Kann man direkt auf Füller lackieren?

Der Füller bei der Autolackierung erklärt

29/01/2016

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Die perfekte Lackierung eines Autos ist weit mehr als nur das Auftragen einer farbigen Schicht. Es ist ein komplexer Prozess, der aus mehreren sorgfältig aufgebauten Schichten besteht, von denen jede eine spezifische und wichtige Funktion erfüllt. Eine dieser fundamentalen Schichten, die oft unterschätzt wird, ist der Füller. Er spielt eine entscheidende Rolle für das Endergebnis und die Langlebigkeit der Lackierung.

Der Füller ist nicht einfach nur eine dicke Farbschicht. Er ist ein speziell entwickeltes Material, das die Grundlage für eine makellose Oberfläche bildet, auf der die nachfolgenden Lackschichten optimal haften und ihre volle Wirkung entfalten können. Ohne einen richtig aufgetragenen und vorbereiteten Füller wäre selbst der teuerste Decklack nicht in der Lage, ein glattes, gleichmäßiges und dauerhaftes Ergebnis zu erzielen.

Kann man direkt auf Füller lackieren?
Nacktes Blech muß mit einer Grundierung behandelt werden, um optimale Haftung des Füllers sicherzustellen (z.B. Autolack21-1K-Grundierfüller). Bei guten Altlackierungen (Lösemitteltest !) kann der Füller direkt auf die angeschliffene Lackierung gespritzt werden (vorher mit Silikonentferner reinigen).
Übersicht

Welche Aufgabe hat der Füller bei der Autolackierung?

Die Hauptaufgabe des Füllers ist es, die Oberfläche des Untergrunds, meist nach der Grundierung, optimal vorzubereiten. Dies geschieht auf mehreren Ebenen:

  • Ausgleich von Unebenheiten: Dies ist die namensgebende Funktion. Der Füller soll feine Kratzer, Schleifspuren oder leichte Oberflächenstrukturen, die vom Untergrund oder der Grundierung herrühren, „auffüllen“ und so eine vollkommen glatte und ebene Fläche schaffen. Selbst kleinste Unebenheiten würden sich durch die nachfolgenden Lackschichten abzeichnen und das Erscheinungsbild beeinträchtigen.
  • Korrosionsschutz: Der Füller trägt maßgeblich zum Schutz des darunterliegenden Metalls vor Korrosion (Rost) bei. Er bildet eine dichte Schicht, die das Eindringen von Feuchtigkeit und anderen schädlichen Substanzen verhindert.
  • Haftvermittlung: Eine weitere zentrale Aufgabe ist die Sicherstellung einer optimalen Haftung für die nachfolgenden Lackschichten, sei es Basislack oder Decklack. Der Füller schafft eine ideale Oberfläche, an die sich die Pigment- und Klarlackschichten fest binden können, was Abplatzungen und Risse verhindert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Füller als unverzichtbare Brücke zwischen dem vorbereiteten Untergrund (Metall/Grundierung) und den ästhetischen Deckschichten fungiert. Er ist die Basis für Haltbarkeit und ein perfektes Finish.

Woraus besteht der Füller eigentlich?

Die Zusammensetzung des Füllers ist entscheidend für seine Eigenschaften und Funktionen. Typischerweise besteht ein Füller aus mehreren Hauptkomponenten:

  • Bindemittel: Dies sind meist Acryl- oder Kunstharze. Sie bilden die Matrix des Füllers, halten alle anderen Komponenten zusammen und sorgen für die notwendige Haftung und Festigkeit der Schicht.
  • Füll-Stoffe: Materialien wie Kaolin, Talkum oder Kreide dienen als Füllstoffe. Sie geben dem Füller seine Masse, tragen zur Schichtdicke bei und sind maßgeblich für die „auffüllende“ Eigenschaft verantwortlich. Sie helfen, die gewünschte Ebenheit zu erreichen.
  • Farb-Pigmente: Diese geben dem Füller seine Farbe. Sie tragen auch zur Deckkraft bei und können dazu dienen, einen gleichmäßigen Farbton für den nachfolgenden Basislack zu schaffen, insbesondere wenn die Grundierung oder der Untergrund farblich stark abweicht.

Die genaue Zusammensetzung kann je nach Art des Füllers (z.B. 1K oder 2K) und dem spezifischen Produkt variieren, aber diese Komponenten bilden die Grundlage.

Verschiedene Arten von Füller: HS vs. 1K

In der professionellen Autolackierung kommen verschiedene Arten von Füllern zum Einsatz, je nach Anwendungsbereich und Anforderungen. Zwei gängige Typen sind HS-Füller und 1K-Füller.

