22/03/2026
Wenn es um traditionelle österreichische Süßwaren geht, ist der Name Manner untrennbar mit knusprigen Waffeln und zarter Haselnusscreme verbunden. Doch wer steckt wirklich hinter dem bekannten rosa Logo mit dem Wiener Stephansdom? Die Geschichte der Josef Manner & Comp. AG ist eine Reise durch mehr als 130 Jahre Wiener Wirtschaftsgeschichte, geprägt von Innovation, Wachstum, Herausforderungen und einer tiefen Verwurzelung in der österreichischen Hauptstadt.

- Die Anfänge: Ein Kaufmann mit Vision
- Aufstieg und Herausforderungen im frühen 20. Jahrhundert
- Die Zeit des Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg
- Nachkriegszeit, Modernisierung und Übernahmen
- Struktur, Standorte und aktuelle Entwicklungen
- Die Ikone: Original Manner Neapolitaner-Schnitte
- Vielfalt im Sortiment
- Das Markenzeichen: Der Stephansdom
- Rechtliche Auseinandersetzung um Verpackungsgewicht
- Eine gesündere Alternative: Manner Vollkorn Schnitten
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Die Anfänge: Ein Kaufmann mit Vision
Die Wurzeln des Unternehmens reichen zurück bis ins Jahr 1890. Josef Manner, ein gelernter Kaufmann, betrieb zunächst ein kleines Geschäft am Stephansplatz in Wien. Sein Angebot umfasste Schokoladen und Feigenkaffee. Mit dem Erwerb der Konzession und des Lokals eines kleinen Schokoladenerzeugers in Margareten legte er am 1. März 1890 den Grundstein für die „Chocoladenfabrik Josef Manner“, die er gemeinsam mit seinen Brüdern gründete. Nur sechs Monate später erfolgte der Umzug nach Wien-Hernals, ein Standort, der bis heute eng mit dem Unternehmen verbunden ist.
Der Erfolg stellte sich rasch ein. Bereits im Jahr 1897 beschäftigte das Unternehmen 100 Mitarbeiter. Ein entscheidender Moment in der Geschichte war die Erfindung der berühmten Manner-Schnitte im Jahr 1898. Im Jahr 1900 trat Johann Georg Riedl als Teilhaber ein, was den Beginn einer bis heute andauernden Zusammenarbeit zwischen den Familien Manner und Riedl markierte.
Aufstieg und Herausforderungen im frühen 20. Jahrhundert
Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs entwickelte sich Manner zum führenden Süßwarenproduzenten in Österreich-Ungarn. In dieser Zeit, genauer gesagt bis 1913, wurde auch das heute noch genutzte Werk in der Wilhelminenstraße in Wien-Hernals errichtet. Im Oktober 1913 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und zählte beeindruckende 3000 Angestellte.
Die wirtschaftlich turbulenten Zeiten des 20. Jahrhunderts machten auch vor Manner nicht halt. Ab März 1922 befand sich die Aktienmehrheit im Besitz der Anglo-Austrian Bank. Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise zwangen das Unternehmen 1935 zur Herabsetzung des Aktienkapitals. Im selben Jahr zog sich Unternehmensgründer Josef Manner aus dem operativen Geschäft zurück.
Die Zeit des Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg
Die Periode des Nationalsozialismus stellt ein dunkles Kapitel dar. Laut vorliegender Informationen profitierte Manner während dieser Zeit von Wehrmachtsaufträgen, der „Arisierung“ jüdischen Eigentums und der Ausbeutung von Zwangsarbeitern. Trotz der allgemeinen Einschnitte konnte das Unternehmen im Zweiten Weltkrieg sogar ein Wachstum verzeichnen. Das Geschäftsjahr 1939 wurde als „im allgemeinen befriedigend“ beschrieben. Im Geschäftsjahr 1941 wurde ein hoher Ertrag erwirtschaftet und eine Dividende ausgeschüttet.
