Wie hieß Montabaur früher?

Montabaur: Geschichte, Geografie & Infos

11/04/2019

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Montabaur ist eine Stadt mit einer reichen und vielschichtigen Geschichte, gelegen im Herzen des Westerwalds. Sie hat sich von einer frühen Siedlung zu einem bedeutenden regionalen Zentrum entwickelt und ist heute Sitz wichtiger Verwaltungsbehörden. Die Stadt bietet eine interessante Mischung aus historischem Erbe und moderner Funktion, eingebettet in die reizvolle Landschaft des Niederwesterwalds.

Für was ist Montabaur bekannt?
Überregional ist Montabaur für das Fashion Outlet und den ICE-Bahnhof bekannt. Sie wurde als erste Stadt in Rheinland-Pfalz Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte und der Deutschen Fachwerkstraße, die als Dachmarke die Deutschen Fachwerkstädte touristisch verbindet und gemeinsam vermarktet.

Die früheste bekannte Erwähnung der Siedlung, die ursprünglich den Namen Humbach trug, datiert aus dem Jahr 959. In einer Urkunde aus diesem Jahr bestätigte Erzbischof Heinrich von Trier die Stiftung einer Kirche in Humbach. Dies zeigt, dass der Ort bereits im 10. Jahrhundert eine gewisse Bedeutung hatte. Über die Jahrhunderte wuchs Humbach und entwickelte sich zu einem wichtigen Marktort und einer städtischen Siedlung.

Ein entscheidender Moment in der Geschichte Montabaurs war das Jahr 1291. In diesem Jahr verlieh der deutsche König Rudolf von Habsburg der Siedlung das Stadtrecht. Dieser Akt hob die Bedeutung des Ortes hervor und legte den Grundstein für seine weitere Entwicklung als Stadt. Die wehrhafte Vergangenheit Montabaurs, die durch die Verleihung des Stadtrechts unterstrichen wurde, ist auch heute noch sichtbar. Vier markante Stadttürme und erhaltene Reste der alten Stadtmauern zeugen von den Befestigungsanlagen, die einst zum Schutz der Bürger und ihres Handels dienten.

Im Spätmittelalter erlebte Montabaur eine Phase wirtschaftlicher Blüte. Die günstige Lage und die Entwicklung des Handels trugen zu Wohlstand bei. Allerdings war die Stadt auch schweren Rückschlägen ausgesetzt. Verheerende Stadtbrände in den Jahren 1491 und 1534 zerstörten große Teile der Bebauung und bedeuteten harte Einschnitte. Zudem führte der Niedergang des traditionellen Wollweberhandwerks, das lange eine wichtige wirtschaftliche Grundlage bildete, zu weiteren Herausforderungen für die Stadt.

Trotz dieser Schwierigkeiten verlor Montabaur seine wirtschaftliche Bedeutung nicht vollständig. Die stattlichen Wohnbauten, die im 17. und 18. Jahrhundert entlang der Hauptstraßen errichtet wurden, zeugen davon, dass die Stadt auch in Zeiten des wirtschaftlichen Wandels ihre zentrale Rolle behielt und sich ihre Bedeutung im Laufe der Zeit wieder verstärkte.

Montabaur behielt über lange Perioden seine zentralörtliche Funktion als regionale Amtsstadt im Westerwald. Dies setzte sich auch unter verschiedenen Herrschaften fort. Im Nassauischen Amt, das bis 1866 bestand, war Montabaur ein wichtiger Verwaltungssitz. Später, unter preußischer Herrschaft, wurde Montabaur Kreisstadt des Unterwesterwaldkreises in der Provinz Hessen-Nassau, eine Funktion, die die Stadt bis 1945 innehatte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Montabaur sogar die Bezirksregierung Montabaur aufgebaut, die bis 1969 für die rechtsrheinischen Landkreise im Westerwald und an der Lahn zuständig war, was die herausragende administrative Rolle der Stadt in dieser Zeit unterstreicht.

Die Verwaltungsreformen Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre führten zu strukturellen Veränderungen. Ehemals selbstständige Stadtteile wurden in die Stadt Montabaur eingemeindet, und es kam zur Bildung der Verbandsgemeinde Montabaur. Heute ist die Stadt Montabaur mit ihrem gut erhaltenen historischen Stadtkern nicht nur Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde, sondern auch der Kreisverwaltung des Westerwaldkreises. Darüber hinaus beherbergt sie zahlreiche weitere Behörden und Institutionen, was ihre Bedeutung als administratives Zentrum der Region festigt.