HS-Füller (High-Solid)

HS steht für High-Solid, was einen hohen Festkörperanteil bedeutet. Diese Füller enthalten weniger Lösungsmittel und mehr feste Bestandteile (Harze, Füllstoffe, Pigmente). Dadurch können sie in relativ dicken Schichten aufgetragen werden:

  • Schichtdicke: Typischerweise bis zu 250 Micrometer (µm) in einer Anwendung. Diese hohe Schichtdicke ermöglicht einen sehr guten Ausgleich auch von tieferen Unebenheiten.
  • Härtung: HS-Füller sind in der Regel 2K-Produkte, d.h., sie benötigen einen Härter zur chemischen Aushärtung. Gängige Mischungsverhältnisse sind 4:1 mit HS-Härter oder 3:1 mit MS-Härter. Die Aushärtung ist eine chemische Reaktion, die die Schicht sehr widerstandsfähig und schleifbar macht.
  • Trocknung: Die Trocknungszeit ist länger als bei 1K-Füllern. Oft ist eine Trocknung über Nacht bei Raumtemperatur erforderlich, oder etwa 30 Minuten bei beschleunigter Trocknung in einer Lackierkabine bei 60°C.
  • Vorbereitung für Decklack: Nach vollständiger Durchtrocknung muss der HS-Füller geschliffen werden. Dies kann trocken oder nass erfolgen. Das Schleifen ist unerlässlich, um die Oberfläche perfekt zu egalisieren und eine optimale Basis für den Basislack/Decklack zu schaffen.

HS-Füller eignen sich hervorragend für die Reparatur größerer Flächen oder wenn signifikante Unebenheiten ausgeglichen werden müssen.

1K-Füller (1-Komponenten)

1K-Füller sind einkomponentige Produkte, die ohne Härter auskommen. Sie trocknen physikalisch durch Verdunstung des Lösungsmittels:

  • Schichtdicke: Sie können in dünneren Schichten aufgetragen werden, typischerweise etwa 50 Micrometer (µm).
  • Härtung: Keine chemische Härtung notwendig, trocknet durch Verdunstung.
  • Trocknung: Deutlich schnellere Trocknungszeit, oft schon nach ca. 2 Stunden schleifbar (je nach Produkt und Umgebungsbedingungen).
  • Vorbereitung für Decklack: Auch 1K-Füller müssen vor dem Lackieren geschliffen werden, um eine glatte Oberfläche zu erhalten.

1K-Füller sind praktisch für kleinere Reparaturen oder Spot-Repair-Anwendungen, bei denen nur geringe Unebenheiten ausgeglichen werden müssen und eine schnelle Bearbeitung gewünscht ist. Ein Beispiel ist der im Text erwähnte Autolack21 1K-Expressfüller.

EigenschaftHS-Füller (2K)1K-Füller
Komponenten2 (Füller + Härter)1
Schichtdicke (typ.)Bis zu 250 µmCa. 50 µm
TrocknungsartChemische ReaktionPhysikalische Trocknung (Verdunstung)
Trocknungszeit (schleifbar)Über Nacht oder 30 min @ 60°CCa. 2 Stunden
AnwendungGrößere Flächen, tiefere UnebenheitenKleinere Flächen, geringe Unebenheiten
Schleifen notwendig?Ja (trocken/nass)Ja

Der Aufbau der Lackschichten beim Auto

Um die Rolle des Füllers vollständig zu verstehen, ist es hilfreich, den gesamten Schichtaufbau einer modernen Autolackierung zu betrachten. Es ist ein präzises System, bei dem jede Schicht auf der vorhergehenden aufbaut:

  1. Stahlblech: Dies ist die Karosserie des Fahrzeugs, das Grundmaterial.
  2. Phosphatierung: Eine chemische Vorbehandlung des Metalls. Sie verbessert den Korrosionsschutz und die Haftung der nachfolgenden Schichten.
  3. Grundierung (Primer): Die erste eigentliche Lackschicht. Sie schützt das Metall direkt vor Korrosion und sorgt für eine erste Haftschicht für den Füller.
  4. Füller: Wie ausführlich beschrieben, gleicht er Unebenheiten aus, schützt weiter vor Korrosion und ist die Haftschicht für den Decklack.
  5. Basislack: Diese Schicht enthält die Farb-Pigmente und ist für die eigentliche Farbe des Fahrzeugs verantwortlich. Sie ist oft nicht sehr widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse und wird daher überlackiert.
  6. Klarlack: Die äußerste Schicht. Sie ist transparent und schützt den Basislack vor UV-Strahlung, Kratzern und chemischen Einflüssen. Sie verleiht der Lackierung ihren Glanz und Tiefe.

Der Füller liegt also direkt zwischen der Grundierung und dem Basislack/Klarlack. Er ist ein kritischer Zwischenschritt, der sicherstellt, dass die sichtbaren Schichten (Basislack und Klarlack) auf einem perfekten Untergrund aufgetragen werden.

Kann man direkt auf Füller lackieren?

