17/10/2013
Der Martini ist weit mehr als nur ein Cocktail; er ist eine Legende, ein Symbol für Eleganz und Gegenstand leidenschaftlicher Diskussionen unter Kennern. Doch was genau gehört eigentlich in diesen berühmten Drink? Die Antwort ist komplex und hat sich im Laufe seiner Geschichte immer wieder verändert. Im Kern besteht ein klassischer Martini aus Gin und Wermut, garniert mit einer Olive oder einer Zitronenzeste. Aber die Wahl des Gins, des Wermuts, das Mischverhältnis und sogar die Zubereitungsart sind entscheidend und bestimmen den Charakter des Drinks maßgeblich.

- Die rätselhafte Herkunft des Martinis
- Die Evolution zum Dry Martini
- Die Kernzutaten: Gin und Wermut
- Mischverhältnisse: Eine Frage des Geschmacks
- Zubereitung: Gerührt oder Geschüttelt?
- Die Garnitur: Olive oder Zitrone?
- Weitere Varianten des Martinis
- Anekdoten und berühmte Zitate
- Häufig gestellte Fragen zum Martini
Die rätselhafte Herkunft des Martinis
Die Ursprünge des Martinis sind von Legenden umwoben und nicht eindeutig geklärt. Es wird vermutet, dass der Drink in den Vereinigten Staaten entstanden ist. Bereits um 1880 begannen Barkeeper dort, Wermut zu Gin-Cocktails hinzuzufügen. Vorläufer wie der Turf Club, Marguerite, Manhattan und vor allem der Martinez gelten als nahe Verwandte. Der Martinez wurde erstmals 1884 schriftlich erwähnt und enthielt neben Gin (oft süßer Old Tom Gin oder Genever) und rotem italienischem Wermut auch Maraschino und Bitters.
Die erste schriftliche Erwähnung eines Cocktails namens „Martini“ findet sich 1888 bei Harry Johnson. Sein Rezept verwendete ebenfalls leicht gesüßten Old Tom Gin oder Hollands Gin, roten Wermut, Zuckersirup, Bitters und optional Curaçao oder Absinth, garniert mit einer Kirsche oder Olive und Zitronenschale. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden Cocktails weniger süß, da bessere Destillationstechniken den Einsatz süßer Kaschierungen weniger nötig machten. Schon 1895 gab es ein Martini-Rezept ohne Likör, gemischt im Verhältnis 2:1 mit Old Tom Gin und italienischem Wermut, garniert mit Zitronenzeste und Cocktailkirsche.
Die Evolution zum Dry Martini
Eine der bedeutendsten Entwicklungen war der Übergang zum Dry Martini. Später wurde der süßliche Old Tom Gin zunehmend durch den modernen London Dry Gin ersetzt, und roter italienischer Wermut wich trockenem französischem Dry Vermouth. Der Begriff Dry Martini Cocktail tauchte erstmals 1904 auf. In den folgenden Jahrzehnten wurden Martinis immer „trockener“, was bedeutete, dass der Gin-Anteil stieg und der Wermut-Anteil sank. Mischverhältnisse von 5:1 bis hin zu 15:1 wurden üblich, manchmal wurde das Glas nur noch mit Wermut umspült.
Während der amerikanischen Prohibition (1920-1933) musste oft mit schlechten Spirituosen improvisiert werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als der Export von französischem und italienischem Wermut stockte, verstärkte sich der Trend, die Wermutmenge zu minimieren. Ab den 1930er Jahren verbreiteten sich Martini-spezifisches Zubehör und die ikonischen Martinigläser. In den 1950er und 60er Jahren wurde Wodka populär und ersetzte manchmal den Gin ganz oder teilweise im sogenannten Vodkatini.
In den 1990er Jahren kamen fruchtige, süße Drinks in Mode, die oft fälschlicherweise „Martini“ genannt wurden, obwohl sie außer dem Glas kaum Gemeinsamkeiten mit dem Original hatten. Um die Jahrtausendwende gab es eine Rückbesinnung auf klassische Rezepte, und Bitters kehrten in anspruchsvolleren Martinis zurück.

