07/05/2016
Wesel am Niederrhein ist eine Stadt mit einer tiefen und bewegten Geschichte, deren Wurzeln weit zurückreichen. Sie hat Epochen des Wohlstands, der Zerstörung und des Wiederaufbaus erlebt und dabei stets ihren einzigartigen Charakter bewahrt. Die Stadt, die heute als Mittelzentrum im Kreis Wesel fungiert, blickt auf eine Entwicklung zurück, die von frühen Siedlern, römischen Wachtürmen, fränkischen Stützpunkten und ihrer bedeutenden Rolle in der Hanse geprägt ist.

Die bewegte Geschichte der Hansestadt Wesel
Die frühesten Spuren menschlicher Besiedlung im Raum Wesel finden sich in Kiesgruben bei Wesel-Bislich. Werkzeug- und Friedhofsfunde deuten auf eine Anwesenheit von Menschen bereits im Zeitraum von etwa 3000 bis 700 v. Chr. hin, der Steinzeit und Bronzezeit umfasst. Später, um 70 n. Chr., errichteten die Römer vermutlich auf dem heutigen Gebiet von Wesel-Flüren einen Wachturm. Dieser diente dem Schutz der römisch besetzten Gebiete auf der linken Rheinseite vor feindlichen Germanen vom rechten Ufer.
Mit der Völkerwanderung ab 375 n. Chr. entstand auf dem Boden des heutigen Stadtkerns eine Ansiedlung. Ab 700 n. Chr. entwickelte sich der fränkische Stützpunkt Lippeham, gelegen zwischen Flüren und Bislich. Lippeham war ein strategisch wichtiger Ort und diente zwischen 779 und 819 mehrmals als Sammelpunkt für die Heere Karls des Großen vor Feldzügen gegen Sachsen und Dänen. Um 800 n. Chr. wurde im heutigen Weseler Stadtzentrum ein großer fränkischer Gutshof errichtet. Grabungsfunde im Willibrordidom aus dem Jahr 1956 belegen, dass zu dieser Zeit bereits eine Kirche existierte.
Die erste urkundliche Erwähnung des Namens „Wesele“ findet sich im 11. Jahrhundert. Eine Urkunde König Heinrichs IV. vom 1. Mai 1065 bestätigt die Rückgabe der Kirche und ihres Besitzes in der villa Wisele an das Kloster Echternach. Das Urkundenbuch des Luxemburger Klosters Echternach aus dem 12. Jahrhundert enthält Abschriften von Urkunden aus dem 8. Jahrhundert, in denen der Name Wesele im Zusammenhang mit einer Schenkung erstmals auftaucht.
Um 1115 kam Wesel als Mitgift an Kleve, als Graf Arnold I. von Kleve Ida von Niederlothringen heiratete. Ein entscheidender Schritt in der Stadtentwicklung war die Stadterhebung im September 1241 durch den Junggrafen Dietrich von Kleve. Bereits 1301 wurden die Stadtfarben Rot-Weiß festgelegt.
Eine Blütezeit erlebte Wesel ab 1407 durch den Beitritt zur Hanse. Die damit verbundenen Begünstigungen führten zu erheblichem wirtschaftlichem Reichtum. In dieser Phase entstanden bedeutende Bauwerke wie das Rathaus (1456/57), ein herausragendes Beispiel spätgotischer Profanarchitektur am Niederrhein, und der fünfschiffige Umbau des Willibrordi-Doms unter Meister Gerwin von Langenberg ab 1501.
Im Jahr 1540 setzte sich die Reformation in Wesel durch, was dazu führte, dass viele Glaubensflüchtlinge aus den spanisch besetzten Niederlanden in der Stadt Zuflucht suchten. Diese Periode der Gastfreundschaft brachte Wesel den Ehrennamen „Vesalia hospitalis“ ein, der 1578 von einer Abordnung niederländischer Gemeinden mit der Übergabe zweier Prunkpokale gewürdigt wurde. Doch die politischen Verhältnisse in den Niederlanden verbesserten sich, und viele Flüchtlinge verließen Wesel wieder.