Manner wurde als „Armee-Lieferant“ zwangsverpflichtet und produzierte Schokolade und Kekse für die Deutsche Wehrmacht sowie Scho-Ka-Kola für die Luftwaffe. Als kriegswichtiger Betrieb erhielt Manner bis 1945 Kakaobohnen zugeteilt. Das Unternehmen stand unter der Führung eines nationalsozialistischen Betriebsleiters, während der Sohn des Gründers lediglich als technischer Leiter tätig war. Glücklicherweise entstanden durch Bombardements nur vergleichsweise geringe Schäden am Werksgebäude.
Nachkriegszeit, Modernisierung und Übernahmen
Das Ende des Krieges brachte neue Herausforderungen. Die russische Besatzungsmacht requirierte die Zucker- und Kakaovorräte, was zu einem zweijährigen Rohstoffmangel führte. Im Jahr 1947 verstarb der Unternehmensgründer Josef Manner. Ein wichtiger Wendepunkt war der Eintritt seines Enkels Carl Manner im September 1953, der später eine prägende Rolle spielen sollte.
Ein entscheidender Schritt zur Qualitätssicherung und Vertriebsförderung war die Einführung der aromasicheren Verpackung in Alu-beschichteten Folien mit dem typischen roten Aufreißfaden im Jahr 1960. Dies verbesserte die Frische der Haselnusscreme-Schnitten erheblich und führte zu steigenden Verkaufszahlen. 1964 konnte Manner erstmals seit 1914 wieder einen Rekordumsatz vermelden. Im Jahr 1970 expandierte das Sortiment und die Marktposition durch die Übernahme der Mitbewerber Napoli und Casali, deren Eignerfamilien in das Unternehmen Manner eintraten.

Struktur, Standorte und aktuelle Entwicklungen
Die Josef Manner & Comp. AG ist heute eine an der Wiener Börse notierte Aktiengesellschaft. Ein bedeutender Teil der Aktien befindet sich nach wie vor im Familienbesitz. Die Familie verfolgt die Strategie, Anteile von Familienmitgliedern, die kein Interesse mehr am Unternehmen haben, aufzukaufen, um eine maßgebliche Beteiligung Außenstehender zu verhindern.
Im Jahr 2005 sorgte die Absicht des Bundesdenkmalamts, das historische Manner-Gebäude in der Wilhelminenstraße unter Denkmalschutz zu stellen, für Diskussionen. Das Unternehmen argumentierte, dass dies wirtschaftliche Gründe für eine mögliche Verlegung der Produktion schaffen könnte, was auf breiten Widerstand in der Bevölkerung stieß.
Neben dem Produktionsstandort in Wien betreibt Manner mehrere Flagshipstores an prominenten Orten. Dazu gehören Geschäfte am Stephansplatz in Wien (seit 2004), am Wiener Flughafen (seit 2006), am Residenzplatz in Salzburg (seit 2010) und in Graz (am Hauptplatz seit 2018, im Murpark seit 2019). Zur Stärkung des Auslandsgeschäfts wurden Vertriebs-Tochterunternehmen in Slowenien, Tschechien und Deutschland gegründet.
Wichtige strukturelle Veränderungen fanden in den letzten Jahren statt. Ab 2011 wurde der Standort Wien ausgebaut, um ab 2015 die Waffelproduktion dort zu konzentrieren. Das Werk in Perg in Oberösterreich wurde 2016 geschlossen und die Produktionsanlagen nach Wien übersiedelt. Der großräumige Umbau des Wiener Werks wurde im Jahr 2020 abgeschlossen. Seit 2017 nutzt Manner in Zusammenarbeit mit Wien Energie die Abwärme der Abluft, um rechnerisch etwa 600 Haushalte mit Fernwärme zu versorgen.
Bis zu seinem Tod im Jahr 2017 führte Carl Manner das Unternehmen in dritter Generation. Er war lange im Vorstand tätig und zuletzt Aufsichtsratspräsident.
