02/07/2017
Inmitten der Stadt Magdeburg steht ein Bauwerk, das sich von der geradlinigen Architektur der Umgebung deutlich abhebt. Die Rede ist von der GRÜNEN ZITADELLE VON MAGDEBURG, einem farbenfrohen und unkonventionellen Gebäude, das nach den Plänen des weltbekannten österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser realisiert wurde. Dieses Haus ist nicht nur ein architektonisches Statement, sondern verkörpert eine tiefere Philosophie über das Wohnen, den Menschen und seine Verbindung zur Natur.

Die Idee für dieses außergewöhnliche Projekt in Magdeburg entstand aus einer bemerkenswerten Initiative. Die Wohnungsbaugenossenschaft "Stadt Magdeburg von 1954" eG. hegte 1998 den Wunsch, einen bestehenden Plattenbau an dieser Stelle nach den Vorstellungen Hundertwassers umgestalten zu lassen. Was ursprünglich als Umbau geplant war, entwickelte sich jedoch zu einem umfassenden Neubaukonzept. Die Realisierung dieses ambitionierten Vorhabens übernahm im Jahr 2002 die GERO-AG.
- Wann wurde die Grüne Zitadelle gebaut?
- Friedensreich Hundertwassers Philosophie: Die 3. Haut des Menschen
- Ein begreifbares Paradies: Die Architektur der Grünen Zitadelle
- Wem gehört das Hundertwasserhaus in Magdeburg?
- Häufig gestellte Fragen zur Grünen Zitadelle Magdeburg
- Wann wurde das Hundertwasserhaus in Magdeburg gebaut?
- Wer hat das Hundertwasserhaus in Magdeburg entworfen?
- Was war Friedensreich Hundertwassers Philosophie hinter dem Gebäude?
- Was befindet sich in der Grünen Zitadelle Magdeburg?
- Wem gehört die Grüne Zitadelle heute?
- Ist die Grüne Zitadelle das letzte Bauwerk von Hundertwasser?
Wann wurde die Grüne Zitadelle gebaut?
Die Bauzeit der Grünen Zitadelle war vergleichsweise kurz, aber intensiv. Nach nur zwei Jahren Bauzeit, beginnend mit dem ersten Spatenstich im Dezember 2003, wurde das Gebäude fertiggestellt. Seit dem 3. Oktober 2005 prägt die GRÜNE ZITADELLE VON MAGDEBURG unübersehbar das Stadtbild am Breiten Weg. Es ist bemerkenswert, dass dieses Bauwerk erst nach dem Tod von Friedensreich Hundertwasser vollendet wurde. Der Künstler, geboren am 15. Dezember 1928 in Wien, verstarb am 19. Februar 2000. Er arbeitete jedoch noch bis kurz vor seinem Tod intensiv an den Plänen für die Grüne Zitadelle. Da alle Planungen abgeschlossen, das Baumodell gefertigt und zahlreiche Detailzeichnungen vorhanden waren, konnte das Architekturprojekt auch ohne die physische Anwesenheit des Künstlers postum realisiert werden. Somit stellt die GRÜNE ZITADELLE VON MAGDEBURG das letzte fertig konzipierte und realisierte Bauwerk des visionären Österreichers dar.
Friedensreich Hundertwassers Philosophie: Die 3. Haut des Menschen
Um die Grüne Zitadelle wirklich zu verstehen, muss man sich mit der Philosophie ihres Schöpfers auseinandersetzen. Friedensreich Hundertwasser widmete sich neben der Malerei schon seit den 1950er Jahren verstärkt der Architektur. Für ihn gab es einen untrennbaren Zusammenhang zwischen der Form der Architektur und dem Wohlbefinden der Menschen, die darin lebten. Er sah die Architektur als die 3. Haut des Menschen. Die erste Haut ist unsere natürliche Haut, die zweite ist die Kleidung, und die dritte Haut ist unser Zuhause, das uns umgibt. Hundertwasser war fest davon überzeugt, dass jeder Mensch das Recht haben sollte, diese dritte Haut, sein Zuhause, nach seinen individuellen Wünschen auszuwählen und zu gestalten, genauso wie er seine Kleidung oder seine erste Haut pflegt.
