23/06/2016
Glienicke/Nordbahn ist eine lebendige Gemeinde, die eine ganz besondere Mischung aus der Nähe zur Metropole Berlin und der Ruhe der brandenburgischen Natur bietet. Gelegen im Landkreis Oberhavel, hat sich dieser Ort über die Jahrhunderte entwickelt und ist heute ein geschätzter Wohnsitz für über 12.000 Menschen. Doch woher stammt der ungewöhnliche Namenszusatz „Nordbahn“ und welche Geschichte verbirgt sich hinter diesem Ort?
Eine lange Geschichte: Von der Urzeit bis heute
Die Besiedelung des heutigen Glienicker Gebiets reicht weit zurück. Archäologische Funde auf dem Ortsgelände und in der Umgebung, darunter Stein- und Bronzewerkzeuge, Gefäßscherben, Urnen und Feuerstellen, belegen, dass hier schon vor Jahrtausenden Menschen lebten. Diese Funde zeugen von einer beachtlichen archäologisch-historischen Bedeutung und sind heute in renommierten Museen wie dem Märkischen Museum in Berlin und dem Kreismuseum Oranienburg zu besichtigen.

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes unter dem Namen Glyneck findet sich im Jahr 1412. In den brandenburgischen Lehnsregistraturen des Markgrafen Friedrich I. von Hohenzollern wird Glyneck mit viereinhalb Bauernhöfen und 600 Morgen Land gelistet. Dies markiert den Beginn der dokumentierten Geschichte des Ortes als bäuerliche Siedlung.
Wie viele Orte in der Region litt auch Glienicke unter den Wirren der Geschichte. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) zerstörte das kleine Bauerndorf nahezu vollständig. Erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts begann eine nennenswerte Wiederbesiedelung. Der Große Kurfürst initiierte den Wiederaufbau, indem er dem Hauptmann von Oranienburg befahl, einen Krug in Verbindung mit einer Bauernwirtschaft zu errichten. So entstand um 1670 der „Sandkrug“, ein Gasthaus, das später sogar in Theodor Fontanes berühmten „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ Erwähnung fand.
Weitere historische Ereignisse prägten den Ort. Der napoleonische Einfall ab 1806 und der anschließende Rückzug der französischen Truppen im Jahr 1813 brachten Glienicke erneut große Beschwernis. Der Kaiser selbst soll sich damals in der Nachbarschaft aufgehalten haben.
Mit zunehmender Einwohnerzahl wuchs auch der Bedarf an kommunalen Einrichtungen. Dies führte im 19. und frühen 20. Jahrhundert zu bedeutenden Entwicklungen: 1847 wurde das erste Schulgebäude errichtet, 1865 folgte eine neue Kirche und 1894 eröffnete eine „Posthülfsstelle“. Das kommunale Leben nahm weiter Gestalt an mit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr im Jahr 1899, der Inbetriebnahme des ersten Fernsprechanschlusses 1904, der Einrichtung einer Gemeindebibliothek 1905 und der Eröffnung einer Sparkassenfiliale 1926. Wichtige Meilensteine im 20. Jahrhundert waren die Einweihung des Rathauses 1932 und die Eröffnung des Filmtheaters „Olympia“ 1939.
Die entscheidende Wende: Die Bedeutung der Nordbahn
Die wohl entscheidendste Prägung für die Entwicklung und auch für den Namen des Ortes erhielt Glienicke durch seine Lage am nördlichen Berliner Stadtrand in Verbindung mit einem infrastrukturellen Großprojekt des 19. Jahrhunderts: der Eröffnung der Eisenbahnlinie Berlin-Oranienburg-Neubrandenburg im Jahre 1877. Diese wichtige Verkehrsachse wurde als Nordbahn bekannt.

Durch die neue, direkte Anbindung an die aufstrebende Metropole Berlin wurde das bislang ländliche Glienicke schlagartig attraktiv für Stadtbewohner, die dem Trubel entfliehen und dennoch schnell erreichbar sein wollten. Begünstigt durch diese Verkehrsanbindung, sahen die Glienicker Bauern und die Gutsbesitzer, wie die Familie von Veltheim aus Schönfließ, eine Chance. Sie begannen, große Teile ihres Landbesitzes zu parzellieren und als Bauland zu verkaufen.