Die Ikone: Original Manner Neapolitaner-Schnitte
Das wohl bekannteste Produkt des Hauses ist die Original Manner Neapolitaner-Schnitte. Sie wurde 1898 erstmals urkundlich als „Neapolitaner Schnitte No. 239“ erwähnt. Der Name leitet sich von der Herkunft der Haselnüsse für die Füllung ab, die ursprünglich aus der Gegend um Neapel stammten. Die Füllung besteht aus Zucker, Haselnüssen, Kokosfett und Kakaopulver.
Die Größe der Schnitte ist mit 49 × 17 × 17 Millimetern bis heute mundgerecht bemessen. Eine Schnitte besteht aus fünf Lagen Waffel, zwischen denen sich vier Lagen Streichmasse befinden. Das Gewicht pro Schnitte beträgt 7,5 Gramm. Dieses Format und die Grundrezeptur haben sich seit über 120 Jahren bewährt.
Die Verpackung hat sich im Laufe der Zeit entwickelt. Anfangs wurden die Schnitten lose verkauft. Ab 1924 gab es sie in Faltschachteln mit fünf Zweierreihen (75 g Gesamtgewicht). Seit 1960 sorgt die wasserdampfdichte Verpackung aus Aluminium-Papier-Verbundfolie mit dem roten Aufreißfaden für langanhaltende Knusprigkeit und Frische.

Die weltweite Beliebtheit der Manner Schnitten zeigt sich in beeindruckenden Zahlen: Pro Sekunde werden etwa 2 Packungen vernascht, was jährlich rund 630 Millionen Original Neapolitaner Manner Schnitten entspricht.
Vielfalt im Sortiment
Durch die Übernahme von Napoli und Casali im Jahr 1970 erweiterte Manner sein Produktsortiment erheblich. Die Handelsmarken dieser Unternehmen, die bereits gut am Markt etabliert waren, wurden weitergeführt. Viele dieser Produkte sind bis heute erfolgreich, auch wenn die ursprünglichen Hersteller weniger bekannt sind.
Das Sortiment umfasst heute eine breite Palette über die klassische Schnitte hinaus. Dazu gehören unter anderem Cubidoo Waffeln, Linzer Keksi, verschiedene Lebkuchenvarianten, Mio Choco, Haselnuss Törtchen, Zitronenschnitten, Cocos Schnitten, Wiener Kaffee Zartwaffeln, Mignon, Weinbeisser, Pfeffernüsse und viele weitere Artikel wie Manner Minis oder Geschenkboxen.
Das Markenzeichen: Der Stephansdom
Ein unverwechselbares Element der Marke Manner ist die Darstellung des Wiener Stephansdoms. Dieses Markenzeichen wird bereits seit 1889 verwendet und wurde von Josef Diltsch entworfen. Die Beziehung zum Dom ist dabei nicht nur symbolisch. Seit mehreren Jahrzehnten übernimmt Manner die Lohnkosten für einen Steinmetz der Wiener Dombauhütte. Dieser Steinmetz verrichtet seine Arbeit in einer rosafarbenen Arbeitskleidung, was die Verbindung zwischen Unternehmen und Dom auf besondere Weise sichtbar macht. Für die Verdienste seines Unternehmens um den Dom erhielt Carl Manner im Jahr 1999 den Stephanusorden in Gold.
Rechtliche Auseinandersetzung um Verpackungsgewicht
Im Jahr 2022 geriet Manner aufgrund einer Klage des Verbands für Konsumenteninformation (VKI) in die Schlagzeilen. Der Vorwurf lautete auf irreführende Verpackung. Es ging um ähnlich aussehende Schüttbeutel für drei geschmacklich unterschiedliche Sorten Schnitten. Zwei Sorten enthielten 400 Gramm, während die dritte Sorte, Manner Mozart Mignon, nur 300 Gramm enthielt. Das Handelsgericht Wien verurteilte den Hersteller wegen Täuschung. Eine Berufung Manners wurde vom Oberlandesgericht Wien (OLG Wien) abgewiesen. Manner argumentierte mit technischen Notwendigkeiten für die geringere Befüllung, das OLG Wien verwies jedoch auf die höhere Befüllung anderer Sorten in gleicher Verpackung und bestätigte die Verurteilung wegen Irreführung rechtskräftig.