Die Kernzutaten: Gin und Wermut
Die Wahl der Spirituosen ist für einen guten Martini entscheidend. Traditionell ist die Basis Gin. Während historisch süßlicher Old Tom Gin oder Genever verwendet wurden, ist heute der London Dry Gin die häufigste Wahl für einen klassischen Dry Martini. Er ist ungesüßt und zeichnet sich durch die Aromen seiner Botanicals aus, oft Wacholder und Zitrusnoten. Seit der Gin-Renaissance in den 2010er Jahren werden auch andere Gin-Stile wie New Western Gin (mit floralen oder pfeffrigen Noten) oder Mediterrane Gins (mit Kräutern oder Oliven als Botanicals) für Martinis verwendet.
Die zweite Hauptzutat ist Wermut (Vermouth), ein aufgespritteter und aromatisierter Wein. Die Art des Wermuts bestimmt die Martini-Variante:
- Dry Martini: Verwendet trockenen weißen Wermut, oft französischer Machart (z.B. Noilly Prat, Dolin). Die Menge ist meist sehr gering, bis hin zum bloßen Umspülen des Glases.
- Sweet Martini (oder Classic Martini): Verwendet süßen roten Wermut, oft italienischer Machart (z.B. Cinzano Rosso, Martini Rosso, Antica Formula). Dies war die ursprüngliche Form des Martinis.
- Perfect Martini: Verwendet gleiche Teile süßen roten und trockenen weißen Wermuts. Der Begriff „perfect“ bezeichnet in der englischen Fachsprache eine 50/50 Mischung konkurrierender Spirituosen.
Neben Gin und Wermut können Bitters (oft Orangenbitter) verwendet werden, insbesondere in klassischen oder anspruchsvolleren Rezepten, um dem Drink zusätzliche Komplexität zu verleihen.
Mischverhältnisse: Eine Frage des Geschmacks
Das Mischverhältnis von Gin zu Wermut ist wohl das am heißesten diskutierte Thema beim Martini. Historisch variierte es stark. Das Rezept von Harry Johnson von 1888 verwendete gleiche Teile Gin und Wermut (½ Weinglas Gin, ½ Weinglas Wermut). Spätere Rezepte gingen zu einem 2:1 Verhältnis über.
Für den modernen Dry Martini empfiehlt die International Bartenders Association (IBA) ein Verhältnis von 6 Teilen Gin zu 1 Teil Wermut. Viele Puristen bevorzugen jedoch deutlich trockenere Varianten, bei denen der Wermutanteil minimal ist. Dies kann von 10:1 oder 15:1 (wie angeblich von Hemingway bevorzugt und Montgomery genannt) bis hin zum bloßen Benetzen des Glases mit Wermut reichen, bevor der kalte Gin eingefüllt wird. Manche sprechen scherzhaft davon, „nur den Schatten einer Wermutflasche auf das Mixglas fallen zu lassen“.
Zubereitung: Gerührt oder Geschüttelt?
Die Frage, ob ein Martini gerührt oder geschüttelt werden sollte, ist untrennbar mit James Bond verbunden. Klassisch wird ein Martini jedoch im Rührglas mit Eis gerührt. Dies kühlt den Drink ab und verbindet die Spirituosen, während er klar bleibt. James Bond bevorzugt ihn geschüttelt, was den Drink schneller kühlt, ihn aber zunächst milchig-trüb macht. Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigte, dass geschüttelte Martinis eine stärkere antioxidative Wirkung haben, was hauptsächlich am Wermut liegt, aber die Mischung mit Gin optimiert das Ergebnis.

Unabhängig von der Methode ist die Kühlung extrem wichtig. Martinis werden stets „straight up“ serviert, d.h. ohne Eiswürfel im Glas. Daher werden die Martinigläser üblicherweise vorgekühlt („gefrostet“). Auch die Zutaten und das Mixzubehör können gekühlt werden, um die optimale Temperatur zu erreichen. Zu wenig oder zu warmes Eis führt zu übermäßiger Verwässerung und einem faden Geschmack. Ein gewisser Anteil Schmelzwasser ist jedoch erwünscht, um den Geschmack abzurunden.
Die Garnitur: Olive oder Zitrone?
Die Garnitur ist das i-Tüpfelchen des Martinis und hat sowohl geschmackliche als auch ikonische Bedeutung. Die zwei klassischen Optionen sind:
- Die Olive: Oft eine grüne Olive mit Stein, aufgespießt auf einem Cocktailspieß. Die Legende schreibt ihre erste Verwendung im Martinez in San Francisco oder Paris zu. Die Olive verleiht dem Drink einen Hauch von Umami und Bitternoten. Sie wird oft mit weniger trockenen Martinis oder als Symbol für die New Yorker High Society (im Kontext des „Three Martini Lunch“) assoziiert. Es wird empfohlen, hochwertige Oliven zu verwenden.