Der wirtschaftliche Niedergang begann mit der vierjährigen Belagerung Wesels durch Spanien von 1586 bis 1590. Die Besetzung durch die Spanier unter Ambrosio Spinola im Jahr 1614 verschärfte die Lage. Erst 1629 gelang den Niederländern mithilfe einer List Weseler Bürger die Befreiung der Stadt.
Nach langen Erbstreitigkeiten kam Wesel 1666 endgültig zu Brandenburg. Unter dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg begann ab 1680 Wesels Zeit als Festung. Die Bauarbeiten an der Zitadelle, einer der größten erhaltenen Festungsanlagen im Rheinland, begannen. Das Haupttorgebäude der Zitadelle wurde 1718 fertiggestellt, das imposante Berliner Tor folgte 1722 im Stil des preußischen Barock.
Die Festungszeit prägte die Stadt über Jahrhunderte. 1805 trat Preußen die Festung Wesel samt Stadt Kleve an Frankreich ab. Die französische Besatzung brachte dramatische Ereignisse mit sich, darunter 1809 die Erschießung von elf Offizieren, die sich unter Major Ferdinand von Schill gegen die Besatzer aufgelehnt hatten. Napoleon Bonaparte selbst besuchte Wesel 1811 und ließ zur Sicherung seiner strategischen Interessen als Brückenkopf das Fort Napoleon (später Fort Blücher) erbauen, wofür die alte Stadt Büderich 1813 abgerissen wurde.
Nach dem Ende der napoleonischen Ära fiel Wesel 1814 zurück an Preußen und wurde zur Garnisonsstadt ausgebaut. Die starke militärische Präsenz von Infanterie, Artillerie und zeitweise Kavallerie verhinderte trotz günstiger Infrastruktur den wirtschaftlichen Anschluss an das aufstrebende Ruhrgebiet. Diese Stagnation dauerte bis zur Entfestigung der Stadt, die 1890 begann. Mit dem Abriss von Teilen der Festungsanlagen entstanden neue Siedlungen und Grüngürtel wie das Glacis, und die wirtschaftliche Entwicklung nahm endlich Fahrt auf.

Der Erste Weltkrieg machte Wesel 1914 erneut zum Sammelpunkt für das Militär. Nach Kriegsende traf die Entmilitarisierung des Rheinlandes die Stadt hart, der wichtige Wirtschaftsfaktor Garnison entfiel, und die Kasernen standen leer. Die 1930er Jahre brachten mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten eine dunkle Zeit. 1933 wurde die NSDAP stärkste Fraktion im Rathaus. Im Zuge der Aufrüstung wurden auch in Wesel wieder Truppen stationiert. Die sogenannte Reichskristallnacht im Jahr 1938 führte zur Zerstörung der Weseler Synagoge und des Schulhauses.
Der Zweite Weltkrieg brachte unvorstellbares Leid über Wesel. Ab 1940 fielen erste Bomben, doch die verheerendsten Angriffe ereigneten sich im Februar 1945. Massive Luftangriffe der Alliierten am 16., 18. und 19. Februar zerstörten die Stadt fast vollständig. 97 Prozent der Innenstadt lagen in Trümmern. Im März besuchte der englische Premierminister Winston Churchill die zerstörte Stadt. Nach Kriegsende brach die Versorgung der Bevölkerung zusammen, und Wesel wurde 1947 zum landwirtschaftlichen Notstandsgebiet erklärt.
Der planmäßige Wiederaufbau begann 1949 und verlieh der Stadt ein völlig neues Gesicht. Auch wirtschaftlich ging es wieder bergauf. Die Gebietsreformen des Landes Nordrhein-Westfalen führten 1969 zur Eingemeindung von Obrighoven-Lackhausen und Flüren sowie 1975 von Büderich, Ginderich, Diersfordt und Bislich. Wesel wurde Kreisstadt des gleichnamigen Kreises. In den folgenden Jahrzehnten pflegte Wesel Städtepartnerschaften (mit Hagerstown/USA 1952, Felixstowe/Großbritannien 1974, Salzwedel/Sachsen-Anhalt 1990, Ketrzyn/Polen 2002) und modernisierte seine Infrastruktur, etwa mit dem Bau der Niederrheinbrücke (2005-2009).
