20/05/2012
Linkshändigkeit ist ein faszinierendes und ganz natürliches Persönlichkeitsmerkmal, das von Geburt an feststeht und maßgeblich von der Dominanz der rechten Gehirnhälfte bestimmt wird. In einer Welt, die oft für Rechtshänder konzipiert ist, stehen Linkshänder jedoch vor einzigartigen Herausforderungen, insbesondere beim Schreiben. Der internationale Tag der Linkshänder am 13. August erinnert uns daran, wie wichtig es ist, die Bedürfnisse von Linkshänder*innen zu verstehen und zu unterstützen. Dieser Artikel beleuchtet, wie Linkshänder optimal schreiben lernen und welche Hilfsmittel dabei unterstützen.

- Was bedeutet Linkshändigkeit eigentlich?
- Herausforderungen und Chancengleichheit in einer rechtshändigen Welt
- Spezielle Gebrauchsgegenstände für Linkshänder*innen
- Schreiben mit links – auf die Haltung kommt es an
- Vergleich: Linkshändige vs. Rechtshändige Schreibhaltung
- Unterstützung und Beratung für Linkshänder*innen
- Häufig gestellte Fragen zum Thema Linkshändigkeit und Schreiben
- Fazit
Was bedeutet Linkshändigkeit eigentlich?
Die Frage, warum manche Menschen die linke und andere die rechte Hand bevorzugen, ist eng mit der Funktionsweise unseres Gehirns verbunden. Während bei Rechtshändern die linke Gehirnhälfte dominierend ist, übernimmt bei Linkshändern die rechte Gehirnhälfte die Führung. Diese Dominanz manifestiert sich in einer Überlegenheit der entsprechenden Hand hinsichtlich Feingefühl, Kraft, Ausdauer, Geschicklichkeit, Geschwindigkeit und Präzision. Es ist wichtig zu betonen, dass Links- und Rechtshändigkeit absolut gleichwertig sind. Lange Zeit, bis in die 1970er und frühen 1980er Jahre, wurden linkshändige Kinder leider oft zur Nutzung der rechten Hand umgeschult. Wissenschaftliche Erkenntnisse haben jedoch eindeutig gezeigt, dass eine solche Umschulung der angeborenen Händigkeit schwere Schäden in der Entwicklung und im Gehirn verursachen kann. Aus diesem Grund schreiben die Schulrichtlinien in fast allen deutschen Bundesländern heute klar vor, dass eine bestehende Linkshändigkeit nicht verändert werden darf. Diese klare Positionierung hilft dabei, linkshändigen Kindern im Schulalltag, besonders beim Schreiben, gerecht zu werden und ihnen die gleichen Chancen wie rechtshändigen Kindern zu ermöglichen.
Herausforderungen und Chancengleichheit in einer rechtshändigen Welt
Das Leben als Linkshänder*in in einer primär rechtshändig orientierten Gesellschaft erfordert ein hohes Maß an Anpassung. Ob im Kindergarten, in der Schule, im Beruf oder bei Hobbys – viele Werkzeuge, Geräte und Abläufe sind standardmäßig für Rechtshänder ausgelegt. Daher ist es eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe geworden, Linkshänder*innen in ihrer Händigkeit zu fördern und zu unterstützen. Dies bedeutet nicht nur, ihnen spezielle Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen, sondern auch, dass sich Rechtshänder – seien es Eltern, Pädagog*innen oder Ausbilder*innen – Wissen und Fachkenntnisse darüber aneignen, wie Bewegungsabläufe für Linkshänder*innen optimal umgesetzt werden können. Es geht darum, Hilfestellungen zum Erlernen spezieller Techniken anzubieten, die sich von den Abläufen bei rechtshändigen Kindern unterscheiden. Dazu gehören Tätigkeiten wie Schreiben, Schneiden, Anspitzen, eine Schleife binden, Nähen, Sticken, Stricken, Häkeln und Musizieren.
