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Reinickendorf: Vielfalt im Berliner Nordwesten

29/09/2016

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Reinickendorf, gelegen im Nordwesten Berlins, präsentiert sich als ein Bezirk voller Kontraste und überraschender Facetten. Hier treffen weitläufige Wasser- und Waldflächen auf dichte Bebauung, historische Dorfkerne auf moderne Siedlungen und geschäftiges Treiben auf stille Erholungsgebiete. Diese Mischung macht Reinickendorf zu einem einzigartigen Teil der deutschen Hauptstadt, der sowohl Stadtleben als auch naturnahe Ruhe bietet.

Wer wohnt in Reinickendorf?
BevölkerungsstrukturHerkunftAnzahlAnteilDeutsche mit Migrationshintergrund44.96116,7 %Ausländer59.81722,3 %insgesamt268.792100,0 %Wohnlagen
Übersicht

Geschichte und Namensgebung

Die Geschichte Reinickendorfs reicht weit zurück, bis ins 13. Jahrhundert, als die Askanier dieses Gebiet besiedelten. Der Ortsteil Reinickendorf, der dem gesamten Bezirk im Jahre 1920 seinen Namen gab, wurde bereits um 1230 von einem niedersächsischen Bauern namens Reinhardt gegründet. Sein Dorf wurde zunächst „Reinhardts Dorf“ genannt, auf Plattdeutsch „Renekentorp“. Aus dieser Bezeichnung entwickelte sich schließlich der heutige Name Reinickendorf. Die Annahme, der Name stamme vom „Reineke Fuchs“ im Bezirkswappen, ist somit ein Irrtum.

Der Ortsteil Reinickendorf selbst hat eine besonders lange Geschichte. Im Gegensatz zu anderen Ortsteilen des Bezirks, die oft im Besitz privater Gutsherren waren, gehörte Reinickendorf von 1397 bis 1632 und erneut ab 1710 als sogenanntes Kämmereidorf direkt der Stadt Berlin. Seine Abgaben flossen also in die Stadtkasse.

Das historische Angerdorf von einst hat sich zu einem modernen Berliner Ortsteil entwickelt. Der ursprüngliche Dorfkern in Alt-Reinickendorf ist im heutigen Straßengewirr nicht leicht zu finden, gleicht aber einer Insel der Ruhe, umschlossen von belebten Hauptverkehrsstraßen wie der Residenzstraße, Kopenhagener Straße, Lindauer Allee und Roedernallee sowie der S-Bahn-Linie S25.

Ein kleiner Rundgang über die Dorfaue lohnt sich, da die Anlage in ihrer Form als Angerdorf trotz Kriegszerstörungen und Überbauungen erhalten und teilweise wiederhergestellt wurde. Hier zeugen die alte malerische Kirche, erbaut gegen Ende des 15. Jahrhunderts, und der alte Dorffriedhof auf dem Anger von der Vergangenheit. Die Dorfkirche ist ein unverputzter Saalbau aus Feldsteinen mit einem in Berlin einmaligen rundbogigen Chor. An der Westfront wurde 1713 ein barocker Turm ergänzt. Im Inneren beherbergt sie einen Flügelaltar aus dem 16. Jahrhundert mit Passionsszenen nach Holzschnitten von Albrecht Dürer.

Auch einige ältere Bauernhäuser und das alte Rathaus bzw. Amtshaus der Gemeinde (erbaut 1885) sind erhalten geblieben, viele stehen heute unter Denkmalschutz. Das ehemalige Wohnhaus in Alt-Reinickendorf 45/46 erinnert mit einer Gedenktafel an den Arzt und Sexualpädagogen Max Julius Hodann, der hier von 1922 bis 1933 wirkte. Im Pfarrhaus in Alt-Reinickendorf 21 wirkte Pfarrer Hans Dannenberg, der während des Zweiten Weltkriegs Verfolgte rettete und sich nach dem Krieg um den Wiederaufbau verdient machte.

Geographie und Ortsteile

Reinickendorf im Nordwesten Berlins ist geprägt von seiner vielfältigen Geographie. Mit einer Gesamtfläche von 89,5 km² ist er einer der größeren Berliner Bezirke, hat aber aufgrund des hohen Anteils an Wasser- und Waldflächen eine vergleichsweise geringe Bevölkerungsdichte. Etwa ein Drittel der Fläche bestehen aus Wald und Wasser, darunter der ausgedehnte Tegeler Forst und der beliebte Tegeler See, die wichtige Naherholungsgebiete darstellen.

