19/07/2018
Pittiplatsch ist zweifellos eine der ikonischsten und beliebtesten Figuren des DDR-Kinderfernsehens und untrennbar mit dem Abendgruß des Sandmännchens verbunden. Dieser kleine, schwarze Kobold hat sich tief in die Herzen mehrerer Generationen gebrannt und begeistert auch heute noch Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Seine Geschichte ist jedoch nicht nur eine Erzählung von Beliebtheit, sondern auch von einem bemerkenswerten, wenn auch kurzen, „Berufsverbot“, das er aufgrund seiner als zu frech empfundenen Art erhielt.

Seit seiner ersten Ausstrahlung hat Pittiplatsch das Kinderfernsehen maßgeblich geprägt. Er repräsentiert eine Figur, die nicht perfekt ist, Fehler macht und daraus lernt – oder es zumindest versucht. Diese Authentizität, gepaart mit seinem unverwechselbaren Aussehen und seiner einzigartigen Stimme, machte ihn schnell zu einem Liebling der Zuschauer.
Wer ist Pittiplatsch? Ein Blick auf den Charakter
Pittiplatsch, oft liebevoll nur Pitti genannt, ist ein kleiner, schwarzer Kobold. Er zeichnet sich durch seinen großen Mund und sein ebenso großes Herz aus. Seine Persönlichkeit ist vielschichtig: Er ist neugierig, verschmitzt und im Grunde seines Herzens sehr liebenswert. Pitti sprüht oft vor Ideen, die allerdings nicht immer wohlüberlegt sind. Seine Aktionen sind meist gut gemeint, doch man muss zugeben, dass sie oft auch nicht ganz ohne Eigennutz sind. Leider gehen seine Vorhaben nur allzu oft schief.
Wenn seine Pläne scheitern oder er bei seinen kleinen Missetaten ertappt wird, ist Pitti total betrübt. In diesen Momenten verspricht er reumütig und mit seiner charakteristischen, etwas quengeligen Stimme, zukünftig „gaaanz liiieb“ zu sein. Dieses Versprechen hält oft nicht lange, was aber gerade Teil seines Charmes ist. Kinder erkennen in Pitti leicht ihre eigenen Schwächen, Fehler und Ängste wieder. Er ist eine Identifikationsfigur, die zeigt, dass es in Ordnung ist, nicht immer perfekt zu sein, solange man bereit ist, daraus zu lernen.
Pittiplatsch in der DDR: Die kurze Verbannung
Die Geschichte von Pittiplatsch begann offiziell am 17. Juni 1962. An diesem Tag hatte er um 18:50 Uhr seinen ersten Auftritt beim Abendgruß des Sandmännchen im DDR-Fernsehen (damals Deutscher Fernsehfunk). Doch dieser erste Auftritt war fast schon sein letzter. Nach nur zwei Folgen verschwand Pitti für ein halbes Jahr von der Bildfläche.

Der Grund für dieses plötzliche Verschwinden lag in seiner Art. Pittiplatsch war, wie es im Text heißt, „den SED-Genossen zu frech“. In einem politischen System wie der DDR wurde auch das Kinderfernsehen genau beobachtet. Eine Figur, die zu eigenwillig, zu unkonventionell oder gar aufmüpfig wirkte, konnte als potenziell störend empfunden werden. Pitti's Frechheit, sein Hinterfragen von Regeln und sein manchmal aufsässiges Verhalten passten nicht in das gewünschte Bild des folgsamen Kindes oder der unproblematischen Unterhaltung.
Man könnte sagen, er bekam quasi ein „Berufsverbot“. Nicht nur die politischen Entscheidungsträger hatten Bedenken. Auch einige Pädagogen äußerten Sorge. Sie fürchteten, dass Kinder von diesem Kobold nur „Dummheiten lernen“ könnten. Die Idee, dass eine Fernsehfigur negative Verhaltensweisen vermitteln könnte, war eine ernsthafte Sorge.
Glücklicherweise war die Zwangspause von Pitti nur von kurzer Dauer. Aufgrund zahlreicher Proteste von Zuschauern, die ihren neuen Lieblingskobold vermissten, erschien Pittiplatsch bald wieder auf dem Bildschirm. Allerdings nicht ganz unverändert. Er wurde optisch leicht angepasst und, was wichtiger war, verbal etwas weniger frech. Seine spitzen Bemerkungen und sein aufsässiges Verhalten wurden abgemildert, um den Bedenken der Verantwortlichen entgegenzukommen. Trotz dieser Anpassungen behielt Pitti seinen Kerncharakter bei und eroberte die Herzen der Kinder im Sturm zurück – diesmal endgültig.
Pittiplatsch und seine Freunde: Ein ungleiches Trio
Pittiplatsch agiert selten allein. Seine wichtigsten und beständigsten Dialogpartner sind die Ente Schnatterinchen und der Hund Moppi. Dieses Trio bildet das Herzstück vieler Sandmännchen-Geschichten und ihre Interaktionen sind es, die die Episoden so lebendig machen.
Schnatterinchen ist die Verkörperung von Freundlichkeit, Höflichkeit und Hilfsbereitschaft. Sie ist oft die Stimme der Vernunft und versucht, Pitti von seinen manchmal fragwürdigen Plänen abzuhalten. Ihre Art ist sanft und bedacht, was einen starken Kontrast zu Pitti's Impulsivität bildet. Sie ist die gute Freundin, auf die sich Pitti und Moppi verlassen können.

