Kann ein Kugelschreiber verblassen?

26/05/2012

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Die Frage, ob ein Schreibstift mit der Zeit verblasst, mag auf den ersten Blick trivial erscheinen. Doch in bestimmten Situationen, wie beispielsweise bei einer Nachricht, die in einer Flasche auf eine lange Reise geschickt wird und dabei potenziell intensiver Sonnenstrahlung ausgesetzt ist, gewinnt sie plötzlich an Bedeutung. Viele dieser Flaschenbriefe, die nach langer Zeit gefunden werden, sind nur noch schwer oder gar nicht mehr zu entziffern. Dies liegt oft daran, dass die verwendete Tinte oder Farbe unter dem Einfluss von UV-Strahlung und anderen Umwelteinflüssen abgebaut wird. Wer also plant, eine Nachricht zu verfassen, die über lange Zeiträume lesbar bleiben soll, muss sich Gedanken über die Lichtechtheit des verwendeten Schreibwerkzeugs machen.

Kann ein Kugelschreiber verblassen?
schwarzer Kugelschreiber: stark ausgeblichen, aber noch lesbar. blauer Kugelschreiber: komplett verblichen, nicht mehr sichtbar. Bleistift: keine Veränderung. blauer Kopierstift: leicht ausgeblichen.

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen und herauszufinden, welche Stifte unter solchen Bedingungen bestehen, wurde ein einfacher, aber aufschlussreicher Versuch durchgeführt. Es ging darum zu sehen, wie verschiedene im Haushalt verfügbare Schreibstifte auf längere Sonneneinstrahlung reagieren. Die Ergebnisse dieses Praxistests liefern wertvolle Hinweise für alle, die Wert auf die Beständigkeit ihrer Schrift legen.

Übersicht

Das Experiment: Stifte unter Sonnenlicht

Für den Test wurden verschiedene Stifte ausgewählt, die gerade zur Hand waren. Mit jedem dieser Stifte wurde eine Zeile auf ganz gewöhnliches Papier geschrieben. Um einen Vergleich zwischen exponierter und geschützter Schrift zu ermöglichen, wurde das Blatt Papier zur Hälfte sorgfältig mit Pappe abgedeckt. Dieses vorbereitete Blatt wurde dann für einen Zeitraum von gut einem halben Jahr – exakt vom 16. Januar bis zum 16. August 2014 – an ein Fenster geklebt. Das Fenster war so positioniert, dass das Papier der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt war, wann immer die Sonne schien. Der Sommer in diesem Zeitraum war laut Beschreibung ungewöhnlich sonnig, was ideale Bedingungen für den Test schuf, da die UV-Belastung entsprechend hoch war.

Die Ergebnisse des Lichttests

Nach Ablauf der Testdauer von etwa sieben Monaten wurde die Pappe entfernt und der Zustand der exponierten Schrift mit der geschützten Hälfte verglichen. Die Unterschiede waren bei vielen Stiften deutlich sichtbar. Hier sind die detaillierten Ergebnisse für jeden getesteten Stift:

StiftartErgebnis nach ca. 7 Monaten SonneneinstrahlungAnmerkungen
CD-Stift (schwarz)keine Veränderungschlägt aber stark durch das Papier
Schwarzer Finelinerleicht ausgeblichen
Wasserfester OH-Pen (für Overhead-Folien)komplett verblichen, nicht mehr sichtbar
Schwarzer Kugelschreiberstark ausgeblichen, aber noch lesbar
Blauer Kugelschreiberkomplett verblichen, nicht mehr sichtbar
Bleistiftkeine Veränderung
Blauer Kopierstiftleicht ausgeblichen
Füllfederhalter (schwarzblaue Eisengallustinte)keine Veränderung
Füllfederhalter (königsblaue Tinte, Montblanc)ausgeblichen (jetzt grüngrau), aber noch gut lesbar
Füllfederhalter (braune Tinte, Montblanc)ausgeblichen (jetzt rostrot), aber noch gut lesbar
Füllfederhalter (schwarze Tinte, Waterman)stark ausgeblichen (jetzt hellbraun), noch lesbar

Analyse der Testergebnisse

Die Ergebnisse des Experiments zeigen klar, dass die Lichtechtheit stark vom verwendeten Schreibwerkzeug abhängt. Einige Stifte und Tinten erwiesen sich als äußerst beständig gegenüber Sonnenlicht, während andere signifikant verblassten oder sogar vollständig verschwanden.

