Gehört Zündorf zu Porz?

Köln-Poll: Mehr als nur ein Stadtteil am Rhein

25/02/2015

Rating: 4.26 (3938 votes)

Köln-Poll ist ein rechtsrheinischer Stadtteil im Südosten der Kölner Innenstadt, der seit 1888 zu Köln gehört. Geografisch liegt er am Rhein und grenzt im Norden an Deutz, im Süden an Westhoven, im Osten an Humboldt/Gremberg und im Westen bildet der Rhein die Grenze zu den linksrheinischen Stadtteilen Bayenthal und Marienburg. Seine Lage am Fluss hat die Geschichte und Entwicklung Polls über Jahrhunderte hinweg maßgeblich geprägt.

Was hat Köln Poll für eine Postleitzahl?
Der auf Westhovener Gebiet liegende Teil des Weidenwegs bis einschließlich des Campingplatzes Wiesenhaus gehört mit der PLZ 51105 postalisch zu Poll.

Geografische Lage und Geschichte

Die erste historisch nachweisbare Besiedlung der Gegend um Poll und Rolshoven wird in der Jungsteinzeit um 4000 bis 2000 vor Christus vermutet, basierend auf archäologischen Funden. Der älteste Fund unmittelbar in Poll selbst stammt aus der Bronzezeit (2000–1000 v. Chr.). In römischer Zeit wurde das rechte Rheinufer von den Römern als Sicherheitszone betrachtet, und nach der Gründung des Kastells Deutz um 310 begann wahrscheinlich auch im Bereich von Poll wieder eine Besiedlung. Die Franken stürmten 454 Köln und siedelten ebenfalls in Poll, wovon fränkische Gräber zeugen.

Der Name „Poll“ wurde erstmals am 1. April 1003 in einer Schenkungsurkunde des Kölner Erzbischofs Heribert in der Form „Polla“ urkundlich erwähnt. Die Herleitung des Namens ist nicht eindeutig geklärt. Eine Theorie besagt, dass er von holländisch „Poel“ für Polder (eingedeichtes Land) oder von „Pöhl“ (Wassertümpel, Pfuhl) stammen könnte, was durch die am Rhein und östlich von Poll gelegenen wassergefüllten Tümpel gestützt wird. Eine andere Vermutung leitet den Namen von „Boll“ (Hügel) ab, da bei Hochwasserkatastrophen der Hügel „Auf dem Sandberg“ aus den Fluten ragte.

Poll war aufgrund seiner Lage am Rhein von großer Bedeutung für Köln. Über Jahrhunderte bestand die Gefahr eines Rheindurchbruchs, der das Flussbett nach Osten verlagern könnte. Ab etwa 1200 wurden systematisch Dämme angelegt, die jedoch immer wieder durch Hochwasser zerstört wurden. Ab 1400 wurden sie erheblich verstärkt, da die Stadt Köln das Recht zur Pflege erhielt. Als erneut die Gefahr eines Durchbruchs drohte, nahm die Stadt das Ufergelände in Erbpacht und baute die sogenannten „Poller Köpfe“ im Jahr 1479 nach einer großen Überschwemmung aus. Ohne die Poller Köpfe hätte Köln möglicherweise seine Bedeutung als wichtige Hafenstadt am Rhein verloren. Dies erklärt auch externe Interessen, den Rhein umzuleiten, wie ein Versuch von 1479 zeigt.

Poll wurde zusammen mit Deutz im Jahr 1888 nach Köln eingemeindet. Seit der kommunalen Neugliederung im Jahr 1975 bildet Poll den einzigen Stadtteil aus dem ehemaligen Kölner Stadtgebiet, der seitdem vom Stadtbezirk Porz verwaltet wird.