Warum heißt Reinickendorf Reinickendorf?
1230 gründete der niedersächsische Bauer Reinhardt ein Dorf, welches damals Reinhardts Dorf – plattdeutsch Renekentorp – genannt wurde. Später entstand daraus Reinickendorf. Irrtümlich wird heute noch angenommen, dass der Name Reinickendorf aufgrund des „Reineke Fuchs“ im Bezirkswappen entstand.

Der Bezirk gliedert sich in zehn verschiedene Ortsteile, die jeweils ihren eigenen Charakter haben: Reinickendorf, Tegel, Konradshöhe, Heiligensee, Wittenau, Frohnau, Hermsdorf, Waidmannslust, Lübars und das Märkische Viertel. Diese Ortsteile spiegeln die Gegensätze des Bezirks wider, von der Stadtvilla in Frohnau über die dörflichen Strukturen in Lübars und Heiligensee bis hin zur Hochhaussiedlung im Märkischen Viertel oder den industriellen Gebieten in Wittenau und Tegel.

Der Ortsteil Reinickendorf selbst umfasst eine Fläche von 10,5 qkm und hat mit 72.902 Einwohnern (Stand 2023) die meisten Bewohner des Bezirks. Hier findet sich die charakteristische Mischung aus metropoler Infrastruktur und dörflichem Flair, die viele Menschen anzieht.

Die Bevölkerung im Detail

Am 31. Dezember 2023 zählte der Bezirk Reinickendorf 268.792 Einwohner. Damit hat er nach Spandau die zweitniedrigste Einwohnerzahl unter den Berliner Bezirken. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte lag am Stichtag bei 946 Einwohnern pro Quadratkilometer, was den drittniedrigsten Wert aller Berliner Bezirke darstellt und auf die lockere Bebauung vieler Ortsteile sowie die großen Grün- und Wasserflächen zurückzuführen ist.

Die Bevölkerungsentwicklung im Bezirk Reinickendorf zeigt ein stetiges Wachstum über lange Zeiträume, unterbrochen von Rückgängen wie nach dem Zweiten Weltkrieg:

JahrEinwohner
1925105.467
1933164.319
1939200.531
1946192.201
1950205.930
1955214.399
1961215.892
1965218.925
1970243.762
1975240.536
1980234.399
1985228.971
1990249.642
2000245.644
2005245.122
2010242.084
2015256.617
2020266.123
2023268.792

Die Bevölkerungsstruktur des Bezirks Reinickendorf am 31. Dezember 2023 stellte sich wie folgt dar:

MerkmalAnzahlAnteil
Geschlecht männlich132.52449,3 %
Geschlecht weiblich136.26850,7 %
Altersgruppe unter 2051.05319,0 %
Altersgruppe 20 bis unter 4068.46425,5 %
Altersgruppe 40 bis unter 6587.43832,5 %
Altersgruppe ab 6561.83723,0 %
Herkunft Deutsche ohne Migrationsh.164.01461,0 %
Herkunft Deutsche mit Migrationsh.44.96116,7 %
Herkunft Ausländer59.81722,3 %
Wohnlagen einfache/ohne Angabe133.21149,6 %
Wohnlagen mittlere103.24338,4 %
Wohnlagen gute32.33812,0 %
Religion evangelisch47.71517,7 %
Religion römisch-katholisch23.5998,8 %
Religion sonstige/keine197.47873,5 %

Das Durchschnittsalter lag Ende 2023 bei 44,6 Jahren und damit über dem Berliner Durchschnitt von 42,7 Jahren. Die Reinickendorfer Bevölkerung zeichnet sich durch einen ausgeprägten Lokalpatriotismus aus; viele Menschen leben hier schon ihr ganzes Leben. Nicht wenige sind Ruheständler und Familien. Typisch sind niedrigere Wohnhäuser, mit Ausnahme von Hochhaussiedlungen wie dem Märkischen Viertel.

