Was ist besser als Siebdruck?

Tampondruck: Flexibles Druckverfahren erklärt

29/06/2017

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Der Tampondruck ist ein faszinierendes und äußerst vielseitiges Druckverfahren, das in zahlreichen Branchen zum Einsatz kommt. Es handelt sich um ein indirektes Tiefdruckverfahren, das sich durch seine einzigartige Fähigkeit auszeichnet, Motive auf Objekte mit komplexen Formen und Oberflächen zu übertragen, was mit vielen anderen Drucktechniken kaum möglich wäre. Im Kern des Verfahrens steht ein elastischer Tampon, der die Farbe aufnimmt und präzise auf das zu bedruckende Material überträgt. Diese Eigenschaft macht den Tampondruck zu einer unverzichtbaren Technik, wenn es darum geht, kleine oder unregelmäßig geformte Gegenstände detailreich zu bedrucken.

Ist UV-Druck besser als Tampondruck?
Materialvielfalt: Während der Tampondruck traditionell auf kleinere Gegenstände mit flachen oder leicht gewölbten Oberflächen beschränkt ist, können Flachbett-UV-Drucker direkt auf nahezu jedes Material und jede Form drucken, auch auf unebene und strukturierte Oberflächen . Dies eröffnet mehr Möglichkeiten zur individuellen Gestaltung und Produktdiversifizierung.
Übersicht

Was ist Tampondruck und wie funktioniert er?

Der Tampondruck ist ein indirektes Druckverfahren. Das bedeutet, die Farbe wird nicht direkt von der Druckform auf das Objekt übertragen, sondern nimmt einen Umweg über einen Zwischenträger – in diesem Fall den namensgebenden Tampon. Dieser Tampon besteht typischerweise aus hochelastischem Silikonkautschuk, was ihm seine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit verleiht.

Der Prozess beginnt mit der Erstellung eines sogenannten Klischees. Das Klischee ist die eigentliche Druckform und besteht oft aus Stahl oder Kunststoff. In dieses Klischee wird das gewünschte Druckmotiv als Vertiefung eingebracht. Bei Stahlklischees geschieht dies häufig durch Ätzen, bei Kunststoffklischees können andere Verfahren zum Einsatz kommen. Die Präzision dieser Vertiefungen ist entscheidend für die Schärfe und Detailtreue des späteren Druckergebnisses.

Sobald das Klischee vorbereitet ist, wird es mit Farbe geflutet. Die Farbe dringt in die eingravierten Vertiefungen des Motivs ein. Anschließend wird überschüssige Farbe, die sich außerhalb der Vertiefungen auf der Oberfläche des Klischees befindet, mithilfe eines Rakelmessers oder – im geschlossenen System – einer Rakelkante sauber abgeschabt. Nur die Farbe, die in den Vertiefungen verbleibt, wird später auf das Objekt übertragen.

Nun kommt der Tampon ins Spiel. Der Tampon senkt sich auf das eingefärbte Klischee ab. Aufgrund seiner Elastizität schmiegt er sich an die Oberfläche an und nimmt die Farbe aus den Vertiefungen auf. Durch die Oberflächenspannung der Farbe und die Beschaffenheit des Silikontampons haftet die Farbe am Tampon.

Im nächsten Schritt wird der Tampon angehoben und bewegt sich zum Bedruckstoff, also dem Objekt, das bedruckt werden soll. Der Tampon senkt sich erneut ab und drückt sich auf die Oberfläche des Objekts. Hier zeigt sich die Stärke des Tampondrucks: Selbst wenn das Objekt gekrümmt, uneben oder strukturiert ist, passt sich der elastische Tampon der Form an und überträgt die Farbe aus seinem Inneren präzise auf die Oberfläche. Die Farbe löst sich vom Tampon und haftet am Bedruckstoff.

Für mehrfarbige Drucke wird dieser Prozess wiederholt. Für jede Farbe wird ein eigenes Klischee benötigt, und die Farben werden nacheinander auf das Objekt aufgebracht, wobei der Tampon jedes Mal eine andere Farbe aus dem entsprechenden Klischee aufnimmt und überträgt. Moderne Tampondruckmaschinen können dies sehr schnell und mit hoher Passgenauigkeit durchführen.

Für hohe Auflagen und wiederkehrende Motive werden oft Stahlklischees verwendet, da diese robuster und langlebiger sind als Kunststoffklischees.

