Wann darf man Sturm nicht mehr trinken?

Sturmzeit in Österreich: Alles zum beliebten Getränk

15/09/2015

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Es ist wieder soweit: Der Spätsommer und Herbst bringen eine ganz besondere Spezialität mit sich – den Sturm. Dieses beliebte Getränk, das nur zu einer bestimmten Jahreszeit erhältlich ist, begeistert Einheimische und Besucher gleichermaßen. Seine Verfügbarkeit ist sogar gesetzlich geregelt, was seine Besonderheit noch unterstreicht. Üblicherweise kann man Sturm vom 1. August bis zum 31. Dezember kaufen, doch die Hochsaison und typische Verfügbarkeit endet oft schon Mitte November, denn dann steht bereits der junge Wein im Fokus. Rund um den Sturm ranken sich viele Traditionen, Regeln und interessante Fakten, die wir hier näher beleuchten.

Was symbolisiert Sturm?
Ausgehend von einer Bedeutung 'quirlende, lebhafte, wirbelnde Bewegung', steht das Substantiv in älterer Zeit häufig für 'Kampf, Streit, kriegerischer Angriff', z.
Übersicht

Was genau ist Sturm? Ein lebendiges Naturprodukt

Im Kern ist Sturm nichts anderes als Traubensaft, der gerade erst begonnen hat zu gären. Dieser Prozess der Gärung ist das, was den Sturm so einzigartig macht. Schon ab einem Alkoholgehalt von 1% darf von Sturm gesprochen werden, doch meist wird er erst ab etwa 4% verkauft. Interessant ist, wie sich der Sturm im Laufe der Zeit verändert. Zu Beginn seiner Reife ist er oft noch sehr süß, fruchtig und hat einen geringeren Alkoholgehalt. Doch während die Hefe im Most arbeitet und den Zucker in Alkohol umwandelt, schreitet der Gärungsprozess voran. Der Sturm verliert an Süße, wird trockener und sein Alkoholgehalt steigt. Was sich rechtlich Sturm nennen darf und welche Kriterien erfüllt sein müssen, ist in Österreich klar im Weingesetz festgelegt. Es handelt sich also um ein genau definiertes Produkt.

Die Sturm-Saison: Wann und wo man ihn findet

Die Verfügbarkeit von Sturm ist streng saisonal und gesetzlich limitiert. Wie erwähnt, erlaubt das österreichische Weingesetz den Verkauf von Sturm nur zwischen dem 1. August und dem 31. Dezember des jeweiligen Erntejahres. Dennoch findet man das Gros des Sturms in der Praxis vor allem in den Wochen während und kurz nach der Weinlese, typischerweise bis etwa Mitte November. Dann rückt der junge Wein in den Vordergrund, der oft um den Martinitag (11. November) getauft wird und dann erhältlich ist. Während der Sturm-Saison ist das Getränk fast überall zu finden. Wer jedoch das authentischste Erlebnis sucht, begibt sich am besten direkt dorthin, wo er herkommt: zu einem traditionellen Buschenschank oder Heurigen. Hier kann man Sturm in gemütlicher Atmosphäre genießen, oft direkt vom Winzer und inmitten der Weinberge. Eine besondere Art, Sturm zu erleben, ist auch eine Sturmwanderung, bei der man verschiedene Sorten von unterschiedlichen Winzern verkosten kann, während man durch die herbstliche Landschaft streift.

Regeln und Bräuche rund ums Sturmtrinken

Rund um das Trinken von Sturm haben sich einige Bräuche und Regeln etabliert, die von vielen Weinliebhabern und Traditionalisten gepflegt werden. Eine der bekanntesten Regeln betrifft das Anstoßen und den Trinkspruch. Beim Sturm ist es unüblich, mit „Prost“ anzustoßen und zu trinken. Dieser Trinkspruch ist traditionell dem fertigen Wein vorbehalten. Stattdessen greift man beim Sturm zu Alternativen wie „Mahlzeit“ oder auch dem eher humorvollen „Krixikraxi“. Eine weitere Eigenheit betrifft die Hand, in der das Glas gehalten wird. Das Sturmglas soll traditionell nur in der linken Hand gehalten werden. Ähnlich wie das „Prost“ ist auch das Trinken mit der rechten Hand dem fertigen Wein vorbehalten. Diese Regeln mögen für Außenstehende kurios erscheinen, sind aber Teil der lebendigen Weinkultur und des Respekts vor dem fertigen Produkt.