Wirtschaftliche Aktivitäten und Verkehrsanbindung

Traditionell war Poll ein Bauern- und Fischerdorf. Auf den Wiesen am Rhein, den Poller Wiesen, wurde Viehhaltung betrieben, während der südliche Teil unter den Einwohnern aufgeteilt war. Auf den Poller Wiesen im heutigen Deutz wurde Holz (Weiden und Pappeln) genutzt. Die Poller Milchmädchen lieferten bis 1880 ihre Produkte, oft mit Nachen über den Rhein oder später mit Karren und Fuhrwerken, die von Eseln, Mauleseln, Pferden und zeitweise auch Hunden gezogen wurden, in die Stadt. Ähnlich wurden Fische nach Köln transportiert und verkauft. Die Fischer waren in „Gezauen“ organisiert, Gruppen von je 8 Mann, die sich beim Fang abwechselten. Bis 1900 gab es bis zu 10 Gezaue, danach nur noch wenige. Die Poller waren über Jahrhunderte hinweg Lieferanten für landwirtschaftliche Produkte, insbesondere Milch und Fisch. Besonders bekannt war der Poller Maifisch, eine Heringsart. Auch Salm wurde gefangen. Die berufsmäßige Fischerei wurde 1938 eingestellt.

Heute ist Poll über drei Autobahnanschlüsse an die Bundesautobahn 4 bzw. Bundesautobahn 559 angebunden. Die Stadtbahnlinie 7 der KVB bedient vier Haltestellen in Poll (Baumschulenweg, Poll Salmstraße, Raiffeisenstraße, Poller Kirchweg). Zudem verkehrt die Buslinie 159. Das Gewerbegebiet „Am Grauen Stein“ wird durch die Linie 196 erschlossen. Zum Deutzer Hafen besteht eine Eisenbahnverbindung. Haupterschließungsstraßen sind die Siegburger Straße und die Rolshover Straße / Auf dem Sandberg. Die Siegburger Straße ist auch wichtig für den Verkehr nach Porz. Zukünftig soll Poll einen S-Bahnhof erhalten. Es gibt Diskussionen über Busverbindungen über die Autobahn und eine Schifffahrtslinie Porz-Köln.

Historische Rheinquerungen umfassten eine Fliegende Brücke und mehrere Fähren. Die Südbrücke wurde 1906–1910 und die Rodenkirchener Autobahnbrücke 1938–1941 gebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es kurzzeitig eine Pontonbrücke der amerikanischen Armee. Planungen für eine weitere Straßenbrücke von Bayenthal nach Poll tauchten immer wieder auf.

Im Osten von Poll entstand ein großes Gewerbegebiet. Hier siedelte sich 1919 eine Waggonfabrik an, deren Hallen 1926 von Citroën übernommen wurden. Citroën begann hier mit der Automontage, musste aber den Betrieb im Nationalsozialismus einstellen. Heute befinden sich im Gewerbegebiet unter anderem das Großhandelsunternehmen Handelshof, ein großes Auslieferungslager der Volkswagen AG sowie die Hauptverwaltung des TÜV Rheinland. Auf dem Gelände einer ehemaligen Kiesgrube entstand der Verkehrsübungsplatz Köln. 1992 wurde der Fernmeldeturm Pollonius errichtet.

Wohnen und Stadtbild

Städtebaulich präsentiert sich Poll heute als ein Konglomerat unterschiedlicher Siedlungen. Nach 1923/24 entstanden Einfamilienhäuser und Mehrfamilienhäuser. In den 1930er-Jahren folgte die Siedlung Baumgarten/Im Forst. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es rege Bautätigkeit, darunter die Milchmädchensiedlung, deren Straßennamen an die historische Milchwirtschaft erinnern. Weitere Siedlungen entstanden in den Folgejahren. Seit 2007 gibt es eine kleine Einfamilienhaus-Siedlung mit autofreier Zone.

In Poll gibt es verschiedene Wohnformen, darunter ein Katholisches Jugendwohnheim (ehemals Wohnheim der Hitlerjugend), auf dessen Gelände sich ein ehemaliger Luftschutz-Tiefbunker befindet. Zudem wurde 2008 ein Johanniter-Stift für betreutes Wohnen errichtet.