Die unschlagbaren Vorteile des Tampondrucks

Die Popularität des Tampondrucks beruht auf mehreren entscheidenden Vorteilen, die ihn für spezifische Anwendungen prädestinieren:

Der wohl größte und wichtigste Vorteil ist die enorme Flexibilität des Verfahrens. Dank des hochelastischen Tampons aus Silikonkautschuk kann der Tampondruck auf nahezu jeder Oberfläche und jeder Form angewendet werden. Egal ob das Objekt flach, rund, oval, konkav, konvex, zylindrisch, strukturiert oder unregelmäßig geformt ist – der Tampon passt sich an und ermöglicht eine gleichmäßige und präzise Farbübertragung. Dies unterscheidet den Tampondruck fundamental von den meisten anderen Druckverfahren, die oft ebene oder nur leicht gekrümmte Oberflächen voraussetzen.

Neben der Formflexibilität bietet der Tampondruck auch eine hohe Präzision und Qualität des Druckergebnisses. Die aus dem Klischee aufgenommene Farbe wird sehr sauber und mit scharfen Kanten auf das Objekt übertragen. Selbst feine Linien, kleine Schriften und komplexe Details können mit hoher Auflösung gedruckt werden. Die Farbsättigung ist oft sehr hoch, nahezu 100 Prozent, was zu lebendigen und deckenden Farben führt.

Ein weiterer praktischer Vorteil sind die vergleichsweise kurzen Umrüstzeiten. Wenn ein neues Motiv oder eine andere Farbe gedruckt werden soll, lassen sich Klischee und Farbe relativ schnell austauschen, was die Effizienz des Prozesses erhöht, insbesondere bei kleineren und mittleren Auflagen oder häufigen Motivwechseln.

Verschiedene Systeme im Tampondruck

Innerhalb des Tampondrucks haben sich verschiedene Systemvarianten etabliert, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile für unterschiedliche Anwendungen bieten:

Das Offene Farbsystem

Beim Offenen Farbsystem befindet sich die Druckfarbe in einem offenen Farbbecken oder einer offenen Farbschale. Ein Farbspachtel oder eine Auftragswalze verteilt die Farbe großzügig über das gesamte Druckklischee. Anschließend fährt ein Rakelmesser über das Klischee und schabt die überschüssige Farbe von der Oberfläche ab, sodass nur die Farbe in den Vertiefungen verbleibt. Dieses System eignet sich besonders gut für größere Druckflächen, da das offene Becken eine einfache Handhabung größerer Farbmengen ermöglicht. Ein Nachteil kann sein, dass die Farbe durch die offene Oberfläche schneller Lösungsmittel verliert und somit ihre Viskosität ändern kann, was unter Umständen ein häufigeres Nachdünnen der Farbe erfordert.

Das Geschlossene Farbsystem

Das Geschlossene Farbsystem ist in der Praxis oft das gebräuchlichere und schnellere Verfahren. Hierbei wird ein geschlossener Farbtopf verwendet, der durch einen umlaufenden Ring abgedichtet ist. Dieser Farbtopf liegt kopfüber auf dem Klischee auf. Die Besonderheit dieses Systems ist, dass der Farbauftrag und das Abrakeln der überschüssigen Farbe in einem einzigen Arbeitsschritt erfolgen. Die Unterseite des Farbtopfes ist gleichzeitig die Rakelkante. Wenn der Farbtopf über das Klischee bewegt wird, gibt er Farbe in die Vertiefungen ab und rakeltt gleichzeitig die Oberfläche sauber. Der Hauptvorteil dieses geschlossenen Systems ist, dass die Farbe weniger mit der Umgebungsluft in Kontakt kommt. Dadurch wird der Austritt von Lösungsmitteln minimiert, die Farbqualität bleibt über längere Zeit stabiler, und das Nachdünnen ist seltener nötig. Dies führt zu einer konstanteren Druckqualität über die gesamte Auflage hinweg.

