09/08/2015
Wenn wir heute zum Füller, Kugelschreiber oder Bleistift greifen, um unsere Gedanken auf Papier festzuhalten, erscheint uns das völlig selbstverständlich. Doch wie sah die Welt des Schreibens in der Antike aus, lange bevor das Papier in Europa verbreitet war? Insbesondere interessiert uns: Hatten die alten Römer bereits Papier? Die Antwort ist nein, zumindest nicht in der Form, wie wir es kennen. Die Römer nutzten eine Vielzahl anderer Materialien und Werkzeuge, um zu schreiben und ihre Schrift – die lateinische Schrift – hat bis heute Bestand und prägt unser Alphabet maßgeblich.

Die Praxis des Schreibens bei den Römern war vielfältig und entwickelte sich über die Jahrhunderte. Sie passten ihre Materialien und Werkzeuge an den jeweiligen Zweck an, sei es für schnelle Notizen des Alltags, für Schulaufgaben, für wichtige Dokumente oder für literarische Werke, die für die Nachwelt bestimmt waren. Begleiten Sie uns auf eine Entdeckungsreise zu den Schreibmethoden und -materialien der alten Römer.
- Worauf schrieben die Römer? Die Vielfalt der Schreibunterlagen
- Die Werkzeuge der römischen Schreiber: Griffel und Calamus
- Römische Tinte und der antike „Tintenkiller“
- Die Entwicklung der Römischen Schrift
- Römische "Bücher": Schriftrollen und der Aufstieg des Codex
- Häufig gestellte Fragen zum römischen Schreiben
Worauf schrieben die Römer? Die Vielfalt der Schreibunterlagen
Da den alten Römern unser heutiges Papier unbekannt war, griffen sie auf andere, oft lokal verfügbare oder importierte Materialien zurück. Die Wahl der Schreibunterlage hing stark vom Verwendungszweck und dem Wohlstand des Schreibers ab. Zunächst nutzten sie oft einfache Holztafeln, die häufig geweißt wurden, um die Tinte besser sichtbar zu machen. Diese waren jedoch nicht sehr langlebig und eigneten sich eher für temporäre Notizen.
Eine bedeutende Entwicklung war die Einführung der römischen Wachstafeln. Diese rechteckigen Tafeln bestanden meist aus Holz, seltener aus Elfenbein oder Metall. Sie waren auf ein oder beiden Seiten mit einer Schicht aus Bienenwachs überzogen, die oft schwarz eingefärbt war, um den Kontrast zur Schrift zu erhöhen. Diese sogenannten „tabulae ceratae“ waren äußerst praktisch für den täglichen Gebrauch. Schüler nutzten sie für Übungen, Kaufleute für Berechnungen und Notizen, und Beamte für Entwürfe oder Konzepte. Ihr großer Vorteil war, dass sie wiederverwendbar waren.
Für Texte, die von Dauer sein sollten, wie literarische Werke, offizielle Dokumente, Protokolle oder wichtige Briefe, verwendeten die Römer Papyrus. Dieses Material wurde aus dem Stengelmark der ägyptischen Papyrusstaude hergestellt und war ein wichtiger Importartikel. Papyrus wurde in einzelnen Bögen produziert, die dann zu langen Rollen verleimt wurden. Diese Schriftrollen, auf Holz-, Elfenbein- oder Metallstäbe aufgerollt, waren das Standardmedium für längere und bedeutendere Texte. Ihre Höhe variierte typischerweise zwischen 20 und 25 cm, während die Länge beeindruckende 8 bis 10 Meter im Durchschnitt erreichen konnte, manchmal sogar deutlich mehr für sehr lange Werke.
In der Spätantike kam ein weiteres Material hinzu, das schließlich Papyrus in Europa verdrängen sollte: Pergament. Pergament wird aus Tierhäuten hergestellt und war deutlich teurer als Papyrus, aber auch haltbarer und flexibler. Es eignete sich hervorragend für die neue Form des Buches, den Codex.
| Schreibunterlage | Material | Hauptverwendung | Wiederverwendbar? | Zeitraum (ca.) |
|---|---|---|---|---|
| Geweißte Holztafeln | Holz | Frühe Notizen | Nein | Frühzeit |
| Römische Wachstafeln | Holz, Elfenbein, Metall + Bienenwachs | Alltagsnotizen, Schule, Rechnungen | Ja | Republik & Kaiserzeit |
| Papyrus-Rollen | Stengelmark der Papyrusstaude | Literarische Werke, Urkunden, Briefe | Nein | Republik & Kaiserzeit |
| Pergament | Tierhäute | Wichtige Texte, Bücher (Codices) | Nein (zum Beschreiben) | Spätantike (zunehmend) |
Die Werkzeuge der römischen Schreiber: Griffel und Calamus
Die Art des Schreibwerkzeugs war untrennbar mit der verwendeten Schreibunterlage verbunden. Für die weiche Wachsschicht der Wachstafeln nutzten die Römer den sogenannten Griffel (lateinisch: stylus, griechisch: graphium). Dies waren meist zweiseitige Stifte aus Bronze, Knochen, Holz oder Elfenbein. Mit der spitzen Seite ritzten sie die Buchstaben in das Wachs. Das Besondere am Griffel war seine andere Seite: Sie war spatelförmig oder flach und diente als Radiergummi. Mit ihr konnte man Fehler einfach glattstreichen und das Wachs wieder ebnen, um erneut darauf zu schreiben. Bei größeren Korrekturen kam auch ein breiterer Spachtel zum Einsatz.

