Wie hieß Mülheim an der Ruhr früher?

Geschichte Mülheims an der Ruhr: Von Mulinhem

29/09/2022

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Die Geschichte einer Stadt ist oft eine faszinierende Reise durch die Zeit, geprägt von Wandel, Wachstum und Ereignissen, die ihre Identität formen. Mülheim an der Ruhr bildet hier keine Ausnahme. Was Mülheim an der Ruhr heute ausmacht, ist das Ergebnis einer einzigartigen Entwicklung, die Jahrhunderte umspannt. Von den ersten bescheidenen Anfängen im Frühmittelalter hat sich die Stadt zu einem dynamischen Zentrum voller Innovation und hoher Lebensqualität entwickelt. Dieser Artikel nimmt Sie mit auf eine Entdeckungsreise durch die wichtigsten Stationen der Geschichte der Stadt Mülheim an der Ruhr – einer Stadt, die auf beeindruckende Weise Tradition und modernen Wandel miteinander verbindet.

Für was ist Mülheim an der Ruhr bekannt?
Kunst gibt es nicht nur im Museum, sondern auch in kleineren Eventorten in der Innenstadt. Das Theater an der Ruhr und die jährlichen Theatertage finden regelmäßig auch überregional Beachtung. Zwei Herrensitze, Schloss Broich und Schloss Styrum, zeugen davon, dass der moderne Stadtteil Styrum eine lange Geschichte hat.

Die Anfänge: Burg, Kirchenhügel und das mittelalterliche Mülheim

Die Wurzeln Mülheims reichen tief in die mittelalterliche Epoche zurück. Der erste schriftliche Beleg für die Existenz der Siedlung findet sich in einer Urkunde aus dem Jahr 1093. Dort wird der Ort als „Mulinhem“ erwähnt. Doch die strategische Bedeutung dieses Fleckens Erde war bereits lange vor dieser ersten urkundlichen Erwähnung erkannt worden. Schon um das Jahr 883 herum, in einer Zeit, die von Unsicherheit und der Notwendigkeit des Schutzes geprägt war, errichteten die Edelherren von Broich an einem strategisch wichtigen Punkt an der Ruhr eine Wehranlage. Diese Anlage, die später als Burg Broich bekannt wurde, legte den Grundstein für die frühe Besiedlung und Sicherung des Gebiets. Ursprünglich konzipiert als Schutzmaßnahme gegen die damals gefürchteten Überfälle der Wikinger, entwickelte sich die Burg über die Jahrhunderte hinweg zu einem bedeutenden Adelssitz und einem zentralen Machtzentrum in der Region. Ihre Geschichte ist ein eindrucksvolles Zeugnis für die frühe Verteidigungspolitik und die Verteilung von Macht im aufstrebenden Ruhrgebiet.

Parallel zur Entwicklung der Burg auf der linken Ruhrseite entstand auf der gegenüberliegenden, rechten Flussseite der sogenannte Kirchenhügel. Dieser Hügel entwickelte sich zu einem bedeutenden religiösen und wirtschaftlichen Zentrum der entstehenden Siedlung. Die beiden Standorte, die Burg und der Kirchenhügel, prägen das Stadtbild Mülheims bis in die heutige Zeit, nicht zuletzt durch die historischen Gebäude, die dort noch zu finden sind, wie eben die Burg selbst und die Altstadtkirche auf dem Kirchenhügel. Die Altstadt Mülheims, mit ihren malerischen, oft liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern, hat es geschafft, viel vom Charakter dieser frühen Zeit zu bewahren. Sie lädt Besucherinnen und Besucher auch heute noch zu einer reizvollen Reise in vergangene Jahrhunderte ein und lässt die Atmosphäre des mittelalterlichen Mülheims erahnen.

Geistliche und Herrschaftliche Zentren: Kloster Saarn und Schloss Styrum

Etwas südlich des Stadtzentrums wurde um das Jahr 1200 eine weitere Institution von großer Bedeutung für die Region gegründet: das Kloster Saarn. Dieses Kloster entwickelte sich schnell zu einem bedeutenden Zentrum des Zisterzienserordens. Die Geschichte des Klosters Saarn ist eng mit dem religiösen Leben der Region verbunden und spiegelt gleichzeitig die historische Verbindung der Stadt zum Bergischen Land wider. Im Laufe der Jahrhunderte erlangte das Kloster Saarn durch Schenkungen und zugesprochene Privilegien zunehmend an Einfluss und Reichtum, was es zu einer angesehenen und wirtschaftlich starken Institution machte. Seine Mauern bergen Geschichten von Glauben, harter Arbeit und der Organisation des Landlebens im Mittelalter und der frühen Neuzeit.