Mit seinen Architekturprojekten verfolgte Hundertwasser das Ziel, individuelle Wohnräume für den Menschen zu schaffen, die in Harmonie mit der Natur stehen. Zwei seiner zentralen Konzepte, die dies untermauern, sind das "Fensterrecht" und die "Baumpflicht". Das Fensterrecht besagt, dass jeder Bewohner das Recht haben sollte, den Bereich um sein Fenster herum nach seinem Geschmack zu gestalten, sogar über die Fassade hinaus, um seine Individualität auszudrücken. Die Baumpflicht wiederum forderte die Integration von Bäumen und Pflanzen in die Architektur, auf Dächern und Balkonen, um die Natur in die Stadt zurückzubringen und eine Symbiose zwischen gebautem Raum und natürlicher Umwelt zu schaffen. Hundertwasser betrachtete es als die hohe Aufgabe der Architektur, den Menschen in ein verloren geglaubtes Paradies zurückzuführen – ein Paradies, in dem Mensch und Natur im Einklang leben.
Ein begreifbares Paradies: Die Architektur der Grünen Zitadelle
In der GRÜNEN ZITADELLE VON MAGDEBURG sind all diese architektonischen Anliegen Hundertwassers auf beeindruckende Weise miteinander verschmolzen. Hundertwasser selbst soll dieses Gebäude als seinen "…schönsten und besten Bau..." bezeichnet haben. Die Gestaltung ist geprägt von organischen Formen, leuchtenden Farben und einer Abkehr von der Geradlinigkeit. Überall finden sich Elemente, die die Verbundenheit zur Natur und die Freude am Unkonventionellen zeigen.
- Leuchtende goldene Kugeln: Auf den Türmen des Gebäudes thronen weithin sichtbare goldene Kugeln, die Akzente setzen und dem Bauwerk eine fast märchenhafte Anmutung verleihen.
- Tanzende Fenster: Die Fenster sind nicht uniform angeordnet, sondern scheinen in der Fassade zu tanzen. Sie variieren in Form und Größe, was die Individualität der dahinter liegenden Wohnungen und Räume widerspiegelt – ganz im Sinne des Fensterrechts.
- Baummieter: Überall im Gebäude, auf Balkonen und in Nischen, sind Bäume und Pflanzen integriert. Diese "Baummieter" wachsen aus den Fenstern und von den Dächern und bringen Grün in die städtische Umgebung, erfüllen die Baumpflicht und tragen zur Bezeichnung "Grüne Zitadelle" bei.
- Blumenwiesen auf Dächern und Rampen: Die Dächer und sogar einige Rampen sind begrünt und mit Blumenwiesen bepflanzt. Dies schafft nicht nur zusätzlichen Lebensraum für Pflanzen und Insekten, sondern dient auch der Wärmedämmung und dem Wassermanagement.
- Wellenförmige Böden: Im Inneren des Gebäudes und in den Innenhöfen sind die Böden oft nicht eben, sondern leicht wellenförmig gestaltet. Hundertwasser nannte dies "Melodien für die Füße". Diese sanften Unebenheiten sollen die Besucher beschwingt durch die Räume führen und das Gefühl vermitteln, nicht auf starrem, kaltem Boden zu gehen, sondern auf lebendigem Untergrund.
Im Gebäudeinneren setzt sich die Vielfalt fort. Die Grüne Zitadelle beherbergt 55 unterschiedliche Wohnungen. Menschen, die auf der Suche nach einem individuellen Zuhause sind, haben hier die Möglichkeit, ihre ganz persönliche 3. Haut zu finden. Doch die Grüne Zitadelle ist weit mehr als nur ein Wohnhaus. Als Wohn- und Geschäftshaus bietet sie eine Mischung aus individuellen Lebensräumen und vielfältigen Erlebnisräumen. Attraktive Ladenlokale laden zum Einkaufen ein, es gibt Eventräume für Veranstaltungen, ein Hotel für Gäste der Stadt, Büros, Arztpraxen und sogar einen Kindergarten. Diese Nutzungsvielfalt macht das Gebäude zu einem lebendigen Zentrum.