Als Papyrus und später Pergament die Wachstafeln für längere Texte ablösten, war ein anderes Werkzeug erforderlich: der Calamus. Dies war ein zugespitztes Schreibrohr, meist aus Schilf, das schräg angeschnitten und an der Spitze gespalten wurde. Ähnlich wie eine moderne Zeichenfeder musste der Calamus in Tinte getaucht werden, um schreiben zu können. Er wurde wie ein Stift gehalten und auf die Schreibunterlage aufgesetzt. Da das Material relativ schnell verschliss, musste der Calamus häufig neu angeschnitten oder „gespitzt“ werden.
Ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. begannen die Römer, Gänsekiele als Schreibwerkzeuge zu nutzen. Diese boten einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Calamus: Sie konnten eine kleine Menge Tinte speichern, was das Schreiben flüssiger und schneller machte. Gänsekiele gelten somit als frühe Vorläufer unserer modernen Füllfederhalter.
Römische Tinte und der antike „Tintenkiller“
Die Tinte, die die Römer für das Schreiben auf Papyrus und Pergament verwendeten, war meist schwarz. Ihre Herstellung basierte auf einfachen, natürlichen Materialien. Die schwarze Tinte bestand typischerweise aus einer Mischung von Gummiarabikum (als Bindemittel), Holzkohle oder Ruß (für die Farbe) und kaltem Wasser. Für rote Tinte, die oft für Überschriften oder Hervorhebungen verwendet wurde, ersetzte man Ruß durch eisenoxydhaltige Erden, bekannt als Ocker.
Fehler beim Schreiben mit Tinte waren ärgerlich, aber nicht irreparabel. Als „Tintenkiller“ diente ein einfacher Naturschwamm. Mit ihm konnte frische Tinte vorsichtig weggewischt werden, bevor sie tief in das Material einzog. Bei Pergament, das widerstandsfähiger war, konnte man Tinte auch vorsichtig abkratzen, was aber Spuren hinterließ.
Die Entwicklung der Römischen Schrift
Das lateinische Alphabet, das wir heute nutzen, hat seine Wurzeln im antiken Rom. Es entwickelte sich um 650 v. Chr. und leitete sich vom griechischen Alphabet ab. Ursprünglich bestand es aus nur 20 Buchstaben. Buchstaben wie G, I, J, U, W, Y und Z fehlten zunächst. Erst im Laufe vieler Jahrhunderte wurden diese Buchstaben nach und nach aus dem Griechischen übernommen. G, Y und Z wurden eingeführt, um die Schreibung griechischer Fremdwörter zu erleichtern, während J, U und W halfen, Konsonanten und Vokale besser voneinander zu unterscheiden.
Im Gegensatz zu unserer heutigen Schrift hatten die Römer keine geregelte Groß- und Kleinschreibung und verwendeten kaum Satzzeichen. Die Schrift war zudem oft stark geneigt oder kursiv, insbesondere im alltäglichen Gebrauch.
Eine besonders wichtige und ästhetisch anspruchsvolle Schriftform war die Capitalis Monumentalis. Diese monumentale Großbuchstabenschrift, die oft in Stein gemeißelt wurde (zum Beispiel auf Säulen oder Triumphbögen), gilt als Idealform der lateinischen Schrift. Unsere modernen Großbuchstaben stammen direkt von ihr ab.

Aus der Capitalis Monumentalis entwickelte sich die römische Majuskel-Kursive. Diese Kursivschrift, die ebenfalls nur aus Großbuchstaben (Majuskeln) bestand, wurde schnell zur Alltagsschrift, da sie sich schneller und einfacher schreiben ließ als die strenge Capitalis. Mit der Zeit nahmen handschriftliche Merkmale zu, es bildeten sich Buchstabenverbindungen (Ligaturen) und erste Ober- und Unterlängen entstanden. Diese Entwicklungen waren die Anfänge unseres heutigen Kleinbuchstabenalphabetes.