| Zeitraum | Wichtige Ereignisse in Wesel |
|---|---|
| ca. 3000 - 700 v. Chr. | Besiedlung in Stein- und Bronzezeit |
| ab 375 n. Chr. | Entstehung einer Ansiedlung im Stadtkern |
| 1065 | Erste urkundliche Erwähnung (villa Wisele) |
| ca. 1115 | Wesel kommt an Kleve |
| 1241 | Stadterhebung |
| 1407 | Beitritt zur Hanse |
| 1540 | Durchsetzung der Reformation |
| 1586 - 1590 | Belagerung durch Spanien |
| 1680 | Beginn der Festungszeit |
| 1814 | Wesel fällt an Preußen, wird Garnisonsstadt |
| 1890 | Beginn der Entfestigung |
| 1938 | Reichskristallnacht |
| 1945 | Fast vollständige Zerstörung im 2. Weltkrieg |
| 1949 | Beginn des Wiederaufbaus |
| 1975 | Gebietsreform, Wesel wird Kreisstadt |
Facettenreiches Wesel: Was macht die Stadt aus?
Das heutige Wesel präsentiert sich als lebendige Stadt mit einer Vielzahl von Angeboten in den Bereichen Kunst & Kultur, Natur & Freizeit, Sehenswürdigkeiten, Shopping & Gastronomie sowie Veranstaltungen.
Kunst & Kultur
Wesel bietet eine reiche Kulturszene. Das Städtische Museum zeigt Ausstellungen zur Kunst und Geschichte. Das Preußen-Museum NRW in der Zitadelle beleuchtet die preußische Vergangenheit. Das Deichdorfmuseum Bislich widmet sich der lokalen Geschichte. Das SCALA Kulturspielhaus ist ein wichtiger Ort für Kleinkunst und Veranstaltungen. Es gibt ein Kino, Filmfestivals, Konzerte (insbesondere im Willibrordi-Dom mit dem Orgelsommer) und Lesungen. Der Konrad-Duden-Journalistenpreis würdigt journalistischen Nachwuchs.
Natur & Freizeit
Die Umgebung Wesels lockt mit zahlreichen Freizeitmöglichkeiten. Der Auesee ist ein beliebtes Naherholungsgebiet mit Strandbad, Wassersportarten wie Tauchen und Veranstaltungen wie dem Bulli Summerfestival, dem Sparkassen Triathlon und dem Moonlightlauf. Das Naturschutzgebiet Schwarzes Wasser, ein Heideweiher, ist ebenfalls ein attraktives Ziel. Bäder wie das HeubergBad, das BislichBad und das neue RheinBad bieten Schwimmvergnügen. Der Diersfordter Wald im Naturpark Hohe Mark lädt mit Wanderwegen (Hirschkäferroute, Moorerlebnisweg, Aaper Busch) zu Naturerlebnissen ein. Weitere Routen sind der Sport-Pilgerweg und die Storchenroute in Bislich. Wassersportler finden am Yachthafen und mit Angeboten wie Schiffstouren auf dem Rhein (River-Lady) und der Lippe (Quertreiber) viele Möglichkeiten. Eine Minigolfanlage am Auesee rundet das Angebot ab.
Sehenswürdigkeiten
Zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten zählen die Zitadelle mit der Schill-Kasematte, der imposante Willibrordi-Dom als Wahrzeichen der Stadt und das Berliner Tor, das auch das Hanseforum beherbergt. Das Schloss Diersfordt und die Wallfahrtskirche Ginderich sind weitere historische Bauwerke in den Ortsteilen. Die Rheinpromenade bietet einen schönen Blick auf den Fluss.