Übersicht

Lage und Geographie

Montabaur liegt im Niederwesterwald, einer Region, die sich durch eine hügelige Landschaft auszeichnet. Die Stadt befindet sich spezifisch in der sogenannten Montabaurer Senke, einer landschaftlichen Vertiefung, die östlich der Montabaurer Höhe liegt. Diese geographische Lage prägt das unmittelbare Umland der Stadt.

Oft wird Montabaur fälschlicherweise der Eifel zugeordnet, doch geografisch liegt die Stadt klar im Westerwald. Sie befindet sich etwa 18 Kilometer nordöstlich von Koblenz und damit auf der anderen Rheinseite als die Eifelregion. Diese Unterscheidung ist wichtig, um die geographische Einordnung von Montabaur korrekt vorzunehmen.

Die Umgebung Montabaurs grenzt an eine Vielzahl von Nachbargemeinden. Im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden, sind dies Dernbach, Staudt, Heiligenroth, Großholbach, Girod, Steinefrenz, Heilberscheid, Nomborn, Daubach, Stahlhofen, Untershausen, Holler, Niederelbert, Arzbach, Kadenbach, Neuhäusel und Hillscheid. Diese Gemeinden bilden das nähere regionale Umfeld von Montabaur und tragen zur Struktur der Verbandsgemeinde bei.

Stadtteile Montabaurs

Neben der Alt- beziehungsweise Innenstadt gliedert sich die Stadt Montabaur in sieben Stadtteile. Diese Stadtteile sind zugleich eigenständige Ortsbezirke mit jeweils zugehörigen Wohnplätzen. Die Eingemeindung dieser ehemals selbstständigen Ortsteile erfolgte im Zuge der Verwaltungsreformen in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren und schuf die heutige Struktur der Stadt und Verbandsgemeinde Montabaur.

Die Stadtteile und ihre wichtigsten Daten (Stand 1. August 2018, Einwohner mit Hauptwohnsitz) sind wie folgt:

OrtsbezirkZugehörende WohnplätzeEinwohner (2018)Fläche in ha
Bladernheim151102,23
Elgendorf1271259,92
EschelbachBahlsmühle, Hillhof, Hüttenmühle627300,28
EttersdorfHeckenmühle186109,95
HorressenGrubenfeld1759282,18
ReckenthalKurhotel Waldesruhe114151,34
WirzenbornGrubenhaus, Wirzenborner Mühle62142,87

Diese Stadtteile tragen zur Vielfalt Montabaurs bei und repräsentieren verschiedene Wohngebiete innerhalb des Stadtgebiets, von kleineren Weilern bis hin zu größeren Ortsteilen mit mehreren hundert oder sogar über tausend Einwohnern.

Klima in Montabaur

Das Klima in Montabaur ist durch moderate Temperaturen und Niederschläge gekennzeichnet, typisch für die Region des Westerwalds. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 9,1 °C. Die Temperaturen variieren im Jahresverlauf deutlich.

Der wärmste Monat des Jahres ist der Juli mit einer durchschnittlichen Temperatur von 17,5 °C. Demgegenüber steht der Januar als kältester Monat mit einer Durchschnittstemperatur von lediglich 0,4 °C. Die mittleren Tageshöchsttemperaturen reichen von 2,8 °C im Januar bis zu 22,1 °C im Juli. Die mittleren Tagestiefsttemperaturen bewegen sich zwischen -2,0 °C im Januar und 12,4 °C im Juli.

Der jährliche Gesamtniederschlag in Montabaur beträgt durchschnittlich 703 mm. Die Niederschlagsmengen sind über das Jahr verteilt, zeigen aber gewisse Schwankungen. Der trockenste Monat ist typischerweise der April mit 45 mm Niederschlag. Die meisten Niederschläge fallen in den Sommermonaten Juni und Juli, mit jeweils 69 mm. Dies bedeutet, dass in diesen Monaten etwa 1,5-mal mehr Niederschlag fällt als im trockensten Monat April.

Auch die Sonnenstunden variieren saisonal. Im Durchschnitt scheint die Sonne in Montabaur 3,9 Stunden pro Tag über das Jahr. Die sonnenreichsten Monate sind der Juni und Juli mit jeweils 6,0 bzw. 6,4 Stunden Sonnenschein pro Tag. Im Gegensatz dazu stehen die Wintermonate November, Dezember und Januar mit durchschnittlich nur 1,6, 1,2 bzw. 1,3 Sonnenstunden pro Tag.

