12/05/2017
Moses ist eine der zentralen Figuren in der Geschichte und Religion, bekannt als Prophet, Führer und traditioneller Verfasser wichtiger Schriften. Wenn von den „Büchern des Moses“ die Rede ist, denken die meisten sofort an die ersten Bücher der Bibel. Doch im Laufe der Geschichte sind weitere Texte unter seinem Namen aufgetaucht, die oft mystische oder magische Inhalte haben. Dieser Artikel beleuchtet die traditionellen Bücher, die Moses zugeschrieben werden, untersucht die spannenden Fragen nach den Schreibmaterialien und der historischen Belegbarkeit und klärt auf, was es mit den sogenannten „6. und 7. Büchern Moses“ auf sich hat.

Die Fünf Bücher Moses: Die Tora oder der Pentateuch
Die traditionell Moses zugeschriebenen Schriften sind die ersten fünf Bücher der hebräischen Bibel, auch bekannt als die Tora (Weisung) oder der Pentateuch (Fünfgefäß). Diese Bücher bilden das Fundament des jüdischen Glaubens und sind auch für Christen von großer Bedeutung.
Sie erzählen die Geschichte Israels von der Schöpfung der Welt bis zum Tod Moses' kurz vor dem Einzug ins verheißene Land. Jedes Buch hat seinen eigenen Schwerpunkt:
- Genesis (Bereschit - Im Anfang): Berichtet von der Erschaffung der Welt, dem Garten Eden, der Sintflut (Noah), dem Turmbau zu Babel und den Geschichten der Urväter Israels: Abraham, Isaak und Jakob sowie seinem Sohn Josef, der nach Ägypten gelangte. Dieses Buch legt den Grundstein für die Beziehung zwischen Gott und seinem auserwählten Volk.
- Exodus (Schemot - Namen): Schildert die Unterdrückung der Israeliten in Ägypten, die Geburt und Berufung Moses', die zehn Plagen, den Auszug aus Ägypten (Exodus), die Durchquerung des Schilfmeeres, die Wüstenwanderung, die Gesetzgebung am Berg Sinai (mit den Zehn Geboten) und die Anweisungen für den Bau und die Einrichtung der Stiftshütte, des tragbaren Heiligtums Israels.
- Levitikus (Wajikra - Und er rief): Konzentriert sich auf die Gesetze und Vorschriften für die Priesterschaft (Leviten), die Opferrituale, Reinheitsgebote und ethische Regeln für das Volk Israel. Es ist ein Buch, das tief in die Details des Kultes und des heiligen Lebens eindringt und die Beziehung zwischen Gott und Israel durch Einhaltung der Gebote regelt.
- Numeri (Bemidbar - In der Wüste): Erzählt von der weiteren Wüstenwanderung des Volkes Israel nach dem Aufenthalt am Sinai. Es beschreibt die Organisation des Lagers, die Volkszählungen (daher der Name Numeri), verschiedene Begebenheiten und Herausforderungen in der Wüste (wie die Kundschafter, die Rebellion Korachs) und führt die Reise bis an die Grenzen des Landes Kanaan.
- Deuteronomium (Dewarim - Worte): Enthält Moses' letzte Reden an die Israeliten in den Ebenen von Moab, kurz bevor sie den Jordan überqueren. Es ist eine Wiederholung und Auslegung des Gesetzes (daher „zweites Gesetz“), eine Mahnung zur Treue zu Gott und eine Vorbereitung auf das Leben im verheißenen Land. Es endet mit dem Bericht über den Tod Moses'.
Diese fünf Bücher bilden eine Einheit, die die Ursprünge, die Befreiung, die Gesetzgebung und die Vorbereitung Israels auf das Leben als Gottes Volk in seinem Land beschreibt.
Urheberschaft und Entstehung
Die traditionelle Auffassung in Judentum und Christentum besagt, dass Moses der Autor oder zumindest die zentrale Figur bei der Niederschrift der Tora war. An verschiedenen Stellen in den Texten wird erwähnt, dass Moses Gottes Worte oder Gesetze aufschrieb (z.B. Exodus 17:14, 34:27; Numeri 33:2; Deuteronomium 31:9, 24). Diese Sichtweise betont die Einheit der Tora als göttliche Offenbarung, die durch Moses vermittelt wurde.
