11/10/2022
Die Wahl der richtigen Buntstifte kann für Künstler entscheidend sein. Oft stellt sich die Frage: Welche Marke ist die beste für meine Bedürfnisse? Besonders im Fokus stehen dabei oft zwei führende Marken: Faber-Castell Polychromos und Prismacolor. Nach dem Erhalt eines kleinen Sets Polychromos ergab sich die perfekte Gelegenheit, diese beiden beliebten Stiftarten direkt miteinander zu vergleichen, bevor eine größere Investition in Betracht gezogen wird. Dieser Vergleich basiert auf praktischer Erfahrung und beleuchtet die wichtigsten Unterschiede, die bei der täglichen Nutzung auftreten.

- Spitzen und Bruchfestigkeit
- Farbauftrag und Geschmeidigkeit
- Radierbarkeit
- Anwendung im Detail
- Wachsbildung (Wax Bloom)
- Vergleichstabelle: Polychromos vs. Prismacolor
- Was ist das Besondere an Polychromos?
- Polychromos im Vergleich zu "normalen" Buntstiften
- Kann man Polychromos verblenden (verwischen)?
- Fazit: Welcher Stift ist der Richtige für Sie?
Spitzen und Bruchfestigkeit
Ein häufiges Problem bei vielen Buntstiften, insbesondere bei den Prismacolor Stiften, ist die Anfälligkeit der Minen für Bruch. Es kann frustrierend sein, wenn die Mine immer wieder abbricht, während man versucht, den Stift zu spitzen oder zu zeichnen. Die Erfahrung zeigt, dass Prismacolor-Minen dazu neigen, sehr leicht zu brechen. Dies führt nicht nur zu Materialverlust, sondern unterbricht auch den kreativen Fluss erheblich. Man verbringt wertvolle Zeit mit ständigem Nachspitzen, was die Stifte schnell verbraucht.
Im Gegensatz dazu sind die Minen der Faber-Castell Polychromos Stifte fest mit dem Holzschaft verklebt (SV-Verleimung). Dies bedeutet, dass selbst wenn der Stift herunterfällt, nur die äußerste Spitze abbricht und nicht die Mine im Inneren des Schafts zerbricht. Diese Eigenschaft allein ist ein großer Vorteil in puncto Haltbarkeit und Benutzerfreundlichkeit. Darüber hinaus sind Polychromos-Minen härter als die von Prismacolor. Eine härtere Mine behält ihre Spitze länger, was bedeutet, dass weniger häufig gespitzt werden muss. Dies spart Zeit und Nerven.
Auch die Qualität des Holzes, das für den Schaft der Polychromos Stifte verwendet wird – oft Zedernholz – ist bemerkenswert. Das Spitzen fühlt sich glatt und widerstandsarm an, fast wie "Butter", was die Handhabung sehr angenehm macht und die Wahrscheinlichkeit von Holzsplittern oder ungleichmäßigem Spitzen verringert.
Farbauftrag und Geschmeidigkeit
Die Art und Weise, wie sich die Farbe auf das Papier überträgt und wie glatt der Farbauftrag ist, ist ein weiterer wichtiger Vergleichspunkt. Viele Künstler wechseln von glatten Papieren zu Papieren mit mehr "Zahn" (Textur), wie z.B. Stonehenge, um mehr Schichten auftragen zu können und bessere Radierbarkeit sowie die Möglichkeit der Nachbearbeitung mit Alkohol zu haben. Allerdings kann auf Papieren mit mehr Zahn die Textur des Papiers durchscheinen und zu einem körnigen Farbauftrag führen.
Bei einem direkten Vergleich kleiner Flächen zeigte sich, dass Prismacolor Stifte auf rauem Papier tendenziell ein körnigeres Ergebnis liefern, selbst wenn die Spitze scharf ist. Um eine ähnlich glatte Fläche wie mit Polychromos zu erzielen, wäre ein wiederholtes, vorsichtiges Ausfüllen der Papierstruktur und häufiges Nachspitzen des Prismacolor Stifts notwendig. Dies ist zeitaufwendig und mühsam.
Polychromos Stifte ermöglichen einen deutlich geschmeidigeren Farbauftrag auf verschiedenen Papierarten. Die Farbe dringt besser in die Textur des Papiers ein oder deckt sie effektiver ab, was zu einem gleichmäßigeren und weniger körnigen Ergebnis führt, selbst ohne zusätzliche Techniken wie das Verblenden mit Alkohol.

Radierbarkeit
Manchmal sind Korrekturen notwendig oder es sollen Highlights gesetzt werden, indem Farbe entfernt wird. Die Fähigkeit, Farbe effektiv radieren zu können, ist daher von Bedeutung. Ein Test mit einem batteriebetriebenen Radierer auf dunklen Farben (die am schwierigsten zu entfernen sind) lieferte klare Ergebnisse.