Bildungswesen

Montabaur verfügt über eine vielfältige Bildungslandschaft, die von Grundschulen bis hin zu weiterführenden Schulen und Einrichtungen der Erwachsenenbildung reicht. Dies unterstreicht die Bedeutung der Stadt als Bildungszentrum für die Region.

Im Bereich der Schulen gibt es mehrere Einrichtungen:

  • Die Joseph-Kehrein-Schule ist eine große Stadtgrundschule. Im Jahr 2006 besuchten sie 370 Schüler in 16 Klassen. Sie bietet eine Vorschulklasse, einen Schulkindergarten und ist eine freiwillige Ganztagsschule. Das Ganztagsangebot umfasst Betreuung bis 16:00 Uhr von Montag bis Donnerstag, Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung und betreute Freizeit sowie zusätzliche pädagogische Angebote. Die Schule integriert Fremdsprachenarbeit in Englisch und Französisch und pflegt eine Partnerschaft mit der École Louis-Pasteur in Tonnerre, Frankreich.
  • Die Waldschule ist eine weitere Grundschule und befindet sich im Stadtteil Horressen.
  • Das Landesmusikgymnasium Rheinland-Pfalz, auch bekannt als Peter-Altmeier-Gymnasium, hat seinen Sitz in Montabaur. Bis 1999 war es ein Aufbaugymnasium. Ab 1991 wurden die ersten Musikschüler in der fünften Klasse aufgenommen, und dieser erste Jahrgang legte im Jahr 2000 das Abitur ab. Das Gymnasium hat einen besonderen Fokus auf die musikalische Förderung.
  • Das Mons-Tabor-Gymnasium ist ein weiteres Gymnasium in Montabaur, das unter anderem einen zweisprachigen Zweig sowie einen naturwissenschaftlichen Zweig anbietet.
  • Des Weiteren gibt es zwei Realschulen plus: die Anne-Frank-Realschule plus und die Heinrich-Roth-Realschule plus.
  • Die Berufsbildende Schule Montabaur ergänzt das Schulangebot und bietet Möglichkeiten zur beruflichen Bildung.

Für die Erwachsenenbildung gibt es ebenfalls zahlreiche Anlaufstellen und Anbieter in Montabaur:

  • Grone Bildungszentren NRW-Rheinland gGmbH
  • Berufsfortbildungswerk (bfw)
  • Bildungswerk Sport – Außenstelle Westerwald
  • Info-Stelle Weiterbildung
  • Katholische Erwachsenenbildung, vertreten durch das Bildungswerk Westerwald – Rhein – Lahn, das zum Diözesanbildungswerk Limburg gehört.
  • Kreisvolkshochschule (KVHS)
  • Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt
  • Volkshochschule der Verbandsgemeinde Montabaur (VHS)
  • Institut für Schulung und Beruf (ISB)
  • Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft (BWHW)
  • Akademie Deutscher Genossenschaften

Dieses breite Spektrum an Bildungseinrichtungen macht Montabaur zu einem wichtigen Standort für Aus-, Fort- und Weiterbildung in der Region.

Hilfsorganisationen

Montabaur ist auch ein wichtiger Stützpunkt für verschiedene Hilfs- und Rettungsorganisationen, die für die Sicherheit und das Wohlergehen der Bevölkerung in der Stadt und im Umland sorgen.

Seit 2008 hat die Integrierte Leitstelle Montabaur ihren Sitz in der Stadt. Diese Leitstelle wird von der ebenfalls dort ansässigen DRK Rettungsdienst Rhein-Lahn Westerwald gGmbH betrieben. Sie ist zuständig für die Koordinierung von Rettungsdiensten, Feuerwehren und anderen Hilfsorganisationen in den Landkreisen Altenkirchen, Neuwied, Rhein-Lahn und Westerwald. Ihre zentrale Funktion ist entscheidend für die schnelle und effiziente Hilfeleistung in einem großen Gebiet.

Weitere wichtige Hilfsorganisationen und ihre Gliederungen in Montabaur sind:

  • Die Freiwillige Feuerwehr Montabaur mit ihrem Löschzug Montabaur und der Löschgruppe Horressen-Elgendorf, die den Brandschutz und die technische Hilfeleistung sicherstellt.
  • Das Technische Hilfswerk (THW) mit einem eigenen Ortsverband Montabaur, das bei größeren Schadenslagen und Katastrophen technische Unterstützung leistet.
  • Das Deutsche Rotes Kreuz (DRK) mit einem Ortsverein Montabaur, der Sanitätsdienste, Katastrophenschutz und soziale Angebote bereitstellt.
  • Die DRK Rettungsdienst Rhein-Lahn Westerwald gGmbH, die in Montabaur ihren Verwaltungssitz hat und für den Betrieb des Rettungsdienstes in der Region verantwortlich ist.
  • Die DLRG e. V. (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft) mit einer Ortsgruppe Montabaur, die sich der Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung sowie der Wasserrettung widmet.

