28/08/2016
Paydirekt wurde einst als die deutsche Antwort auf internationale Bezahldienste wie PayPal konzipiert. Getragen von der deutschen Kreditwirtschaft, sollte es eine datenschutzfreundlichere und eng mit dem Girokonto verknüpfte Alternative bieten. Doch das Vorhaben ist, wie sich nun zeigt, nicht aufgegangen. Nach Investitionen in Millionenhöhe steht fest: paydirekt in seiner ursprünglichen Form gibt es nicht mehr. Was genau ist passiert und warum konnte sich der Dienst nicht am Markt durchsetzen?
- Der Zusammenschluss: Aus paydirekt und giropay wird das „neue giropay“
- Das Scheitern: Warum die deutsche PayPal-Alternative nicht abhob
- paydirekt vs. PayPal: Ein Vergleich aus Händlersicht
- Die europäische Perspektive: Wero als Nachfolger?
- Häufig gestellte Fragen zum Ende von paydirekt/giropay
- Zusammenfassung und Ausblick
- paydirekt vs. PayPal im direkten Vergleich (Stand vor Einstellung von paydirekt/giropay)
Der Zusammenschluss: Aus paydirekt und giropay wird das „neue giropay“
Um die Kräfte zu bündeln und die Reichweite zu erhöhen, wurden bereits 2021 die deutschen Bezahldienste paydirekt, giropay und Kwitt unter einer gemeinsamen Marke zusammengeführt: dem „neuen giropay“. Dieser Schritt sollte die Sichtbarkeit und Akzeptanz verbessern. Für Endkunden bedeutete dies, dass sie nun unter dem Namen giropay verschiedene Bezahloptionen nutzen konnten:
- Das bisherige paydirekt-Verfahren mit Benutzername und Passwort oder biometrischer Authentifizierung, inklusive Käuferschutz.
- Das bisherige giropay-Verfahren, das eine direkte Online-Überweisung ohne vorherige Freischaltung ermöglichte, allerdings ohne Käuferschutz.
Die Idee war, den Nutzern Flexibilität zu bieten und gleichzeitig die Infrastruktur der deutschen Banken und Sparkassen zu nutzen. Ein Übergangslogo begleitete diese Phase, um die Verbindung zum vertrauten giropay-Namen herzustellen.

Das Scheitern: Warum die deutsche PayPal-Alternative nicht abhob
Trotz des Zusammenschlusses und der Bemühungen, den Dienst attraktiver zu gestalten, konnte sich das „neue giropay“ bzw. die dahinterstehende Idee nicht wirklich durchsetzen. Die Meldung vom Juni 2024, dass giropay (und damit auch das integrierte paydirekt-Verfahren) Ende des Jahres abgeschaltet wird, bestätigt das Scheitern. Die Gesellschafter, die deutschen Banken und Sparkassen, haben sich darauf geeinigt, wenn auch unter Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Gremien.
Mehrere hundert Millionen Euro sollen laut Berichten in das Projekt investiert worden sein. Das Ziel war klar: eine schnelle, einfache und sichere Bezahlmethode im Internet, die direkt an das Girokonto angebunden ist und deren Daten sicher auf Servern in Deutschland verbleiben. Dies sollte ein deutlicher Pluspunkt gegenüber ausländischen Konkurrenten sein.
Doch die Akzeptanz bei den Verbrauchern blieb gering. Branchenberichte zeigten einen sehr niedrigen Marktanteil im Vergleich zu etablierten Diensten wie PayPal. Im Jahr 2022 gab es demnach nur etwa 23 Millionen Transaktionen über den Dienst. Anfang 2024 sollen die Zahlen sogar stark eingebrochen sein. Im Gegensatz dazu verzeichnete PayPal in Deutschland eigenen Angaben zufolge 35 Millionen aktive Kundenkonten. Die Dominanz von PayPal und anderen internationalen Anbietern konnte nicht gebrochen werden.
Die Gründe für das Scheitern sind vielfältig, aber Insider sehen vor allem mangelnde Akzeptanz bei Händlern und Verbrauchern, eine späte Markteinführung im Vergleich zur Konkurrenz und möglicherweise auch eine zu geringe Nutzerfreundlichkeit im Vergleich zu den reibungslosen Prozessen anderer Dienste als Hauptfaktoren. Die Bereitschaft der Gesellschafter, angesichts der mauen Erfolgsaussichten weiterhin hohe Summen in das Projekt zu investieren, war gering.
paydirekt vs. PayPal: Ein Vergleich aus Händlersicht
Für Online-Händler stellte sich lange die Frage, welchen Bezahldienst sie anbieten sollten. Ein Vergleich zwischen paydirekt und PayPal zeigte deutliche Unterschiede, die je nach Zielgruppe und technischer Infrastruktur relevant waren:
Zielgruppe und Nutzerfreundlichkeit
PayPal ist international etabliert und bei vielen Online-Shoppern weltweit bekannt und beliebt. Der „Schnell-Checkout“ kann die Abbruchrate im Kaufprozess signifikant senken, insbesondere bei Kunden, die häufig online einkaufen und ein PayPal-Konto besitzen.
