08/11/2015
Die Geschichte des deutschen Elektronikkonzerns Rohde & Schwarz ist eine Erzählung von Innovation, Wachstum und Anpassungsfähigkeit über fast ein Jahrhundert hinweg. Gegründet von zwei visionären Physikern, hat sich das Unternehmen von einem kleinen Labor zu einem globalen Player in hochtechnologischen Märkten entwickelt. Die Wurzeln reichen zurück in die frühen 1930er Jahre, eine Zeit des technologischen Umbruchs und des Beginns der modernen Elektronik.

Die Gründer, Lothar Rohde und Hermann Schwarz, lernten sich während ihres Physikstudiums in Jena kennen. Ihre gemeinsame Leidenschaft für die Technik führte sie dazu, bereits 1932 ihr erstes Messgerät zu entwickeln. Dieser frühe Erfolg legte den Grundstein für die formelle Gründung des Unternehmens. Am 17. November 1933 wurde das „Physikalisch-technische Entwicklungslabor Dr. L. Rohde und Dr. H. Schwarz“ (kurz PTE) offiziell beim Registergericht München registriert. Der Geschäftsbetrieb wurde bereits im August desselben Jahres in einer Wohnung in der Münchner Thierschstraße 36 aufgenommen, die als erstes Labor diente.
Die Anfänge und frühe Entwicklungen (1933-1945)
Schon kurz nach der Gründung zeigte sich das internationale Potenzial des jungen Unternehmens. 1934 erhielt PTE den ersten Exportauftrag von einer englischen Isolierstoff-Fabrik. Bestellt wurde ein spezielles Verlustfaktormessgerät, das die dielektrischen Verluste an keramischen Scheiben im Frequenzbereich von 50 bis 200 MHz messen konnte – eine anspruchsvolle Aufgabe für die damalige Zeit.
Das Wachstum erforderte bald mehr Platz. 1937 zog das Unternehmen mit seinen mittlerweile 35 Mitarbeitern und einer Produktpalette von 24 verschiedenen Geräten in eine ehemalige Brotfabrik am Tassiloplatz in München um. Die Innovationskraft zeigte sich weiterhin: 1938 entwickelten Rohde und Schwarz die erste transportable Quarzuhr, ein bemerkenswertes Gerät mit einem Gewicht von 36 kg.
Während der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs passte sich das Unternehmen den Gegebenheiten an. 1941 wurde im Allgäu ein eigenständiger Produktionsstandort aufgebaut und die Messgerätebau GmbH gegründet, die heute noch als Rohde & Schwarz Messgerätebau existiert. Die Produktion begann 1943, zunächst in Kempten und ab 1944 in Memmingen. Ein Wendepunkt war 1942 der erste Großauftrag der deutschen Wehrmacht für Funkmessbeobachtungs-Empfänger (Fu MB 4 Samos). Dieser Auftrag erforderte den Umstieg auf industrielle Produktion und prägte die Ausrichtung des Unternehmens in dieser Periode.
Nachkriegszeit und Neuanfang (1945-1970)
Nach dem Ende des Krieges erfolgte 1945 die Umbenennung des Physikalisch-Technischen Entwicklungslabors in Rohde & Schwarz. Das Unternehmen spielte eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau der Infrastruktur. Ein bedeutender Auftrag kam von der US Army, die Rohde & Schwarz mit Wartung und Service für alle eingehenden Geräte im Zentrallager des Fliegerhorsts Erding beauftragte.
Auch im zivilen Bereich gab es wichtige Impulse. Am 18. Januar 1949 erhielt Rohde & Schwarz von Radio München, dem Vorgänger des Bayerischen Rundfunks, den Auftrag zum Bau und Test eines frequenzmodulierten UKW-Versuchssenders. Dies war ein wichtiger Schritt für die Entwicklung des modernen Rundfunks.
