03/09/2016
Das Sammeln von Punkten beim Einkaufen ist für viele Verbraucher in Deutschland zur Gewohnheit geworden. Bonusprogramme wie Payback oder die Deutschland Card sind weit verbreitet. Doch die Landschaft dieser Kundenbindungssysteme ist im Wandel. Besonders das Payback-Programm, eines der größten und bekanntesten, erlebt derzeit signifikante Veränderungen, die Millionen von Kunden betreffen.

Eine der prominentesten Nachrichten ist der bestätigte Ausstieg des Supermarktriesen Rewe aus der Partnerschaft mit Payback. Dies wird ab Ende 2024 bzw. spätestens ab dem 1. Januar 2025 Realität. Für Payback-Nutzer, die regelmäßig bei Rewe oder auch bei der Discount-Tochter Penny, den Toom Baumärkten oder DER Touristik Punkten gesammelt haben, bedeutet dies eine Umstellung.
- Rewe und Penny verlassen Payback: Die Hintergründe
- Das neue Kundenprogramm der Rewe Group
- Payback gewinnt neue starke Partner: Edeka und Sparkasse
- Bonusprogramme im Überblick: Was sie bringen und wem sie nützen
- Der Wert von Payback Punkten und wie man sie einlöst
- Vorteile und Nachteile von Bonusprogrammen
- Häufig gestellte Fragen zu den Payback Änderungen
Rewe und Penny verlassen Payback: Die Hintergründe
Nachdem zunächst Gerüchte kursierten, hat die Rewe Group den Schritt offiziell bestätigt. Rewe und Payback hatten bis zuletzt über eine Verlängerung ihres Vertrags verhandelt, der Ende 2023 auslief. Während Payback eine Verlängerung bis Ende 2028 anstrebte, verlängerte die Rewe Group den Vertrag nur bis 2025. Unstimmigkeiten über die Laufzeit scheinen eine Rolle gespielt zu haben.
Der Hauptgrund für die Trennung liegt jedoch offenbar in den als hoch empfundenen Kosten der Zusammenarbeit für Rewe. Brancheninsider sprechen von jährlich rund 150 Millionen Euro, die Rewe an Payback gezahlt haben soll. Zusätzlich dazu möchte die Rewe Group die Möglichkeit haben, Kundendaten gezielter für eigene Zwecke auszuwerten und zu nutzen. Der Konzern sammelt bereits über seine bestehenden Apps für Rewe und Penny sowie den Online-Lieferservice eigene Daten und möchte diese strategisch einsetzen.
Die Pläne für ein *eigenes Kundenprogramm* bei Rewe und Penny wurden durch entsprechende Stellenausschreibungen im Bereich „Loyalty Program“ in den vergangenen Monaten untermauert. Offenbar will die Rewe Group ein System etablieren, das besser auf die Bedürfnisse und das Einkaufsverhalten ihrer Kunden zugeschnitten ist und gleichzeitig dem Unternehmen mehr Kontrolle über die gesammelten *Daten* gibt.
Das neue Kundenprogramm der Rewe Group
Als Vorbild für das geplante eigene Punktesystem wird häufig der Discounter Lidl mit seiner „Lidl Plus“-App genannt. Solche hauseigenen Programme ermöglichen es Händlern, sehr spezifisch auf das Verhalten ihrer Kunden zu reagieren und personalisierte Angebote zu erstellen.
Rewe und Penny planen, ihren Kunden künftig einen Bonus in Euro anzubieten, der beim Kauf bestimmter Artikel gesammelt wird. Dies könnte bedeuten, dass für ausgewählte Produkte ein Bonus von 10 oder 20 Cent, manchmal auch ein Euro oder mehr gutgeschrieben wird. Es ist die Rede von mehreren Hundert wechselnden Artikeln, die mit solchen Coupons verknüpft sein sollen. Das gesammelte Guthaben kann dann beim Einkaufen direkt eingelöst werden.
Zusätzlich zu diesem Euro-Bonus ist offenbar ein weiterer Anreiz geplant: Kunden, die innerhalb eines Monats einen Warenwert von 400 Euro erreichen, sollen zehn Prozent Rabatt auf ihren ersten Einkauf im Folgemonat erhalten. App-Nutzern stehen außerdem weiterhin exklusive Angebote zur Verfügung. Auch die Discount-Tochter Penny wird ein eigenes, von Payback unabhängiges Bonussystem erhalten.
Ab dem 29. Dezember 2024 wird es bei Rewe und Penny nicht mehr möglich sein, *Payback*-Punkte zu sammeln oder einzulösen.