Der Rotationstampondruck

Beim Rotationstampondruck wird das Prinzip des Tampondrucks auf rotierende Elemente angewendet. Die Druckfarbe befindet sich hier typischerweise ebenfalls in einem offenen Farbbecken, ähnlich dem Offenen Farbsystem. Der Farbauftrag erfolgt jedoch auf walzenförmige Klischees, und die Übertragung der Farbe geschieht mittels walzenförmiger Tampons. Diese Walzen können sich kontinuierlich gegeneinander bewegen, was einen fortlaufenden und sehr schnellen Druckvorgang ermöglicht. Dieses Verfahren ist besonders gut für sehr hohe Auflagen geeignet, bei denen eine hohe Druckgeschwindigkeit erforderlich ist.

Der Rundumtampondruck

Der Rundumtampondruck ist eine spezielle Variante, die es erlaubt, Objekte rundherum oder über einen größeren Winkelbereich zu bedrucken. Dabei wird das zu bedruckende Objekt selbst um seine eigene Achse gedreht oder an einem speziellen Riementampon entlanggeführt. Dies ermöglicht das Bedrucken von zylindrischen oder kugelförmigen Objekten über den gesamten Umfang oder einen großen Teil davon in einem einzigen Arbeitsgang. Beispiele hierfür sind Bälle, Flaschen oder andere rotationssymmetrische Gegenstände. Auch mit dieser Technik sind große Druckmengen realisierbar, insbesondere wenn die Objekte automatisch zugeführt werden.

Vielfältige Anwendungen des Tampondrucks

Die einzigartige Fähigkeit des Tampondrucks, sich an fast jede Form anzupassen, eröffnet ein riesiges Spektrum an Anwendungsmöglichkeiten quer durch nahezu alle Industriezweige. Kaum ein anderes Druckverfahren ist so vielseitig einsetzbar.

Besonders häufig kommt der Tampondruck bei Bedruckstoffen aus Kunststoff zum Einsatz, da viele Kunststoffprodukte komplexe dreidimensionale Formen aufweisen. Aber auch Materialien wie Glas, Keramik, Metall, Papier, Karton und sogar Holz können erfolgreich bedruckt werden, sofern die Oberfläche für die Farbhaftung vorbereitet ist.

Die Anwendungen sind dabei extrem vielfältig:

  • Werbemittel: Kugelschreiber, Feuerzeuge, USB-Sticks, Schlüsselanhänger, Tassen, Flaschenöffner, Antistressbälle. Die Möglichkeit, Logos und Werbebotschaften auf kleine, oft unregelmäßig geformte Artikel zu drucken, macht den Tampondruck zur ersten Wahl in der Werbemittelbranche.
  • Spielzeugindustrie: Modelleisenbahnen, Spielfiguren, Bausteine. Kleine Details und Markierungen auf Spielzeugteilen werden oft per Tampondruck aufgebracht.
  • Elektronik: Bedruckung von Gehäusen, Tasten, Schaltern, Leiterplatten. Elektronische Bauteile erfordern oft präzise Markierungen auf kleinen Flächen.
  • Automobilindustrie: Bedruckung von Knöpfen, Schaltern im Innenraum, kleineren Komponenten.
  • Medizintechnik: Bedruckung von Spritzen, Kathetern, Diagnosegeräten. Hier sind oft hohe Präzision und biokompatible Farben gefragt.
  • Haushaltsartikel: Bedruckung von Geschirr (Tassen, Teller), Küchenutensilien, Werkzeugen.
  • Kosmetik und Pharmazie: Bedruckung von Tiegeln, Flaschen, Tuben.

Die Liste ließe sich nahezu beliebig fortsetzen. Überall dort, wo kleine, geformte Objekte präzise und dauerhaft bedruckt werden müssen, ist der Tampondruck die ideale Lösung.

Tampondruck im Vergleich zu Offsetdruck und Letterset

Der Tampondruck ist, wie erwähnt, ein indirektes Druckverfahren. Die Farbe gelangt über einen Zwischenträger (den Tampon) auf den Bedruckstoff. Dies ist eine Gemeinsamkeit, die er mit dem Offsetdruck und dem Letterset (auch als indirekter Buchdruck oder Hochdruck bekannt) teilt.

Der entscheidende Unterschied liegt im Druckprinzip der Druckform (des Klischees) und im verwendeten Zwischenträger:

Im Tampondruck sind die zu druckenden Bereiche im Klischee als Vertiefungen angelegt. Die Farbe wird aus diesen Vertiefungen aufgenommen. Man spricht daher von einem Tiefdruckverfahren.