Wirtschaft und Infrastruktur

Reinickendorf blickt auf eine lange Industrietradition zurück, die mit Namen wie Borsig verbunden ist und bis heute eine wichtige Rolle spielt. Zahlreiche Unternehmen sind im Bezirk ansässig, darunter bekannte Namen wie die Staatliche Münze Berlin und ALBA. Das Industriegebiet an der Flottenstraße, jenseits der S-Bahn im Norden von Alt-Reinickendorf gelegen, war während des Zweiten Weltkriegs ein Zentrum der Luftwaffenindustrie mit Firmen wie Argus-Werke und Heinkel. Heute finden sich hier neben Dienstleistungsbetrieben auch große Unternehmen wie die Recycling-Firma ALBA und eine Betonfirma. Ein bedeutender Dienstleistungsschwerpunkt hat sich mit dem modernen Bürokomplex „Anthropolis“ auf dem ehemaligen AEG-Gelände an der Aroser Allee/Ecke Holländerstraße etabliert.

Die Infrastruktur des Bezirks ist gut ausgebaut. Wichtige Einkaufsstraßen wie die Residenzstraße im Ortsteil Reinickendorf bieten vielfältige Einkaufsmöglichkeiten. Im Westen des Ortsteils Reinickendorf haben sich die südliche Ollenhauerstraße, der Kurt-Schumacher-Platz und die Scharnweberstraße zu Geschäfts- und Einkaufszentren entwickelt. Am Kurt-Schumacher-Platz, einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt, befindet sich das Einkaufszentrum „Der Clou“. Die Scharnweberstraße beherbergt unter anderem das größte Buch- und Mediengeschäft im Norden Berlins.

Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist durch U-Bahn- (U6, U8), S-Bahn- (S1, S25, S85) und Buslinien gewährleistet. Straßen wie die Ollenhauerstraße (ehemals „Dalldorfer Chaussee“) spielten historisch eine Rolle als Verbindungswege.

Was ist Polly-Papier?
Polybeschichtete Papierverpackungen und -produkte werden aus den gleichen Fasern hergestellt, die auch für die Herstellung von Papier und Karton verwendet werden . Eine oder beide Seiten des Papiers werden mit einer dünnen Beschichtung versehen, die eine Barriere gegen Wasser, Öl und Fett bildet. So kann das Papier zum Servieren, Verpacken und Schützen einer breiten Produktpalette verwendet werden.

Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten

Neben dem historischen Angerdorf Alt-Reinickendorf und seiner Kirche bietet der Bezirk viele weitere interessante Orte. Die Weiße Stadt, auch Großsiedlung Schillerpromenade genannt, südlich von Alt-Reinickendorf, ist ein bedeutendes Baudenkmal der Weimarer Republik. Sie wurde von 1929 bis 1931 im Stil der Neuen Sachlichkeit errichtet und zählt zu den vier Berliner Großsiedlungen dieser Ära. Mit ihrem ausschließlich weißen Farbanstrich und der innovativen Architektur von Otto Rudolf Salvisberg, Wilhelm Brüning und Bruno Ahrends sowie den Grünanlagen von Ludwig Lesser war sie ein wegweisendes Projekt für Arbeiter und Angestellte.

Der Kienhorstpark, angelegt 1931/32 mit einem Schwanenteich, ist eine denkmalwerte Grünanlage im Westen von Alt-Reinickendorf. Der kreisrunde Schäfersee im Ortsteil Reinickendorf, dessen Name auf eine ehemalige Schäferei zurückgeht, ist heute von einem Freizeit- und Erholungspark umgeben und ein beliebtes Ziel. In seiner Nähe erinnert die Mudrackzeile an eine frühere Eisfabrik.

In Reinickendorf befindet sich auch der Eingang der Julius-Leber-Kaserne, ehemals „Quartier Napoleon“, die bis 1994 von den Franzosen genutzt wurde und heute Heimat der Bundeswehr ist. Direkt davor erinnert das begehbare Denkmal „Berlin dankt Frankreich“ von Max Bill an den Abzug der französischen Truppen und symbolisiert die Verbundenheit beider Nationen.

Die Friedhöfe in der Gotthardstraße, darunter der Städtische Friedhof Reinickendorf (angelegt 1897), beherbergen historische Grabstätten und Bauwerke, wie die Pfeilerhalle von Richard Ermisch mit dem Bronzesarkophag für Arthur Strousberg von Reinhold Begas. In der Nähe dieser Friedhöfe wohnte einst Frau Käte Paulus (1868-1935), Deutschlands erste Fallschirmspringerin.