Payback gewinnt neue starke Partner: Edeka und Sparkasse
Während die Rewe Group Payback verlässt, kann das Bonusprogramm neue, bedeutende Partner gewinnen. Ab Anfang 2025 stößt die Edeka-Gruppe, der größte Lebensmittelhändler Deutschlands, zu Payback hinzu. Dies betrifft nicht nur die Edeka-Märkte selbst, sondern auch die zum Verbund gehörenden Ketten Netto Marken-Discount und Marktkauf. Diese Händler waren bisher Partner der DeutschlandCard. Für Kunden, die Punkte bei Edeka oder Netto mit der DeutschlandCard gesammelt haben, gibt es eine Übergangsfrist: DeutschlandCard-Punkte können bei Edeka bis Ende Februar 2025 eingelöst werden. Danach bleiben die Punkte jedoch weiterhin zum Beispiel in Gutscheine oder Prämien umtauschbar.
Ein weiterer spannender Neuzugang bei Payback ab 2025 ist die Kooperation mit den Sparkassen. Diese Partnerschaft ermöglicht es Sparkassenkunden, beim Bezahlen mit ihrer Girokarte automatisch Payback-Punkte zu sammeln – vorausgesetzt, die Funktion wurde vorher aktiv freigeschaltet. Ziel der Sparkassen ist es, die Girokarte als Zahlungsmittel attraktiver zu machen und neue Kundengruppen zu erschließen. Das Sammeln von Punkten funktioniert dabei jedoch nur bei Händlern, die ebenfalls Payback-Partner sind.
Auch die Haustierbedarfsfirma Fressnapf hat angekündigt, das Payback-Programm zu verlassen. Dieser Ausstieg ist für März 2025 geplant.
Bonusprogramme im Überblick: Was sie bringen und wem sie nützen
In Deutschland gibt es neben Payback und der Deutschland Card eine Vielzahl weiterer Kundenbindungsprogramme, oft als hauseigene Systeme bei Einzelhändlern wie Lidl, Hit, Tegut, Rossmann, Kaufland, Budni oder Müller Drogerie. Das Grundprinzip ist meist gleich: Kunden zeigen beim Einkauf eine Plastikkarte oder nutzen eine App und erhalten abhängig vom Umsatz *Punkte* oder einen direkten Rabatt.
Für Verbraucher liegt der offensichtliche Vorteil im Sparen. Durch das Sammeln und Einlösen von Punkten oder durch die Nutzung von Coupons werden Einkäufe potenziell günstiger. Händler nutzen diese Programme, um Kunden an sich zu binden und deren Loyalität zu belohnen.
Allerdings profitieren auch die Händler erheblich von solchen Programmen. Durch die Nutzung der Kundenkarten erhalten sie detaillierte Einblicke in das Einkaufsverhalten ihrer Kunden. Sie erfahren, welche Produkte wann und wie oft gekauft werden, wie viel Geld pro Einkauf ausgegeben wird und sogar an welchen Wochentagen die Kunden einkaufen. Diese *Daten* sind für Händler äußerst wertvoll, da sie eine gezielte Analyse und personalisierte Marketingaktionen ermöglichen.
Der Wert von Payback Punkten und wie man sie einlöst
Das Sammeln von Payback-Punkten erfolgt in der Regel im Verhältnis von 1 Punkt pro 2 Euro Umsatz, wobei durch Sonderaktionen und eCoupons deutlich mehr Punkte gesammelt werden können. Doch wie viel sind diese *Punkte* tatsächlich wert?
Beim Einlösen der Punkte gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die einfachste ist die Verrechnung mit dem Einkauf direkt an der Kasse oder die Umwandlung in Einkaufsgutscheine. Bei diesen Methoden hat ein Payback Punkt einen Wert von 1 Eurocent. 50.000 Payback-Punkte entsprechen also 500 Euro, wenn sie auf diese Weise eingelöst oder bar auf das Girokonto ausgezahlt werden.
Eine potenziell lukrativere Einlöseoption ist die Umwandlung von Payback-Punkten in Miles & More Meilen. Hier ist eine 1:1 Übertragung möglich. Wie Experten für Vielfliegerprogramme bestätigen, kann der Wert einer Meile, insbesondere bei der Einlösung für Prämienflüge in höheren Klassen, deutlich höher liegen. Es ist möglich, einen Gegenwert von vier Cent pro Punkt oder sogar mehr zu erzielen. Die Übertragung kann zweimal jährlich (März und September) automatisch erfolgen. Es gibt jedoch auch immer wieder Aktionen, bei denen ein Bonus von 25% auf die übertragenen Meilen gewährt wird. Für den maximalen Wert empfiehlt es sich daher, auf solche Bonusaktionen zu warten und die Punkte manuell zu übertragen.

Gesammelte Payback-Punkte sind in der Regel drei Jahre lang gültig, bevor sie verfallen. Es bleibt also ausreichend Zeit, die Punkte bei einem der verbliebenen Partner einzulösen.