Shopping & Gastronomie
Die City Mile, die Fußgängerzone, lädt zum Bummeln ein. Der Wochenmarkt auf dem Großen Markt ist ein beliebter Treffpunkt. Eine vielfältige Gastronomieszene bietet von traditionellen Wirtshäusern (Weseler Wirtshaus, Schankwirtschaft Schepers) über internationale Küche (Restaurant Hellas, I Sapori di Esa, Ristorante Antonella, TnT The modern asia, El Placer Steakhouse) und moderne Angebote (Butcha Burger, Burger Nerds) bis hin zu Cafés (Cafe Extrablatt, Café Mola, FREDDO Espressobar) und Eiscafés (Venezia, Lohschelder, Teatro) für jeden Geschmack etwas. Lokale Spezialitäten gibt es in der Marktschänke Büderich. Biergärten an der Rheinpromenade und die Pop up Bar am Berliner Tor bieten besondere Atmosphäre. Im Bereich Shopping finden sich Modegeschäfte, ein Weltladen und individuelle Läden.
Übernachten
Für Übernachtungsgäste stehen Hotels im Zentrum (Kaiserhof, Welcome Hotel) und in landschaftlich reizvoller Lage (Waldhotel Tannenhäuschen, Hotel Haus Duden, Restaurant & Hotel Am Jäger) zur Verfügung. Eine große Auswahl an Ferienwohnungen in verschiedenen Ortsteilen, Hausboote auf dem Wasser und ein Reisemobilstellplatz am Auesee bieten vielfältige Optionen.
Veranstaltungen
Der Veranstaltungskalender Wesels ist das ganze Jahr über gut gefüllt. Höhepunkte sind das Historische Hansefest, die Maikirmes, PPP (Pfingsten, Possaune, Pappel), das Bulli Summerfestival, das Weinfest und der Adventmarkt am Dom. Zahlreiche Schützenfeste in den Ortsteilen, Stadtrundgänge, Konzerte, Märkte (Feierabendmarkt) und Sportveranstaltungen wie Triathlon und Moonlightlauf sorgen für Abwechslung. Souvenirs, oft mit dem Esel-Motiv, sind beliebte Erinnerungsstücke.

Der Name Wesel: Eine Spurensuche
Die Herkunft des Ortsnamens Wesel ist seit Jahrhunderten Gegenstand von Deutungen und Diskussionen. Bereits seit etwa 350 Jahren versuchen Forscher, das Geheimnis zu lüften. Eine frühe und volksetymologische Erklärung stammt von Hermann Ewichius aus dem Jahr 1668, der den Namen als „Stadt am Wieselwald“ deutete. Diese Theorie bezieht sich auf das niederdeutsche Wort für Wiesel, „Wesel“, und wird oft mit der Darstellung von Wieseln im Weseler Stadtwappen in Verbindung gebracht.
Spätere Deutungen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert schlugen andere Richtungen ein. Ein anonymer Forscher vermutete einen keltischen Ursprung im Sinne von „Wasserbogen“ oder „Wasserwinkel“. Die Weseler Gymnasiallehrer Karl Westermann und Adolf Langhans interpretierten den Namen als „Herrenhof in der Wiese“ beziehungsweise „Wiesenniederung“ oder „Wiesengut“. Die bekannten Namenforscher Adolf Bach und Heinrich Dittmaier sahen in Wesel eine Bezeichnung für einen Ort „an der sumpfigen Flusswiese“.
Eine neuere Theorie von Rainer Neu aus dem Jahr 2003, die den Ortsnamen als „geweihter, heiliger Ort“ deutete, löste Widerspruch aus und belebte die namenkundliche Diskussion erneut. Zwei Jahre später, im Jahr 2005, vertrat der Philologe Paul Derks die Ansicht, dass der Name Wesel tatsächlich von einer übermäßig häufigen Präsenz von Wieseln in prähistorischer Zeit im Gebiet des historischen Stadtkerns abzuleiten sei. Diese wohlfundierte Erklärung wird jedoch von anderen Namenforschern wie Frieda Steurs, Wolfgang Haubrichs und Kirsten Casemir abgelehnt.
