Die Faszination der Schreibfedern

05/06/2016

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Schreibfedern, oft auch als Tauchfedern bezeichnet, sind faszinierende Schreib- und Zeichengeräte, die eine reiche Geschichte hinter sich haben. Im Gegensatz zu modernen Füllfederhaltern oder Kugelschreibern verfügen sie nicht über einen integrierten Tintentank, sondern müssen regelmäßig in Tinte oder Tusche eingetaucht werden, um Farbe auf den Beschreibstoff zu übertragen. Dieses einfache, aber effektive Prinzip hat über Jahrhunderte hinweg Künstler, Schreiber und Kalligraphen begleitet und geprägt.

Wie heißen Stifte mit Federn?
Daher werden „ Federhalter “ nicht unbedingt getaucht; viele Illustratoren nennen sie Federhalter. Federhalter mit auswechselbaren Metallfedern kamen im frühen 19. Jahrhundert auf und ersetzten Federkiele und in einigen Teilen der Welt auch Rohrfedern.

Die Geschichte der Schreibfedern beginnt lange vor der Erfindung der Stahlfeder. Ursprünglich nutzte man in Europa Schilfrohr (den sogenannten Calamus) als Schreibgerät. Ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. setzten sich jedoch in Europa Vogelfedern durch, meist Gänsefedern. Der zugespitzte Mittelsteg einer solchen Schwungfeder, bekannt als Federkiel, wurde zum Schreiben auf Pergament verwendet. Das Schreiben mit einem Federkiel erforderte Geschick und regelmäßiges Nachschneiden der Spitze mit einem scharfen Federmesser – daher rührt auch der Name für die kleine Klinge in Taschenmessern. In anderen Kulturen, insbesondere für die hebräische und arabische Schrift, blieben Rohrfedern aus Schilfrohr oder ähnlichem Material weiterhin gebräuchlich.

Übersicht

Vom Federkiel zur Stahlfeder: Eine Revolution

Ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte der Schreibfedern war die Erfindung der Stahlfeder. Im Jahr 1748 erfand der Aachener Bürgermeisterdiener Johannes Janssen die erste stählerne Schreibfeder. Es dauerte jedoch fast ein Jahrhundert, bis sich diese Innovation wirklich durchsetzte. Die Massenproduktion von Stahlfedern begann 1822 in England. Dank des Einsatzes von Schraubpressen, ähnlich denen in der Knopfmacherei, konnten Stahlfedern in großen Mengen aus dünn ausgewalzten Stahlbändern ausgestanzt werden – eine Schnellpresse konnte bis zu 28.000 Federn pro Tag produzieren. Diese industrielle Fertigung machte Schreibfedern deutlich günstiger und zugänglicher als die aufwendig zuzubereitenden Federkiele.

In den 1830er Jahren erreichten die Stahlfedern Deutschland. 1842 wurden in den ersten Hamburger Schulen die Federkiele durch Stahlfedern ersetzt. Im selben Jahr wurde mit Heintze & Blanckertz die erste deutsche Schreibfederfabrik gegründet, was den Beginn der industriellen Fertigung von Schreibfedern in Deutschland markierte. Mit der Verbreitung der Stahlfeder verloren sowohl Vogelfedern als auch Rohrfedern in vielen Teilen der Welt an Bedeutung. Gelegentlich wurden auch Federn aus Glas verwendet, die sogenannten Glasfedern.

Die Vielfalt der Federn: Ein Blick auf verschiedene Typen

Im Laufe der Zeit wurden zahlreiche unterschiedliche Federformen entwickelt, die für spezielle Zwecke optimiert waren. Diese Vielfalt ist ein Grund, warum Schreibfedern auch heute noch in bestimmten Bereichen geschätzt werden. Hier sind einige der bekanntesten Typen:

Bandzugfeder (Breitfeder)

Die Bandzugfeder, auch Breitfeder oder Wechselzugfeder genannt, ist charakteristisch für Schriften, bei denen die Strichstärke stark von der Schreibrichtung abhängt. Ihre Spitze ist nicht spitz, sondern breit und flach zugeschnitten. Die maximale Strichstärke entspricht dabei der Breite der Feder. Es gibt sowohl schräge als auch gerade Bandzugfedern. Durch den Winkel, in dem die Feder auf das Papier trifft, entstehen je nach Bewegungsrichtung des Stiftes unterschiedlich dicke Linien. Bandzugfedern sind das klassische Werkzeug für die Kalligrafie und ermöglichen Schriften wie die Fraktur, die Unziale oder die Karolingische Minuskel, bei denen breite und schmale Striche im Wechsel auftreten.