Beim Letterset (indirekter Hochdruck) sind die zu druckenden Elemente auf der Druckform erhaben. Die Farbe haftet nur an diesen erhöhten Stellen. Es handelt sich um ein Hochdruckverfahren.

Der Offsetdruck wiederum basiert auf dem Prinzip der Abstoßung von Wasser und Fett (Farbe). Die Druckform (meist eine Aluminiumplatte) ist nahezu flach. Die zu druckenden Bereiche sind chemisch so behandelt, dass sie Farbe annehmen (fettliebend), während die nicht zu druckenden Bereiche Wasser annehmen und die Farbe abstoßen (wasserliebend). Es handelt sich um ein Flachdruckverfahren.

Ein weiterer wichtiger Unterschied ist der Zwischenträger. Während beim Tampondruck der flexible Silikonkautschuk-Tampon die Farbe aufnimmt und überträgt, verwenden sowohl der Lettersetdruck als auch der Offsetdruck einen Gummituchzylinder als Zwischenträger. Dieses Gummituch ist ebenfalls elastisch, aber nicht in dem Maße verformbar wie der Tampon aus Silikonkautschuk. Dies erklärt, warum Tampondruck auf extrem unebenen Oberflächen möglich ist, während Offset- oder Lettersetdruck typischerweise nur auf (nahezu) flachen Materialien oder Objekten mit geringer Krümmung eingesetzt werden kann.

Häufig gestellte Fragen zum Tampondruck

Ist Tampondruck für alle Materialien geeignet?

Tampondruck eignet sich für eine sehr breite Palette von Materialien, darunter Kunststoffe (oft die häufigste Anwendung), Glas, Keramik, Metall, Holz, Papier und Karton. Wichtig ist, dass die Oberfläche für die Farbhaftung geeignet oder entsprechend vorbehandelt (z.B. durch Flammbehandlung oder Coronabehandlung bei Kunststoffen) ist.

Können mehrfarbige Motive gedruckt werden?

Ja, mehrfarbige Motive sind im Tampondruck problemlos möglich. Für jede Farbe wird ein separates Klischee erstellt und der Druckvorgang nacheinander mit den verschiedenen Farben wiederholt. Moderne Maschinen können dies sehr präzise handhaben, um ein gutes Register (passgenauen Übereinanderdruck der Farben) zu gewährleisten.

Was ist der Unterschied zwischen offenem und geschlossenem Farbsystem?

Der Hauptunterschied liegt in der Handhabung der Farbe. Beim offenen System liegt die Farbe in einem offenen Becken, was einfacher für große Druckflächen ist, aber zu schnellerer Lösungsmittelverdunstung führen kann. Beim geschlossenen System befindet sich die Farbe in einem abgedichteten Topf, der gleichzeitig als Rakel dient. Dies hält die Farbe länger stabil, reduziert Lösungsmittelverlust und ist oft schneller in der Handhabung, besonders bei kleineren Motiven.

Kann man mit Tampondruck auf sehr kleine oder unregelmäßige Objekte drucken?

Das ist die Kernkompetenz des Tampondrucks! Dank der hohen Flexibilität des Tampons können selbst winzige Bauteile, stark gekrümmte Flächen oder Objekte mit komplexen Geometrien präzise bedruckt werden. Dies ist der Hauptgrund für seinen Einsatz in vielen spezialisierten Anwendungen.

Fazit

Der Tampondruck ist ein unverzichtbares Spezialdruckverfahren, das sich durch seine einzigartige Fähigkeit auszeichnet, präzise und detailreiche Drucke auf nahezu jede Oberfläche und Form zu übertragen. Seine Flexibilität, die hohe Druckqualität und die breite Materialkompatibilität machen ihn zur idealen Wahl für eine immense Vielfalt an Produkten, von industriellen Bauteilen über medizinische Geräte bis hin zu den allgegenwärtigen Werbemitteln wie Kugelschreibern und Feuerzeugen. Ob im offenen oder geschlossenen System, als Rotations- oder Rundumdruck – der Tampondruck bietet maßgeschneiderte Lösungen für anspruchsvolle Druckaufgaben, bei denen herkömmliche Verfahren an ihre Grenzen stoßen. Er ist ein Paradebeispiel dafür, wie spezielle Drucktechniken die Veredelung und Kennzeichnung von Produkten in nahezu jeder Branche ermöglichen.

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