Die moderne Bibelwissenschaft hat jedoch im Laufe der Zeit andere Modelle zur Erklärung der Entstehung der Tora entwickelt. Theorien wie die Dokumentenhypothese gehen davon aus, dass die Tora aus der Zusammenfügung mehrerer unterschiedlicher Quellen entstanden ist, die über einen langen Zeitraum hinweg von verschiedenen Autoren verfasst wurden. Diese Quellen sollen unterschiedliche theologische Perspektiven, Stile und Terminologien aufweisen.
Unabhängig von der wissenschaftlichen Debatte über die genauen Autoren und den Redaktionsprozess bleibt Moses die zentrale Gestalt, mit der die Tora untrennbar verbunden ist. Er wird als der Empfänger des Gesetzes und als derjenige angesehen, der die grundlegende Weisung Gottes an sein Volk weitergab.
Auf welchem Material schrieb Moses?
Die Frage nach den genauen Schreibmaterialien, die Moses verwendete, ist eine, die sich nicht mit absoluter Sicherheit beantworten lässt, da keine Originalschriften aus seiner Zeit erhalten sind. Wir können jedoch auf Basis archäologischer Funde und biblischer Hinweise plausible Annahmen treffen.
Die Bibel berichtet, dass Gott die Zehn Gebote auf Steintafeln schrieb (Exodus 31:18). Auch wird erwähnt, dass Josua eine Kopie des Gesetzes Moses' auf Steinen schrieb (Josua 8:32). Dies zeigt, dass das Beschreiben von Stein als dauerhaftes Material für wichtige Inschriften bekannt war und genutzt wurde.

Für längere Texte, wie die umfangreichen Erzählungen und Gesetzessammlungen der Tora, waren jedoch leichtere und leichter zu handhabende Materialien üblicher. Archäologische Funde aus der Antike in der Region deuten darauf hin, dass Papyrus (hergestellt aus der Papyruspflanze) und Lederrollen die gängigsten Schriftträger für Dokumente und Bücher waren. Der Prophet Jeremia wird beispielsweise angewiesen, Gottes Worte auf eine Rolle zu schreiben (Jeremia 36:2).
Diese organischen Materialien sind in feuchten Klimazonen sehr vergänglich, was erklärt, warum nur wenige Schriftrollen aus so früher Zeit überdauert haben, außer unter sehr trockenen Bedingungen wie in Höhlen (z.B. die Schriftrollen vom Toten Meer, die allerdings viel jünger sind).
Was die Schrift selbst betrifft, so entwickelte sich das hebräische Alphabet aus früheren semitischen Schriften. Eine frühe Form, die möglicherweise zur Zeit Moses' oder kurz danach in Gebrauch war, war das Paläo-Hebräisch, das auf dem phönizischen Alphabet basiert. Es ist auch denkbar, dass Moses, der am ägyptischen Hof erzogen wurde, mit ägyptischen Schriftsystemen wie Hieratisch oder Demotisch vertraut war und diese möglicherweise für frühe Aufzeichnungen nutzte, wie einige Forscher vermuten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Moses wahrscheinlich eine Kombination von Materialien nutzte: Stein für dauerhafte Dekrete und wahrscheinlich Papyrus oder Leder für die umfangreicheren Texte der Tora, wobei er Schriftsysteme verwendete, die in der Region seiner Zeit gebräuchlich waren, möglicherweise frühe semitische Schriften oder sogar vereinfachte ägyptische Schriften, abhängig vom Kontext und der genauen Zeit.
Die historische Figur Moses
Die Frage nach der historischen Existenz von Moses und der Historizität des biblischen Auszugs aus Ägypten ist eine der am intensivsten diskutierten Fragen in der Bibelforschung und Geschichtswissenschaft. Während Moses eine zentrale Figur in den abrahamitischen Religionen ist, ist die Beleglage außerhalb der biblischen Texte komplex.
In zeitgenössischen ägyptischen Quellen aus der vermuteten Zeit des Auszugs (oft ins Neue Reich, 1550–1070 v. Chr. datiert) gibt es keine Erwähnung von Moses, den Israeliten als Sklaven oder einem Massenauszug. Dies mag an der Art der ägyptischen Aufzeichnungen liegen, die oft auf glorifizierende Darstellungen von Pharaonen und ihren Erfolgen beschränkt waren, aber das Fehlen direkter Belege wird oft als Argument gegen eine wörtliche Auslegung der biblischen Erzählung herangezogen.