Bildung, Soziales und Behörden

Poll verfügt über sechs Kindertagesstätten und zwei Grundschulen (GGS Poller Hauptstr. und Janusz-Korczak-Schule) sowie eine Förderschule. Wichtige soziale Einrichtungen sind das Bürgerzentrum Ahl Poller Schull (in der ehemaligen Poller Schule), ein Familienzentrum, das Jugendwohnheim, eine Werkstatt für behinderte Menschen und das Johanniter-Seniorenzentrum.

Bis 2000 befand sich in Poll das Rheinische Autobahnamt Köln, das später Teil von Straßen.NRW wurde und nach Deutz umzog. Seit 2007 ist die städtische Kfz-Zulassungsstelle in Poll ansässig. Außerdem gibt es eine Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Ortszentrum und Gemeinschaftsleben

Das heutige Zentrum Polls bildet der Marktplatz an der Siegburger Straße nahe der Stadtbahnhaltestelle „Salmstraße“. Der um 1991 neugestaltete Marktplatz ist Schauplatz verschiedener Veranstaltungen, darunter das über Köln hinaus bekannte Poller Maifest am 1. Mai und ein Lichterfest. An der Siegburger Straße sind zahlreiche Geschäfte angesiedelt.

Bis ins 19. Jahrhundert lag der Dorfmittelpunkt an der Kreuzung Müllergasse/Poller Hauptstraße, wo sich das Dorfkreuz und ein Brunnen befanden. Das Dorfkreuz, erstmals 1386 erwähnt, wurde mehrfach verlegt und restauriert. Es diente auch als Versammlungsort. Nahebei befanden sich die erste Schule und die wahrscheinlich älteste Gastwirtschaft Polls.

In der ehemaligen Poller Schule an der Poller Hauptstraße, einem Gebäude mit reich verzierter Backsteinfassade, befindet sich heute das Bürgerzentrum Ahl Poller Schull. Hier ist unter anderem der Arbeitskreis an Kölner Schulen für Jugend Freizeit und Bildung e. V. mit einer Offenen Ganztagsschule untergebracht.

Poll zeichnet sich durch ein vielseitiges Vereinswesen aus. Das älteste durchgehend existierende ist die 1845 gegründete St. Maternus-Sterbekasse. Die älteste Gruppierung ist das Poller Maigeloog, ein Mai- und Heimatverein, der 1656 erwähnt wurde und die Maifesttradition pflegt, einschließlich des „Poller Maispiels“ und der Teilnahme am Maifisch-Wiederansiedlungsprogramm. Der größte Verein ist der Turn-Club Köln-Poll 1904 e. V. mit über 700 Mitgliedern, bekannt unter anderem für Rhönrad und Skater. Der zweitgrößte Verein ist der Fußballverein VFL Rheingold Poll. Weitere Vereine umfassen den Ruder- und Tennis-Klub Germania e. V., die Kanu-Sport-Gemeinschaft Köln e. V. und den Verein für Kanusport (VKC). Bundesweit aktiv ist der Rad-Touristik-Club Köln (RTC Köln). Der Runde Tisch für Jugendarbeit fördert die Jugendarbeit und hat Sportanlagen geschaffen.

Kultur und Freizeit

Die Poller Wiesen waren und sind ein beliebtes Ausflugsziel für Kölner, die das idyllische Rheinufer genießen möchten. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es dort zahlreiche Gaststätten mit Außenterrassen.

Ab 1914 wurde die Gaststätte „Zum Jägerhof“ zu einem kleinen Poller Heimatmuseum ausgebaut. Ein engagierter Bürger setzt die Tradition fort mit Ausstellungen, unter anderem im Cologne Sportspark, die Themen wie Poll, Fischfang und das Maifischprogramm behandeln. Das Museum enthält historische Jagdbilder und geplante Restaurierungen von Glasbildern, die Poller Motive zeigten. Eine Besonderheit ist das Triptychon von Ludwig Egidius Ronig mit Szenen vom Poller Fischfang.