Die Pigmente der Polychromos Stifte ließen sich überraschend leicht anheben und entfernen. Der Strich verschwand weitgehend, ohne viel Rückstände zu hinterlassen. Bei den Prismacolor Stiften hingegen tendierte die Farbe dazu, eher zu verschmieren und in das Papier eingearbeitet zu werden, bevor sie sich tatsächlich anheben ließ. Dies macht das präzise Entfernen von Farbe oder das Setzen von klaren Highlights mit Prismacolor schwieriger als mit Polychromos.
Anwendung im Detail
Um die Stifte im praktischen Einsatz zu vergleichen, wurden identische Motive (z.B. eine Topfpflanze) mit beiden Marken gezeichnet. Obwohl die Farben zwischen den Marken leicht variieren können, zeigte sich ein deutlicher Unterschied in der Handhabung und Kontrolle.
Mit den Polychromos Stiften war es einfacher, feine Details zu zeichnen, selbst wenn die Spitze nicht maximal scharf war. Die härtere Mine ermöglichte präzisere Linien und kontrollierten Farbauftrag. Bei den Prismacolor Stiften erforderte das Erzielen ähnlicher Details und einer vergleichbaren Glätte deutlich mehr Aufwand, häufigeres Nachspitzen und sorgfältigeres Ausfüllen der Papierstruktur.
Nach der Anwendung von Alkohol zur Verblendung zeigten die Prismacolor Farben zwar eine höhere Leuchtkraft, aber die körnige Textur war immer noch sichtbarer als bei den Polychromos. Die Polychromos Zeichnung wirkte bereits vor der Verblendung mit Alkohol sehr ansprechend und glatt.
Wachsbildung (Wax Bloom)
Ein weiteres relevantes Thema, insbesondere bei wachsgebundenen Buntstiften wie Prismacolor, ist die sogenannte Wachsbildung ("wax bloom"). Dabei handelt es sich um einen dünnen, milchigen Wachsfilm, der sich mit der Zeit auf der Oberfläche der Zeichnung ablagern kann. Dieser Film kann zwar entfernt werden, ist aber dennoch lästig und beeinträchtigt das Erscheinungsbild des Kunstwerks.

Da Faber-Castell Polychromos Buntstifte auf Öl-basiert hergestellt werden, tritt das Problem der Wachsbildung bei ihnen nicht auf. Dies ist ein klarer Vorteil für Künstler, die Wert auf die langfristige Stabilität und das Aussehen ihrer Werke legen.
Vergleichstabelle: Polychromos vs. Prismacolor
| Eigenschaft | Faber-Castell Polychromos | Prismacolor |
|---|---|---|
| Basis | Öl-basiert | Wachs-basiert |
| Minenbruch | Sehr gering (SV-Verleimung) | Häufig |
| Minenhärte | Härter | Weicher |
| Spitzenhaltung | Hält Spitze länger | Verliert schnell Spitze |
| Farbauftrag (glatt) | Sehr gut, auch auf rauem Papier | Tendiert zu Körnigkeit auf rauem Papier |
| Radierbarkeit | Gut, Farbe lässt sich gut anheben | Schwieriger, tendiert zu Verschmieren |
| Wachsbildung | Keine | Möglich |
| Preis | Teurer | Günstiger |
| Verfügbarkeit | Gut im Fachhandel | Oft leichter im Handel zu finden |
| Geeignet für | Feine Details, Schichtung, Profis | Anfänger, weicher Auftrag, zugänglich |
Was ist das Besondere an Polychromos?
Basierend auf den Erfahrungen im Vergleich zeichnen sich Polychromos Buntstifte durch mehrere besondere Eigenschaften aus:
- Öl-basierte Mine: Im Gegensatz zu vielen wachsgebundenen Stiften ermöglichen sie einen geschmeidigen Farbauftrag, gute Schichtbarkeit und vermeiden Wachsbildung.
- SV-Verleimung: Die feste Verklebung der Mine mit dem Holzschaft reduziert das Risiko von Bruchfestigkeit erheblich.
- Härtere Mine: Die Mine behält ihre Spitze länger, was präziseres Arbeiten und weniger Unterbrechungen durch Nachspitzen ermöglicht.
- Hervorragende Radierbarkeit: Die Farbe lässt sich relativ leicht und sauber anheben.
- Gleichmäßiger Farbauftrag: Sie erzielen auch auf strukturierten Papieren einen sehr guten Farbauftrag und Geschmeidigkeit.
Diese Eigenschaften machen Polychromos zu einer beliebten Wahl für Künstler, die Wert auf Präzision, Haltbarkeit und einheitliche Ergebnisse legen.