Paydirekt hingegen wurde oft als gute Wahl für weniger technikaffine Kunden oder solche, die dem Online-Handel generell kritisch gegenüberstehen, beworben. Da die Freischaltung über das Onlinebanking der Hausbank erfolgte, fühlten sich diese Kunden möglicherweise sicherer und besser aufgehoben. Für Kunden, die hauptsächlich per Rechnung oder Lastschrift bezahlen, konnte paydirekt ebenfalls eine attraktive Option sein.
Integration in den Online-Shop
Die technische Integration eines Bezahldienstes ist für Händler ein wichtiger Faktor. PayPal bot hier oft detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitungen und war in vielen Shop-Systemen (wie 1&1, ePages, Gambio, Magento, Oxid, Shopware, Strato) bereits vorintegriert oder leicht per Plugin nachrüstbar. Tools zur Optimierung der Integration standen ebenfalls zur Verfügung.

Die Informationen zur Einbindung von paydirekt galten als technischer und kürzer gefasst. Händler konnten den Dienst direkt integrieren, Standard-Plugins nutzen oder über ihren Payment Service Provider (PSP) anbinden. Obwohl auf Nachfrage weiteres Material bereitgestellt wurde, schien die Integration für manche Händler komplexer.Beide Dienste boten eine Testumgebung (Sandbox) an, um die Integration vor dem Live-Betrieb zu prüfen. Die Hilfestellungen zur Optimierung waren vergleichbar, wobei die Dokumentation von PayPal oft als verständlicher beschrieben wurde.
Kosten und Konditionen
Die Kostenstruktur war ein weiterer wichtiger Unterschied. Bei PayPal waren die Gebühren für Transaktionen und Geldempfang detailliert festgelegt, meist als prozentualer Anteil des Umsatzes plus ein Fixbetrag pro Transaktion. Diese Gebühren konnten je nach Umsatzvolumen variieren.
Bei paydirekt konnten Händler die Kosten pro Transaktion individuell mit ihrer Bank oder Sparkasse verhandeln. Dies sollte für flexible und angemessene Gebühren sorgen und auch kleineren Händlern entgegenkommen. Der bürokratische Aufwand für diese Verhandlungen wurde als gering beschrieben, da er von der Bank oder einem Partner initiiert wurde.
Ob ein Dienst insgesamt günstiger war, hing stark von den individuellen paydirekt-Konditionen und dem Transaktionsvolumen des Händlers ab. Viele Händler entschieden sich letztlich dafür, beide Dienste anzubieten, um möglichst viele Kundenbedürfnisse abzudecken.
Die europäische Perspektive: Wero als Nachfolger?
Auch wenn giropay/paydirekt eingestellt wird, lebt die Idee einer europäischen Alternative zu den globalen Zahlungsriesen weiter. Die European Payments Initiative (EPI) arbeitet mit Unterstützung der EU an einem gesamteuropäischen Bezahldienst namens Wero. Dieser Dienst soll noch im Sommer 2024 starten, zunächst für Peer-to-Peer-Zahlungen (Geld senden zwischen Privatpersonen) per Handynummer, ohne umständliche IBAN-Eingabe.
In einem zweiten Schritt soll Wero dann auch für Zahlungen im Online-Handel und im stationären Geschäft nutzbar werden. Die Ziele sind ähnlich wie bei paydirekt: eine schnelle, einfache und sichere Bezahlmethode, die zudem potenziell Kosten sparen kann, insbesondere bei grenzüberschreitenden Zahlungen innerhalb der EU. Auch hier steht der Datenschutz im Fokus, mit Datenverarbeitung innerhalb Europas.
Viele Insider sehen das europäische EPI-Projekt als einen Grund, warum die deutschen Banken die Investitionen in giropay/paydirekt eingestellt haben. Es machte aus ihrer Sicht wenig Sinn, zwei parallel laufende Projekte mit ähnlicher Zielsetzung zu verfolgen. Stattdessen fokussiert sich die deutsche Kreditwirtschaft nun auf die Unterstützung von Wero, in der Hoffnung, dass eine europäische Lösung die notwendige Reichweite und Akzeptanz erreichen kann, die paydirekt verwehrt blieb.