Die Präsenz dieser Organisationen gewährleistet ein hohes Maß an Sicherheit und schnelle Hilfe in Notfällen für die Bürgerinnen und Bürger von Montabaur und den umliegenden Gebieten.

Historische Anekdoten und frühere Berufe

Neben seiner Bedeutung als Verwaltungszentrum und historischem Ort hat Montabaur auch interessante Anekdoten aus seiner Vergangenheit zu bieten, die Einblicke in das frühere Leben der Stadt geben.

Eine besonders hervorzuhebende Tradition ist die der Schuhmacherei. Im 18. und 19. Jahrhundert war Montabaur überregional für dieses Handwerk bekannt. Es gab eine beträchtliche Anzahl von Schuhmachern in der Stadt. In den Jahren 1864 bis 1866 waren beispielsweise 66 Schuhmacher in Montabaur aktiv. Sie stellten Schuhe und Stiefel her, die nicht nur in der Stadt selbst, sondern auch in der weiteren Umgebung bis tief in den Westerwald hinein verkauft wurden.

Aufgrund dieser prägenden Bedeutung des Schuhmacherhandwerks wurden die Bürger Montabaurs viele Jahrzehnte später mitunter scherzhaft als „Schuster“ bezeichnet. Auch wenn die Zahl der aktiven Schuhmacher gegen Ende des 19. Jahrhunderts stark zurückging – 1898 gab es nur noch neun – blieb die Erinnerung an diese Zeit bestehen.

Seit Juni 1985 erinnert eine besondere Skulptur an diese Ära: der Schusterjunge von Ernemann Sander. Die Skulptur ist an der Ecke eines Hauses auf dem Konrad-Adenauer-Platz aufgestellt. Eine Besonderheit ist, dass die Figur viertelstündlich eine kleine Bewegung ausführt und dabei in Richtung des gegenüberliegenden Rathauses „den Vogel zeigt“, eine humorvolle Geste, die an die lebendige Geschichte und den Spitznamen der Montabaurer erinnert.

Häufig gestellte Fragen zu Montabaur

Im Zusammenhang mit der Stadt Montabaur tauchen häufig bestimmte Fragen auf. Hier finden Sie Antworten auf einige der gängigsten:

Für was ist Montabaur bekannt?

Montabaur ist für verschiedene Dinge bekannt. Historisch gesehen war es ein wichtiger Marktort und erhielt früh Stadtrechte. Heute ist es vor allem als Sitz der Kreisverwaltung des Westerwaldkreises und der Verbandsgemeindeverwaltung bekannt. Das historische Schloss Montabaur und der gut erhaltene Stadtkern sind ebenfalls prägend. Eine besondere historische Note ist die Bedeutung der Stadt für das Schuhmacherhandwerk im 18. und 19. Jahrhundert, woran heute noch die Skulptur des Schusterjungen erinnert.

Wie hieß Montabaur früher?

Die früheste bekannte Bezeichnung für die Siedlung, aus der sich das heutige Montabaur entwickelte, war Humbach. Dieser Name ist in einer Urkunde aus dem Jahr 959 dokumentiert.

Ist Montabaur Eifel?

Nein, Montabaur liegt nicht in der Eifel. Die Stadt befindet sich im Niederwesterwald, östlich der Montabaurer Höhe und auf der dem Eifelgebiet gegenüberliegenden Rheinseite, etwa 18 Kilometer nordöstlich von Koblenz.

Wann erhielt Montabaur das Stadtrecht?

Montabaur erhielt das Stadtrecht im Jahr 1291. Es wurde von dem damaligen deutschen König Rudolf von Habsburg verliehen.

Was ist der Schusterjunge in Montabaur?

Der Schusterjunge ist eine Skulptur auf dem Konrad-Adenauer-Platz in Montabaur, geschaffen von Ernemann Sander. Sie wurde 1985 aufgestellt und erinnert an die historische Bedeutung des Schuhmacherhandwerks in der Stadt. Die Figur ist bekannt dafür, dass sie viertelstündlich eine Geste in Richtung des Rathauses ausführt.

Montabaur ist somit eine Stadt, die auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurückblickt und heute als wichtiges administratives, bildungstechnisches und kulturelles Zentrum im Westerwald fungiert, während sie ihre historischen Wurzeln und Besonderheiten bewahrt hat.

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