Die Nachkriegszeit war auch eine Phase intensiver Produktentwicklung. 1945 wurde der Z-g-Diagraph entwickelt, der erste komplexe Netzwerkanalysator für die vektorielle Netzwerkanalyse – ein wegweisendes Instrument für die Messtechnik. Ab 1955 kamen die VHF-Großempfänger des ESG-Typs auf den Markt, vielseitige Geräte, die sowohl als Betriebs- und Überwachungsempfänger als auch als Mikrovoltmeter genutzt wurden.
Im Bereich der Flugsicherung leistete Rohde & Schwarz Pionierarbeit. 1955 wurde das NAP1 entwickelt, das erste automatische Peilgerät, das bis heute ergänzend zur Radarortung eingesetzt wird. 1956 wurde der heutige Hauptsitz in der Mühldorfstraße in München bezogen. 1959 folgte die Vorstellung des NP4, des ersten Peilers, der nach dem Dopplereffekt arbeitete. Auch für den Umweltschutz engagierte sich das Unternehmen früh und produzierte das erste Fluglärmüberwachungssystem in der Bundesrepublik für den Flughafen Frankfurt.
In den 1960er Jahren expandierte das Unternehmen weiter. 1967 brachte Rohde & Schwarz das erste automatische Testsystem für integrierte Schaltkreise (IC) in Europa auf den Markt, was die Bedeutung der Halbleitertechnologie für die Industrie unterstrich. 1969 wurde das Werk in Teisnach gegründet, ein wichtiger Schritt zur Erweiterung der Produktionskapazitäten.
Wachstum und Diversifizierung (1970-2000)
Die 1970er Jahre waren geprägt von einer stärkeren Ausrichtung auf den Export. Die Vertriebsstrategie wurde angepasst, und es wurden vermehrt Geräte nach eigenen Vorgaben entwickelt und international angeboten. Technologische Fortschritte spiegelten sich in neuen Produkten wider, wie dem ersten Funkmessplatz mit Mikroprozessorsteuerung (SMPU), der 1974 auf den Markt kam.
Die Automatisierung spielte eine zunehmende Rolle. 1982 regelte der Kommunikationsprozessor ALIS GP 853 erstmals HF-Verbindungen automatisch. In den späten 1980er Jahren investierte Rohde & Schwarz stark in die Modernisierung der Fertigung. 1988 wurde im Werk Memmingen eine computergesteuerte Fertigung mit Just-in-time-Produktion und einem automatischen Materialflusssystem eingeführt.
Nach der deutschen Wiedervereinigung zeigte das Unternehmen soziale Verantwortung und übernahm Kryptologen des ehemaligen Zentralen Chiffrierorgans der Staatssicherheit in die neu gegründete Tochter Rohde & Schwarz SIT GmbH in Berlin-Adlershof.
Die 1990er Jahre waren geprägt von bedeutenden Projekten und technologischen Durchbrüchen. 1994 nahm Rohde & Schwarz das größte zivile HF-Kommunikationsnetz in Mexiko in Betrieb. Das Unternehmen engagierte sich früh im Bereich des digitalen Rundfunks. 1995 wurden im Rahmen des DAB-Projekts EUREKA 147 ein modifizierter Feldstärke-Messempfänger und ein DAB-Sender entwickelt. Nur drei Jahre später startete das erste landesweite DVB-T-Projekt in Großbritannien, wofür Rohde & Schwarz Sendeanlagen lieferte.
Auch im Bereich der sicheren Kommunikation für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) war Rohde & Schwarz aktiv. 1998 nutzte die Bundeswehr das Kommunikationssystem ACCESSNET-T für das erste TETRA-Projekt in Deutschland. Ende der 1990er Jahre, genauer gesagt 1999, wurden mit der M3xR-Familie erste softwarebasierte Funkgeräte ins Sortiment aufgenommen, ein wichtiger Schritt hin zur modernen Funktechnologie.
