20/11/2022
Die Internationale Raumstation ISS ist ein faszinierendes Meisterwerk der Technik und ein Außenposten der Menschheit im All. Sie schwebt in einer Höhe von etwa 400 Kilometern über uns und ist dabei unglaublich schnell unterwegs. Ihre Geschwindigkeit beträgt rund 28.000 Kilometer pro Stunde – das ist etwa 20 Mal schneller als eine Pistolenkugel! Bei dieser enormen Geschwindigkeit und ihrer beachtlichen Größe, die mit einem Fußballfeld vergleichbar ist, stellt sich unweigerlich die Frage: Wie bleibt dieses riesige Labor dort oben und stürzt nicht einfach ab? Welche physikalischen Kräfte und Prinzipien sorgen dafür, dass die ISS auf ihrer Umlaufbahn verharrt? Und wie meistern die Astronautinnen und Astronauten an Bord die extremen Bedingungen des Weltraums, wo die Temperaturen zwischen eisigen -160 Grad Celsius und glühend heißen +120 Grad Celsius schwanken können? Zudem gibt es Überlegungen zur Wahl des Startortes für solche Missionen. Warum werden Weltraum-Bahnhöfe eigentlich oft möglichst nah am Äquator gebaut?
Diese Fragen sind zentral, um die Komplexität und Genialität hinter der Raumfahrt zu verstehen. Es sind physikalische Gesetzmäßigkeiten, die hier am Werk sind und die genauestens beachtet werden müssen, damit solch ein Unterfangen gelingt und die Sicherheit der Mission und der Besatzung gewährleistet ist. Die Umlaufbahn der ISS ist das Ergebnis eines fein abgestimmten Gleichgewichts verschiedener Kräfte, das durch die hohe Geschwindigkeit der Station ermöglicht wird.

Das Geheimnis der Umlaufbahn: Warum die ISS nicht abstürzt
Das wohl drängendste Rätsel für viele ist, warum die ISS nicht einfach zur Erde zurückfällt. Schließlich zieht die Schwerkraft (Gravitation) alles Materielle an. Die Antwort liegt in der enormen Geschwindigkeit, mit der sich die Station um die Erde bewegt. Um in einer Höhe von knapp 400 Kilometern eine stabile Bahn zu halten, sind, wie erwähnt, etwa 28.000 Kilometer pro Stunde notwendig. Diese hohe Geschwindigkeit erzeugt eine sogenannte Fliehkraft, die radial von der Erde weg gerichtet ist. Man kann sich das vorstellen wie bei einem Gewicht, das man an einer Schnur im Kreis schwingt: Das Gewicht versucht, nach außen zu fliegen.
Im Fall der ISS halten sich die Schwerkraft, die sie zum Erdmittelpunkt zieht, und die durch ihre hohe Geschwindigkeit erzeugte Fliehkraft, die sie von der Erde wegdrückt, die Waage. Sie sind im Idealfall gleich groß und entgegengesetzt gerichtet. Dieses dynamische Gleichgewicht sorgt dafür, dass die ISS weder abstürzt noch ins unendliche All entweicht, sondern auf einer stabilen Umlaufbahn bleibt.
Um dieses Prinzip zu veranschaulichen, kann man sich ein Experiment vorstellen, wie es im DLR_School_Lab Göttingen durchgeführt wird: Ein kleines Luftkissen-Fahrzeug, das die ISS repräsentiert, bewegt sich auf einer Tischplatte, in deren Mitte sich ein Loch befindet. Über eine Umlenkrolle ist das Fahrzeug mit einem Gewicht verbunden, das die Schwerkraft der Erde simuliert. Wenn das Luftkissen-Fahrzeug (die 'ISS') in Ruhe ist, zieht das Gewicht es direkt zum Loch in der Mitte der Platte – die 'ISS' würde abstürzen. Beginnt sich das Fahrzeug jedoch mit einer bestimmten Geschwindigkeit um das Zentrum zu bewegen, beschreibt es eine stabile Kreisbahn. Es schwebt quasi um das Loch, ohne hineinzufallen. Dieses Experiment zeigt eindrucksvoll, wie die seitliche Bewegung (die Geschwindigkeit) der Anziehungskraft entgegenwirkt und eine stabile Umlaufbahn ermöglicht.
Das Experiment erlaubt sogar, die Auswirkungen verschiedener Bahnradien auf die benötigte Geschwindigkeit zu messen. Je weiter außen sich das Luftkissen-Fahrzeug bewegt, desto langsamer kann es sein, ohne zur Mitte gezogen zu werden. Dies illustriert, dass die benötigte Orbitalgeschwindigkeit von der Höhe der Umlaufbahn abhängt.
Der Start ins All: Wie man die nötige Geschwindigkeit erreicht
Um überhaupt eine stabile Umlaufbahn wie die der ISS zu erreichen, muss ein Objekt, wie eine Rakete, auf eine extrem hohe Geschwindigkeit beschleunigt werden. Diese anfängliche Geschwindigkeit ist entscheidend, um der Erdanziehungskraft zu entkommen und die nötige Fliehkraft für eine Umlaufbahn aufzubauen. Das Erreichen dieser enormen Geschwindigkeit erfordert eine immense Menge an Energie. Ingenieure nutzen dabei jeden physikalischen Vorteil, der sich bietet.