Spezielle Gebrauchsgegenstände für Linkshänder*innen
Die Verfügbarkeit und Nutzung von Gebrauchsgegenständen, die speziell für Linkshänder*innen entwickelt wurden, kann die Motivation, die Freude und das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten signifikant steigern. Diese Hilfsmittel sollten linkshändigen Kindern von Anfang an altersentsprechend zur Verfügung stehen. Dazu zählen:
- Händigkeitsneutrales Spielzeug im Kindergarten.
- Schreibunterlagen: Es gibt spezielle Unterlagen, auf denen die optimale Blattlage und Handhaltung für Linkshänder*innen zur Orientierung eingezeichnet sind.
- Schreibmaterialien: Dazu gehören spezielle Füllhalter für Linkshänder*innen, wie sie beispielsweise aus dem griffix Schreiblernsystem bekannt sind. Diese sind ergonomisch geformt, um die richtige Fingerhaltung zu unterstützen.
- Scheren: Bei Scheren für Linkshänder*innen sind die Schneideblätter spiegelbildlich im Vergleich zur Rechtshänder-Variante angeordnet. Dies ermöglicht Linkshändern, entlang der Schnittlinie zu sehen und präzise zu schneiden, ohne den Stoff zu knicken oder sich die Sicht zu versperren.
- Anspitzer: Ähnlich wie bei der Schere ist auch ein Anspitzer für Linkshänder*innen spiegelbildlich gefertigt, sodass die Drehrichtung zum Anspitzen andersherum ist und der Stift korrekt angespitzt werden kann.
- Lineale: Bei Linealen für Linkshänder*innen sind die Zahlen von rechts nach links angeordnet. Dies kommt der natürlichen Blick- und Bewegungsrichtung von Linkshändern entgegen, auch wenn das Kind beim Messen gegen die übliche Lese- und Schreibrichtung arbeiten muss.
- Weitere Alltagsgegenstände wie Brotmesser oder Dosenöffner, die ebenfalls in Linkshänder-Varianten erhältlich sind.
Es ist wichtig zu betonen, dass die Auswahl der benötigten Gebrauchsgegenstände immer individuell erfolgen sollte und die persönlichen Bedürfnisse des Linkshänders im Vordergrund stehen müssen.
Schreiben mit links – auf die Haltung kommt es an
Das Schreiben mit der linken Hand ist für viele Linkshänder und ihre rechtshändigen Eltern oder Lehrer eine besondere Herausforderung. Gerade rechtshändige Bezugspersonen fühlen sich oft rat- und hilflos, wie sie linkshändigen Kindern am besten beim Schreibenlernen helfen können. Schreiben lernen ist generell ein komplizierter und anspruchsvoller Prozess, der für Kinder eine hohe Herausforderung darstellt. Eine lockere Schreibhaltung ist dabei von entscheidender Bedeutung, um Ermüdung und Verspannungen vorzubeugen.
Vorbereitende Übungen
Bevor mit dem Schreiben begonnen wird, können einige einfache Übungen helfen, die Hände aufzuwärmen und die Handmuskulatur aufzulockern:
- Die Hände und Finger durch leichtes Aufschütteln lockern.
- Das Handgelenk der Schreibhand drehen (z.B. Wink- oder Rührbewegung).
- Daumen und Zeigefinger der Schreibhand aufeinanderlegen und Beuge- und Streckbewegungen ausführen.
- Fingertapping: Alle Finger berühren nacheinander den Daumen.
Schlüssel zur richtigen Schreibhaltung für Linkshänder
Um das Schreiben mit der linken Hand so entspannt und effizient wie möglich zu gestalten, sollten folgende Faktoren beachtet werden:
- Sitzposition: Das linkshändige Kind sollte idealerweise links außen in einer Reihe sitzen oder neben anderen Linkshänder*innen platziert werden. Dies verhindert, dass die Bewegungsfreiheit des Schreibarms durch einen direkt daneben sitzenden Rechtshänder eingeschränkt wird.
- Lichteinfall: Der Lichteinfall ist am günstigsten von rechts oder von vorn. So wird verhindert, dass die schreibende Hand einen Schatten auf das Geschriebene wirft.
- Körperhaltung: Eine aufrechte und lockere Körperhaltung ist essenziell, um Verspannungen, Kopf- und Rückenschmerzen sowie Haltungsschäden vorzubeugen.