Die Vielfalt des Sturms: Weiß, Rot und Besonderheiten

Sturm ist nicht gleich Sturm. Es gibt ihn in weiß und rot, und je nach Rebsorte und Gärungsfortschritt kann sein Geschmack stark variieren – von sehr jung und süß bis hin zu reifer und fast „staubig“, wie der fertige, aber noch trübe Wein oft genannt wird. Der Sturm ist bereits der erste qualitative Vorbote des neuen Weinjahres. Die Sorgfalt der Winzer und die verwendeten Rebsorten prägen dieses Herbstgetränk maßgeblich.

Beim weißen Sturm zeigen sich oft die jungen Fruchtnoten der frühreifen Rebsorten. So kann der Rivaner seine frische Fruchtigkeit einbringen, während beim Grünen Veltliner manchmal schon das typische „Pfefferl“ erahnbar ist. Burgundersorten können dem Sturm ein leichtes „Nusserl“ verleihen, und die Trauben der Muskat-Familie sorgen für eine ganz typische, aromatische Note. Weiße Stürme werden oft aus Sorten wie Bouvier, Müller-Thurgau, Sylvaner oder Frührotem Veltliner gekeltert, die sich durch einen milden Geschmack und ein feines Bukett auszeichnen, das bei Müller-Thurgau und Bouvier an Muskat und beim Frühroten Veltliner an Blüten erinnern kann.

Der rote Sturm ist oft wärmer und „heimeliger“ am Gaumen. Seine rote Farbe geht meist einher mit dem Geschmack von roten Früchten wie Erdbeere, Brombeere oder Himbeere. Eine häufig verwendete Sorte für roten Sturm ist der Blauburger.

Darüber hinaus gibt es auch regionale Spezialitäten, die den Sturm besonders machen. Im Süden des Burgenlands rund um den Eisenberg ist der Uhudlersturm beheimatet. Dieses meist pinke bis rote Getränk duftet oft nach Walderdbeeren und wird aus verschiedenen Sorten wie Noah, Isabella oder Elvira verschnitten. Auch der steirische Schilchersturm sticht durch seine Farbe und seinen einzigartigen Charakter hervor. Er ist frisch, fruchtig und gilt als ur-steirisch, da die dafür verwendete Sorte, der Blaue Wildbacher, fast ausschließlich in der Steiermark, insbesondere in der Weststeiermark, wächst.

Wie kann man Sturm haltbar machen?
Die Flaschen dürfen nicht fest verschlossen werden, denn das entstehende Kohlendioxyd könnte die Flasche sprengen. Ein kleiner Tipp: Ein Stück Alufolie über der Flaschenöffnung schützt vor kleinen Fliegen. Tipp: Um Sturm oder Wein richtig zu lagern gibt es den Weinkühlschrank.

Vergleich: Weißer vs. Roter Sturm (Beispiele)

MerkmalWeißer SturmRoter Sturm
Typische FarbeTrüb, hell (gelblich/grünlich)Trüb, rot/pink
Geschmacksnoten (Beispiele)Junge Frucht, Pfefferl (Grüner Veltliner), Nusserl (Burgunder), Muskat, BlütenRote Früchte (Erdbeere, Brombeere, Himbeere), heimelig
Verwendete Rebsorten (Beispiele)Bouvier, Müller-Thurgau, Sylvaner, Frühroter Veltliner, Rivaner, Grüner Veltliner, BurgundersortenBlauburger, (für Uhudlersturm: Noah, Isabella, Elvira - verschnitten)
Bekannte SpezialitätenKeine spezifische Sorte als Spezialität genannt, eher allgemeine CharakteristikaUhudlersturm (Burgenland), Schilchersturm (Steiermark)

Sturm als Vorbote und Symbol der Weinernte

Der Sturm symbolisiert den Beginn und Fortschritt der Weinlese. Er ist der erste greifbare Geschmack des neuen Jahrgangs und ermöglicht es, die Qualität der Trauben schon in diesem frühen Stadium zu erahnen. Für viele ist das Trinken von Sturm im Herbst ein liebgewonnenes Ritual, das Gewissheit und Verlässlichkeit in den Jahreszeitenzyklus bringt. Es ist ein zeitlich begrenztes Produkt in der Weinwirtschaft, das aufgrund seiner Natur nicht das ganze Jahr über verfügbar sein kann. Interessanterweise ist Sturm ein sehr regionales Phänomen. Außerhalb von Österreich und Teilen Deutschlands ist das Konzept, gärenden Traubenmost zu trinken, weitgehend unbekannt und stößt oft auf Verwunderung. Daher kann Sturm ohne Weiteres als Österreichs letztes echtes Saisonprodukt bezeichnet werden. Er ist ein Höhepunkt im Jahreszeitenprogramm für viele Menschen in den Weinregionen.