Vorteile und Nachteile von Bonusprogrammen
Lohnen sich Bonusprogramme für Verbraucher wirklich? Die Antwort ist nicht ganz einfach und hängt stark vom individuellen Nutzungsverhalten ab. Die standardmäßige Ersparnis durch das Punktesammeln ist oft gering, meist zwischen einem halben und drei Prozent des Einkaufswerts. Wer hauptsächlich auf Angebote achtet und Preise vergleicht, spart oft mehr, als sich an ein einzelnes Programm zu binden.
Lohnender können Sonderaktionen und Coupons sein, die speziell für Bonuskartenbesitzer angeboten werden und deutlich höhere Rabatte ermöglichen. Allerdings besteht hier die Gefahr, sich zu Käufen verleiten zu lassen, die man eigentlich nicht geplant oder benötigt hätte. Verbraucherschützer warnen davor, dass Bonusprogramme zum unüberlegten Mehrkauf verführen können.
Der wohl größte Nachteil aus Verbrauchersicht ist die Preisgabe persönlicher *Daten*. Um an den Programmen teilzunehmen, müssen Kunden in der Regel mindestens Name und Adresse angeben. Viele Unternehmen fragen darüber hinaus nach weiteren Informationen wie Haushaltsgröße oder Beruf, wofür jedoch eine ausdrückliche Zustimmung erforderlich ist. Durch die Nutzung der Karte wird das individuelle Konsumverhalten detailliert erfasst und kann zur Erstellung von Kundenprofilen für gezielte Werbung genutzt werden.
Zudem können gesammelte *Punkte* verfallen, wenn sie nicht rechtzeitig eingelöst werden. Bei Payback ist dies nach drei Jahren der Fall.
Die Entscheidung zur Teilnahme an einem Bonusprogramm sollte daher gut überlegt sein. Man sollte sich bewusst sein, welche *Daten* man preisgibt und ob die potenziellen Ersparnisse die Nachteile aufwiegen.
Häufig gestellte Fragen zu den Payback Änderungen
Hier finden Sie Antworten auf einige der wichtigsten Fragen rund um die aktuellen Änderungen bei Payback:
Warum verlässt Rewe Payback?
Rewe begründet den Ausstieg unter anderem mit den hohen Kosten der Partnerschaft (ca. 150 Mio. € pro Jahr) und dem Wunsch, ein eigenes Kundenbindungsprogramm aufzubauen, um Kundendaten gezielter auswerten und nutzen zu können.Ab wann kann ich bei Rewe und Penny keine Payback-Punkte mehr sammeln oder einlösen?
Dies ist ab dem 29. Dezember 2024 nicht mehr möglich.Welche Unternehmen verlassen Payback?
Die Rewe Group (Rewe, Penny, Toom, DER Touristik) verlässt Payback Ende 2024/Anfang 2025. Auch Fressnapf steigt im März 2025 aus.Welche Unternehmen kommen neu zu Payback?
Die Edeka-Gruppe (Edeka, Netto, Marktkauf) sowie die Sparkassen treten ab 2025 Payback bei.Was passiert mit meinen Payback-Punkten, die ich bei Rewe gesammelt habe?
Punkte, die Sie bei Rewe gesammelt haben, bleiben erhalten und können weiterhin bei allen anderen Payback-Partnern gesammelt und eingelöst werden.Was passiert mit meinen DeutschlandCard-Punkten von Edeka oder Netto?
Sie können Ihre DeutschlandCard-Punkte bei Edeka und Netto noch bis Ende Februar 2025 einlösen. Danach sind die Punkte weiterhin über andere Wege einlösbar (z.B. Prämienshop der DeutschlandCard).Verfallen Payback-Punkte?
Ja, Payback-Punkte verfallen in der Regel nach 3 Jahren, wenn sie bis dahin nicht eingelöst wurden.Wie viel ist ein Payback Punkt wert?
Beim Einlösen an der Kasse, als Gutschein oder Barauszahlung ist ein Punkt 1 Eurocent wert. Bei Umwandlung in Miles & More Meilen kann der Wert je nach Einlösung (z.B. für Business Class Flüge) 4 Cent oder mehr pro Punkt betragen.Gibt es Nachteile bei der Nutzung von Payback oder ähnlichen Programmen?
Nachteile können die geringe Standard-Ersparnis, die Verführung zu unnötigen Käufen, die umfassende Sammlung und Nutzung persönlicher Daten durch das Unternehmen sowie der mögliche Verfall von Punkten sein.
Die Veränderungen im Bereich der Bonusprogramme zeigen, dass Kundenbindung ein zentrales Thema im Handel ist und die Unternehmen intensiv daran arbeiten, die Beziehung zu ihren Kunden zu gestalten – sei es durch bewährte Kooperationen oder den Aufbau eigener Systeme.
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