Häufig gestellte Fragen zum Ende von paydirekt/giropay
Was passiert mit meinem paydirekt-Konto?
Da das paydirekt-Verfahren in das „neue giropay“ integriert wurde und dieses nun Ende 2024 eingestellt wird, wird auch die Nutzung des bisherigen paydirekt-Kontos nicht mehr möglich sein. Kunden sollten sich bei ihrer Bank über die genauen Details der Abwicklung informieren.

Kann ich giropay noch nutzen?
Aktuell ist die Nutzung von giropay (inklusive der paydirekt-Funktionen) noch möglich, die Abschaltung ist aber für Ende 2024 geplant. Ab diesem Zeitpunkt wird der Dienst nicht mehr zur Verfügung stehen.
Ist paydirekt das Gleiche wie PayPal?
Nein, paydirekt und PayPal waren unterschiedliche Bezahldienste. Paydirekt wurde von deutschen Banken getragen und war eng mit dem Girokonto verbunden, mit dem Fokus auf Datenschutz nach deutschen Standards. PayPal ist ein US-amerikanisches Unternehmen mit einer globalen Plattform und einer anderen Kostenstruktur und Nutzerbasis. Auch wenn beide Dienste Online-Zahlungen ermöglichten, unterschieden sie sich in Technologie, Herkunft und Geschäftsmodell.
Warum wurde paydirekt eingestellt?
Die Hauptgründe für die Einstellung sind der geringe Marktanteil, die mangelnde Akzeptanz bei Verbrauchern und Händlern im Vergleich zur Konkurrenz sowie die strategische Entscheidung der deutschen Banken, sich stattdessen auf das europäische Bezahlsystem EPI (Wero) zu konzentrieren.
Was ist Wero?
Wero ist ein neues europäisches Bezahlsystem, das von der European Payments Initiative (EPI) entwickelt wird. Es soll eine europäische Alternative zu internationalen Diensten bieten und zunächst schnelle Peer-to-Peer-Zahlungen ermöglichen, später auch Online- und In-Store-Zahlungen. Es wird von vielen europäischen Banken unterstützt.
Zusammenfassung und Ausblick
Das Ende von paydirekt und dem „neuen giropay“ markiert das Scheitern des Versuchs der deutschen Kreditwirtschaft, einen nationalen Champion im Bereich der Online-Bezahlsysteme zu etablieren. Trotz hoher Investitionen und der Bündelung von Kräften konnte gegen die Marktmacht von PayPal und anderen Anbietern kein signifikanter Marktanteil gewonnen werden. Die mangelnde Akzeptanz bei Händlern und Verbrauchern war letztlich ausschlaggebend.
Die Idee einer europäischen, datenschutzfreundlichen Alternative lebt jedoch im Projekt Wero weiter. Die deutschen Banken setzen nun auf diese europäische Lösung, in der Hoffnung, dass ein gemeinsamer europäischer Ansatz die notwendige Größe und Akzeptanz erreichen kann, um im Wettbewerb der digitalen Bezahlsysteme bestehen zu können. Die Zukunft des digitalen Bezahlens aus europäischer Hand liegt nun maßgeblich in den Händen von EPI und Wero.
paydirekt vs. PayPal im direkten Vergleich (Stand vor Einstellung von paydirekt/giropay)
| Merkmal | paydirekt (integriert in giropay) | PayPal |
|---|---|---|
| Herkunft | Deutsche Banken/Sparkassen | USA |
| Anbindung | Direkt ans Girokonto über Onlinebanking | Eigenes Konto, verknüpft mit Bankkonto/Kreditkarte |
| Datenschutz | Datenverarbeitung auf Servern in Deutschland, Fokus auf deutsche Standards | Internationale Verarbeitung |
| Käuferschutz | Ja (im paydirekt-Verfahren) | Ja |
| Freischaltung | Über Onlinebanking der Hausbank nötig | Registrierung für PayPal-Konto nötig |
| Kosten Händler | Verhandelbar mit Bank/Sparkasse | Festgelegte Gebühren (Prozentsatz + Fixbetrag, umsatzabhängig) |
| Marktanteil in D | Gering (einstelliger Prozentbereich) | Sehr hoch (Millionen aktive Nutzer) |
| Zukunft | Wird Ende 2024 eingestellt | Weiterhin aktiv und dominant |
Dieses Scheitern zeigt, wie schwierig es ist, sich gegen etablierte globale Player im digitalen Zahlungsverkehr durchzusetzen, selbst mit der Unterstützung großer nationaler Finanzinstitute. Die Hoffnung ruht nun auf einem gemeinsamen europäischen Ansatz.
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