Expansion und Fokus auf Cybersicherheit (2000-Heute)
Das neue Jahrtausend begann mit weiterer internationaler Expansion. 2001 wurde der Produktionsstandort Vimperk in Tschechien durch die Übernahme eines Werks von Tesla Prag hinzugefügt, wobei alle 200 Mitarbeiter übernommen wurden. Im Bereich der Cybersicherheit, der heute ein zentrales Geschäftsfeld ist, wurden wichtige Produkte entwickelt. 2001 stellte die Rohde & Schwarz SIT GmbH das abhörsichere Handy TopSec GSM vor. 2002 folgte das Kryptosystem ELCRODAT 6-2, das vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik bis zur höchsten Geheimhaltungsstufe zugelassen wurde.
Die Strategie der Akquisitionen zur Stärkung bestimmter Geschäftsbereiche wurde intensiviert. 2005 wurde die HAMEG GmbH übernommen, ein deutscher Hersteller von Laborinstrumenten. Weitere wichtige Akquisitionen folgten, darunter Arpège SAS (2007), DVS GmbH (2010), eine Mehrheitsbeteiligung an Topex (2010), ipoque GmbH (2011), SwissQual (2012), Adyton Systems AG (2014), Gateprotect AG Germany (2014) und Sirrix AG (2015).
Technologische Meilensteine wurden weiterhin erreicht. 2007 kamen die flüssigkeitsgekühlten Hochleistungssender R&S Nx8600 auf den Markt, die sich durch hohe Energieeffizienz auszeichneten. Im selben Jahr war der R&S FSU67 der erste Spektrumanalysator, der durchgehend bis 67 GHz arbeiten konnte. 2008 wurden innovative Empfänger vorgestellt, wie der Wideband Monitoring Receiver R&S ESMD, der mehrere Funkerfassungsfunktionen in einem Gerät vereinte, und der tragbare Empfänger R&S PR100 für schwache Signale.
Die Bedeutung der Cybersicherheit wuchs stetig. 2016 wurden die Kompetenzen in diesem Bereich in der Rohde & Schwarz Cybersecurity GmbH gebündelt. Ein wichtiger Schritt zur Stärkung des Netzwerk- und Cybersicherheitsgeschäfts war der Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung am deutschen Netzwerktechnikhersteller Lancom Systems im Jahr 2016, dessen restliche Anteile 2018 übernommen wurden. Lancom Systems agiert als eigenständige Tochter im Geschäftsbereich Networks & Cybersecurity.
Jüngere Entwicklungen zeigen die kontinuierliche Anpassung an neue Marktanforderungen. 2017 übernahm das Unternehmen Technologie der Motama GmbH. 2018 wurde die Digi Task GmbH in die Tochtergesellschaft ipoque integriert. 2022 übernahm Rohde & Schwarz die Schönhofer Sales and Engineering GmbH, einen IT-Anbieter für behördliche Kunden.
Heute ist Rohde & Schwarz ein diversifizierter Technologiekonzern mit Hauptsitz in München, der in fünf Hauptbereichen tätig ist: Messtechnik, Broadcast- und Medientechnik, Cybersicherheit, Sichere Kommunikation sowie Monitoring und Netzwerktest. Die Geschichte des Unternehmens ist ein beeindruckendes Beispiel für deutsche Ingenieurskunst, unternehmerischen Weitblick und die Fähigkeit, sich über Jahrzehnte hinweg erfolgreich in sich schnell entwickelnden Technologiemärkten zu behaupten.
