donaustadt erstellt mit acht Mitarbeitern jährlich 90 Rätselhefte mit jeweils rund 80 Seiten – eine beeindruckende Menge, die ohne Softwareunterstützung kaum zu bewältigen wäre.

Kreuzworträtsel als Sport: Die Meisterschaften

Für die passionierteren Rätselfreunde gab es sogar die Möglichkeit, sich im Lösen zu messen. Von 2010 bis 2018 richtete der Deutsche Rätselverein Logic Masters Deutschland e.V. die Deutschen Kreuzworträtselmeisterschaften aus. Die Qualifikation erfolgte über Rätselmagazine, wobei frühere Meister automatisch qualifiziert waren. Im Finale traten die besten Rätsellöser auf Zeit gegeneinander an, um den Deutschen Meister zu ermitteln. Dies zeigt, welch ernsthafte Beschäftigung das Kreuzworträtsel für manche darstellt.

Häufig gestellte Fragen

In welcher Stadt wurde das Kreuzworträtsel erfunden?
Das moderne Kreuzworträtsel wurde in New York erfunden.

Wann wurde das erste Kreuzworträtsel veröffentlicht?
Das erste Kreuzworträtsel erschien am 21. Dezember 1913.

Wer hat das Kreuzworträtsel erfunden?
Als Erfinder gilt der Journalist Arthur Wynne.

Was ist der Unterschied zwischen einem einfachen Kreuzworträtsel und einem Schwedenrätsel?
Beim einfachen Kreuzworträtsel steht die Frage in einer separaten Liste, beim Schwedenrätsel steht die Frage direkt im Gitter in einem Blindkästchen mit einem Pfeil.

Was ist ein Zahlenrätsel?
Bei einem Zahlenrätsel stehen Zahlen in den Feldern, die für Buchstaben stehen. Man muss herausfinden, welche Zahl welchem Buchstaben entspricht, oft mithilfe eines Startworts und Buchstabenzählungen.

Wann erschien das erste Kreuzworträtsel in Deutschland?
Das erste Kreuzworträtsel in einer deutschen Zeitung erschien 1925 in der Berliner Illustrirten.

Von seinen bescheidenen Anfängen in New York bis zu seiner heutigen globalen Präsenz hat das Kreuzworträtsel eine bemerkenswerte Reise hinter sich. Es hat sich angepasst, neue Formen entwickelt und bleibt ein faszinierendes Spiel, das uns herausfordert und unterhält.

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