Haubrichs und Casemir halten es stattdessen für möglich, dass im Ortsnamen ein sehr alter Flussabschnittsname enthalten sein könnte, wie „Wi“, „Wis“ oder „Wisa“. Nach dieser Deutung würde Wesel so viel bedeuten wie „der bewohnte Ort/die Stelle an oder in der „Wi“/„Wis“/„Wisa““. Die Diskussion um die genaue Herkunft des Namens ist somit noch nicht abgeschlossen, und verschiedene wissenschaftliche Ansätze stehen sich gegenüber. Die Literatur, wie der Beitrag von Winfried Evertz im Band der Historischen Vereinigung Wesel, zeugt von der fortlaufenden Forschung zu diesem Thema.
Berühmte Persönlichkeiten: Der Maler Derik Baegert
Das 15. und 16. Jahrhundert gelten als die Blütezeit Wesels, in der die Stadt zur führenden Handelsmetropole am unteren Niederrhein aufstieg. Diese wirtschaftliche und politische Bedeutung spiegelte sich auch in einer regen Bautätigkeit und der Anziehung von Künstlern wider. Einer der herausragendsten Künstler dieser Zeit war der Maler Derik Baegert.
Derik Baegert wurde wohl kurz vor 1440 in Wesel geboren. Sein Vater Johan Baegert war Kaufmann, seine Mutter Mechtelt Mynreman. Der Vater betrieb Handel über den Rhein. Nach Mechtelts Tod heiratete Johan Agnes (Neesken) van Bert, die aus einer angesehenen Weseler Familie stammte, die später auch im Magistrat vertreten war. Neesken Baegert war selbst als sogenannte Faßmalerin tätig, was belegt, dass künstlerisches Schaffen in der Familie verankert war. Sie arbeitete nachweislich für die Pfarrkirche St. Willibrord.
Über Baegerts Ausbildung gibt es keine gesicherten Erkenntnisse, es wird jedoch vermutet, dass er seine Lehrzeit in den Niederlanden verbrachte, möglicherweise in Utrecht oder Antwerpen.
Ab 1467 ist Derik Baegert in Wesel mit eigenem Haushalt nachweisbar. Er lebte zunächst in der Torfstraße und zeugte mit seinen Beiträgen zum Bau des Kirchturms von St. Willibrord von seinem Bürgerstatus. Später, bis 1494, besaß er ein Haus in der Breiten Brückstraße, einer der angesehensten Wohngegenden der Weseler Altstadt. Seinen Lebensabend verbrachte er in der Vorstadt Mathena, wo auch sein Sohn Johan (Jan) ein Haus besaß, was auf einen gewissen Wohlstand der Familie hindeutet.
Derik Baegert schuf bedeutende Werke, die seinen Ruf als einer der wichtigsten Maler seiner Zeit begründeten. Zu seinen erhaltenen Arbeiten gehört das Gerichtsbild „Eidesleistung“ (1493/94), das im Auftrag des Magistrats entstand und heute im Städtischen Museum in Wesel zu sehen ist. Er war auch für einige der größten Tafelaltäre Nordwestdeutschlands verantwortlich, darunter die Hochaltäre der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Mathenakirche in Wesel (von denen Fragmente in der Sammlung Thyssen-Bornemisza erhalten sind) und der Altar der Propsteikirche in Dortmund. Viele weitere Tafelbilder Baegerts können heute im Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster besichtigt werden.
Ein besonderes Merkmal in Baegerts Werk ist sein Selbstportrait, das er in den Dortmunder Altar integrierte. Dieses Bild entstand in den 70er Jahren des 15. Jahrhunderts und gilt als das früheste nachweisbare Selbstportrait eines Malers im nordwesteuropäischen Raum – ein faszinierendes Zeugnis seiner Zeit.

Baegert führte eine gut organisierte Werkstatt, in der neben seinem Sohn Jan auch sein Neffe Jan Joest (Maler des Hochaltars in Kalkar) und der Meister des Schermbecker Altars arbeiteten. Es ist bemerkenswert, dass auch seine Schüler die aus Italien stammende Tradition übernahmen, Selbstportraits in ihre Werke einzuarbeiten. Der letzte bekannte Hinweis auf Derik Baegert stammt aus dem Jahr 1509, als er Zinsen zahlte. Die Annahme, er sei noch 1515 aktiv gewesen, beruht auf einem Lesefehler.