Lagerung und die Verwandlung zum "Staubigen"

Sturm ist ein „lebendiges Naturgetränk“, da die Hefe darin noch aktiv ist und arbeitet. Das bedeutet, dass sich der Geschmack und Charakter des Sturms von Tag zu Tag, oft sogar von Stunde zu Stunde, verändern kann. Er entwickelt sich ständig weiter. Die Hefe wandelt Zucker in Alkohol und Kohlendioxid (CO2) um. Dieses CO2 wird laufend gebildet und wirbelt die Hefezellen auf, was dem Sturm sein typisch trübes Erscheinungsbild verleiht und für das leichte Prickeln auf der Zunge sorgt.

Bei der Lagerung von Sturm ist äußerste Vorsicht geboten. Aufgrund der fortlaufenden CO2-Produktion darf die Flasche niemals fest verschlossen werden, da sonst ein Überdruck entsteht und die Flasche platzen könnte. Ein Stück Alufolie, das lose über die Öffnung gelegt wird, ist oft ausreichend, um den Sturm an einem kühlen Ort für ein paar Tage aufzubewahren und gleichzeitig das Entweichen des CO2 zu ermöglichen. Es ist wichtig, die Flasche immer aufrecht hinzustellen. Nach einigen Tagen oder Wochen, wenn die Gärung weitgehend abgeschlossen ist, verwandelt sich der Sturm in den sogenannten „Staubiger“. Das ist fertig vergorener, aber immer noch naturtrüber Wein. Bis der Sturm diesen Zustand erreicht, kann man bis zu einem gewissen Grad beeinflussen, wie schnell er gärt und wie süß oder stark er wird. Wenn man den Sturm noch zu süß findet und eine schnellere Entwicklung wünscht, kann man die Flasche an einen wärmeren Ort stellen. Dies regt die Hefezellen an, die Gärung beschleunigt sich, und der Sturm wird schneller alkoholischer und trockener. Hat der Sturm den persönlichen Idealzustand erreicht, sollte er kühl gelagert werden, um die Hefen wieder einzubremsen und den perfekten Genussmoment etwas länger festhalten zu können.

Die garantierte Herkunft: Sturm ist (meist) österreichisch

Die Qualität und Herkunft von Sturm sind in Österreich gesetzlich geschützt und garantiert. Für die Herstellung von Sturm dürfen ausschließlich Trauben verwendet werden, die aus Österreich stammen. Dies stellt sicher, dass es sich um ein echtes heimisches Produkt handelt. Als Herkunftsangabe muss auf dem Etikett eine der drei österreichischen Weinbauregionen – Weinland, Steirerland oder Bergland – angeführt sein. Diese strengen Vorschriften tragen zur Qualität und Einzigartigkeit des österreichischen Sturms bei. Der gesetzlich festgelegte Verkaufszeitraum zwischen dem 1. August und dem 31. Dezember des Erntejahres unterstreicht zusätzlich den Charakter des Sturms als echtes Saisonprodukt mit begrenzter Verfügbarkeit.

Kulinarische Begleiter: Was passt zum Sturm?

Der unkomplizierte und spritzige Charakter des Sturms passt hervorragend zu vielen traditionellen österreichischen Gerichten. Serviert wird er meist in einem einfachen Henkelglas, passend zu seiner bodenständigen Natur. Die klassische Begleitung zum Sturm ist die Brettljause mit Schinken, Speck, Käse, Aufstrichen und Brot. Die Kombination der herzhaften Jause mit der süß-herben Spritzigkeit des Sturms ist ein Genuss, der untrennbar mit der österreichischen Weinkultur verbunden ist. Mit fortschreitendem Herbst, wenn die Sturmzeit sich dem Ende nähert, passen auch andere saisonale Gerichte wunderbar zum Sturm. Dazu gehören zum Beispiel feine Gansl-Gerichte oder wohlig wärmende Maroni. Mutige Genießer können auch mit scharfen Gerichten experimentieren, deren Intensität durch die Süße des Sturms abgemildert und ergänzt wird.