Die kurze Antwort lautet: Ja, die nachfolgenden Lackschichten (Basislack oder Decklack) werden direkt auf den Füller aufgetragen. Aber es gibt eine entscheidende Bedingung: Der Füller muss vollständig durchgetrocknet und korrekt vorbereitet sein.

Wie bereits erwähnt, muss der Füller nach der Trocknung geschliffen werden. Dieser Schritt ist absolut unerlässlich. Durch das Schleifen wird die Oberfläche des Füllers perfekt egalisiert, eventuelle Spritznebel oder Unebenheiten von der Applikation werden entfernt. Das Ergebnis ist eine absolut glatte, feine und gleichmäßige Oberfläche. Zudem schafft das Schleifen eine feine Struktur (eine Art „Ankerprofil“), an der die Pigmente des Basislacks oder des Decklacks optimal haften können.

Würde man versuchen, direkt auf einen ungeschliffenen oder nicht vollständig getrockneten Füller zu lackieren, wären die Ergebnisse katastrophal. Unebenheiten würden sichtbar bleiben oder sich sogar verstärken, die Haftung wäre schlecht, was zu Abplatzungen führen könnte, und das Endergebnis wäre matt und ungleichmäßig.

Daher ist der Prozess nach dem Füller immer: Trocknen lassen -> Schleifen -> Reinigen (Staub entfernen) -> Basislack/Decklack auftragen.

Warum ist die richtige Vorbereitung des Füllers so wichtig?

Die Qualität der Lackierung steht und fällt mit der Vorarbeit. Der Füller ist ein zentraler Teil dieser Vorarbeit. Eine schlecht ausgeführte Füller-Schicht oder eine mangelhafte Vorbereitung des Füllers vor dem Lackieren kann folgende Probleme verursachen:

  • Schlechte Optik: Unebenheiten bleiben sichtbar, die Oberfläche wirkt nicht glatt und professionell. Sogar feine Kratzer vom Schleifen des Untergrunds können durchscheinen, wenn der Füller nicht dick genug aufgetragen oder nicht richtig geschliffen wurde.
  • Mangelnde Haftung: Der Decklack haftet nicht richtig auf dem Füller, was zu vorzeitigem Abplatzen oder Rissen führen kann, insbesondere bei mechanischer Belastung oder Temperaturschwankungen.
  • Eingeschränkter Schutz: Wenn die Füllerschicht nicht die richtige Dicke hat oder nicht ordnungsgemäß aushärtet, kann sie ihre Funktion als Korrosionsschutz nicht vollständig erfüllen.
  • Farbabweichungen: Wenn der Füller nicht gleichmäßig ist oder die falsche Farbe für den nachfolgenden Basislack hat, kann dies die endgültige Farbe beeinflussen.

Die Investition von Zeit und Sorgfalt in das Auftragen, Trocknen und Schleifen des Füllers zahlt sich am Ende durch eine langlebige, widerstandsfähige und optisch perfekte Lackierung aus.

Häufig gestellte Fragen zum Füller

Hier beantworten wir noch einmal die wichtigsten Fragen rund um das Thema Füller bei der Autolackierung:

Welche Aufgabe hat der Füller bei der Autolackierung?

Der Füller hat drei Hauptaufgaben: Er gleicht Unebenheiten im Untergrund aus, schützt das Metall vor Korrosion und sorgt für eine optimale Haftung der nachfolgenden Lackschichten (Basislack/Decklack).

Woraus besteht der Füller eigentlich?

Ein Füller besteht typischerweise aus Bindemitteln (wie Acryl- oder Kunstharzen), Füll-Stoffen (wie Kaolin, Talkum oder Kreide) und Farb-Pigmenten.

Wie ist der Aufbau der Lackschichten beim Auto?

Der Aufbau beginnt beim Metallblech, gefolgt von einer Phosphatierung, dann Grundierung, Füller, Basislack (für die Farbe) und schließlich Klarlack (für Schutz und Glanz).

Kann man direkt auf Füller lackieren?

Ja, der Basislack oder Decklack wird direkt auf den Füller aufgetragen. Allerdings muss der Füller vorher vollständig durchgetrocknet und sorgfältig geschliffen werden, um eine glatte Oberfläche und optimale Haftung zu gewährleisten.

Fazit

Der Füller ist eine oft unsichtbare, aber absolut zentrale Schicht im komplexen Aufbau einer Autolackierung. Er ist der Garant für eine ebene, geschützte und perfekt haftende Oberfläche. Die Wahl des richtigen Füllers, sein korrekter Auftrag und vor allem das sorgfältige Schleifen vor dem Auftragen des Decklacks sind entscheidende Schritte auf dem Weg zu einem professionellen und langlebigen Lackierergebnis. Wer eine hochwertige Lackierung anstrebt, darf die Bedeutung des Füllers und seiner Vorbereitung nicht unterschätzen.

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