Ein solcher Vorteil ist die Rotation der Erde selbst. Die Erdoberfläche bewegt sich aufgrund der Erdrotation, und diese Bewegung ist am schnellsten am Äquator. Stellen Sie sich vor, Sie werfen einen Ball von einem sich drehenden Karussell: Wenn Sie ihn in Drehrichtung werfen, bekommt er eine zusätzliche Geschwindigkeit. Genauso verhält es sich mit Raketen, die nahe am Äquator gestartet werden. Sie profitieren von der bereits vorhandenen Geschwindigkeit der Erdoberfläche an diesem Breitengrad, die am größten ist. Dies spart Treibstoff und ermöglicht es, die benötigte Orbitalgeschwindigkeit effizienter zu erreichen.
Auch dieses Prinzip lässt sich experimentell nachvollziehen. Man kann sich vorstellen, einen Globus zu verwenden, der in schnelle Rotation versetzt wird. Ein Elektromagnet und ein Permanentmagnet dienen als Startrampe und Rakete. Wenn der Globus rotiert und der Elektromagnet eingeschaltet wird, stoßen sich die Magnete ab und die 'Rakete' wird weggeschossen. Je nachdem, an welchem Breitengrad auf dem rotierenden Globus der Start erfolgt, wird die 'Rakete' unterschiedlich weit fliegen. Ein Start nahe dem 'Äquator' des Globus wird der 'Rakete' die größte Anfangsgeschwindigkeit mitgeben und sie am weitesten fliegen lassen. Dies demonstriert sehr anschaulich, warum Startplätze wie Cape Canaveral in Florida (nahe dem Äquator) oder Kourou in Französisch-Guayana (noch näher am Äquator) für orbitale Starts bevorzugt werden.
Extreme Temperaturen im Weltraum
Neben den Herausforderungen der Orbitalmechanik müssen Raumstationen und Raumfahrzeuge auch mit den extremen Temperaturschwankungen im Vakuum des Weltraums zurechtkommen. Ohne eine schützende Atmosphäre, die Wärme verteilt und isoliert, ist die Sonnenseite eines Objekts direkt der intensiven Sonnenstrahlung ausgesetzt, während die Schattenseite die Wärme schnell ins All abstrahlt. Die Temperaturen, denen die ISS ausgesetzt ist, können daher dramatisch variieren: von eiskalten -160 Grad Celsius im Schatten bis zu glühend heißen +120 Grad Celsius in der Sonne. Die Aufrechterhaltung einer bewohnbaren Temperatur für die Astronauten im Inneren ist eine enorme technische Leistung, die komplexe Isolations- und Temperaturkontrollsysteme erfordert. Die schiere Bandbreite dieser Temperaturen macht deutlich, welch lebensfeindliche Umgebung das All darstellt und welch fortschrittliche Technologie nötig ist, um Menschen dort überleben zu lassen.
Die Form der Umlaufbahn
Interessanterweise wird die Umlaufbahn der ISS um die Erde oft als Ellipse dargestellt und nicht als perfekter Kreis. Obwohl für eine stabile Umlaufbahn das Gleichgewicht zwischen Schwerkraft und Fliehkraft entscheidend ist, sind reale Umlaufbahnen selten exakte Kreise. Verschiedene Faktoren können dazu führen, dass die Bahn leicht elliptisch ist. Die Darstellung als Ellipse spiegelt die tatsächliche Flugbahn der Raumstation genauer wider als ein idealisierter Kreis. Dies bedeutet, dass die Entfernung der ISS zur Erde während eines Umlaufs leicht variiert.
Mehr erfahren im DLR_School_Lab Göttingen
Die faszinierenden physikalischen Prinzipien, die es der ISS ermöglichen, im All zu schweben, die nötige Geschwindigkeit für den Start zu erreichen und den extremen Temperaturen zu trotzen, können nicht nur theoretisch betrachtet, sondern auch praktisch erlebt werden. Im DLR_School_Lab Göttingen beispielsweise haben Interessierte die Möglichkeit, diese Konzepte durch spannende Experimente selbst zu erforschen. Die Versuche mit dem Globus und den Magneten oder dem Luftkissen-Fahrzeug machen die abstrakten Ideen der Orbitalmechanik und der Vorteile eines Äquatorstarts greifbar und verständlich. Solche praktischen Erfahrungen vertiefen das Verständnis für die Komplexität der Raumfahrt und die Physik, die dahintersteckt.
Häufig gestellte Fragen zur ISS-Umlaufbahn
Wie schnell fliegt die ISS um die Erde?
Die ISS fliegt mit einer beeindruckenden Geschwindigkeit von etwa 28.000 Kilometern pro Stunde.
In welcher Höhe befindet sich die ISS?
Die Internationale Raumstation umkreist die Erde in einer durchschnittlichen Höhe von rund 400 Kilometern.
Warum stürzt die ISS nicht auf die Erde zurück?
Die ISS stürzt nicht ab, weil ihre hohe Geschwindigkeit eine Fliehkraft erzeugt, die der Anziehungskraft der Schwerkraft entgegenwirkt. Diese beiden Kräfte halten sich in der Umlaufbahn die Waage.
Warum starten Weltraumraketen oft in der Nähe des Äquators?
Starts nahe am Äquator nutzen die dort maximale Rotationsgeschwindigkeit der Erde. Diese zusätzliche Geschwindigkeit hilft der Rakete, die für eine stabile Umlaufbahn notwendige hohe Geschwindigkeit effizienter zu erreichen.
Welche extremen Temperaturen herrschen außerhalb der ISS?
Die Temperaturen im Vakuum des Weltraums schwanken stark, von etwa -160 Grad Celsius im Schatten bis zu +120 Grad Celsius auf der Sonnenseite.
Ist die Umlaufbahn der ISS ein perfekter Kreis?
Die Umlaufbahn der ISS wird typischerweise als Ellipse dargestellt, was ihre tatsächliche, leicht variierende Entfernung zur Erde während eines Umlaufs besser abbildet als ein perfekter Kreis.
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