Dieser Prozess führte zu einem rapiden Wandel des Ortsbildes und der Sozialstruktur. Der ursprünglich bäuerlich-dörfliche Charakter wich zunehmend dem einer typischen Stadtrandgemeinde. Es entstanden zahlreiche Wohnhäuser und Wochenendgrundstücke, die vor allem von Berlinern erworben wurden. Die direkte Verbindung über die Nordbahn war der Motor für dieses Wachstum und die Transformation des Ortes. Um die Lage und die Ursache für die schnelle Entwicklung und den Zustrom von Berlinern hervorzuheben, bürgerte sich der Zusatz „Nordbahn“ im Namen ein und wurde schließlich offiziell. So erklärt sich, warum der Ort heute Glienicke/Nordbahn heißt – der Name ist ein direktes Zeugnis der Bedeutung der Eisenbahn für seine moderne Entwicklung.
Glienicke/Nordbahn in Zeiten des Wandels
Wie ganz Deutschland erlebte auch Glienicke die Höhen und Tiefen des 20. Jahrhunderts. Die Kaiserzeit, der Erste Weltkrieg, die Inflation der Weimarer Republik, die Weltwirtschaftskrise und die dunkle Zeit des Nationalsozialismus mit dem Zweiten Weltkrieg hinterließen ihre Spuren. Trotz der unmittelbaren Nähe zu Berlin blieb Glienicke während des Zweiten Weltkrieges vergleichsweise glimpflich von Luftangriffen verschont, wenngleich zwölf Menschen ihr Leben verloren. Das Kriegsende kam für Glienicke in der Nacht vom 21. auf den 22. April 1945, als die Rote Armee kampflos einmarschierte.
Eine besonders prägende und bedrückende Zeit begann mit der Teilung Deutschlands und Berlins. Die direkte Grenzlage zu Berlin (West) beeinflusste das Ortsbild und das Geschehen stark. Grenzsperrmaßnahmen ab 1952 und insbesondere der Bau der Berliner Mauer ab 1961 schnitten den Ort brutal von seinem Nachbarn ab und veränderten das Leben der Einwohner fundamental. Während der DDR-Zeit entstanden einige größere kommunale Bauten, darunter 1968 ein Wohnblock an der Hauptstraße, 1969 das inzwischen abgerissene Kulturhaus, 1975 das ebenfalls abgerissene Einkaufszentrum (Kaufhalle) und 1979 ein weiteres Schulgebäude.
Entwicklung nach der Wiedervereinigung
Mit dem Fall der Mauer 1989 und der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 begann für Glienicke/Nordbahn eine neue Ära des Wandels und des Wachstums. Die vollständige Wiederherstellung der durch den Mauerbau unterbrochenen Straßenanschlüsse nach Berlin war ein erster wichtiger Schritt. Es folgten entscheidende infrastrukturelle Verbesserungen: der Bau einer zentralen Abwasserkanalisation, die Verlegung des Erdgasnetzes, die Erneuerung des Elektrokabelnetzes, der Aufbau eines flächendeckenden Telefonnetzes sowie die umfassende Erneuerung der Straßen inklusive Beleuchtung. Diese Maßnahmen modernisierten den Ort grundlegend.
Besonders prägend für die jüngere Entwicklung war die Entstehung neuer Wohngebiete und Einkaufsmöglichkeiten, wie der „Sonnengarten“ und die „Glienicker Spitze“. Diese Entwicklungen machten Glienicke/Nordbahn erneut zu einem attraktiven Wohnort. Die Einwohnerzahl stieg kontinuierlich und beeindruckend an, von etwa 4.500 im Jahr 1990 auf heute über 12.000. Dieser quantitative und qualitative Sprung ist ein herausragendes Merkmal der jüngsten Geschichte des Ortes. Im Jahr 2012 feierte die Gemeinde Glienicke/Nordbahn ihr 600-jähriges Bestehen mit vielfältigen Veranstaltungen.

Glienicke/Nordbahn heute: Leben und Lage
Heute ist Glienicke/Nordbahn eine blühende Gemeinde im Land Brandenburg, gelegen im Landkreis Oberhavel. Der Ort zählt inzwischen mehr als 12.200 Einwohner und erstreckt sich über eine Fläche von 4,6 Quadratkilometern.