Die Sturm-Saison erleben: Ausflüge in die Weinregionen

Ein Ausflug in die österreichischen Weinbaugebiete lohnt sich immer, aber besonders im Herbst zeigen sich Niederösterreich, das Burgenland, die Steiermark und Wien von ihrer schönsten Seite. Die klare Luft, kühleren Tage und die ersten bunten Blätter schaffen eine einladende Atmosphäre, um Zeit im Freien zu verbringen und bei den heimischen Gastgebern einzukehren. Der Herbst ist nicht nur Wander- und Ausflugszeit, sondern auch Genusszeit. Österreichs Winzer sind bekannt für ihre Gastfreundschaft, und viele von ihnen betreiben einen Buschenschank oder Heurigen, wo neben dem Sturm auch passende kulinarische Angebote bereitstehen. In vielen Regionen gibt es spezielle Veranstaltungen und Feste rund um den Sturm. Über Online-Betriebssuchen kann man Winzerbetriebe mit Ab-Hof-Verkauf, Gastronomie und „Ausg’steckt“-Terminen finden und so gezielt die besten Adressen für Sturm ansteuern. Für mehrtägige Ausflüge lassen sich oft auch Übernachtungsmöglichkeiten direkt am Weingut finden. So steht einem im besten Sinne stürmischen Herbstgenuss nichts im Wege.

Häufig gestellte Fragen zu Sturm

Was genau ist Sturm?
Sturm ist Traubensaft, der sich im Zustand der Gärung befindet. Er enthält bereits Alkohol und Kohlensäure, die durch die Umwandlung von Zucker durch Hefe entstehen.

Wann darf man Sturm kaufen und trinken?
Gesetzlich darf Sturm in Österreich vom 1. August bis 31. Dezember des Erntejahres verkauft werden. Die typische Saison endet jedoch meist Mitte November.

Was ist ein Sturmwein?
Der Sturm ist eine Vorstufe zum Wein, bei dem die Hefe im Traubenmost noch bei der Arbeit ist und Zucker in Alkohol und CO2 umwandelt. Beim Gärprozess bildet sich laufend Kohlensäure, die die Hefezellen aufwirbelt. Dadurch erhält der Inhalt des Glases sein typisch trübes Erscheinungsbild.

Gibt es spezielle Regeln beim Anstoßen mit Sturm?
Ja, traditionell stößt man beim Sturm nicht mit „Prost“ an, da dieser Spruch dem fertigen Wein vorbehalten ist. Stattdessen sagt man oft „Mahlzeit“ oder „Krixikraxi“.

Warum hält man das Sturmglas in der linken Hand?
Auch dies ist eine Tradition, bei der die rechte Hand dem Trinken von fertigem Wein vorbehalten bleibt. Das Sturmglas wird daher in der linken Hand gehalten.

Kann man Sturm lagern? Wie verändert er sich?
Sturm ist ein lebendiges Getränk und verändert sich ständig durch die fortlaufende Gärung. Er kann nur kurz gelagert werden (wenige Tage im Kühlschrank, lose verschlossen und aufrecht stehend). Mit der Zeit wird er trockener und alkoholischer und wird schließlich zum „Staubiger“, dem fertig vergorenen, trüben Wein.

Was bedeutet Sturm im Weinjahr?
Sturm gilt als der erste qualitative Vorbote des neuen Weinjahrgangs. Er symbolisiert den Beginn der Weinlese und die erste Verkostung des Jahresergebnisses.

Was unterscheidet weißen von rotem Sturm?
Weißer Sturm wird aus hellen, frühreifen Rebsorten hergestellt und hat oft fruchtige, blumige oder nussige Noten. Roter Sturm wird aus roten Rebsorten (z.B. Blauburger) gekeltert und schmeckt oft nach roten Früchten.

Gibt es regionale Sturm-Spezialitäten?
Ja, bekannte regionale Spezialitäten sind der Uhudlersturm aus dem Südburgenland und der Schilchersturm aus der Steiermark, die sich durch Farbe, Aroma und verwendete Rebsorten unterscheiden.

Zubehör, das oft im Zusammenhang mit Sturm genannt wird, umfasst beispielsweise das klassische Henkelglas, Tischaufsteller oder Fensterstreifen, die auf die Verfügbarkeit hinweisen.

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