Polychromos im Vergleich zu "normalen" Buntstiften
Die Frage nach dem Unterschied zwischen Polychromos und "normalen" Bleistiften (oder Buntstiften) ist relevant, wird aber in dem vorliegenden Vergleich zwischen Polychromos und Prismacolor Buntstiften nicht direkt behandelt. Der Fokus liegt hier auf dem Vergleich zweier hochwertiger Künstler-Buntstiftmarken.
Generell lässt sich sagen, dass Künstler-Buntstifte wie Polychromos und Prismacolor sich von einfachen Schulbuntstiften durch mehrere Faktoren unterscheiden:
- Pigmentqualität und -konzentration: Künstlerstifte verwenden hochwertigere und höher konzentrierte Pigmente, was zu intensiveren, brillanteren Farben führt.
- Bindemittel: Der Unterschied zwischen Öl- und Wachsbasis beeinflusst das Verhalten beim Schichten, Verblenden und die Entstehung von Wachsbildung. Einfache Stifte haben oft andere, weniger hochwertige Bindemittel.
- Haltbarkeit und Bruchfestigkeit: Wie im Vergleich gezeigt, sind die Minen von Künstlerstiften oft besser verleimt oder haben eine stabilere Konsistenz als einfache Stifte.
- Farbauswahl: Künstlerlinien bieten in der Regel eine wesentlich größere Palette an Farben.
Der Hauptunterschied der Polychromos, wie im Vergleich zu Prismacolor dargelegt, liegt in ihrer Ölbasis, der SV-Verleimung, der Minenhärte und dem sauberen Radierverhalten, was sie von *beiden* Prismacolor und wahrscheinlich auch von den meisten sehr einfachen Buntstiften abhebt.
Kann man Polychromos verblenden (verwischen)?
Ja, Polychromos Buntstifte lassen sich verblenden, allerdings unterscheidet sich die Methode je nach Produktlinie und gewünschtem Effekt. Der Hauptvergleich in diesem Artikel bezieht sich auf die Polychromos Künstlerfarbstifte (Colored Pencils).
Diese Öl-basierten Farbstifte lassen sich hervorragend schichten und durch Überlagerung verschiedener Farben mischen. Für ein nahtloses Verblenden, insbesondere auf Papieren mit Zahn, wird in der Praxis häufig ein Lösungsmittel wie Alkohol (z.B. Isopropylalkohol, White Spirit oder spezielle Blender-Flüssigkeiten für Buntstifte) verwendet. Das Lösungsmittel löst die Pigmente leicht an und ermöglicht es, die Farben auf dem Papier zu vermischen und die Textur zu glätten, wie im Vergleichsteil beschrieben.

Die im Quelltext ebenfalls erwähnten Polychromos Künstlerpastellkreiden (Pastel Crayons) sind eine andere Produktart von Faber-Castell. Diese Pastellkreiden sind wachsgebunden, haben eine stabile Konsistenz und lassen sich tatsächlich gut mit dem Finger oder einem Papierwischer verblenden ("verwischen"). Sie sind für andere Techniken gedacht als die Farbstifte. Es ist wichtig, zwischen den Polychromos Farbstiften (Colored Pencils) und den Polychromos Pastellkreiden (Pastel Crayons) zu unterscheiden, da ihre Eigenschaften und Verblendungsmethoden unterschiedlich sind.
Fazit: Welcher Stift ist der Richtige für Sie?
Basierend auf den hier dargestellten Erfahrungen im direkten Vergleich der Buntstifte zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Faber-Castell Polychromos und Prismacolor.
Für Künstler, die Wert auf präzise Linien, feine Details, eine hohe Bruchfestigkeit der Mine und einen sauberen Farbauftrag legen – auch auf strukturierten Papieren – sowie Wachsbildung vermeiden möchten, scheinen die Polychromos die überlegenere Wahl zu sein. Ihre Öl-basierte Mine und die robuste Konstruktion bieten eine zuverlässige Leistung für detaillierte Arbeiten und Schichttechniken.
Prismacolor Stifte hingegen zeichnen sich durch ihre weichere Mine aus, die unter Umständen einen sehr cremigen Farbauftrag ermöglichen kann (auch wenn dies auf rauem Papier zu Körnigkeit führen kann) und oft eine höhere Vibranz aufweist, besonders nach Verblendung. Sie sind zudem in der Regel leichter erhältlich und kostengünstiger, was sie zu einer attraktiven Option für Anfänger oder Künstler mit kleinerem Budget macht.
Letztendlich gibt es keine universelle Antwort darauf, welcher Stift "besser" ist. Es hängt stark vom persönlichen Zeichenstil, den bevorzugten Techniken, dem verwendeten Papier und dem Budget ab. Beide Marken haben ihre Berechtigung und begeisterte Nutzer. Dieser Vergleich soll Ihnen helfen, die Eigenschaften beider Stifte besser zu verstehen und eine fundierte Entscheidung für Ihre eigenen Kunstprojekte zu treffen.
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