Hundertwassers Bauwerk in Magdeburg ist somit ein Ort, der für jeden zugänglich und begreifbar ist – ein Paradies, in dem man nicht nur wohnen, arbeiten, einkaufen, staunen und genießen kann, sondern auch feiern, tagen und übernachten. Es verkörpert die Vision eines harmonischen Miteinanders von Mensch, Architektur und Natur.
Wem gehört das Hundertwasserhaus in Magdeburg?
Die Eigentumsverhältnisse eines so einzigartigen Bauwerks sind natürlich von Interesse. Ursprünglich wurde das Hundertwasserhaus im Jahr 2005 für 27 Millionen Euro gebaut und eröffnet. Es befand sich zunächst im Besitz der Kirche. Genauer gesagt gehörte das Gebäude dem Bistum Magdeburg, das es über seine Firma Centum Aqua Immobilien GmbH verwaltete.
Zum 1. Januar 2014 wechselte jedoch der Eigentümer. Das Bistum Magdeburg verkaufte das kunterbunte Wohn- und Geschäftshaus an die Gestiun-Gruppe in Halle. Dieses Unternehmen ist auf den Kauf und die Verwaltung von Wohn- und Gewerbeimmobilien spezialisiert und agiert im Auftrag langfristig orientierter Anleger der Züricher Vermögensverwaltung Actieninvest AG. Über den genauen Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, wie einer der Geschäftsführer der Gestiun-Gruppe, Andreas Hillig, mitteilte. Die Gestiun-Gruppe ist seit 2004 im Osten Deutschlands aktiv und engagiert sich mit dem Erwerb der Grünen Zitadelle erstmals in Magdeburg. Das Unternehmen verfolgt nach eigenen Angaben einen langfristigen Ansatz bei der Weiterentwicklung des Objekts. Die damalige Centum-Aqua-Geschäftsführerin Anja Schulze äußerte sich zufrieden über den Verkauf an einen Eigentümer, für den Nachhaltigkeit und Stabilität im Vordergrund stehen.

Häufig gestellte Fragen zur Grünen Zitadelle Magdeburg
Hier finden Sie Antworten auf einige der häufigsten Fragen rund um das Hundertwasserhaus in Magdeburg.
Wann wurde das Hundertwasserhaus in Magdeburg gebaut?
Der Bau begann im Dezember 2003, und das Gebäude wurde nach nur zwei Jahren Bauzeit am 3. Oktober 2005 eröffnet.
Wer hat das Hundertwasserhaus in Magdeburg entworfen?
Das Haus wurde nach den Plänen des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser entworfen. Er arbeitete bis kurz vor seinem Tod im Jahr 2000 an den Plänen.
Was war Friedensreich Hundertwassers Philosophie hinter dem Gebäude?
Hundertwasser sah Architektur als die 3. Haut des Menschen und strebte nach einer Harmonie zwischen Mensch, Wohnraum und Natur. Zentrale Konzepte waren das "Fensterrecht" (Recht zur individuellen Gestaltung um das Fenster) und die "Baumpflicht" (Integration von Pflanzen ins Gebäude).
Was befindet sich in der Grünen Zitadelle Magdeburg?
Die Grüne Zitadelle ist ein Wohn- und Geschäftshaus. Sie beherbergt 55 individuelle Wohnungen, Ladenlokale, Eventräume, ein Hotel, Büros, Arztpraxen und einen Kindergarten.
Wem gehört die Grüne Zitadelle heute?
Seit dem 1. Januar 2014 gehört das Gebäude Geldanlegern aus der Schweiz und Deutschland, die durch die Gestiun-Gruppe aus Halle vertreten werden. Zuvor war das Bistum Magdeburg der Eigentümer.
Ist die Grüne Zitadelle das letzte Bauwerk von Hundertwasser?
Ja, da Hundertwasser die Planungen kurz vor seinem Tod abschloss und das Projekt postum realisiert wurde, ist die Grüne Zitadelle das letzte fertig konzipierte und realisierte Bauwerk von Friedensreich Hundertwasser.
Die Grüne Zitadelle in Magdeburg ist mehr als nur ein Gebäude; sie ist ein lebendiges Kunstwerk und ein Manifest für eine andere Art zu wohnen und zu leben. Sie lädt dazu ein, die starren Konventionen der Architektur zu hinterfragen und die Verbindung zur Natur neu zu entdecken.
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