Besonders auffällig ist das Verhalten der Kugelschreiber. Während der schwarze Kugelschreiber stark ausblich, aber immerhin noch lesbar blieb, verschwand die Schrift des blauen Kugelschreibers komplett. Dies unterstreicht, dass selbst innerhalb derselben Kategorie von Schreibgeräten große Unterschiede in der Lichtbeständigkeit bestehen können, abhängig von der genauen Zusammensetzung der Tinte.

Der wasserfeste OH-Pen für Overhead-Folien zeigte ebenfalls eine sehr schlechte Leistung und war nach dem Test nicht mehr sichtbar. Dies mag überraschen, da man bei "wasserfest" oft auch eine gewisse Lichtbeständigkeit erwartet, was hier offensichtlich nicht der Fall war.

Auf der anderen Seite gab es auch klare Sieger in puncto Lichtechtheit. Der Bleistift zeigte keinerlei Veränderung. Graphit, aus dem Bleistiftminen hauptsächlich bestehen, ist extrem beständig gegen Licht und Umweltfaktoren. Auch die schwarzblaue Eisengallustinte in einem Füllfederhalter blieb völlig unverändert. Eisengallustinten sind historisch bedingt für ihre Beständigkeit bekannt und wurden oft für offizielle Dokumente verwendet. Einige andere Füllfederhalter-Tinten zeigten zwar leichte bis starke Verfärbungen oder Ausbleichen, blieben aber in diesem Test lesbar.

Der CD-Stift hielt dem Licht ebenfalls stand, hatte aber das Problem, dass er stark durch das Papier schlug, was je nach Verwendungszweck unerwünscht sein kann.

Stifte, die nicht getestet wurden, und Alternativen

Einige weitere gängige Schreibwerkzeuge konnten im Rahmen dieses kleinen Tests nicht berücksichtigt werden. Dazu gehörten Tintenkulis, Gel-Stifte, Filzschreiber, Buntstifte und Scriptol. Es ist anzumerken, dass einige Hersteller von Gel-Stiften ihre Produkte als licht- und dokumentenecht bewerben, was auf eine bessere Beständigkeit hindeuten könnte als bei herkömmlichen Kugelschreibern. Scriptol wird ebenfalls eine hohe Lichtechtheit und Wasserfestigkeit nachgesagt, da es auf Ölbasis hergestellt wird.

Darüber hinaus gibt es speziell entwickelte Stifte, die für extreme Bedingungen konzipiert sind, wie beispielsweise wasserfeste und lichtechte Fineliner, die oft von Geo-Cachern verwendet werden. Solche Spezialstifte dürften eine hohe Zuverlässigkeit bieten, könnten aber, ähnlich wie der getestete CD-Stift, dazu neigen, durch dünnes Papier zu schlagen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte und bereit ist, in ein spezielles Schreibwerkzeug zu investieren, findet hier möglicherweise die beste Lösung.

Empfehlungen basierend auf dem Test

Basierend auf den Ergebnissen dieses Experiments lässt sich eine klare Empfehlung für Situationen ableiten, in denen die Schrift lange Zeit unter potenzieller Sonneneinstrahlung lesbar bleiben muss. Vom Kugelschreiber, insbesondere vom blauen, sollte man nach dieser Erfahrung eher abraten, da das Risiko des vollständigen Verblassens besteht. Der schwarze Kugelschreiber zeigte zwar mehr Beständigkeit, aber immer noch signifikantes Ausbleichen.

Welche Stifte gelten als dokumentenecht?
Dokumentenechte Tinte muss verschiedene Kriterien erfüllen. Sie muss schnell trocknen (Wischbeständigkeit), darf nicht korrigierbar (Radierbarkeit) und nicht ohne Spuren zu entfernen sein. Die Farbe muss über Jahre hinweg lesbar sein ohne zu verblassen (Lichtechtheit).