Derik Baegert war mit Christina (Stijn) verheiratet. Sie hatten einen Sohn, Johan (Jan), der die väterliche Werkstatt erfolgreich weiterführte, und eine Tochter, Henrike. Deriks Stiefschwester Katharina (Trijnken), die Tochter seiner Stiefmutter Neesken, übernahm spätestens 1489 die Tätigkeit als Faßmalerin für die Stadtkirche. Katharina war die Mutter des Malers Jan Joest, der ebenfalls aus Wesel stammte und 1519 in Haarlem starb. Das künstlerische Erbe der Familie Baegert-van Bert-Joest prägte die Kunst des Niederrheins maßgeblich.
Zum Gedenken an den bedeutenden Künstler wurde 1968 die Derik-Baegert-Gesellschaft gegründet, die im Schloss Ringenberg ein Atelier- und Ausstellungszentrum für junge Künstler unterhält und so Baegerts Vermächtnis in die Gegenwart trägt.
Häufig gestellte Fragen zu Wesel
Wie alt ist Wesel?
Die Geschichte Wesels reicht sehr weit zurück. Archäologische Funde deuten auf eine Besiedlung des Raumes bereits in der Steinzeit und Bronzezeit (ca. 3000 - 700 v. Chr.) hin. Die erste urkundliche Erwähnung des Namens "Wesele" stammt aus dem 11. Jahrhundert, basierend auf älteren Dokumenten. Die Stadterhebung erfolgte im Jahr 1241.
War Wesel eine Festung?
Ja, Wesel war eine bedeutende Festungsstadt, insbesondere unter preußischer Herrschaft ab dem späten 17. Jahrhundert. Die Bauarbeiten an der Zitadelle begannen 1680, und das Berliner Tor wurde 1722 fertiggestellt. Die Festungszeit prägte die Stadt bis zur Entfestigung ab 1890.
Warum wurde Wesel im Zweiten Weltkrieg so stark zerstört?
Aufgrund seiner strategischen Lage am Rhein und als Verkehrsknotenpunkt war Wesel ein wichtiges Ziel im Zweiten Weltkrieg. Massive alliierte Luftangriffe im Februar 1945, kurz vor Kriegsende, führten zur fast vollständigen Zerstörung der Innenstadt.
Ist Wesel eine Hansestadt?
Ja, Wesel trat 1407 der Hanse bei und erlangte dadurch großen wirtschaftlichen Wohlstand. Heute pflegt die Stadt ihr Erbe als Hansestadt und feiert dies unter anderem mit dem Historischen Hansefest.
Was kann man in Wesel unternehmen?
Wesel bietet vielfältige Freizeitmöglichkeiten. Sie können historische Sehenswürdigkeiten wie den Willibrordi-Dom, die Zitadelle und das Berliner Tor besichtigen, die Natur im Diersfordter Wald oder am Auesee erkunden, Wassersport betreiben, durch die Fußgängerzone bummeln, auf dem Wochen- oder Feierabendmarkt einkaufen oder eines der vielen Restaurants und Cafés besuchen. Die Stadt veranstaltet auch zahlreiche Feste und kulturelle Events das ganze Jahr über.
Gibt es berühmte Künstler aus Wesel?
Ja, einer der bedeutendsten historischen Künstler aus Wesel ist der Maler Derik Baegert, der im 15. und frühen 16. Jahrhundert lebte und arbeitete. Er schuf wichtige Altäre und das Gerichtsbild für die Stadt. Auch seine Familie, darunter sein Sohn und sein Neffe Jan Joest, waren im künstlerischen Bereich tätig.
Von den frühen Siedlungsspuren und römischen Wachtürmen über die Blütezeit als Hansestadt und die Zerstörungen der Weltkriege bis hin zum heutigen Mittelzentrum mit vielfältigem Kultur- und Freizeitangebot – Wesel blickt auf eine faszinierende Vergangenheit zurück. Die Debatten um die Herkunft ihres Namens und das Erbe bedeutender Persönlichkeiten wie Derik Baegert zeugen von der Tiefe ihrer Geschichte, die auch heute noch in vielen Facetten der Stadt erlebbar ist.
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