Eine gesündere Alternative: Manner Vollkorn Schnitten
Für ernährungsbewusste Genießer bietet Manner die Vollkorn Schnitten an. Diese Variante unterscheidet sich in mehreren Punkten von der klassischen Neapolitaner Schnitte:
- Sie werden ausschließlich aus Vollkornmehl hergestellt, ohne Weißmehl.
- Dadurch enthalten sie deutlich mehr Mineralstoffe und Ballaststoffe. Der Ballaststoffanteil wird mit sehr hohen 17% angegeben.
- Die Vollkorn Waffeln haben eine dunklere Farbe als die Original Schnitten.
- Sie enthalten 30% weniger Zucker als die herkömmliche Original Neapolitaner Manner Schnitten und sind daher weniger süß.
- Es wird eine spezielle Weizensorte mit kaum Bitterstoffen verwendet.
Die Füllung besteht ebenfalls aus Haselnusscreme (82% der Füllung). Manner legt Wert darauf, dass die Vollkorn Schnitten wie alle ihre Produkte "Made in Austria" sind und nach strengen Qualitätskriterien produziert werden. Sie werden ohne gehärtete Fette und ohne zusätzliche chemische Farb- oder Konservierungsstoffe hergestellt. Der verwendete Kakao ist UTZ-zertifiziert, was nachhaltigen Kakaoanbau unterstützt.
Die Nährwertangaben für 100g Manner Vollkorn Schnitten sind 478 kcal / 2009 kJ.
Die Zutatenliste der Vollkorn Schnitten umfasst: WEIZENVOLLKORNMEHL, Zucker, Kokosfett, Palmfett, Oligofruktose, HASELNÜSSE (12% in der Cremefüllung), Glukosesirup, mageres Kakaopulver, natürliche Aromen, Emulgator SOJALECITHIN, Backtriebmittel Natriumhydrogencarbonat, Salz.

Manner Vollkorn Schnitten können online in Österreich, Deutschland, der Schweiz und weltweit bestellt werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Hier beantworten wir einige Fragen, die häufig im Zusammenhang mit Manner und seinen Produkten gestellt werden, basierend auf den vorliegenden Informationen.
Wer steckt hinter Manner?
Das Unternehmen wurde 1890 von Josef Manner gegründet. Heute ist die Josef Manner & Comp. AG eine börsennotierte Aktiengesellschaft, deren Aktienmehrheit sich weiterhin im Besitz der Gründerfamilien Manner und Riedl befindet.
Wie gesund sind Manner Schnitten?
Die klassischen Manner Schnitten sind Süßwaren. Manner bietet jedoch auch eine Vollkorn Variante an, die als gesündere Alternative positioniert ist. Die Manner Vollkorn Schnitten enthalten Vollkornmehl statt Weißmehl, mehr Ballaststoffe (17%) und 30% weniger Zucker als die Original Schnitten.
Wie viel kosten Mannerschnitten?
Laut Preisvergleichen waren Original Neapolitaner Manner Schnitten im April 2025 ab ca. 0,84 € erhältlich. Bitte beachten Sie, dass Preise variieren können und diese Angabe auf einer bestimmten Quelle basiert.
Wie lange sind Mannerschnitten haltbar?
Informationen zur genauen Haltbarkeit der Manner Schnitten sind im vorliegenden Text nicht enthalten.
Die Geschichte von Manner ist die Geschichte eines österreichischen Familienunternehmens, das es geschafft hat, über mehr als ein Jahrhundert hinweg zu bestehen, sich anzupassen und mit der Manner-Schnitte ein Produkt zu schaffen, das weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt und beliebt ist. Tradition und Innovation, von der historischen Rezeptur bis zur nachhaltigen Energieversorgung des modernen Werks, prägen das Bild dieser Wiener Institution.
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