Die sicherste und einfachste Wahl ist der gute alte Bleistift. Seine Schrift ist extrem lichtecht und wasserfest (Graphit ist unlöslich in Wasser), was ihn ideal für langlebige Nachrichten macht, selbst wenn das Papier feucht wird.

Wer einen stilvolleren Touch wünscht und das Risiko feuchten Papiers gering ist, kann zu einem Füllfederhalter mit schwarzblauer Eisengallustinte greifen. Diese Tinte zeigte im Test ebenfalls keinerlei Verblassen.

Eine interessante Alternative, die die Vorteile von Graphit und Tinte kombiniert, ist der Kopier- bzw. Dokumentenstift. Bei diesen Stiften ist Graphit in der Mine mit Tinte vermischt. Sie sind heute vielleicht am ehesten noch aus Wahlkabinen bekannt. Der blaue Kopierstift im Test zeigte zwar leichtes Ausbleichen, blieb aber gut lesbar.

Häufig gestellte Fragen zum Verblassen von Stiften

Hier beantworten wir einige gängige Fragen, die sich aus dem Thema und unserem Experiment ergeben:

Was lässt Stifte verblassen?

Der Hauptgrund für das Verblassen von Tinte und Farben, insbesondere bei längerer Exposition, ist die UV-Strahlung im Sonnenlicht. UV-Strahlen können die chemischen Verbindungen in den Pigmenten oder Farbstoffen der Tinte zerstören oder verändern, was zum Ausbleichen oder zu Farbveränderungen führt.

Welche Stifte sind besonders anfällig für das Verblassen?

Basierend auf unserem Test zeigten Kugelschreiber, insbesondere der blaue, und der getestete wasserfeste OH-Pen eine sehr geringe Lichtbeständigkeit und verblassten stark oder komplett.

Welche Stifte sind am lichtechtesten?

In unserem Test erwiesen sich der Bleistift und der Füllfederhalter mit schwarzblauer Eisengallustinte als am lichtechtesten und zeigten keinerlei Veränderungen nach monatelanger Sonneneinstrahlung.

Ist eine Tinte, die als "wasserfest" gekennzeichnet ist, auch "lichtecht"?

Nicht unbedingt. Unser Test mit dem wasserfesten OH-Pen zeigte, dass Wasserfestigkeit nicht automatisch Lichtechtheit bedeutet. Die Eigenschaften der Tinte hängen von ihrer spezifischen chemischen Zusammensetzung ab.

Reichen die Ergebnisse dieses Tests für eine endgültige Aussage aus?

Unser Test war ein einfacher Praxistest mit einer begrenzten Auswahl an Stiften und unter spezifischen Bedingungen (Fensterplatz, ca. 7 Monate, sonniger Sommer). Dokumentenechte oder speziell als lichtecht gekennzeichnete Stifte wurden nur teilweise oder gar nicht getestet. Die Ergebnisse liefern starke Hinweise, ersetzen aber keine standardisierten Tests zur Lichtechtheit (wie z.B. nach ISO-Normen).

Fazit: Beständigkeit oder einfach nur loslegen?

Die wissenschaftliche Betrachtung der Lichtechtheit von Stiften ist zweifellos interessant und relevant, wenn die Beständigkeit der Schrift oberste Priorität hat. Doch bei aller Theorie und allen Testergebnissen sollte man eines nicht vergessen: Die Hauptsache bei kreativen Projekten wie dem Schreiben einer Flaschenpost ist oft das Machen selbst. Lassen Sie sich von solchen detaillierten Überlegungen nicht davon abhalten, Ihre Nachricht zu verfassen.

Wenn die Umstände es erfordern, wählen Sie mit Bedacht – der Bleistift oder Eisengallustinte sind hier sichere Kandidaten. Aber wenn es darum geht, eine Idee festzuhalten oder einfach nur Freude am Schreiben zu haben, dann ist das richtige Schreibwerkzeug jenes, das Sie dazu bringt, loszulegen. Meinetwegen schreiben Sie Ihre Flaschenpost mit einer Möwenfeder, getunkt in Picknickkaffee oder Rotwein – Hauptsache, Sie schreiben sie! Die Magie liegt oft mehr in der Geste und der Nachricht selbst als in der absoluten Permanenz der Tinte.

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