Wichtige Meilensteine in der Geschichte von Rohde & Schwarz
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1933 | Gründung des Physikalisch-Technischen Entwicklungslabors Dr. L. Rohde & Dr. H. Schwarz (PTE) |
| 1934 | Erster Exportauftrag |
| 1938 | Entwicklung der ersten transportablen Quarzuhr |
| 1941 | Gründung des Produktionsstandorts im Allgäu (heute Rohde & Schwarz Messgerätebau) |
| 1942 | Erster Großauftrag (Fu MB 4 Samos) und Umstieg auf industrielle Produktion |
| 1945 | Umbenennung in Rohde & Schwarz; Entwicklung des Z-g-Diagraph (erster komplexer Netzwerkanalysator) |
| 1949 | Auftrag zum Bau eines UKW-Versuchssenders für Radio München |
| 1955 | Entwicklung des NAP1 (erstes automatisches Peilgerät) |
| 1956 | Bezug des heutigen Hauptsitzes in der Mühldorfstraße, München |
| 1959 | Vorstellung des NP4 (erster Peiler nach Dopplereffekt) |
| 1967 | Erstes automatisches Testsystem für ICs in Europa |
| 1969 | Gründung des Werks in Teisnach |
| 1970 | Stärkere Ausrichtung auf den Export |
| 1974 | Erster Funkmessplatz mit Mikroprozessorsteuerung (SMPU) |
| 1982 | ALIS GP 853 regelt HF-Verbindungen automatisch |
| 1988 | Einführung computergesteuerter Fertigung in Memmingen |
| 1994 | Inbetriebnahme des größten zivilen HF-Kommunikationsnetzes in Mexiko |
| 1998 | Start des ersten landesweiten DVB-T-Projekts (UK); Bundeswehr nutzt ACCESSNET-T für erstes TETRA-Projekt in Deutschland |
| 1999 | Erste softwarebasierte Funkgeräte (M3xR-Familie) |
| 2001 | Übernahme des Werks in Vimperk (Tschechien); Vorstellung des abhörsicheren Handys TopSec GSM |
| 2002 | Entwicklung des Kryptosystems ELCRODAT 6-2 |
| 2005 | Übernahme der HAMEG GmbH |
| 2007 | Einführung der energiesparsamsten Hochleistungssender R&S Nx8600; R&S FSU67 erster Spektrumanalysator bis 67 GHz |
| 2011 | Übernahme der ipoque GmbH |
| 2014 | Übernahme von Adyton Systems AG und Gateprotect AG Germany |
| 2015 | Übernahme der Sirrix AG |
| 2016 | Bündelung der Cybersicherheitskompetenzen in der Rohde & Schwarz Cybersecurity GmbH; Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an Lancom Systems |
| 2018 | Übernahme der restlichen Anteile an Lancom Systems; Integration der Digi Task GmbH in ipoque |
| 2022 | Übernahme der Schönhofer Sales and Engineering GmbH |
Häufig gestellte Fragen zur Geschichte von Rohde & Schwarz
Wann wurde Rohde & Schwarz gegründet?
Rohde & Schwarz wurde am 17. November 1933 unter dem Namen „Physikalisch-technisches Entwicklungslabor Dr. L. Rohde und Dr. H. Schwarz“ (PTE) offiziell registriert. Der Geschäftsbetrieb startete bereits im August 1933.
Wer hat Rohde & Schwarz gegründet?
Das Unternehmen wurde von den Physikern Lothar Rohde und Hermann Schwarz gegründet, die sich während ihres Studiums in Jena kennengelernt hatten.
Wo hat Rohde & Schwarz seinen Hauptsitz?
Der Hauptsitz von Rohde & Schwarz befindet sich in München, Deutschland. Der heutige Sitz in der Mühldorfstraße wurde 1956 bezogen.
In welchen Hauptbereichen ist Rohde & Schwarz heute tätig?
Rohde & Schwarz ist heute in fünf Hauptbereichen tätig: Messtechnik, Broadcast- und Medientechnik, Cybersicherheit, Sichere Kommunikation sowie Monitoring und Netzwerktest.
Welche Bedeutung hatte der erste Großauftrag für das Unternehmen?
Der erste Großauftrag im Jahr 1942 für Funkmessbeobachtungs-Empfänger von der Wehrmacht war entscheidend, da er den Umstieg von der Laborfertigung auf die industrielle Produktion erforderte und somit das Wachstum des Unternehmens maßgeblich beeinflusste.
Wenn du mehr spannende Artikel wie „Die Geschichte von Rohde & Schwarz“ entdecken möchtest, schau doch mal in der Kategorie Bürobedarf vorbei!