- Unterarm und Handgelenk: Diese sollten entspannt auf dem Tisch aufliegen.
- Stifthaltung: Dies ist ein zentraler Punkt. Der Stift wird zwischen Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger der linken Hand gehalten. Diese Haltung ist im Grunde eine spiegelbildliche Version der optimalen rechtshändigen Stifthaltung. Daumen und Zeigefinger stehen sich dabei gegenüber und können sich locker vor und zurückbewegen, um die Bewegung des Stiftes zu steuern.
- Blattlage und Neigungswinkel: Das Schreibblatt wird etwas links der Körpermitte platziert und leicht im Uhrzeigersinn gedreht (ideal ist ein Winkel von 30-60 Grad). Das Stiftende sollte dabei zum linken Ellenbogen zeigen. Eine entscheidende Regel ist, dass die Hand immer unterhalb der Schreiblinie bleibt.
- Schreibrichtung: Die Schreibrichtung bleibt von links nach rechts, wie im Deutschen üblich. Buchstaben und Wörter sollten sowohl am linken als auch am rechten Blattrand stehen können.
- Lage der rechten Hand: Die rechte Hand ruht am rechten Blattrand, etwa auf Höhe der aktuellen Schreibzeile. Sie dient als Gegengewicht und zur Stabilisierung des Blattes.
- Schreiben unter der Zeile: Durch die Schräglage des Blattes und die Handhaltung unter der Zeile wird das Geschriebene nicht sofort von der Hand verdeckt. Dies ist besonders wichtig, um ein Verwischen der Tinte oder des Bleistiftstrichs zu verhindern und dem Kind zu ermöglichen, zu sehen, was es gerade schreibt.
Vermeidung der Hakenhaltung
Eine häufig beobachtete, aber ungünstige Schreibhaltung bei Linkshändern ist die sogenannte Hakenhaltung. Dabei wird die linke Hand stark eingedreht, sodass sie auf dem bereits Geschriebenen liegt. Das Handgelenk ist dabei überstreckt, das Stiftende zeigt deutlich vom Körper weg und die Stiftspitze ist zum Körper gerichtet. Prominente Beispiele hierfür sind unter anderem Ex-Präsident Barack Obama oder Prinz William beim Unterzeichnen. Bei dieser Haltung ist ein Verwischen der Tinte fast unvermeidbar. Noch gravierender ist, dass durch das Überstrecken des Handgelenkes der schreibende Arm schnell ermüdet. Der Schreiblernprozess bei linkshändigen Kindern sollte daher von Anfang an fachlich gut begleitet werden, um diese Haltung zu vermeiden und die optimale, entspannte Schreibhaltung zu fördern.
Vergleich: Linkshändige vs. Rechtshändige Schreibhaltung
Um die Unterschiede zu verdeutlichen, hier ein Vergleich der optimalen Schreibhaltung und Hilfsmittel:
| Merkmal | Rechtshändige Haltung/Werkzeuge | Linkshändige Haltung/Werkzeuge |
|---|---|---|
| Dominante Hand | Rechts | Links |
| Stifthaltung | Zwischen Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger (Daumen zeigt zum Körper) | Zwischen Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger (spiegelbildlich, Daumen zeigt vom Körper weg) |
| Blattlage | Etwas rechts der Körpermitte, leicht gegen Uhrzeigersinn gedreht | Etwas links der Körpermitte, leicht im Uhrzeigersinn gedreht (30-60°) |
| Handposition beim Schreiben | Unterhalb der Zeile | Unterhalb der Zeile |
| Lichteinfall | Von links oder vorn | Von rechts oder vorn |
| Sitzposition | Rechts außen oder neben Rechtshänder*innen | Links außen oder neben Linkshänder*innen |
| Schere | Schneideblätter für Rechtshänder | Schneideblätter spiegelbildlich angeordnet |
| Anspitzer | Drehrichtung für Rechtshänder | Spiegelbildlich gefertigt, andere Drehrichtung |
| Lineal | Zahlen von links nach rechts | Zahlen von rechts nach links |
Unterstützung und Beratung für Linkshänder*innen