Reinickendorf beherbergt zudem Berlins ältesten Baum, die Eiche „Dicke Marie“, und das älteste Berliner Hochhaus, den 65 Meter hohen Borsigturm in Tegel, Zeugen der Industriegeschichte und der Naturverbundenheit des Bezirks.

Leben in Reinickendorf

Das Leben in Reinickendorf zeichnet sich durch eine Mischung aus städtischem Komfort und naturnaher Umgebung aus. Der Bezirk bietet zahlreiche Schulen und Kitas, vielfältige Einkaufsmöglichkeiten in den Zentren der Ortsteile und entlang der Hauptstraßen sowie eine breite Palette an Restaurants und typisch Berliner Kneipen. Parks, Kleingartenkolonien und die großen Wasser- und Waldflächen bieten vielfältige Freizeitmöglichkeiten und tragen zur hohen Lebensqualität bei.

Was kostet ein Tegel am Tag?
Millionen Euro kostete die Unterkunft 2023. Doch Tegel bleibt die größte Flüchtlingsunterkunft Deutschlands. Die Kosten für die Unterkunft lagen 2023 nach Angaben der Sozialverwaltung bei 298 Millionen Euro, das sind mehr als 800.000 Euro täglich.

Regelmäßig organisierte Straßenfeste beleben die Ortsteile und ziehen Besucher aus nah und fern an. Die Reinickendorfer pflegen einen ausgeprägten Lokalpatriotismus und schätzen die Kombination aus guter Infrastruktur und dem teils dörflichen Flair.

Häufig gestellte Fragen

Wer lebt in Reinickendorf?

In Reinickendorf lebten am 31. Dezember 2023 insgesamt 268.792 Menschen. Die Bevölkerung ist altersmäßig breit gefächert, mit einem Durchschnittsalter von 44,6 Jahren. Die Struktur zeigt einen Großteil deutscher Einwohner, sowohl mit als auch ohne Migrationshintergrund, sowie einen Anteil ausländischer Bewohner. Viele Einwohner sind Familien und Ruheständler, die oft schon lange im Bezirk leben. Die Bevölkerungsdichte ist im Berliner Vergleich eher gering.

Warum trägt Reinickendorf diesen Namen?

Der Name Reinickendorf geht auf den Gründer des ursprünglichen Dorfes im 13. Jahrhundert zurück. Ein niedersächsischer Bauer namens Reinhardt gründete das Dorf, das zunächst „Reinhardts Dorf“ oder auf Plattdeutsch „Renekentorp“ genannt wurde. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit der heutige Name Reinickendorf. Die Verbindung zum Reineke Fuchs im Wappen ist historisch nicht korrekt.

Welche Gebiete gehören zu Reinickendorf?

Der Bezirk Reinickendorf im Nordwesten Berlins ist in zehn Ortsteile unterteilt: Reinickendorf, Tegel, Konradshöhe, Heiligensee, Wittenau, Frohnau, Hermsdorf, Waidmannslust, Lübars und das Märkische Viertel. Diese Ortsteile umfassen sowohl dicht besiedelte Gebiete als auch weitläufige Wald- und Wasserflächen wie den Tegeler Forst und den Tegeler See.

Wie alt ist der Ortsteil Reinickendorf?

Die Geschichte des Ortsteils Reinickendorf reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück, als das Gebiet von den Askaniern besiedelt wurde. Das Dorf selbst wurde um 1230 gegründet. Im Jahr 1920 gab der Ortsteil dem neu gebildeten Berliner Verwaltungsbezirk seinen Namen. Der historische Kern des Ortsteils, das Angerdorf Alt-Reinickendorf, existiert also seit fast 800 Jahren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Reinickendorf ein Bezirk ist, der durch seine Vielfalt besticht. Von historischen Wurzeln als Angerdorf über bedeutende Baudenkmäler wie die Weiße Stadt bis hin zu weitläufigen Naturlandschaften und modernen Siedlungen bietet er seinen Bewohnern und Besuchern eine breite Palette an Eindrücken und Lebensqualitäten.

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