Ein weiterer wichtiger Adelssitz, der die Geschichte Mülheims maßgeblich mitgestaltete, entstand im heutigen Stadtteil Styrum. Das dortige Schloss Styrum und die damit verbundene Herrschaft Styrum nahmen vom 13. Jahrhundert an eine besondere politische Stellung ein. Bis zum Jahr 1806 genossen sie die sogenannte Reichsunmittelbarkeit. Diese politische Sonderstellung bedeutete, dass die Herrschaft Styrum direkt dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation unterstellt war und somit unabhängig von der umliegenden Herrschaft Broich und dem mächtigen Herzogtum Berg agieren konnte. Das Schloss Styrum ist auch heute noch eine bedeutende historische Sehenswürdigkeit und ein greifbares Zeugnis dieser langen und komplexen Geschichte der Herrschaftsverhältnisse in der Region. Es erinnert an eine Zeit, in der die politische Landkarte Europas deutlich kleinteiliger und komplexer war als heute.

Auf dem Weg zur Industriestadt: Kohle, Ruhrschifffahrt und Pioniere

Der tiefgreifendste Wandel in der Geschichte Mülheims setzte mit dem Beginn der Industrialisierung ein, die ab Ende des 18. Jahrhunderts auch das Ruhrgebiet erfasste. Ein entscheidender Schritt war dabei die Schiffbarmachung der Ruhr. Diese Maßnahme eröffnete völlig neue Möglichkeiten für den Transport von Gütern und Rohstoffen und gab insbesondere der Kohlenschifffahrt auf der Ruhr einen enormen Schub. Mülheim entwickelte sich dank seiner Lage am Fluss und der verbesserten Transportwege schnell zu einem zentralen Umschlagplatz für Kohle. Die Kohle, die in den umliegenden Zechen gefördert wurde, konnte nun effizient über den Rhein-Ruhr-Hafen Mülheim zu den wachsenden Industriezentren transportiert werden. Der Bau der ersten Schleuse im Jahr 1780 war dabei ein Meilenstein, der den Kohlehandel auf der Ruhr regelrecht zur Blüte brachte und Mülheim zu einem wichtigen Knotenpunkt im aufstrebenden Industrierevier machte.

Diese Zeit des Umbruchs und des Wachstums brachte auch bedeutende Wirtschaftspioniere hervor, die das Gesicht der Stadt nachhaltig veränderten:

Johann Caspar Troost: Im Jahr 1791 gründete er in Mülheim die erste Textilfabrik. Damit positionierte er Mülheim frühzeitig auf der Landkarte der aufstrebenden Industrieorte. Seine Fabrik, gelegen im Luisental, entwickelte sich rasch zum größten Arbeitgeber der Stadt und markierte den Beginn der industriellen Produktion in Mülheim.

Die Gebrüder Dinnendahl: Franz und Johann Dinnendahl waren im frühen 19. Jahrhundert Pioniere im Bereich der Stahl- und Maschinenbauindustrie. Mit der Gründung ihrer Eisenschmelze im Jahr 1820 legten sie den Grundstein für ein Unternehmen, das später als die legendäre Friedrich-Wilhelms-Hütte bekannt werden sollte. Dieses Unternehmen spielte eine zentrale Rolle in der Entwicklung der Schwerindustrie im Ruhrgebiet.

Wie schreibt sich Mülheim an der Ruhr?
Stadt Mülheim an der Ruhr.

Zu dieser Zeit entstanden auch zahlreiche Mülheimer Zechen und Bergbau-Unternehmen. Mit Zechen wie Humboldt und Vereinigte Sellerbeck entwickelte sich Mülheim zu einem führenden Standort für die Kohleförderung und trug wesentlich zur Energieversorgung und zum wirtschaftlichen Aufschwung des gesamten Ruhrgebiets bei. Die harte Arbeit unter Tage und der Transport der Kohle prägten das Leben vieler Menschen in Mülheim.