- Die Zitronenzeste: Ein dünnes Stück Zitronenschale, dessen ätherische Öle über dem Drink „abgespritzt“ (Twist) werden, bevor die Schale ins Glas gegeben oder am Rand platziert wird. Dies ist die klassische Garnitur für einen Dry Martini, da das Zitronenaroma die Frische des Gins unterstreicht.
Die Wahl der Garnitur hängt vom persönlichen Geschmack und der Art des Martinis ab.
Weitere Varianten des Martinis
Neben den bereits genannten Dry, Sweet und Perfect Martini gibt es zahlreiche weitere Varianten:
- Dirty Martini: Ein Dry Martini mit einem Schuss salziger Olivenlake, der den Drink trüb macht. Populär gemacht von Franklin D. Roosevelt.
- Gibson: Ein Martini, der statt mit einer Olive mit einer Perlzwiebel garniert wird.
- Vodkatini (oder Wodka Martini): Verwendet Wodka anstelle von Gin.
- Espresso Martini: Eine modernere Variante mit Kaffeelikör, Zuckersirup, Wodka und Espresso (dieser unterscheidet sich stark vom klassischen Martini).
- Smokey Martini: Ein Martini mit einem Spritzer Single-Malt-Whisky.
- Chocolate Martini: Ein Dry Martini mit Trinidad Cocoa Bitters statt Orangenbitter (nicht zu verwechseln mit süßen Schokoladen-Likör-Drinks).
- Black Martini: Mit Averna statt Wermut und Zitronenzeste.
Die Welt des Martinis ist vielfältig und lädt zum Experimentieren ein.
Anekdoten und berühmte Zitate
Der Martini hat viele berühmte Liebhaber und ist Gegenstand zahlreicher Zitate:
- James Bond bestellt seinen Martini bekanntlich „geschüttelt, nicht gerührt“.
- Winston Churchill (oft zugeschrieben, aber umstritten) soll gesagt haben: „Der trockenste Martini ist eine Flasche guten Gins, die mal neben einer Wermutflasche gestanden hat.“
- Ernest Hemingway bestellte angeblich einen sehr trockenen Martini (15:1) und nannte ihn „Montgomery“ nach dem englischen General.
- Dorothy Parker beschrieb in den 1920ern humorvoll die Wirkung von Martinis: „Ich trinke gern Martinis, zwei sind genug serviert. Denn nach dreien lieg ich unterm Tisch, nach vieren unterm Wirt.“
Häufig gestellte Fragen zum Martini
Was ist der Unterschied zwischen einem Martini und einem Dry Martini?
Ein klassischer oder Sweet Martini verwendet süßen roten Wermut. Ein Dry Martini verwendet trockenen weißen Wermut, meist in einer deutlich geringeren Menge im Verhältnis zum Gin.
Warum wird ein Martini gerührt und nicht geschüttelt?
Klassisch wird er gerührt, um ihn zu kühlen und die Zutaten zu verbinden, ohne ihn trüb zu machen. Schütteln kühlt schneller, führt aber zu einer Trübung durch kleine Luftbläschen.

Warum ist eine Olive im Martini?
Die Olive ist eine klassische Garnitur, die dem Drink Umami und Bitternoten verleiht. Ihre Verwendung begann wohl schon beim Vorläufer Martinez und wurde später zum Symbol für den Martini, besonders in den USA.
Kann man Wodka statt Gin verwenden?
Ja, diese Variante nennt sich Vodkatini oder Wodka Martini. Sie ist seit den 1950er Jahren populär.
Was bedeutet „extra dry“ bei einem Martini?
„Extra dry“ bedeutet, dass der Anteil des trockenen Wermuts extrem gering ist, manchmal wird das Glas nur kurz damit benetzt oder der Wermut sogar ganz weggelassen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Martini ein faszinierender Cocktail ist, dessen „richtige“ Zusammensetzung Gegenstand ständiger Debatte ist. Die Qualität der wenigen Zutaten – Gin und Wermut – ist dabei von höchster Bedeutung. Ob Sie Ihren Martini trocken, süß, perfect, dirty, gerührt oder geschüttelt bevorzugen, mit Olive oder Zitrone – das Wichtigste ist, dass er Ihnen schmeckt und mit Stil serviert wird.
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