Moppi, der grummelige, aber treue Hund, kam erst später, im Jahr 1976, zur Gruppe hinzu. Er ist das dritte Element im Bunde und bringt eine andere Dynamik mit sich. Während Schnatterinchen stets lieb und nett ist, zeigt Moppi gelegentlich auch rüpelhafte Züge. Er ist skeptisch gegenüber Pitti's Ideen und kann ihm durchaus Paroli bieten. Ihre Dialoge sind oft geprägt von Pitti's Enthusiasmus, Schnatterinchen's vorsichtigen Einwänden und Moppi's trockenem Kommentar oder Widerstand. Diese unterschiedlichen Charaktere ergänzen sich perfekt und ermöglichen vielfältige Geschichten, in denen die kleinen und großen Herausforderungen des Alltags auf kindgerechte Weise thematisiert werden.
Pittiplatsch heute: Neue Abenteuer für alte und neue Fans
Obwohl Pittiplatsch eine Figur aus der DDR-Zeit ist, ist er keineswegs in der Vergangenheit steckengeblieben. Anlässlich des 60. Geburtstags des Sandmännchens im Jahr 2019 wurden nach fast 30 Jahren Pause 13 neue Folgen mit Pittiplatsch, Schnatterinchen und Moppi gedreht. Dies war ein bedeutendes Ereignis für viele Fans, die mit diesen Figuren aufgewachsen sind.
Die Produktion neuer Episoden erforderte erheblichen Aufwand. Es mussten neue Handpuppen gebaut werden, die den Originalen treu blieben. Eine besondere Herausforderung war die Suche nach Puppenspielern, die nicht nur die Figuren führen konnten, sondern auch die passenden Stimmen beisteuerten, die den Zuschauern so vertraut waren. Zudem mussten neue Geschichten geschrieben werden, die den Geist der alten Folgen einfangen, aber auch neue Themen ansprechen, und schließlich neue Sets gebaut werden, in denen die Abenteuer stattfinden konnten.
Seit Ende November 2019 sind die „neuen“ Pitti-Geschichten immer dienstags im Rahmen des Sandmanns zu sehen und erfreuen sowohl die Elterngeneration, die Kindheitserinnerungen aufleben lässt, als auch neue Generationen von Kindern, die diesen zeitlosen Charakter für sich entdecken.

Warum Pittiplatsch so beliebt bleibt
Die anhaltende Beliebtheit von Pittiplatsch lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen. Erstens ist da die Nostalgie. Für viele, die in der DDR oder im wiedervereinigten Deutschland aufgewachsen sind, ist Pitti eine Figur ihrer Kindheit, eng verbunden mit dem Ritual des Abendgrußes und dem Zu-Bett-Gehen. Allein sein Anblick oder seine Stimme können warme Erinnerungen wecken.
Zweitens ist es die universelle Natur seines Charakters. Pitti macht Fehler, er ist manchmal egoistisch, manchmal faul, aber er hat immer ein gutes Herz und bereut seine Missetaten. Diese menschlichen (oder koboldhaften) Schwächen machen ihn nahbar und sympathisch. Kinder lernen durch ihn auf spielerische Weise etwas über Konsequenzen, Entschuldigung und Freundschaft.
Drittens ist die Dynamik mit seinen Freunden Schnatterinchen und Moppi entscheidend. Das Trio verkörpert verschiedene Persönlichkeiten und soziale Interaktionen, die Kinder in ihrem eigenen Leben wiedererkennen. Die Geschichten sind oft einfach, aber lehrreich, und vermitteln positive Werte wie Hilfsbereitschaft, Toleranz und die Bedeutung von Freundschaft, auch wenn es mal Streit gibt.
Selbst die Episode seines kurzen Verbots in der DDR trägt zu seinem Mythos bei. Sie zeigt, dass er eine Figur mit Charakter war, die aneckte, aber letztlich so geliebt wurde, dass die Zuschauer seine Rückkehr forderten. Diese Geschichte unterstreicht seine besondere Stellung im deutschen Kinderfernsehen.
Häufig gestellte Fragen zu Pittiplatsch
Was für ein Wesen ist Pittiplatsch?
Pittiplatsch ist ein kleiner, schwarzer Kobold. Er ist eine Fantasiefigur, die menschliche Eigenschaften wie Neugier, Verschmitztheit, aber auch Fehler und Reue verkörpert.

Warum war Pittiplatsch in der DDR kurzzeitig verboten?
Er war kurzzeitig verboten, weil er den politischen Verantwortlichen der DDR (den SED-Genossen) als zu frech erschien. Auch einige Pädagogen hatten Bedenken, dass Kinder durch ihn „Dummheiten lernen“ könnten. Dies führte nach seinen ersten beiden Auftritten zu einem etwa halbjährigen „Berufsverbot“, bis er nach Zuschauerprotesten und leichten Anpassungen zurückkehrte.
Welche Figur stellt Pittiplatsch dar?
Pittiplatsch stellt die Figur eines Kobolds dar. Innerhalb der Sendung repräsentiert er oft den kindlichen Drang, Dinge auszuprobieren, manchmal Regeln zu brechen, aber letztlich immer wieder den Weg zurück zu finden und zu versuchen, „liieb“ zu sein.
Seit wann gibt es Pittiplatsch?
Pittiplatsch hatte seinen ersten Auftritt im DDR-Fernsehen am 17. Juni 1962.
Pittiplatsch bleibt eine unvergessliche Figur des deutschen Kinderfernsehens. Seine Geschichte, seine kleinen Fehler und sein großes Herz machen ihn zu einem zeitlosen Charakter, der auch zukünftige Generationen noch begeistern wird.
Wenn du mehr spannende Artikel wie „Pittiplatsch: Der freche Kobold der DDR“ entdecken möchtest, schau doch mal in der Kategorie Bürobedarf vorbei!