Wachstum und Moderne im 19. und frühen 20. Jahrhundert

Mit dem Anschluss an das rapide wachsende Eisenbahnnetz im Jahr 1862 und der weiteren Entwicklung zur industriellen Drehscheibe veränderte sich das Stadtbild von Mülheim an der Ruhr weiter rasant. Insbesondere der Bau der Ruhrtalbahn ermöglichte den schnellen und effizienten Transport von Waren und der lebenswichtigen Kohle über größere Distanzen. Die Stadtentwicklung Mülheims, die schließlich im 20. Jahrhundert zur Großstadt führte, begann bereits im späten 19. Jahrhundert. Eine Schlüsselfigur dieser Entwicklung war Paul Lembke, der als Oberbürgermeister und Stadtplaner maßgeblich den Ausbau der städtischen Infrastruktur vorantrieb und die Eingliederung ländlicher Gebiete in das städtische Gefüge gestaltete.

Diese Periode war von mehreren bedeutenden Meilensteinen gekennzeichnet:

Verwaltungsreformen und Stadtrechte: Im Jahr 1808 erhielt Mülheim die französischen Stadtrechte, eine Folge der politischen Umwälzungen unter Napoleon. Später, im Jahr 1846, folgte die Verleihung des preußischen Stadtrechts, was die administrative Eigenständigkeit stärkte. Der anhaltende Wachstumsschub, sowohl durch die Industrie als auch durch die Bevölkerungszunahme, mündete schließlich im Jahr 1904 in der Eingemeindung der linksruhrischen Stadtteile. Dieser Schritt vergrößerte das Stadtgebiet erheblich und machte Mülheim offiziell zur Großstadt.

Infrastruktur und Nahverkehr: Die Modernisierung zeigte sich auch im Bereich des Nahverkehrs. Ab 1897 verkehrte die erste elektrische Straßenbahn in der Stadt, was die Mobilität der Bürger revolutionierte und die Verbindung zwischen den Stadtteilen verbesserte. Ein weiteres wichtiges Symbol des städtischen Fortschritts war die Eröffnung der Stadthalle im Jahr 1926. Diese Entwicklungen trugen dazu bei, Mülheim als moderne, lebendige und gut vernetzte Stadt im Herzen des Ruhrgebiets zu präsentieren.

Krieg, Zerstörung und der Wandel nach 1945

Der Zweite Weltkrieg brachte auch über Mülheim an der Ruhr wie über das gesamte Ruhrgebiet unermessliches Leid und Zerstörung. Die Stadt wurde Ziel zahlreicher Bombenangriffe der Alliierten, die auf die kriegswichtige Industrie abzielten. Diese Angriffe hinterließen tiefe Wunden im Stadtbild und forderten viele Menschenleben. Allein bei einem einzigen schweren Angriff im Juni 1943 verloren 530 Menschen ihr Leben, und über 60 Prozent der Gebäude im Stadtgebiet wurden zerstört oder schwer beschädigt. Das Ende des Krieges markierte den Beginn einer Zeit des mühevollen Wiederaufbaus.

Dieser Wiederaufbau, der nach 1945 begann, war eng mit einem grundlegenden Wandel der Wirtschaftsstruktur verbunden. Mülheim begann, sich von seiner traditionellen Abhängigkeit von der Kohle- und Stahlindustrie zu lösen. Zwar nahmen zentrale Betriebe wie die Mannesmannröhren-Werke bereits 1950 wieder ihre Produktion auf und trugen zum wirtschaftlichen Wiederaufstieg bei, doch die langfristige Ausrichtung änderte sich. Mülheim entwickelte sich zunehmend zu einem wichtigen Dienstleistungs- und Bildungsstandort. Dieser Strukturwandel war entscheidend für die Zukunft der Stadt. Mülheim profilierte sich als Zentrum der Forschung und Bildung, unter anderem durch die Gründung der Hochschule Ruhr West, die moderne Bildungsmöglichkeiten bietet, und die Ansiedlung von gleich zwei renommierten Max-Planck-Instituten, die international anerkannte Forschung betreiben. Dieser Wandel weg von der Schwerindustrie hin zu Wissen und Dienstleistung prägt die Stadt bis heute.