Was macht Glienicke/Nordbahn so attraktiv? Es ist die einzigartige Kombination aus der unmittelbaren Nähe zur Weltstadt Berlin und der landschaftlichen Idylle Brandenburgs. Die Süd-Westflanke der Gemeinde grenzt direkt an den nördlichen Berliner Stadtrand. Das Zentrum Berlins ist dank guter Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln in nur etwa 30 Minuten erreichbar. Dies macht den Ort besonders attraktiv für Pendler und alle, die das kulturelle Angebot und die Arbeitsmöglichkeiten der Hauptstadt nutzen möchten, aber lieber im Grünen wohnen.
Der Ort selbst besticht durch seinen grünen Charakter. Zahlreiche Alleen mit jahrzehntealtem Baumbestand prägen das Bild. Umgeben von liebevoll gestalteten Gärten finden sich hier Ein- und Zweifamilienhäuser, Stadtvillen und Gründerzeithäuser. Das Wohngebiet „Sonnengarten“ hat in den letzten Jahren das Angebot mit weit mehr als eintausend neuen Wohneinheiten erweitert.
Die Gemeinde schätzen ihre Bürger auch wegen ihres ausgeprägten Erholungswertes. Die Nähe zu weitläufigen Naturschutzgebieten, wie dem Kindelwald, lädt zu erholsamen Wanderungen und Naturbeobachtungen ein. Neben der Natur bietet Glienicke/Nordbahn ein breites Spektrum an Freizeitmöglichkeiten für Jung und Alt, darunter zahlreiche sportliche und kulturelle Angebote. Die kurzen Wege innerhalb des Ortes sind ein weiterer Pluspunkt, besonders für Familien. Verwaltung, öffentliche und private Kindertagesstätten, die Grundschule und das Gymnasium sind schnell erreichbar.
Auch die Versorgung im täglichen Leben lässt keine Wünsche offen. Zwei Einkaufszentren bieten eine breite Angebotspalette, ergänzt durch zahlreiche Einzelhandelsgeschäfte mit persönlicher Atmosphäre. Für Sportbegeisterte gibt es eine moderne Dreifeldhalle, eine Schieß- und Kegelbahn, Außensportanlagen sowie mehrere Spiel- und Bolzplätze. Das Dienstleistungsangebot wird durch Allgemein- und Fachärzte, Fitnessstudios, Banken, Hotels und Restaurants komplettiert.
Glienicke/Nordbahn verkörpert somit erfolgreich die Verbindung von ländlicher Wohnqualität und städtischer Erreichbarkeit, eingebettet in eine reiche Geschichte, die bis in die Urzeit zurückreicht und deren Name untrennbar mit der Nordbahn verbunden ist.

Häufig gestellte Fragen zu Glienicke/Nordbahn
Warum heißt Glienicke Glienicke/Nordbahn?
Der Zusatz „Nordbahn“ bezieht sich auf die Eisenbahnlinie Berlin-Oranienburg-Neubrandenburg, die 1877 eröffnet wurde. Diese Bahnlinie, die als Nordbahn bekannt war, führte zu einer rapiden Entwicklung des Ortes, da sie Glienicke direkt mit Berlin verband. Dies machte Glienicke attraktiv für Berliner, die hier Wohnhäuser und Wochenendgrundstücke bauten. Der Name „Nordbahn“ wurde hinzugefügt, um die Lage an dieser wichtigen Bahnstrecke und die dadurch bedingte Entwicklung zu kennzeichnen.
In welchem Bundesland liegt Glienicke/Nordbahn?
Glienicke/Nordbahn ist eine Gemeinde im Land Brandenburg. Sie liegt am grünen Nordrand Berlins und gehört zum Landkreis Oberhavel.
Wie viele Einwohner hat Glienicke/Nordbahn?
Nach den neuesten verfügbaren Informationen hat die Gemeinde Glienicke/Nordbahn mehr als 12.200 Einwohner. Die Einwohnerzahl ist nach der Wiedervereinigung Deutschlands stark angestiegen.
Welche archäologischen Funde gibt es in Glienicke?
In Glienicke und Umgebung wurden archäologische Funde gemacht, die eine Besiedelung vor Jahrtausenden belegen. Dazu gehören Stein- und Bronzewerkzeuge, Gefäßscherben, Urnen und Feuerstellen. Diese Funde sind im Märkischen Museum Berlin und im Kreismuseum Oranienburg ausgestellt.
Wann wurde Glienicke erstmals urkundlich erwähnt?
Glienicke wurde erstmals im Jahr 1412 unter dem Namen Glyneck in brandenburgischen Lehnsregistraturen urkundlich erwähnt.
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