Spitzfeder (Schwellzugfeder)

Die Spitzfeder, auch Schwellzugfeder genannt, funktioniert nach einem anderen Prinzip. Ihre Spitze ist scharf und längs geschlitzt. Ihre Besonderheit liegt in ihrer Elastizität. Durch variierenden Schreibdruck kann sie Linien erzeugen, die an- und abschwellen – der sogenannte Schwellzug. Dies ist das charakteristische Merkmal der englischen Schreibschrift (Anglaise) und prägte über Jahrhunderte auch das Schriftbild der deutschen Kurrentschrift. Das Schreiben mit einer Spitzfeder erfordert eine besondere Technik: Bei Aufstrichen (Bewegung nach oben) wird nur minimaler Druck ausgeübt, damit die Feder nicht im Papier hängen bleibt und eine feine Linie entsteht. Bei Abstrichen (Bewegung nach unten) wird der Druck erhöht, wodurch sich die Federspitze spreizt, mehr Tinte freigegeben wird und eine breitere Linie entsteht. Spitzfedern sind typische Tauchfedern und waren für den Gebrauch in modernen Füllfederhaltern nicht geeignet oder sind dafür heute nicht mehr erhältlich.

Gleichzugfeder (Kugelspitzfeder)

Eine bedeutende Weiterentwicklung für den Schul- und Alltagsgebrauch war die Gleichzugfeder, auch Linienzugfeder oder Kugelspitzfeder genannt. Sie wurde von Friedrich Soennecken erfunden und ermöglichte Schriften mit gleichbleibender Strichbreite – die Grundlage der heute gebräuchlichen Schreibschriften. Im Gegensatz zur Spitzfeder endet die Gleichzugfeder in einem kleinen kugelförmigen Kopf. Dies macht sie robuster gegenüber unterschiedlichen Schreibwinkeln und erleichtert das Erlernen des Schreibens. Zusammen mit der darauf abgestimmten Sütterlinschrift setzte sich die Kugelspitzfeder in den 1920er Jahren in Schulen durch und wurde zur meistverwendeten Schreibfeder. Soennecken selbst wurde durch diese Erfindung weltberühmt.

Schnurzugfeder (Redisfeder)

Die Schnurzugfeder, auch Plattenfeder, Ornamentfeder oder Redisfeder genannt, besitzt eine um etwa 30° bis 45° versetzte Schreibplatte am Ende. Diese Platte hat einen Durchmesser von 0,5 bis 5 mm. Beim Schreiben liegt die Platte normalerweise flach auf dem Papier und erzeugt einen gleichmäßigen, runden Strich. Sie eignet sich gut für Groteskschriften oder technische Schriften. In der modernen Kalligraphie wird die Feder manchmal aufgekantet gehalten, um ein lebendigeres Schriftbild mit variierenden Strichstärken zu erzielen.

Bis wann schrieb man mit Feder und Tinte?
In den 1830er Jahren kamen die Stahlfedern in Hamburg auf, und 1842 wurden dort in den ersten Schulen die Federkiele abgeschafft.

Spaltfeder (Doppelstrichfeder)

Wie der Name schon sagt, ist die Spaltfeder in der Mitte gespalten, wodurch sie beim Schreiben zwei parallele Striche gleichzeitig erzeugt. Daher wird sie auch Doppelstrichfeder genannt. Je nach Typ können die beiden Striche die gleiche Breite haben oder unterschiedlich dick sein. Spaltfedern werden hauptsächlich für Zierschriften und Initialen verwendet. Da sie nur die Kontur malen, können die so geschriebenen Initialen nachträglich von innen ausgemalt oder verziert werden.

Notenfeder (Musikfeder)

Die Notenfeder ist eine spezielle Form der Spitzfeder, die für das Zeichnen von Noten entwickelt wurde. Ihre Besonderheit sind zwei Federschlitze, die ihr eine besonders hohe Elastizität verleihen. Diese Elastizität ermöglicht es, sowohl dicke Notenköpfe als auch schlanke Notenhälse präzise zu zeichnen. Die höhere Elastizität kann das Schriftbild auch generell lebendiger wirken lassen.