Spätere antike Historiker, sowohl jüdische (wie Flavius Josephus) als auch griechisch-römische Autoren (wie Hekataios von Abdera, Tacitus, Manetho in späteren Überlieferungen), erwähnen Moses und den Auszug. Diese Berichte stammen jedoch Jahrhunderte nach der angeblichen Zeit Moses' und sind oft widersprüchlich und von den jeweiligen Perspektiven und Vorurteilen der Autoren geprägt. Viele griechisch-römische Berichte stellen die Israeliten als Ausgestoßene dar, die wegen einer Krankheit (Aussatz oder Seuche) aus Ägypten vertrieben wurden, und Moses als ihren Anführer, der ihnen Gesetze gab, die als gottlos oder menschenfeindlich galten. Diese Darstellungen sind oft polemisch und spiegeln die anti-jüdische Stimmung in Teilen der antiken Welt wider, anstatt unabhängige historische Fakten zu liefern.
Die moderne Geschichtsforschung betrachtet die biblische Erzählung oft als eine theologische und identitätsstiftende Erzählung, die historische Erinnerungen an Wanderungen oder kleinere Gruppen, die Ägypten verließen, verarbeitet und zu einer großen nationalen Epos verdichtet hat. Ob Moses als historische Einzelperson in der Form, wie er in der Bibel dargestellt wird, existierte, ist historisch nicht eindeutig belegt. Die Figur Moses' ist tief in der religiösen Überlieferung verwurzelt und für den Glauben von zentraler Bedeutung, aber die Frage seiner historischen Belegbarkeit im modernen Sinne bleibt eine komplexe und offene Fragestellung.

Die "Anderen" Bücher: 6., 7. Buch Moses und mehr
Wenn Menschen heute vom „6. und 7. Buch Moses“ sprechen, meinen sie damit in der Regel keine biblischen Texte im traditionellen Sinn. Diese Bücher gehören zu einer Gattung von magischen Sammelwerken oder Grimoires, die im 18. und 19. Jahrhundert populär wurden. Sie sind nicht Teil der Bibel, weder des jüdischen Tanach noch des christlichen Alten oder Neuen Testaments.
Die Geschichte dieser Bücher ist interessant: Es gab zwar schon in der Spätantike und im Mittelalter magische Texte, die Moses zugeschrieben wurden (wie das "Achtes Buch des Moses" oder "Das Schwert des Moses"), aber die heute bekannten "6. und 7. Bücher Moses" in ihrer verbreiteten Form entstanden viel später. Sie erschienen erstmals Ende des 18. Jahrhunderts und wurden im 19. Jahrhundert von Verlegern wie Johann Scheible in Deutschland weit verbreitet.
Diese Bücher geben vor, geheime Kenntnisse und Zauberkünste Moses' zu enthalten, die angeblich in der Bibel verschwiegen wurden. Der Inhalt besteht aus einer Vielzahl von magischen Formeln, Beschwörungen von Engeln und Dämonen, Anleitungen zur Herstellung von Amuletten und Talismanen sowie Rezepten für Glück, Schutz oder Heilung. Sie vermischen Elemente aus verschiedenen okkulten Traditionen, jüdischer Mystik (Kabbala), christlicher Magie und Volksglauben.
Ein berühmtes (und aus heutiger Sicht kurioses und gefährliches) Beispiel für den Inhalt ist das angebliche Heilmittel gegen Syphilis aus dem 7. Buch, das empfahl, sich bis zum Hals in Pferdemist einzugraben, um die Krankheit auszuschwitzen. Solche Passagen zeigen den volksmagischen und oft irrationalen Charakter dieser Schriften.
Im 20. Jahrhundert kamen weitere Bände hinzu, wie das 8., 9. und sogar 11., 12. und 13. Buch Moses, die ähnliche okkulte Inhalte versammeln. Diese Werke haben keinerlei historische Verbindung zu Moses oder den biblischen Texten. Sie sind Produkte späterer okkulter Traditionen und werden von religiösen Gelehrten nicht als authentische Schriften Moses' anerkannt.
Sie repräsentieren die Rezeption Moses' als einer Figur, die über mächtige magische Kräfte verfügte, und nicht als den Gesetzgeber und Propheten, wie er in der Tora dargestellt wird.