Probleme, die Linkshänder*innen in der oft rechtshändig strukturierten Welt haben, können durch einen angemessenen Umgang mit dem Thema Linkshändigkeit und gezielte Unterstützung gelöst werden. Eine wichtige Anlaufstelle in Deutschland ist die „Erste deutsche Beratungs- und Informationsstelle für Linkshänder und umgeschulte Linkshänder e.V.“ in München. Unter der Leitung von Frau Dr. Johanna Barbara Sattler bietet der Verein kompetente Hilfe und Unterstützung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Dr. Sattler setzt sich seit vielen Jahren erfolgreich für die Bedürfnisse von Linkshänder*innen und insbesondere auch umgeschulten Linkshänder*innen ein. Ihre zahlreichen Publikationen geben einen tiefen Einblick in das Leben von Linkshänder*innen und bieten wertvolle Ratschläge und Übungen. Zu ihren bekannten Werken gehören Titel wie „Der umgeschulte Linkshänder oder Der Knoten im Gehirn“, „Die Psyche des linkshändigen Kindes“, „Das linkshändige Kind – seine Begabungen und seine Schwierigkeiten“, sowie spezielle Übungshefte für Linkshänder. Weitere detaillierte Informationen und Ressourcen finden sich auf der Internetseite des Vereins unter www.lefthander-consulting.org.
Häufig gestellte Fragen zum Thema Linkshändigkeit und Schreiben
Warum ist die Umschulung von Linkshändern auf Rechtshändigkeit schädlich?
Die Umschulung einer angeborenen Händigkeit kann wissenschaftlich erwiesen schwere Schäden in der Entwicklung und im Gehirn verursachen. Linkshändigkeit ist ein fest verankertes Merkmal, das mit der Gehirndominanz zusammenhängt, und eine gewaltsame Änderung kann zu Lernschwierigkeiten, psychischen Problemen und anderen negativen Folgen führen.
Welche speziellen Schreibwerkzeuge gibt es für Linkshänder?
Es gibt spezielle Füllhalter mit ergonomischer Form, Schreibunterlagen mit eingezeichneten Linien für die optimale Blattlage und Handhaltung, sowie spiegelbildlich gefertigte Scheren und Anspitzer. Auch Lineale mit Zahlen von rechts nach links sind erhältlich. Diese Werkzeuge unterstützen die natürliche Arbeitsweise der linken Hand.
Wie sollte ein Linkshänder seinen Stift richtig halten?
Der Stift wird optimalerweise locker zwischen Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger gehalten, ähnlich wie bei Rechtshändern, aber spiegelbildlich. Daumen und Zeigefinger stehen sich gegenüber und können die Stiftbewegung steuern. Wichtig ist eine entspannte Haltung ohne Verkrampfung.
Warum sollte die Hand beim Schreiben unter der Zeile bleiben?
Durch die leichte Drehung des Blattes im Uhrzeigersinn und das Halten der Hand unter der aktuellen Schreibzeile kann der Linkshänder sehen, was er gerade schreibt, ohne es mit der Hand zu verdecken. Dies verhindert effektiv das Verwischen von Tinte oder Bleistiftstrichen.
Was ist der Internationale Tag der Linkshänder?
Der Internationale Tag der Linkshänder findet jedes Jahr am 13. August statt. Er wurde ins Leben gerufen, um auf die Interessen, Bedürfnisse und Belange von Linkshänder*innen aufmerksam zu machen und das Verständnis für Linkshändigkeit in der Gesellschaft zu fördern.
Fazit
Linkshändigkeit ist ein wertvolles und schützenswertes Merkmal. Mit dem richtigen Verständnis, angemessenen Hilfsmitteln und der korrekten Technik, insbesondere beim Schreiben, können Linkshänder ihr volles Potenzial entfalten und Herausforderungen in einer rechtshändigen Welt meistern. Die fachliche Unterstützung von Linkshänder-Berater*innen und Organisationen wie der Beratungsstelle in München spielt dabei eine wichtige Rolle, um Linkshändern und ihren Familien den Weg zu erleichtern und eine entspannte, freudige Entwicklung zu ermöglichen.
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