Mülheim heute: Verbindung von Geschichte und Zukunft

Heute präsentiert sich Mülheim an der Ruhr als eine Stadt mit einem bemerkenswert hohen Freizeitwert und einer vielfältigen, lebendigen Kulturszene. Der Tourismus in Mülheim an der Ruhr bietet Besucherinnen und Besuchern vielfältige Erlebnisse, die von der Erkundung historischer Stätten bis hin zur Entdeckung moderner Stadtentwicklungsprojekte reichen. Ein herausragendes Beispiel für diese Entwicklung ist das Ruhrbania-Projekt. Dieses ambitionierte Vorhaben hat das Stadtbild entlang des Ruhrufers grundlegend verändert und aufgewertet. Was einst Industriegebiet war, ist heute eine attraktive Flaniermeile mit modernen Cafés, Restaurants und weitläufigen Grünanlagen. Diese Transformation hat die Lebensqualität in Mülheim erheblich verbessert und der Stadt eine ganz besondere, moderne Identität am Wasser verliehen.

Wie hieß Mülheim an der Ruhr früher?
Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt als „Mulinhem“ stammt aus dem Jahr 1093. Doch ihre strategische Bedeutung war schon vorher klar: Um das Jahr 883 errichteten die Edelherren von Broich an der Ruhr eine Wehranlage, die später zur Burg Broich wurde.

Parallel zu diesen modernen Entwicklungen pflegt Mülheim seine reichen historischen Wurzeln. Bedeutende historische Orte und Sehenswürdigkeiten erinnern an die lange Geschichte der Stadt:

Das Schloss Broich und der Kirchenhügel: Diese beiden frühen Keimzellen der Stadt sind heute einzigartige Orte für Kulturveranstaltungen und Geschichtsinteressierte.

Museen in Mülheim an der Ruhr: Die Camera Obscura bietet faszinierende Einblicke in die Geschichte des Films und optischer Täuschungen, während das Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr zeitgenössische Kunst präsentiert.

Kloster Saarn und Schloss Styrum: Diese historischen Gebäude ermöglichen Besuchern, direkt in die Vergangenheit der Region einzutauchen und die Spuren geistlichen und herrschaftlichen Lebens zu erkunden.

Mülheim an der Ruhr hat einen beeindruckenden Weg zurückgelegt – vom Umschlagplatz für Kohlenschiffe bis hin zu einem anerkannten Standort für Forschungslabore. Die Stadt hat sich zu einer modernen und gleichzeitig traditionsbewussten Metropole entwickelt, die sowohl ihren Bewohnern als auch Besuchern stets Neues und Interessantes bietet.

Fazit: Mülheim an der Ruhr Geschichte

Von den ersten Spuren der Besiedlung und der Erwähnung als „Mulinhem“ über die prägende Zeit der Industrialisierung bis hin zur modernen Stadt mit Fokus auf Dienstleistung, Bildung und Lebensqualität am Wasser: Mülheim an der Ruhr ist ein Ort, der es versteht, das Beste aus seiner reichen Vergangenheit zu bewahren und gleichzeitig die Chancen der Gegenwart und Zukunft zu nutzen. Die ausgedehnten grünen Naherholungsgebiete entlang der Ruhr, die moderne Architektur, die das neue Selbstverständnis der Stadt widerspiegelt, und die sorgfältig gepflegten historischen Stätten bilden zusammen ein attraktives Bild. Mülheim an der Ruhr ist damit nicht nur ein wichtiger Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort, sondern auch ein lebenswertes und besuchenswertes Ziel im Herzen des Ruhrgebiets, das seine Geschichte ehrt und gleichzeitig mutig in die Zukunft blickt.

FAQ: Mülheim an der Ruhr Geschichte

Für was ist Mülheim an der Ruhr bekannt?
Mülheim an der Ruhr ist für eine Mischung aus historischer Industrieprägung und moderner Ausrichtung bekannt. Die Friedrich-Wilhelms-Hütte, die älteste Hütte im Ruhrgebiet, zeugt von der langen Tradition der Metallverarbeitung, und auf dem ehemaligen Mannesmann-Gelände werden weiterhin hochspezielle Industrieprodukte gefertigt. Gleichzeitig hat sich Mülheim zu einem bedeutenden Wissenschaftsstandort entwickelt, nicht zuletzt durch das renommierte Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, das bereits zwei Nobelpreisträger hervorgebracht hat, und die moderne Hochschule Ruhr-West. Als Handelszentrum hat die Stadt ebenfalls Bedeutung erlangt, wozu Namen wie Tengelmann und Aldi beigetragen haben.

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