Römische "Bücher": Schriftrollen und der Aufstieg des Codex
Wenn in der antiken Überlieferung vom „Buch“ die Rede ist, kann damit entweder eine Schriftrolle oder ein Codex gemeint sein. Die Schriftrolle aus Papyrus war lange Zeit das Standardformat für längere Texte. Sie wurde vom rechten Stab abgerollt, während man las oder schrieb, und auf den linken Stab aufgerollt. Der Text war in Spalten angeordnet (Kolumnen), sodass immer nur ein kleiner Abschnitt gleichzeitig sichtbar war.
Die durchschnittliche Länge einer Papyrusrolle ist Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion, aber Schätzungen reichen von 6 bis 10 Metern oder mehr. Ein einzelnes Werk, ein „Titel“, konnte sich über mehrere Rollen erstrecken, insbesondere bei sehr umfangreichen Werken wie Geschichtsbüchern oder literarischen Sammlungen. Die Bibliothek von Alexandria soll beispielsweise Rollen mit „gemischtem Inhalt“ besessen haben, was auf Rollen mit mehreren kürzeren Titeln oder sogar Werken verschiedener Autoren hindeuten könnte.
Der Codex, der unseren heutigen Büchern ähnelt, bei dem Blätter gefaltet und gebunden wurden, war den Römern ebenfalls bekannt. Er entstand vermutlich aus den zusammengebundenen Wachstafeln (diptycha, triptycha, polyptycha), die bereits als eine Art Notizbuch dienten. Der Codex aus Pergament war handlicher als die Papyrusrolle, aber anfangs teurer. Papyrus-Codices gab es aber ebenfalls.
Anfangs enthielten Codices eher kürzere Texte oder entsprachen dem Umfang von etwa vier Papyrusrollen. In der Spätantike wurden die Codices jedoch deutlich größer und konnten den Inhalt von vielen Papyrusrollen in einem einzigen Band vereinen. Diese sehr großen Codices konnten unhandlich und schwer sein. Im Mittelalter entwickelten sich auch kleinere Formate, sogenannte „Booklets“, die oft den Umfang von ein bis zwei Rollen hatten und später zu größeren Codices zusammengebunden wurden.
Die Umstellung von der Rolle auf den Codex war eine bedeutende Entwicklung, da der Codex Vorteile beim schnellen Nachschlagen und Blättern bot. Mit der Erfindung des Buchdrucks wurde schließlich das Format mit meist einem Titel pro Band zum Standard, das wir heute kennen.

Häufig gestellte Fragen zum römischen Schreiben
Was benutzten die Römer zum Schreiben?
Die Römer nutzten verschiedene Materialien und Werkzeuge, je nach Zweck. Für Notizen und Schulaufgaben verwendeten sie Wachstafeln und ritzten mit einem Griffel hinein. Für längere Texte und wichtige Dokumente nutzten sie Papyrusrollen oder später Pergament und schrieben mit einem Schreibrohr (Calamus) oder Gänsekiel und Tinte.
Hatten Römer Bücher?
Ja, die Römer hatten eine Form von Büchern. Der Begriff „Buch“ bezeichnete in der Antike entweder die Schriftrolle (aus Papyrus) oder den Codex (zuerst aus Pergament, später auch Papyrus). Die Rolle war lange das Standardformat für literarische Werke und Dokumente, während der Codex, der unseren modernen Büchern ähnelt, insbesondere ab der Spätantike an Bedeutung gewann.
Woraus bestand römische Tinte?
Römische Tinte bestand meist aus natürlichen Materialien. Schwarze Tinte wurde typischerweise aus Gummiarabikum, Holzkohle oder Ruß und kaltem Wasser hergestellt. Rote Tinte verwendete stattdessen eisenoxydhaltige Erden (Ocker) als Farbstoff.
Wie funktionierte eine römische Wachstafel?
Eine römische Wachstafel war eine Holz-, Elfenbein- oder Metalltafel, die mit einer Schicht Bienenwachs überzogen war. Man ritzte mit der spitzen Seite eines Griffels Buchstaben in das weiche Wachs. Die flache oder spatelförmige Rückseite des Griffels diente dazu, das Wachs wieder glattzustreichen und die Schrift zu löschen, wodurch die Tafel wiederverwendbar war.
Was ist der Unterschied zwischen Papyrus und Pergament?
Papyrus wird aus dem Stengelmark einer Pflanze hergestellt und wurde meist zu Rollen verleimt. Pergament wird aus Tierhäuten gefertigt. Pergament war in der Regel haltbarer und teurer als Papyrus und eignete sich besser für die Herstellung von Codices (gebundenen Büchern).
Ob auf Wachstafeln, Papyrus-Rollen oder Pergament-Codices geschrieben wurde, die Methoden der alten Römer zeigen eine beeindruckende Anpassungsfähigkeit und Erfindungsgabe im Umgang mit den verfügbaren Materialien. Ihre Schrift und viele ihrer Schreibtechniken haben die Entwicklung des Schreibens in Europa maßgeblich beeinflusst und bilden die Grundlage für unsere heutigen Schreibgewohnheiten und Materialien.
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