Das Poller Maispiel ist eine besondere Tradition, die aus mittelalterlichen Maifesten entstand und durch den Maifischfang geprägt wurde. Es umfasst unter anderem ein Demonstrationsfischen im Rhein, das Maibaumschlagen, den Maiumzug, das Fischerfest und das Maifest auf dem Marktplatz. Das „Fischerspiel“ erinnert als europäisch einzigartige Tradition an den Maifischfang. Poll war auch der erste Ort in Deutschland, in dem Maifisch aus Spanien und Portugal zur Verkostung präsentiert wurde.

Im Bereich Kultur gab es Laientheatergruppen wie die „Pollypen“ und zeitweise eine Schauspielschule und das Theater „Spielbrett“.

Poll am Rhein

Poll liegt im Bauabschnitt 16 des Kölner Hochwasserschutzkonzeptes. Eine Hochwasserschutzmauer schützt den Stadtteil bis zu einer Wasserstandshöhe von 11,90 m am Kölner Pegel. Unterhalb des Rheindamms gibt es Freizeiteinrichtungen. Auf dem Damm ist eine Rettungs- und Schulungsstation der DLRG beheimatet. Der Weidenweg führt zum städtischen Campingplatz und zum Wiesenhaus, einer Gaststätte mit Campingplatz. Die Traditionsgaststätte Poller Fischerhaus, einst ein beliebtes Ausflugsziel, erinnert an glanzvolle Zeiten, steht aber bei starkem Hochwasser unter Wasser. Am Rhein liegt auch der alte Schützenplatz.

Die Vordeichflächen rheinabwärts sind vorwiegend dem Sport und der Freizeit vorbehalten. Die Stadt Köln unterhält die Bezirkssportanlage Poll mit Rasenplätzen und einer Aschenbahn. Am Rhein befinden sich auch die Bootshäuser und Tennisanlagen des Ruder- und Tennis-Klubs Germania, des VKC Tennis-Club und die Vereinshäuser der Kanu-Sport-Gemeinschaft Köln sowie der Kanuabteilung des Eisenbahnersportverein Olympia.

Häufig gestellte Fragen

Wann wurde Poll nach Köln eingemeindet?
Poll wurde zusammen mit Deutz im Jahr 1888 nach Köln eingemeindet.

Wann wurde Poll erstmals urkundlich erwähnt?
Poll wurde erstmals am 1. April 1003 in einer Schenkungsurkunde erwähnt.

Warum waren die Poller Köpfe wichtig für Köln?
Die Poller Köpfe waren Dämme, die den Rhein in seinem Bett halten sollten und Köln vor einem möglichen Durchbruch schützten, der die Stadt als Hafenstadt hätte beeinträchtigen können.

Welche traditionelle Fischart war in Poll besonders bekannt?
Besonders bekannt war der Poller Maifisch.

Gibt es in Poll ein Heimatmuseum?
Ja, es gibt eine Dauerausstellung im Cologne Sportspark, die die Tradition des Poller Heimatmuseums fortsetzt.

Welche große Veranstaltung findet jährlich auf dem Poller Marktplatz statt?
Das über Köln hinaus bekannte Poller Maifest findet jedes Jahr am 1. Mai statt.

Welche Behörde ist unter anderem in Poll ansässig?
Die städtische Kfz-Zulassungsstelle ist seit 2007 in Poll ansässig, ebenso eine Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge.

Was befindet sich heute im Gebäude der ehemaligen Poller Schule?
Im Gebäude der ehemaligen Poller Schule befindet sich heute das Bürgerzentrum Ahl Poller Schull.

Wie ist Poll an das Autobahnnetz angebunden?
Poll ist über drei Anschlüsse an die Bundesautobahnen A4 und A559 angebunden.

Wenn du mehr spannende Artikel wie „Köln-Poll: Mehr als nur ein Stadtteil am Rhein“ entdecken möchtest, schau doch mal in der Kategorie Bürobedarf vorbei!

Go up