Vergleich: Kanonische vs. Magische Bücher Moses
| Merkmal | Die 5 Bücher Moses (Tora/Pentateuch) | Die "6. und 7. Bücher Moses" |
|---|---|---|
| Status | Teil des biblischen Kanons (Altes Testament), religiöse Grundlage | Nicht Teil der Bibel, Grimoires / Zauberbücher |
| Traditionelle Urheberschaft | Moses (als Empfänger des Gesetzes, Prophet und Führer) | Keine historische Verbindung zu Moses; spätere Autoren/Sammler (18./19. Jh.) |
| Entstehungszeit | Antike (traditionell ca. 13.-15. Jh. v. Chr., wissenschaftlich komplexer, Abschluss nach Exilzeit) | Primär 18. und 19. Jahrhundert n. Chr. |
| Inhalt | Schöpfung, Urgeschichte, Geschichte Israels (Patriarchen, Auszug, Wüstenwanderung), Gesetze, Gebote, Theologie, Ethik | Magische Sprüche, Rituale, Beschwörungen, Amulette, volksmagische "Heilmittel", okkulte Anleitungen |
| Zweck | Grundlage des Glaubens, religiöse Lehre, Gesetzgebung, Erzählung der Ursprünge, Wegweisung für ein gottgefälliges Leben | Anwendung von Magie, Erlangung von Macht/Schutz, Reichtum, Liebe, Rache; angebliche Geheimnisse Moses' nutzen |
| Anerkennung | Zentral in Judentum und Christentum; Grundlage für Recht und Moral in vielen Kulturen | Verbreitet in Kreisen des Okkultismus und der Volksmagie; von den großen Religionen nicht anerkannt und oft abgelehnt |
Häufig gestellte Fragen
F: Wie heißen die 5 Bücher des Moses?
A: Die fünf Bücher, die traditionell Moses zugeschrieben werden und die ersten Bücher der Bibel bilden, heißen Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium. Sie sind auch als Tora oder Pentateuch bekannt.

F: Auf was für ein Papier hat Moses geschrieben?
A: Es gibt keine eindeutigen Beweise. Es wird angenommen, dass er für längere Texte auf vergänglichen Materialien wie Papyrus oder Lederrollen schrieb. Für wichtige, dauerhafte Inschriften könnte auch Stein verwendet worden sein. Die genutzten Schriftsysteme waren wahrscheinlich frühe semitische oder vereinfachte ägyptische Schriften.
F: Ist Moses historisch belegt?
A: Außerhalb der biblischen Erzählung gibt es keine zeitgenössischen archäologischen oder historischen Belege für Moses oder den Auszug. Spätere antike Autoren erwähnen ihn zwar, ihre Berichte sind jedoch nicht unabhängig und oft legendär oder feindselig. Die historische Einordnung Moses' ist eine komplexe wissenschaftliche Frage ohne eindeutige externe Bestätigung.
F: Was beinhaltet das 7. Buch Moses?
A: Das sogenannte 7. Buch Moses ist kein Teil der Bibel. Es ist ein magisches Grimoire aus dem 18. oder 19. Jahrhundert, das angebliche Zaubersprüche, Rituale und Rezepte enthält und fälschlicherweise Moses zugeschrieben wird. Es handelt sich um okkulte Literatur, nicht um einen religiösen Text im biblischen Sinne.
F: Sind das 6. und 7. Buch Moses biblisch?
A: Nein, absolut nicht. Das 6. und 7. Buch Moses sind späte magische Schriften, die nichts mit der Tora oder den kanonischen Büchern der Bibel zu tun haben. Sie tragen den Namen Moses, um ihnen Autorität zu verleihen, sind aber Produkte des Okkultismus der Neuzeit.
Zusammenfassung
Die fünf Bücher des Moses – Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium – sind die Eckpfeiler der Tora und zentrale Texte des Judentums und Christentums. Sie erzählen die grundlegende Geschichte Israels und enthalten das mosaische Gesetz. Während die traditionelle Zuschreibung an Moses unbestritten ist, bleiben praktische Fragen wie die der verwendeten Schreibmaterialien und die komplexe Frage der historischen Belegbarkeit außerhalb der biblischen Erzählung Gegenstand wissenschaftlicher Erörterung.
Es ist unerlässlich, diese heiligen und historischen Texte von den sogenannten „6. und 7. Büchern Moses“ und ähnlichen Schriften zu unterscheiden. Diese letzteren sind spätere magische Grimoires, die im 18. und 19. Jahrhundert entstanden sind und keinerlei Verbindung zu den biblischen Büchern oder der historischen Figur Moses' haben. Sie repräsentieren eine ganz andere Tradition – die der okkulten und volksmagischen Literatur.
Dieses Wissen hilft, die verschiedenen Schriften, die mit dem Namen Moses verbunden sind, korrekt einzuordnen und die Bedeutung der kanonischen Bücher zu verstehen.
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