Notenlinienfeder (Rastralfeder)

Die Notenlinienfeder oder Rastralfeder ist ein sehr spezialisiertes Werkzeug. Sie besitzt fünf kleine Spitzen, die in einer Linie angeordnet sind. Mit ihr kann man mit einem einzigen Zug fünf parallele Linien gleichzeitig ziehen, was ideal für das schnelle und saubere Zeichnen von Notenlinien ist. Sie kann auch für bestimmte Verzierungen verwendet werden. Allerdings fasst diese Feder aufgrund der kleinen Spitzen nur sehr wenig Tinte.

Ellenbogenfeder

Die Ellenbogenfeder ist eine Variante der Spitzfeder, die entwickelt wurde, um ein spezifisches Problem zu lösen. Bei dieser Feder ist der untere Teil nach links versetzt, wodurch die Spitze in einem anderen Winkel auf das Papier trifft als bei einer geraden Feder. Sie wurde konzipiert, um Schreibern zu helfen, den korrekten Schreibwinkel für die englische Schreibschrift (Anglaise) leichter einzuhalten, insbesondere wenn sie Schwierigkeiten hatten, den Federhalter in einer bestimmten Position zu halten.

Plakatfeder

Plakatfedern erfüllen die gleiche Funktion wie Bandzugfedern, sind aber wesentlich größer. Sie werden verwendet, um sehr große Schriften zu schreiben, wie sie beispielsweise für Plakate oder Schilder benötigt werden. Da sie für breite Striche ausgelegt sind und viel Fläche bedecken, verbrauchen sie auch entsprechend viel Tinte. Die meisten Plakatfedern verfügen daher über ein integriertes Tintenreservoir, um nicht ständig neu eingetaucht werden zu müssen.

Rechteckplattenfeder (eckige Redisfeder)

Die Rechteckplattenfeder, bekannt unter der Brause-Modellnummer 505, ist eine modernere Erfindung des deutschen Kalligraphen Karlgeorg Hoefer. Ähnlich der Redisfeder hat sie eine um 90° versetzte Schreibplatte, allerdings ist diese Platte rechteckig. Durch das Aufsetzen der gesamten Platte oder nur einer Kante können unterschiedliche Strichstärken erzeugt werden. Der entstehende Duktus, also die Art und Weise, wie die Linie aussieht, ähnelt oft dem eines Pinsels und ermöglicht sehr ausdrucksstarke Schriften.

Ziehfeder (Reißfeder)

Die Zieh- oder Reißfeder unterscheidet sich grundlegend von den bisher genannten Federn. Sie wurde hauptsächlich für technische Zeichnungen, Reinzeichnungen und in der Kartografie verwendet, um präzise Linien unterschiedlicher Stärken zu zeichnen. Sie besteht aus einem Stiel und einer fest montierten Spitze mit zwei gegenüberliegenden, spitz zulaufenden Metallschenkeln. Der Abstand zwischen diesen Schenkeln kann über eine Stellschraube stufenlos eingestellt werden, was die Strichstärke bestimmt (typischerweise zwischen 0,05 und 1,0 mm). Tinte oder Tusche wird mit einem Pinsel zwischen die Schenkel eingefüllt. Die Tinte fließt erst heraus, wenn die Spitze auf den Zeichenuntergrund gedrückt wird. Ziehfedern werden oft entlang von Linealen oder Reißschienen geführt und können auch in Zirkeln eingesetzt werden. Obwohl sie weitgehend durch Tuschezeichner in Stiftform verdrängt wurden, bieten sie Vorteile wie variable Strichstärken ohne Werkzeugwechsel, einfache Reinigung und Verträglichkeit mit verschiedenen Tuschen und Tinten ohne Verstopfungsgefahr.

Die Tauchfeder im Alltag und in der Schule

Nachdem die Stahlfeder erschwinglich geworden war, wurden Tauchfedern zum Standard-Schreibwerkzeug für den Alltag und vor allem in Schulen. Sie blieben bis weit ins 20. Jahrhundert hinein in Gebrauch. Noch in den 1950er und 1960er Jahren wurden Tauchfedern in Schulen verwendet, hauptsächlich aus Kostengründen, da Füllfederhalter damals teuer waren. Schulbänke waren oft mit einer Vertiefung für ein kleines Keramik-Tintenfass ausgestattet, das täglich neu befüllt werden musste – eine Aufgabe, die oft den Schülern übertragen wurde. Selbst als Kugelschreiber günstig verfügbar wurden, verboten einige Schulen deren Gebrauch, möglicherweise weil das Schreiben mit einer Tauchfeder mehr Sorgfalt erforderte und eine saubere Schrift förderte.

Wie heißen Stifte mit Federn?
Daher werden „ Federhalter “ nicht unbedingt getaucht; viele Illustratoren nennen sie Federhalter. Federhalter mit auswechselbaren Metallfedern kamen im frühen 19. Jahrhundert auf und ersetzten Federkiele und in einigen Teilen der Welt auch Rohrfedern.

Gegenwart und Zukunft der Schreibfeder

Heute werden Tauchfedern nur noch selten für das alltägliche Schreiben verwendet. Sie wurden weitgehend von Füllfederhaltern, Tintenrollern und Kugelschreibern abgelöst. Dennoch haben sie ihren Platz in der modernen Welt behalten. Künstler schätzen Tauchfedern wegen der großen Unterschiede, die sie zwischen dicken und dünnen Linien erzeugen können, und weil sie oft sanfter schreiben als andere Stifte. Kalligraphen bevorzugen Tauchfedern für feine Schriften und die Möglichkeit, den Charakter der Schrift durch die Federwahl und den Druck subtil zu beeinflussen. Auch für das sogenannte Nib Painting, eine spezielle Zeichentechnik, werden Tauchfedern, oft mit runden Spitzen und einem Schlitz, weiterhin eingesetzt.

Obwohl viele frühere Hersteller die Produktion eingestellt haben, gibt es immer noch Unternehmen, die hochwertige Schreibfedern herstellen und die Tradition am Leben erhalten. Namen wie Speedball, Brause (heute Teil von Exacompta Clairefontaine), William Mitchell und Joseph Gillott's sind weiterhin bei Künstlern und Kalligraphen bekannt. Die Schreibfeder mag im Büroalltag eine untergeordnete Rolle spielen, doch als Werkzeug für kreativen Ausdruck, Kunst und das Erlernen traditioneller Schriften bleibt sie unersetzlich und faszinierend.

Häufig gestellte Fragen zu Schreibfedern

Wie lange wurden Schreibfedern benutzt?

Schreibfedern in Form von Federkielen wurden in Europa ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. verwendet und waren über tausend Jahre das Standard-Schreibgerät. Stahlfedern kamen im 19. Jahrhundert auf und lösten die Federkiele ab. Sie blieben bis Mitte des 20. Jahrhunderts im Schul- und Alltagsgebrauch weit verbreitet, bevor sie von Füllfederhaltern und später Kugelschreibern verdrängt wurden.

Was ist der Unterschied zwischen einer Schreibfeder und einem Füllfederhalter?

Der Hauptunterschied liegt im Tintenvorrat. Eine Schreibfeder (Tauchfeder) hat keinen eigenen Tintentank und muss regelmäßig in ein Tintenfass getaucht werden. Ein Füllfederhalter hingegen verfügt über einen integrierten Tintentank (befüllbar per Kolbenmechanik oder Tintenpatrone), der das Eintauchen überflüssig macht. Das Prinzip der Feder selbst ist bei beiden Geräten ähnlich, auch wenn die Federn für Füllfederhalter angepasst sind.

Wer benutzt heute noch Schreibfedern?

Heute werden Schreibfedern hauptsächlich von Künstlern, Illustratoren und Kalligraphen verwendet. Sie schätzen die einzigartigen Möglichkeiten zur Variation der Strichstärke und den charakteristischen Duktus, den man mit einer Tauchfeder erzielen kann und der sich von modernen Schreibgeräten unterscheidet.

Sind alle Schreibfedern gleich?

Nein, es gibt eine große Vielfalt an Schreibfedern, die für unterschiedliche Zwecke und Schriftarten entwickelt wurden. Beispiele sind die Bandzugfeder für breite Schriften, die Spitzfeder für Schwellzüge, die Gleichzugfeder für gleichmäßige Striche oder spezialisierte Federn wie Notenfedern oder Ziehfedern.

Ist das Schreiben mit einer Schreibfeder schwierig?

Das Schreiben mit einer Schreibfeder, insbesondere mit einer Spitzfeder, erfordert etwas Übung und eine spezielle Technik, um den Tintenfluss und die Strichstärke zu kontrollieren. Im Vergleich zu modernen Stiften ist mehr Sorgfalt beim Umgang mit Tinte und Feder erforderlich. Die Gleichzugfeder wurde entwickelt, um das Schreiben zu erleichtern und ist einfacher zu handhaben als eine Spitzfeder.

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